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Euro-Bund-Future präsentiert sich als "Stehauf-Männchen"
01.11.12 11:00
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Der Hurrikan "Sandy" hat in Amerika große Schäden angerichtet und wird auch immer mehr zum wahlentscheidenden Faktor, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Ob die Schäden, die es nun aus wahltaktischen Gründen möglichst schnell und großzügig zu begleichen gelte, ein neues Haushaltsloch reißen würden, bleibe abzuwarten.
Apropos Wahlen. Von der Euphorie der Wahlnacht in Frankreich sei inzwischen nichts mehr zu spüren und auch hier blase einem der Wind ins Gesicht. Die Euro-Krise habe den ersten Mann im französischen Staat wieder auf den Boden der Realität zurück geholt. Die Wirtschaft sei in der Grande Nation eingebrochen. Es werde für 2012 nur noch mit einem Nullwachstum gerechnet, die Arbeitslosigkeit habe den Rekordstand von drei Millionen erreicht und der Internationale Währungsfonds rechne damit, dass Frankreich seine Defizitziele verfehlen werde. Die Stimmung der Unternehmer sei daher auf dem Nullpunkt angekommen.
Hollande habe zwar mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Umfang von 36,9 Mrd. EUR den härtesten Haushaltsentwurf seit drei Jahrzehnten vorgelegt, doch die Chefs von 98 börsennotierten Konzernen hätten nun vom Präsidenten tiefgreifende Reformen zur Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit gefordert. Die Arbeitskosten sollten in den kommenden zwei Jahren um mindestens 30 Mrd. EUR reduziert sowie die Steuern für die Unternehmen gesenkt werden.
Sei Frankreich womöglich nach Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien der nächste Patient? Die Risikoprämien an den Kreditmärkten hätten bereits wie ein Fieberthermometer reagiert. Die Credit Default Swaps seien fast drei Mal so hoch wie die von Deutschland. Noch gelte aber: Der Patient habe zwar Temperatur, aber noch kein Fieber!
Die Augen der Welt würden auf Griechenland schauen. Sie würden dabei jedoch vergessen, dass es auch in anderen Regionen der Welt qualme. In Südamerika scheine ein alter Bekannter der Staatspleite entgegenzusteuern: Argentinien. Nachdem Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner Devisenbeschränkungen eingeführt habe, um die Kapitalflucht zu verhindern und die Importe zu drosseln, würden sich die Argentinier bemühen, ihr Geld, im US-Dollar, in Sicherheit zu bringen.
Allein im vergangenen Jahr habe die Kapitalflucht ein Volumen von 20 Mrd. US-Dollar erreicht. Die Südamerikaner würden allerdings jährlich einen Devisenüberschuss von zehn Mrd. US-Dollar benötigen, damit sie im Ausland kein Geld aufnehmen müssten. Aber da Vorgänger und Ehemann von Fernández de Kirchner, Néstor Kirchner, 2002 die privaten Gläubiger düpiert habe und das Land deswegen immer noch vor Gericht stehe, sei Argentinien vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Dies mache die Situation von Argentinien noch prekärer und die Südamerikaner dürften somit der nächste Kandidat für den Internationalen Währungsfonds sein.
Im dritten Quartal 2012 seien auf Euro lautende Unternehmensanleihen im Volumen von rund 67 Mrd. EUR begeben worden. Das sei nach Angaben der Analysten der BayernLB das viertstärkste Quartal in der Geschichte dieses Marktsegments gewesen. Seit dem Jahresanfang seien damit insgesamt neue Corporate Bonds über 172 Mrd. EUR emittiert worden. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten an den Kapitalmärkten habe der Fokus stark bei den qualitativ hochwertigen (Investment Grade) Emittenten gelegen, deren Anteil dieses Jahr bei 81% und damit deutlich über den beiden Vorjahren liege.
Besonders stark vertreten seien Unternehmen aus dem Versorgungsbereich gewesen. Die meisten neuen Unternehmensanleihen seien aus Frankreich gekommen, gefolgt von deutschen Firmen. Aufgrund der anhaltend guten Nachfrage sollte das Emissionsvolumen 2012 bei insgesamt über 200 Mrd. EUR liegen und somit auch über den meisten bisherigen Schätzungen.
