Deutschland-Anleihen: robuste Wirtschaftsperspektiven versus mickrige Renditen


13.09.12 16:10
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Die Analysten von Anleihencheck Research halten Bundesanleihen unter Renditeaspekten nach wie vor für uninteressant.

Die Notenbanken hätten wie erwartet die Märkte mit weiter frischem Geld geflutet. Nachdem nun das Bundesverfassungsgericht grundsätzlich "Ja" zum ESM gesagt habe, sei der Weg für unbegrenzte Anleihekäufe der EZB geebnet worden. Damit sollte die Liquidität der angeschlagenen Euro-Länder vorerst gesichert sein. Doch es sei ein Spiel auf Zeit: Gelinge es den hoch verschuldeten Euro-Staaten sich aus dem Schulden-Sumpf zu ziehen, könnte auch diese Krise überwunden werden. Unterstützung erhalte Europa u.a. aus den USA und China, nicht zuletzt aus Eigeninteresse. Doch was passiere, wenn die Politiker mit ihren Rettungsversuchen scheitern würden? Daran wollten viele Marktteilnehmer wohl gar nicht denken: Die global-wirtschaftlichen Folgen dürften verheerend sein und es könnte zu einer langjährigen Rezessions-Phase kommen.

Vor dem Hintergrund der unsicheren Zeiten sei es nicht überraschend, dass Anleger nach sehr sicheren Anlagen suchen würden, auch wenn deren Renditen nicht üppig oder sogar unter Berücksichtigung der Inflationsrate negativ ausfallen würden.

Hier gelte Deutschland weltweit bei Investoren als ein beliebter Safe-haven. Zum Beispiel werde die Anleihe (ISIN DE0001137370 / WKN 113737) recht rege gehandelt, obwohl diese lediglich eine jährliche Rendite von aktuell 0,035% abwerfe. Zwischenzeitlich sei die Rendite dieses Papiers sogar negativ gewesen und Investoren hätten es trotzdem gekauft.

Langlaufende Bunds mit einer Laufzeit von 30 Jahren würden weiter komfortabel über 2% rentieren. Damit werde die weitere Zukunft der Kapitalmärkte nicht mehr so skeptisch betrachtet wie noch im Frühjahr. Jedoch könne sich dies sehr schnell ändern. Auch die Rede von Ben Bernanke auf der heute stattfindenden Sitzung der US-Notenbank dürfte mit großem Interesse verfolgt werden. Denn zuletzt hätten sich die Anzeichen für ein QE3 der US-Notenbank verdichtet.

Obwohl sich Europa in einer Rezession befinde, könne sich Deutschland relativ gut behaupten. Wie das Statistische Bundesamt jüngst mitgeteilt habe, sei das Bruttoinlandsprodukt nach vorläufigen Berechnungen - preis-, saison- und kalenderbereinigt - um 0,3% gegenüber dem Vorquartal gewachsen, nach Zuwächsen von jeweils 0,5% im ersten Quartal 2012 und im Vorjahresquartal. Positive Impulse seien im Vorquartalsvergleich von den Exporten gekommen. Jedoch sehe es für das zweite Halbjahr nicht so rosig aus, nachdem sich das ifo-Geschäftsklima im August 2012 weiter eingetrübt habe. Ob daher die bisherige BIP-Wachstumsprognose für 2012 von +0,7% eintreffe, sei mit Fragezeichen versehen.

Zumal das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in seiner die Herbstprognose die Wachstumserwartungen für Deutschland nach unten angepasst habe. Für 2012 werde nun nur noch ein Wachstum von 0,8% (nach 0,9%) und für 2013 von 1,1% (nach 1,7%) erwartet.

Getragen von der Binnennachfrage dürfte aber Deutschlands Konjunktur im kommenden Jahr wieder an Fahrt gewinnen, sofern die Europäische Schuldenkrise nicht massiv eskaliere und die Beschäftigung dürfte sich im gesamten Zeitraum weiter erhöhen. Möglicherweise müsse das IfW dann seine Schätzung nach oben korrigieren.

Trotz der insgesamt robusten Wirtschaftsperspektiven halten die Analysten von Anleihencheck Research Bundesanleihen unter Renditeaspekten nach wie vor für uninteressant. Mit zum Beispiel Staatsanleihen von Top-gerateten Emittenten wie Norwegen, Australien, Dänemark oder Belgien gebe es durchaus interessantere Alternativen. (Analyse vom 13.09.2012)


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(13.09.2012/alc/a/a)