EZB = Europäische Zentrale Badbank?


16.02.12 15:32
Baader Bank

Unterschleissheim (anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) verkommt immer mehr zur Bad Bank, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Deutlich werde dies an den gesenkten Sicherheitsstandards. Sieben von 17 nationalen Zentralbanken würden künftig bei Refinanzierungsgeschäften Kredite mit geringeren Anforderungen als hinterlegte Sicherheiten wie beispielsweise Bankkredite akzeptieren. Dazu würden die Notenbanken von Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Portugal, Irland und Zypern gehören. Damit solle wohl auch einigen kleineren Banken der Zugang zu Zentralbankliquidität erleichtert werden. Der zweite und mehrere hundert Mrd. Euro schwere Dreijahrestender der EZB stehe für den 28. Februar auf dem Plan.

Die Bundesbank zeige sich - Gott sei Dank - als Fels in der Brandung und wolle den Weg zur Akzeptanz von "Minderqualität" noch nicht frei machen. Durch die breiter als bisher gefasste Akzeptanz von Krediten als hinterlegte Sicherheit könnten in der gesamten Eurozone zu den bisherigen Forderungen von ca. 800 Mrd. Euro noch mehr als 200 Mrd. Euro hinzukommen. Bei diesen Bankkrediten erhöhe sich nach Meinung der Experten die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls von 0,4% auf 1%. Dadurch nehme die Europäische Zentralbank mehr neue Risiken in Kauf, als ihr lieb sein sollte. Nach Angaben von EZB-Chef Mario Draghi habe die EZB aber die Risiken im Griff. Hoffen wir, dass er Recht hat, so die Analysten der Baader Bank.

Griechenland bleibe in aller Munde und werde zur "never ending story". Der Wochenbeginn sei noch verheißungsvoll gewesen, denn in der Nacht zum Montag habe das Parlament in Athen das Sparprogramm verabschiedet. Die Zustimmung sei allerdings nur eine von drei Voraussetzungen, die definitiv erfüllt sein müssten. Da es noch offene Punkte gebe, sei es nicht verwunderlich, dass die Freigabe für das 130 Mrd. Euro umfassende Hilfspaket noch fehle und die Euro-Finanzminister in ihrer gestrigen Telefonkonferenz offen über eine Verschiebung des Hilfspakets diskutiert hätten.

"Wer zahlt, schafft an", dieses Motto gelte nach Erachten der Analysten auch für Griechenland. Man könne den Bürgern in Euroland nicht erklären, dass zwar Geld überwiesen werde, man sich aber nicht in die Verwendung der Mittel einmische. Dadurch wackle das ganze Konstrukt nun wieder bedenklich und könne doch noch in eine Insolvenz münden. Aber nicht jede Insolvenz sei etwas Schlechtes, denn darin liege auch eine Chance. Was wäre also, wenn sich die Griechen und die europäischen Regierungschefs auf ein Insolvenzverfahren Griechenlands einigen würden, wie man sie in den USA vom Chapter 11 kenne? Dieses Insolvenzrecht ziele auf die Sanierung in Eigenverwaltung ab. Dabei stehe das US-Verfahren unter Aufsicht eines Insolvenzgerichts. Ein Insolvenzverwalter werde nur in Ausnahmefällen hinzugezogen. Damit könnten vielleicht der politische Widerstand gebrochen und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Der mehr als 300 Mrd. Euro schwere Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) wolle keine europäischen Staatsanleihen mehr anfassen. Denn wer sich einmal die Finger verbrannt habe, wisse, warum er heiße Sachen meide. Der CIC-Chef Lou Jiwei halte somit europäische Staatsanleihen für ungeeignet, um langfristige Investments zu tätigen. Im gleichen Atemzug verweise er mit einem Seitenhieb auf die Möglichkeiten der Notenbanken. Noch vor Wochenfrist habe der CIC auf eine Gleichbehandlung gegenüber den Notenbanken beharrt und sei bitter enttäuscht worden.

Für diese Verweigerungshaltung sei aber insbesondere die Politik verantwortlich. Die habe zuerst einen Rettungsschirm ausgelobt und alle eingeladen, darunter Platz zu nehmen, um ihn dann im strömenden Regen nicht zu verwenden. Dass der Fonds-Chef mit seiner Entscheidung richtig liege, habe sich bereits einen Tag später gezeigt. Nach den Ratingagenturen Fitch und S&P habe auch Moody’s den Daumen über Italien, Spanien, Slowenien, der Slowakei, Portugal und Malta gesenkt. Bei Spanien sei die Kreditwürdigkeit gleich um zwei Stufen gesenkt worden. Aber auch S&P habe sich nochmals zu Wort gemeldet und nun noch sieben Banken heruntergestuft, um aus ihrer Sicht ein stimmiges Bild zu erhalten. Vorsicht sei die Mutter der Porzellankiste und somit auch für Privatanleger angesagt, denn niemand wisse was, wann und wie die Anleihen der Wackelkandidaten zurückgezahlt würden.

Das würden Anleger bei Investitionen in Bundeswertpapiere auf dem eigenen Konto bemerken. Magerkost sei angesagt bei einer Verzinsung von 0,05% für einjährige Finanzierungsschätze und 0,3% für zweijährige Bundestitel. Unter den "Minizinsen" leide daher auch die Finanzagentur. Einerseits freue man sich über die günstige Refinanzierung, andererseits sei der Absatz im Privatkundengeschäft deutlich zurückgegangen. Noch 2006 habe der Anteil der Privatanleger bei den Bundesanleihen, Bundesschätzen und Bundesobligationen bei 1,6% gelegen. Fünf Jahre später sei der Anteil auf lediglich 1% geschrumpft. Die niedrige Verzinsung verleite immer mehr Anleger, ihr Kapital in Tages- oder Festgeld mit einjähriger Fälligkeit umzuschichten, das je nach Bank bis zu 3% jährlich abwerfen könne.