Allerdings habe sich in der gerade abgelaufenen Handelswoche eine Verschnaufpause eingestellt. Die Emissionstätigkeit der Unternehmen sei im Vergleich zu den vorangegangenen Wochen stark zurückgegangen und aufgrund der vielen konjunkturellen und politischen Unwägbarkeiten im Markt sei damit zu rechnen, dass sich diese Abstinenz auch in der nächsten Woche noch fortsetzen werde.
Nach der zwölfjährigen Anleihe in der Woche zuvor, habe die Triple-B-Adresse Deutsche Telekom vergangenen Mittwoch eine siebenjährige Anleihe mit einem Kupon in Höhe von 2,00% aufgelegt. Über diese Anleihe habe das Unternehmen 500 Mio. EUR refinanziert. Erste Überlegungen hinsichtlich des Spreads seien in die Richtung von 65 bis 70 BP über Midswaps gegangen. Zum Schluss sei ein Spread von 65 BP über Midswaps auf das Ticket der Investoren geschrieben worden. Der Emissionspreis habe 99,716% betragen.
Ebenfalls vergangenen Mittwoch sei mit Unibail-Rodamco (A/A+e/NR) ein französisches Unternehmen aus dem Immobiliensektor am Kapitalmarkt aufgetreten. Emittiert worden sei eine 500 Mio. EUR große Anleihe mit einem Kupon von 1,625% und Fälligkeit im Juni 2017. Der Emissionspreis sei bei 99,493% fixiert worden. Der finale Spread über Midswaps habe 80 BP betragen.
Der Schuldenberg Griechenlands wachse und wachse und wachse - wie die Muskeln eines Bodybuilders unter Anabolika-Einfluss. Auch einem hartgesottenen Optimisten dürfte mittlerweile klar sein, dass es die reformunwilligen Griechen nicht schaffen, diesen Mount Everest der Schulden aus eigener Kraft abzutragen. Der Internationale Währungsfonds fordere daher neben dem zweijährigen Zeitaufschub zum Erreichen der vereinbarten Etat-Sanierungsziele einen Schuldenschnitt für die öffentlichen Gläubiger. Natürlich ausgenommen die Schuldenpapiere, die in den Depots des IWF und der Europäischen Zentralbank lagern würden.
Offensichtlich der verzweifelte Versuch, den Schuldenstand Griechenlands bis 2020 noch auf 120% zu drücken. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesregierung seien in einer Zwickmühle. Komme es tatsächlich zu einem Schuldenschnitt, mache es das Haushaltsrecht der Bundesregierung unmöglich, Griechenland weitere Kredite zu gewähren. Das Haushaltsrecht erlaube der Regierung nur die Vergabe von Krediten, wenn der Schadenseintritt als unwahrscheinlich gelte. Deshalb würden im Hintergrund neue Strategien diskutiert, wie beispielsweise der Anleiherückkauf durch die Helenen selbst. Man dürfe gespannt sein, wie Merkel die Maßstäbe dehnen werde, damit die Gelder fließen könnten.
Uri Geller hat einst nur Löffel verbogen, aber von unserer Bundesregierung könnte auch er noch etwas lernen, so die Analysten der Baader Bank.
Ein eventueller Schuldschritt hätte für Deutschland nicht unerhebliche Folgen. Schreibe die Eurozone tatsächlich die Hälfte ihrer Forderungen ab, müsste Deutschland auf rund 17,5 Mrd. EUR verzichten. Die Bundesregierung müsste der KfW-Banken-Gruppe 7,5 Mrd. EUR ersetzen, die diese Griechenland im Rahmen des ersten Hilfspakets gegeben habe.
10 Mrd. EUR müsste Deutschland dem europäischen Rettungsfonds EFSF zahlen, wenn dieser Kredite an Griechenland abschreibe, die er bisher im zweiten Hilfspaket gewährt habe. Das würde trotz der erwarteten Steuermehreinnahmen den Bundeshaushalt 2013 belasten und somit wäre bereits 2013 die Schuldenbremse nicht einzuhalten. Auch ein ausgeglichener Staatshaushalt ohne neue Schulden, den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für 2014 vollmundig in Aussicht gestellt habe, würde ins Reich der Fabeln gehören.
Jeden Tag gebe es Neuigkeiten über die Sorgenkinder aus Euroland zu vermelden und diese würden somit den Euro-Bund-Future, das Sorgenbarometer der Eurozone, in neue Höhen heben. Das führe zwar nicht zu neuen Höchstständen, bewahre aber die Börsianer vor dem seit vielen Wochen befürchteten Ausverkauf deutscher Staatsanleihen. Denn die weiterhin im Überfluss vorhandene Liquidität verlange nach Investitionen. Kein Anleger könne es sich über einen längeren Zeitraum leisten, nicht investiert zu sein.
