Italien-Anleihe: Italien verschafft sich etwas Luft, jüngste Anleihe-Auktion verlief erfolgreich


15.06.12 11:50
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN IT0003618383 / WKN A0AU29) von Italien für ein interessantes Investment für den europäischen Staatsanleihen-Sektor.

Die Anleihe, emittiert vom südeuropäischen Staat Italien, sei mit einem Kupon von 4,25% ausgestattet, laufe nur noch bis zum 01.08.2014 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1.000 EUR auf. Bei einem aktuellen Kurs von 99,00% biete das Papier eine jährliche Rendite von 4,49%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit "A3" bewertet, was mittlerem Investmentgrade-Status entspreche. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten ein geringes Kreditrisiko. Jedoch dürfe bezweifelt werden, dass Italien das aktuelle Rating auf Dauer halten werde. Denn Spanien sei zuletzt deutlich abgestuft worden.

Die Kurse italienischer Staatsanleihen seien aufgrund der negativen Nachrichtenlage in den letzten Wochen massiv unter Druck geraten. Täglich würden neue negative Schlagzeilen über Griechenland, Spanien und Italien veröffentlicht und selbst über mögliche Austritte Griechenlands und Spanien sei öffentlich diskutiert worden. So sei es zu den Wortschöpfungen "Grexit" und "Spexit" gekommen, womit auf die möglichen Austritte der beiden Länder angespielt werde. Die Märkte würden nun mit Spannung auf die Neuwahlen in Griechenland am Wochenende warten. Auch der angeschlagene spanische Bankensektor habe den Marktteilnehmern zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Am Wochenende sei bekannt geworden, dass der europäische Rettungsfonds EFSF dem spanischen Bankensektor Hilfsmittel von bis zu 100 Mrd. Euro zur Verfügung stellen werde, was aber nur kurzfristig für Entspannung an den Märkten gesorgt habe.

Mit Argusaugen sei auch die jüngste Auktion von italienischen Staatspapieren diesen Mittwoch und Donnerstag verfolgt worden. Gestern sei es Italien gelungen, drei Anleihen am Markt zu platzieren und damit wie geplant 4,5 Mrd. Euro einzunehmen. Jedoch hätten die Marktteilnehmer wesentlich höhere Zinsen als noch bei der letzten Auktion im Mai gefordert. So hätten sie bei Anleihen bis 2015 bei 5,3% gelegen, während sie im Vormonat "nur" bei 3,9% gelegen hätten. Für die Langläufer bis 2019/2020 seien Zinssätze von mehr als 6% verlangt worden. Auch die Anleihe-Auktion am Mittwoch sei erfolgreich verlaufen. So habe Italien bei dieser 6,5 Mrd. Euro einnehmen können, natürlich auch zu wesentlich höheren Zinssätzen.

Den Analysten von Anleihencheck Research erscheint die jüngst erfolgreiche Anleihe-Platzierung vor dem Hintergrund der aktuell angespannten Lage als durchaus respektabel. Natürlich seien die Zinssätze nicht auf Dauer für Italien tragbar, doch ab der kommenden Woche könnte sich die Lage an den Finanzmärkten - zumindest kurzfristig - wieder etwas entspannen, wenn mehr Gewissheit über den Verbleib/Nicht-Verbleib Griechenlands in der EU bestehe.

Zehnjährige italienische Anleihen würden weiter bei über 6% rentieren. Die Anleihe (ISIN IT0004009673 / WKN A0GMTQ) habe Ende März noch bei rund 92% notiert. Aktuell liege der Kurs nur noch bei 85,20%. In den letzten Handelstagen habe der Kurs wieder etwas nachgegeben.

Es seien Gerüchte aufgekommen, wonach die italienische Regierung um Mario Monti erst in 2014 mit einem ausgeglichenen Haushalt rechne. Ursprünglich sei dieses Ziel für 2013 angepeilt gewesen. Die jüngsten Wirtschaftsdaten für die Eurozone für das zweite Quartal hätten dem Markt zuletzt einen Dämpfer verpasst. Denn das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone sei auf das niedrigste Niveau der letzten zweieinhalb Jahre gesunken. Auch die jüngsten Daten für das erste Quartal 2012 der europäischen Statistikbehörde Eurostat würden vor zu viel Optimismus hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung für die Eurozone warnen. Insofern sei es ungewiss, ob die für das zweite Halbjahr 2012 erwartete Wirtschaftsbelebung tatsächlich eintrete. Dies dürfte auch davon abhängen, ob es wirklich zu den "Exits" von Griechenland und/oder Spanien komme.

Die Stimmung an den Kapitalmärkten bleibe sehr angespannt. Bis zu den Wahlen in Griechenland dürfte sich daran auch nicht viel ändern. Für Anleger mit etwas Mut und Weitsicht, die nicht an einen Verfall der Eurozone und des Euros glauben, könnte nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research die o.a. Anleihe von Italien unter antizyklischen Gesichtspunkten aber durchaus interessant sein. Nach den jüngsten Kursrückgängen von italienischen Bonds biete das o.a. Papier eine sehr attraktive Rendite für eine Staatsanleihe aus dem mittleren Investmentgrade-Bereich. (Analyse vom 15.06.2012) (15.06.2012/alc/a/a)


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