Bundesanleihen mit Schwächeanzeichen


16.09.11 09:46
Deutsche Börse AG

Frankfurt (aktiencheck.de AG) - An den Kapitalmärkten gibt auch weiterhin die Politik den Takt vor, so die Deutsche Börse AG.

"Nur durch ein deutliches Bekenntnis von Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy zum Verbleib Griechenlands im Euro ist wieder etwas Ruhe eingekehrt", berichte Arthur Brunner von ICF Kursmakler mit Blick auf die hoch nervösen Märkte. Die Äußerungen von FDP-Chef Rösler zu einer möglichen geordneten Insolvenz Griechenlands hätten doch für viel Verwirrung und Ärger gesorgt. Positiv aufgenommen worden sei aber auch die gemeinsame Aktion der Notenbanken zur Verbesserung der US-Dollar-Liquidität. "Zuletzt war es gerade für französische Banken fast unmöglich geworden, sich am Geldmarkt US-Dollar zu leihen", erkläre Brunner.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264), der in der vergangenen Woche auf ein Rekordhoch von 138,91 Prozent geklettert sei, habe zwar Anfang dieser Woche zu einem neuen Höhenflug angesetzt, zeige sich mittlerweile aber schwächer. Am Freitagmittag notiere das richtungsweisende Zinsbarometer bei 135,88 Punkten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege aktuell bei 1,932 Prozent und damit wieder deutlich über dem Rekordtief von Dienstag bei 1,677.

Griechenland-Anleihen würden von der Entspannung profitieren: Eine bis 2020 laufende Emission (ISIN GR0124032666 / WKN A1AUMV), die Mitte der Woche zu rund 30 Prozent und damit so billig wie noch nie über den Tisch gegangen sei, werde heute zu 40 Prozent gehandelt. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft sehe die konzertierte Aktion der Notenbanken von gestern allerdings als Vorbereitung auf einen Konkurs der Hellenen. "Die CDS-Kontrakte für griechische Anleihen, also die Kreditausfallversicherungen, lauten auf US-Dollar. Wenn sie in Anspruch genommen werden, muss ausreichende Liquidität in der US-Währung da sein."

Zwei andere Wackelkandidaten der Eurozone, Italien und Spanien, seien in den vergangenen Tagen mit frischen Anleihen auf den Markt gekommen. "Eine neue fünfjährige Anleihe Italiens wurde zu 5,6 Prozent zugeteilt - ein Rekordhoch in diesem Laufzeitsegment seit der Einführung des Euro, und auch die Zeichnungsquote von nur 1,28 enttäuschte", würden Viola Stork und Ralf Umlauf von der Helaba meinen.

Gregor Daniel zufolge würden am Markt übrigens Gerüchte kursieren, dass die Rating-Agentur Moody's die Einschätzung für Italien heruntersetzen werde. Spanien habe hingegen schon von der etwas besseren Stimmung profitiert: Das Land habe am Mittwoch langlaufende Anleihen im Volumen von knapp 4 Milliarden Euro bei robuster Nachfrage begeben, ihre Verzinsung sei aber noch hoch gewesen.

Als sehr schwierig gestalte sich nach wie vor der Handel mit Unternehmensanleihen, wie Brunner melde, in dieser Woche habe das sogar auch für gedeckte Anleihen gegolten. "Das ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass man auf Bankenseite die Limite herunterfährt oder zumindest im Moment keine Ausweitung der Positionen will." Schlecht oder gar nicht geratete Unternehmensanleihen würden weiter leiden, wie Klaus Stopp von der Baader Bank bemerke: "Wie der Teufel das Weihwasser meiden Anleger die Lieblinge des ersten Halbjahres 2011." Entsprechend groß seien die Abschläge. Als Beispiel nenne Stopp die bis 2018 laufende Anleihe (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B) von Air Berlin mit einem Kupon von 8,25 Prozent, die heute bei 88 Prozent gehandelt werde.

Doch auch andere hochverzinsliche Anleihen hätten sich von dem im Juli einsetzenden Kurseinbruch noch nicht wirklich erholen können, etwa Papiere von Hapag-Lloyd, A.T.U. Auto-Teile-Unger oder das Papier (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) von Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007 / WKN 731400).

Im Gegensatz dazu würden sich die Mittelstandsanleihen im Entry Standard verhältnismäßig gut schlagen und hätten damit zumindest einen ersten Stresstest bestanden: Etwa werde die bis 2017 laufende Anleihe (ISIN DE000A1H3VN9 / WKN A1H3VN) von KTG Agrar, die einen Kupon von 7,125 Prozent aufweise, aktuell zu 97,80 Prozent gehandelt, das Papier (ISIN DE000A1KQ1N3 / WKN A1KQ1N) von DIC Asset (ISIN DE0005098404 / WKN 509840) mit einer Laufzeit bis 2016 und einem Kupon von 5,875 Prozent zu 94,50.

Der Primärmarkt für Unternehmensanleihen bleibe unterdessen schwieriges Terrain: "Der August wird als erster Monat seit drei Jahren in die jüngere Börsengeschichte eingehen, in dem keine Unternehmensanleihe in Euro platziert wurde", erkläre Klaus Stopp. Mit Fresenius Medical Care zeige allerdings nun eine bekannte Adresse, dass es doch noch gehe: Das DAX-Unternehmen habe zwei Tranchen in Euro (ISIN XS0675221419 / WKN A1GVFF) und US-Dollar mit einem Kupon von jeweils 6,5 Prozent erfolgreich am Markt untergebracht. Close Brothers Seydler zufolge laufe die Anleihe in Euro sehr gut, im Moment werde sie zu 104 Prozent gehandelt.

Anleihen von Banken hätten zwar Federn lassen müssen, die Situation sei Klaus Stopp zufolge aber nicht mit 2008 zu vergleichen. Er verweise auf ein nachrangiges Papier (ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30) der Deutschen Bank mit einem Kupon von 8 Prozent, das im Zuge der Lehman-Pleite auf rund 45 Prozent gefallen sei. Das Tief in dieser Woche habe bei rund 87 Prozent gelegen, aktuell notiere das Papier schon wieder bei 96. "Die Lage ist zwar ernst, aber sie war schon schlimmer. Somit scheint das Vertrauen in die Kapitalisierung der Banken noch vorhanden zu sein."

Bei den jüngsten Favoriten des Anleihenmarktes, Anleihen in Norwegischen Kronen, seien erste Gewinnmitnahmen zu sehen, wie die Baader Bank außerdem registriere. "Oft war zu beobachten, dass in Titel auf schwedische Kronen reinvestiert wurde." (16.09.2011/alc/m/a)