Somit werde zwar zwischenzeitlich - im entsprechenden Umfeld - auch die Shortseite gespielt, aber bereits nach kurzer Zeit müsse diese Position wieder eingedeckt werden. Deshalb spiegle die Entwicklung des Krisenbarometers nicht die langfristige Meinung wider. Sobald sich die Chance einer nachhaltigen Trendwende aufzeige, werde immer wieder der Versuch unternommen, den Markt nach unten zu drücken. Aber hierbei habe man die Rechnung ohne Griechenland und Spanien gemacht. Mit Hilfe dieser beiden auf EU-Hilfen angewiesenen Staaten schaffe es der Euro-Bund-Future immer wieder, sich als "Stehauf-Männchen" zu präsentieren.
Nachdem der mittelfristige Abwärtstrend nach oben verlassen worden sei, sei nun die erste Unterstützung im Bereich von 140,50% (diverse Hochs in diesem Bereich) und der Widerstand weiterhin bei 142,62% (Hoch vom 29.08.) zu sehen.
Da nicht alle Regierungen in Europa auf steigende Steuereinnahmen setzen könnten, bestehe Kapitalbedarf an allen Ecken und Kanten. Aus diesem Grund seien wieder diverse Altemissionen Belgiens (ISIN BE0000323320 / WKN A1GN5N, 2017; ISIN BE0000325341 / WKN A1GZNB, 2022; ISIN BE0000326356 / WKN A1G2KY 2032; ISIN BE0000304130 / WKN A0BCKS, 2035) und Frankreichs (ISIN FR0000189151 / WKN 872522, 2019; ISIN FR0011337880 / WKN A1HAW9, 2022; ISIN FR0010070060 / WKN A0AXNP, 2035) aufgestockt worden.
Nachdem Italien bereits in dieser Woche am Geldmarkt 8 Mrd. EUR mit Laufzeiten bis April 2013 habe refinanzieren können, habe man sich am gestrigen Mittwoch auch mit einer fünf- und zehnjährigen Anleihe an den Markt gewagt. Bei den Anleihen-Auktionen hätten Renditen erzielt werden können, die noch vor Jahresfrist undenkbar gewesen seien. Bei einer 1,49-fachen Überzeichnung seien 4 Mrd. EUR als fünfjährige Anleihen zu 4,80% und 3 Mrd. EUR als zehnjährige Anleihe bei 1,42-facher Überzeichnung zu 4,92% platziert worden.
Die Deutsche Finanzagentur habe es da schon wesentlich einfacher. Bei der für gestern geplanten Aufstockung der bis 2044 laufenden Anleihe (ISIN DE0001135481 / WKN 113548) sei die Nachfrage ungewöhnlich hoch gewesen(2,7-fach überzeichnet ggü. 1,5-fach bei der Aufstockung im Juli). Vor diesem Hintergrund sei die zu erzielende Durchschnittsrendite mit 2,34% und unter dem Aspekt der nicht enden wollenden Verwirrung bezüglich der Solvenz verschiedener Peripheriestaaten nicht verwunderlich gewesen.
Nachdem der Megasturm "Sandy" dafür gesorgt habe, dass nach über zehn Jahren die Wall Street erneut stillgestanden habe, zuletzt am 11. September 2001, sei der Devisenhandel ohne die US-Marktteilnehmer sehr dünn gewesen. Trotzdem habe es die Gemeinschaftswährung zwischenzeitig geschafft, etwas Boden gut zu machen, allerdings ohne neue Impulse zu setzen. Die Sorgenkinder Spanien und Italien hätten den Markt mal mit positiven Nachrichten erfreut. Die Wirtschaft der Iberer sei im dritten Quartal weniger stark als erwartet geschrumpft und die Auktion der 5- und 10jährigen italienischen Bonds sei ohne jegliche Probleme verlaufen.
So habe sich der Euro berappeln können und kämpfe aktuell mit der wichtigen Marke von 1,30 USD. Nicht nur gegenüber dem Greenback sondern auch im Vergleich zu einer weiteren Dollarwährung, nämlich dem Kanadischen Dollar (CAD) sei ein positiver Trend zu beobachten. Noch vor zwei Handelsmonaten habe der Euro bei 1,21 CAD und aktuell bei 1,30 CAD notiert.