Um den schwindenden Absatzzahlen entgegenzuwirken, plane die Bundesagentur einen inflationsindizierten Bundesschatzbrief, das so genannte Schatzdepot des Bundes, das auch sparplanfähig sein solle. Ob das den Aderlass aufhalten werde, sei fraglich. Letztlich würden nur höhere Zinsen helfen, um Bundeswertpapiere wieder attraktiver zu machen. Ein Mittelmaß müsse her, denn auch die Versicherungen hätten mit der Zinsentwicklung ihre Probleme. Die Garantieverzinsung sei damit nicht zu erreichen und lasse die in Aktien oft unterinvestierten Versicherer über eine Umschichtung nachdenken. Ob allerdings jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um im großen Stile Aktien zu erwerben, dürfe bezweifelt werden. Somit kämen auch andere Assets auf den Prüfstand, wie z. B. die Bereitstellung von Eigenkapital für mittelständische Unternehmen. Sicher sei also generell lediglich, dass es Rendite nur noch mit Risiko gebe.

Auch in dieser Handelswoche hätten Neuemissionen problemlos platziert werden können. Zwar habe die Emissionstätigkeit etwas nachgelassen, aber dennoch sei die Nachfrage nach neuen Bonds ungebrochen gewesen.

So habe zum Beispiel das Britische Energieunternehmen BP zwei Tranchen zu je 1,25 Mrd. Euro - mit Endfälligkeiten in den Jahren 2016 und 2019 - emittiert. Aufgrund des sehr guten A2/A1 Ratings falle allerdings die feste jährliche Verzinsung mit 2,177% bzw. 2,994% relativ mager aus.

Besonders gut sei auch eine neue Anleihe von Daimler am Markt aufgenommen worden. Mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro und einer für Privatanleger freundlichen Mindeststückelung von 1.000 Euro habe die am 21. Mai 2015 endfällige Anleihe - trotz des Kupons von 1,75% - sogar ein leichtes Kursplus verzeichnen können. Daimler sei mit A3/A1 geratet.

In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt 219,5 Mrd. Euro (Vw.: 219 Mrd. Euro) entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der - im Rahmen des Ankaufprogramms - bis zum 10. Februar abgewickelten Transaktionen. Somit seien im Laufe der Handelswoche lediglich nominal 59 Mio. Euro an Staatsanleihen neu angekauft worden. Insgesamt habe die EZB Gebote von 97 Instituten (Vw.: 97) über 351,861 Mrd. Euro (Vw.: 344,328 Mrd. Euro) erhalten. Der gewogene Durchschnittssatz habe 0,27% (Vw.: 0,27%) betragen.

In dieser Handelswoche seien in den USA den Investoren lediglich Geldmarktpapiere zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 40 Mrd. USD als Vier-Wochen-, 33 Mrd. USD als Drei-Monat- und 31 Mrd. USD als Sechs-Monat-T-Bills gehandelt. In der nächsten Woche stünden zusätzlich wieder Bonds mit Laufzeiten von zwei, fünf und sieben Jahren auf dem Plan. Abgerundet werde dies noch mit einer 30-jährigen inflationsindexierten Anleihe.

In Euroland seien auch in dieser Handelswoche wieder diverse Altemissionen aufgestockt worden. Dabei handle es sich um Anleihen Spaniens (ISIN ES00000123K0/ WKN A1GXLB, 2022), Belgiens (ISIN BE0000308172/ WKN A0GSPZ, 2022; ISIN BE0000304130/ WKN A0BCKS, 2035), Italiens (ISIN IT0004780380/ WKN A1GXZ0, 2014; ISIN IT0004656275/ WKN A1A3MT, 2015; ISIN IT0004164775/ WKN A0G4LJ, 2017), Frankreichs (ISIN FR0116843535/ WKN A1AJC6, 2014; ISIN FR0117836652/ WKN A1ASMY, 2015) und den Niederlanden (ISIN NL0009819671/ WKN A1GSZE, 2017).

Das Hin und Her im Falle Griechenlands lasse den Euro nicht zur Ruhe kommen. Gegenüber den stabilen Währungen verliere der Euro immer mehr an Wert und lediglich gegenüber dem JPY könne er sich nach der Entscheidung der japanischen Notenbank bezüglich einer Aufstockung des Rückkaufprogramms erholen. Habe der Euro noch vor Wochenfrist die 1,33er Marke in Angriff genommen, so sei jetzt die psychologisch wichtige Marke von 1,30 wieder in greifbarer Nähe.

Privatanleger, die auf Diversifikation setzen würden, hätten weiterhin Fremdwährungsanleihen im Blick. Hierbei würden hauptsächlich Anleihen auf NOK (Norwegische Krone), AUD (Australischer Dollar), BRL (Brasilianischer Real) und PLN (Polnischer Zloty) nachgefragt. Investoren, die mit ihren bisherigen Engagements deutliche Währungsgewinne hätten erzielen konnten, seien in der aktuellen Situation allerdings auch bereit, Gewinne zu realisieren.

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