Ungarn-Anleihe: Entscheidung zu Sanktionen auf bevorstehendem EU-Finanzministertreffen zu erwarten


21.06.12 12:10
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN XS0240732114 / WKN A0GL1V) von Ungarn weiterhin für etwas risikofreudigere Anleger für eine sehr interessante Alternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor.

Die Anleihe, emittiert vom süd-osteuropäischen Staat Ungarn, sei mit einem Kupon von 3,50% ausgestattet, laufe noch bis zum 18.07.2016 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1.000 Euro auf. Bei einem aktuellen Kurs von 85,50% biete das Papier eine jährliche Rendite von 7,79%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent würden von der Ratingagentur Moody's mit "Ba1" bewertet, was eine Stufe unter Investmentgrade-Status liege. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten ein erhebliches Kreditrisiko.

Ungarn sei nach wie vor im Streit mit der EU und dem IWF. Allerdings scheine sich inzwischen das Sentiment zu verbessern. Habe man vor drei Monaten noch von Staatsbankrott gesprochen, kehre allmählich etwas Entspannung ein. Und die EU-Kommission habe nun nach einem Besuch von José Manuel Barroso in Ungarn grünes Licht für die Kreditverhandlungen gegeben und das Strafverfahren eingestellt. Wann diese beginnen würden sei noch unklar. Möglicherweise würden diese bereits Ende Juni aufgenommen. Eine diesbezügliche Entscheidung sei auf dem morgigen EU-Finanzministertreffen zu erwarten.

RBI-Chef, Herbert Stepic, zweifle nicht daran, dass es zu einer Einigung mit der EU und dem Währungsfonds komme. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine IWF-Einigung unterbleibe, sehe Stepic keinen kurzfristigen Zahlungsausfall Ungarns. Vergleiche mit Griechenland seien seiner Meinung nach völlig unzutreffend.

Ungarn solle vom IWF eine Summe von 10 Mrd. Euro erhalten. Für Ungarn sei der IWF sozusagen ein Sicherheitsnetz, denn sollte sich die Wirtschaft der Eurozone abschwächen, werde das Land am meisten damit zu kämpfen haben.

Ungarn habe anscheinend auch keine Probleme alternative Kreditgeber zu finden. So habe das Land Anfang Mai von China einen Kredit in Höhe von 1 Mrd. Euro zu sehr günstigen Konditionen erhalten.

Bei seinen jüngsten Anleihenauktion habe Ungarn wesentlich mehr Anleihen platzieren können als ursprünglich geplant. Anscheinend rechne der Markt ebenfalls mit einer Einstellung des Strafverfahrens.

Auf ihrer letzten Sitzung Ende Mai habe die ungarische Zentralbank den Leitzins unverändert bei 7,00% belassen. Dieser Schritt sei mit der hohen Inflationsrate begründet worden. So habe im April die Jahresrate der Konsumentenpreise bei 5,7% und damit weiter deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel von 3,0% gelegen. Erst nach dem Erhalt eines möglichen neuen Hilfskredits von Seiten der EU/IWF ziehe die Notenbank weitere Zinssenkungen in Betracht.

Die Lage an den Kapitalmärkten sei derzeit wegen der anhaltenden Sorgen um Griechenland, Spanien und Italien sehr angespannt. Daher seien neben den Kursen von Aktien auch die Anleihekurse von spekulativeren Emittenten wie Ungarn gefallen.

Anleger, die aber in Bezug auf Ungarn von einem positiven Ausgang der finanzpolitischen Lage ausgehen würden, könnten sich die oben genannte Staatsanleihe einmal näher ansehen. Zudem gebe es keine Währungsrisiken zu beachten, da die Anleihe in Euro begeben worden sei. Dennoch ist das Papier nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research nach wie vor eher für risikofreudigere Anleger geeignet. (Analyse vom 21.06.2012) (21.06.2012/alc/a/a)


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