Nach wie vor seien in der Eurozone einige Baustellen offen, welche die Anleger mit Skepsis verfolgen würden. Aus diesem Grund würden Fremdwährungsanleihen weiter im Fokus bleiben. Großer Beliebtheit würden sich Anleihen lautend auf Australische Dollar, Brasilianische Real und Norwegische Kronen erfreuen.
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Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (01.11.2012/alc/a/a)
Ob die Schäden, die es nun aus wahltaktischen Gründen möglichst schnell und großzügig zu begleichen gelte, ein neues Haushaltsloch reißen würden, bleibe abzuwarten.
Apropos Wahlen. Von der Euphorie der Wahlnacht in Frankreich sei inzwischen nichts mehr zu spüren und auch hier blase einem der Wind ins Gesicht. Die Euro-Krise habe den ersten Mann im französischen Staat wieder auf den Boden der Realität zurück geholt. Die Wirtschaft sei in der Grande Nation eingebrochen. Es werde für 2012 nur noch mit einem Nullwachstum gerechnet, die Arbeitslosigkeit habe den Rekordstand von drei Millionen erreicht und der Internationale Währungsfonds rechne damit, dass Frankreich seine Defizitziele verfehlen werde. Die Stimmung der Unternehmer sei daher auf dem Nullpunkt angekommen.
Hollande habe zwar mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Umfang von 36,9 Mrd. EUR den härtesten Haushaltsentwurf seit drei Jahrzehnten vorgelegt, doch die Chefs von 98 börsennotierten Konzernen hätten nun vom Präsidenten tiefgreifende Reformen zur Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit gefordert. Die Arbeitskosten sollten in den kommenden zwei Jahren um mindestens 30 Mrd. EUR reduziert sowie die Steuern für die Unternehmen gesenkt werden.
Sei Frankreich womöglich nach Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien der nächste Patient? Die Risikoprämien an den Kreditmärkten hätten bereits wie ein Fieberthermometer reagiert. Die Credit Default Swaps seien fast drei Mal so hoch wie die von Deutschland. Noch gelte aber: Der Patient habe zwar Temperatur, aber noch kein Fieber!
Die Augen der Welt würden auf Griechenland schauen. Sie würden dabei jedoch vergessen, dass es auch in anderen Regionen der Welt qualme. In Südamerika scheine ein alter Bekannter der Staatspleite entgegenzusteuern: Argentinien. Nachdem Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner Devisenbeschränkungen eingeführt habe, um die Kapitalflucht zu verhindern und die Importe zu drosseln, würden sich die Argentinier bemühen, ihr Geld, im US-Dollar, in Sicherheit zu bringen.
Allein im vergangenen Jahr habe die Kapitalflucht ein Volumen von 20 Mrd. US-Dollar erreicht. Die Südamerikaner würden allerdings jährlich einen Devisenüberschuss von zehn Mrd. US-Dollar benötigen, damit sie im Ausland kein Geld aufnehmen müssten. Aber da Vorgänger und Ehemann von Fernández de Kirchner, Néstor Kirchner, 2002 die privaten Gläubiger düpiert habe und das Land deswegen immer noch vor Gericht stehe, sei Argentinien vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Dies mache die Situation von Argentinien noch prekärer und die Südamerikaner dürften somit der nächste Kandidat für den Internationalen Währungsfonds sein.
Im dritten Quartal 2012 seien auf Euro lautende Unternehmensanleihen im Volumen von rund 67 Mrd. EUR begeben worden. Das sei nach Angaben der Analysten der BayernLB das viertstärkste Quartal in der Geschichte dieses Marktsegments gewesen. Seit dem Jahresanfang seien damit insgesamt neue Corporate Bonds über 172 Mrd. EUR emittiert worden. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten an den Kapitalmärkten habe der Fokus stark bei den qualitativ hochwertigen (Investment Grade) Emittenten gelegen, deren Anteil dieses Jahr bei 81% und damit deutlich über den beiden Vorjahren liege.
Besonders stark vertreten seien Unternehmen aus dem Versorgungsbereich gewesen. Die meisten neuen Unternehmensanleihen seien aus Frankreich gekommen, gefolgt von deutschen Firmen. Aufgrund der anhaltend guten Nachfrage sollte das Emissionsvolumen 2012 bei insgesamt über 200 Mrd. EUR liegen und somit auch über den meisten bisherigen Schätzungen.
Allerdings habe sich in der gerade abgelaufenen Handelswoche eine Verschnaufpause eingestellt. Die Emissionstätigkeit der Unternehmen sei im Vergleich zu den vorangegangenen Wochen stark zurückgegangen und aufgrund der vielen konjunkturellen und politischen Unwägbarkeiten im Markt sei damit zu rechnen, dass sich diese Abstinenz auch in der nächsten Woche noch fortsetzen werde.
Nach der zwölfjährigen Anleihe in der Woche zuvor, habe die Triple-B-Adresse Deutsche Telekom vergangenen Mittwoch eine siebenjährige Anleihe mit einem Kupon in Höhe von 2,00% aufgelegt. Über diese Anleihe habe das Unternehmen 500 Mio. EUR refinanziert. Erste Überlegungen hinsichtlich des Spreads seien in die Richtung von 65 bis 70 BP über Midswaps gegangen. Zum Schluss sei ein Spread von 65 BP über Midswaps auf das Ticket der Investoren geschrieben worden. Der Emissionspreis habe 99,716% betragen.
Ebenfalls vergangenen Mittwoch sei mit Unibail-Rodamco (A/A+e/NR) ein französisches Unternehmen aus dem Immobiliensektor am Kapitalmarkt aufgetreten. Emittiert worden sei eine 500 Mio. EUR große Anleihe mit einem Kupon von 1,625% und Fälligkeit im Juni 2017. Der Emissionspreis sei bei 99,493% fixiert worden. Der finale Spread über Midswaps habe 80 BP betragen.
Der Schuldenberg Griechenlands wachse und wachse und wachse - wie die Muskeln eines Bodybuilders unter Anabolika-Einfluss. Auch einem hartgesottenen Optimisten dürfte mittlerweile klar sein, dass es die reformunwilligen Griechen nicht schaffen, diesen Mount Everest der Schulden aus eigener Kraft abzutragen. Der Internationale Währungsfonds fordere daher neben dem zweijährigen Zeitaufschub zum Erreichen der vereinbarten Etat-Sanierungsziele einen Schuldenschnitt für die öffentlichen Gläubiger. Natürlich ausgenommen die Schuldenpapiere, die in den Depots des IWF und der Europäischen Zentralbank lagern würden.
Offensichtlich der verzweifelte Versuch, den Schuldenstand Griechenlands bis 2020 noch auf 120% zu drücken. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Bundesregierung seien in einer Zwickmühle. Komme es tatsächlich zu einem Schuldenschnitt, mache es das Haushaltsrecht der Bundesregierung unmöglich, Griechenland weitere Kredite zu gewähren. Das Haushaltsrecht erlaube der Regierung nur die Vergabe von Krediten, wenn der Schadenseintritt als unwahrscheinlich gelte. Deshalb würden im Hintergrund neue Strategien diskutiert, wie beispielsweise der Anleiherückkauf durch die Helenen selbst. Man dürfe gespannt sein, wie Merkel die Maßstäbe dehnen werde, damit die Gelder fließen könnten.
Uri Geller hat einst nur Löffel verbogen, aber von unserer Bundesregierung könnte auch er noch etwas lernen, so die Analysten der Baader Bank.
Ein eventueller Schuldschritt hätte für Deutschland nicht unerhebliche Folgen. Schreibe die Eurozone tatsächlich die Hälfte ihrer Forderungen ab, müsste Deutschland auf rund 17,5 Mrd. EUR verzichten. Die Bundesregierung müsste der KfW-Banken-Gruppe 7,5 Mrd. EUR ersetzen, die diese Griechenland im Rahmen des ersten Hilfspakets gegeben habe.
10 Mrd. EUR müsste Deutschland dem europäischen Rettungsfonds EFSF zahlen, wenn dieser Kredite an Griechenland abschreibe, die er bisher im zweiten Hilfspaket gewährt habe. Das würde trotz der erwarteten Steuermehreinnahmen den Bundeshaushalt 2013 belasten und somit wäre bereits 2013 die Schuldenbremse nicht einzuhalten. Auch ein ausgeglichener Staatshaushalt ohne neue Schulden, den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für 2014 vollmundig in Aussicht gestellt habe, würde ins Reich der Fabeln gehören.
Somit werde zwar zwischenzeitlich - im entsprechenden Umfeld - auch die Shortseite gespielt, aber bereits nach kurzer Zeit müsse diese Position wieder eingedeckt werden. Deshalb spiegle die Entwicklung des Krisenbarometers nicht die langfristige Meinung wider. Sobald sich die Chance einer nachhaltigen Trendwende aufzeige, werde immer wieder der Versuch unternommen, den Markt nach unten zu drücken. Aber hierbei habe man die Rechnung ohne Griechenland und Spanien gemacht. Mit Hilfe dieser beiden auf EU-Hilfen angewiesenen Staaten schaffe es der Euro-Bund-Future immer wieder, sich als "Stehauf-Männchen" zu präsentieren.
Nachdem der mittelfristige Abwärtstrend nach oben verlassen worden sei, sei nun die erste Unterstützung im Bereich von 140,50% (diverse Hochs in diesem Bereich) und der Widerstand weiterhin bei 142,62% (Hoch vom 29.08.) zu sehen.
Da nicht alle Regierungen in Europa auf steigende Steuereinnahmen setzen könnten, bestehe Kapitalbedarf an allen Ecken und Kanten. Aus diesem Grund seien wieder diverse Altemissionen Belgiens (ISIN BE0000323320 / WKN A1GN5N, 2017; ISIN BE0000325341 / WKN A1GZNB, 2022; ISIN BE0000326356 / WKN A1G2KY 2032; ISIN BE0000304130 / WKN A0BCKS, 2035) und Frankreichs (ISIN FR0000189151 / WKN 872522, 2019; ISIN FR0011337880 / WKN A1HAW9, 2022; ISIN FR0010070060 / WKN A0AXNP, 2035) aufgestockt worden.
Nachdem Italien bereits in dieser Woche am Geldmarkt 8 Mrd. EUR mit Laufzeiten bis April 2013 habe refinanzieren können, habe man sich am gestrigen Mittwoch auch mit einer fünf- und zehnjährigen Anleihe an den Markt gewagt. Bei den Anleihen-Auktionen hätten Renditen erzielt werden können, die noch vor Jahresfrist undenkbar gewesen seien. Bei einer 1,49-fachen Überzeichnung seien 4 Mrd. EUR als fünfjährige Anleihen zu 4,80% und 3 Mrd. EUR als zehnjährige Anleihe bei 1,42-facher Überzeichnung zu 4,92% platziert worden.
Die Deutsche Finanzagentur habe es da schon wesentlich einfacher. Bei der für gestern geplanten Aufstockung der bis 2044 laufenden Anleihe (ISIN DE0001135481 / WKN 113548) sei die Nachfrage ungewöhnlich hoch gewesen(2,7-fach überzeichnet ggü. 1,5-fach bei der Aufstockung im Juli). Vor diesem Hintergrund sei die zu erzielende Durchschnittsrendite mit 2,34% und unter dem Aspekt der nicht enden wollenden Verwirrung bezüglich der Solvenz verschiedener Peripheriestaaten nicht verwunderlich gewesen.
Nachdem der Megasturm "Sandy" dafür gesorgt habe, dass nach über zehn Jahren die Wall Street erneut stillgestanden habe, zuletzt am 11. September 2001, sei der Devisenhandel ohne die US-Marktteilnehmer sehr dünn gewesen. Trotzdem habe es die Gemeinschaftswährung zwischenzeitig geschafft, etwas Boden gut zu machen, allerdings ohne neue Impulse zu setzen. Die Sorgenkinder Spanien und Italien hätten den Markt mal mit positiven Nachrichten erfreut. Die Wirtschaft der Iberer sei im dritten Quartal weniger stark als erwartet geschrumpft und die Auktion der 5- und 10jährigen italienischen Bonds sei ohne jegliche Probleme verlaufen.
So habe sich der Euro berappeln können und kämpfe aktuell mit der wichtigen Marke von 1,30 USD. Nicht nur gegenüber dem Greenback sondern auch im Vergleich zu einer weiteren Dollarwährung, nämlich dem Kanadischen Dollar (CAD) sei ein positiver Trend zu beobachten. Noch vor zwei Handelsmonaten habe der Euro bei 1,21 CAD und aktuell bei 1,30 CAD notiert.
Nach wie vor seien in der Eurozone einige Baustellen offen, welche die Anleger mit Skepsis verfolgen würden. Aus diesem Grund würden Fremdwährungsanleihen weiter im Fokus bleiben. Großer Beliebtheit würden sich Anleihen lautend auf Australische Dollar, Brasilianische Real und Norwegische Kronen erfreuen.
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Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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