Irland-Anleihe: bietet "nur" noch eine Rendite von rund 4%


23.10.12 12:10
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN IE00B28HXX02 / WKN A0TLEW) von Irland weiterhin für eine sehr interessante Alternative für den spekulativeren europäischen Staatsanleihen-Sektor.

Die Anleihe, emittiert vom westeuropäischen Staat Irland, sei mit einem Kupon von 4,50% ausgestattet, laufe noch bis zum 18.10.2018 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 0,01 auf. Bei einem aktuellen Kurs von 102,60% biete das Papier eine jährliche Rendite von 4,06%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit "Ba1" bewertet, was eine Stufe unter Investmentgrade-Status liege.

Eine nachhaltige Lösung der Euro-Schuldenkrise scheine greifbar nahe. Mit ihren weiteren Lockerungsmaßnahmen hätten die internationalen Notenbanken die Liquiditätsversorgung der Kapitalmärkte vorerst gesichert. Und auch die Kapitalbeschaffung der angeschlagenen Euro-Länder sei vor dem Hintergrund der weiter rückläufigen Renditen derzeit kein Problem. Sollten nun auch die Wirtschaftsindikatoren eine Besserung anzeigen, sei tatsächlich ein Überwinden der internationalen Schuldenkrise möglich.

Auch der Kurs der o.a. Anleihe sei weiter gestiegen. Diese Entwicklung sei durchaus nachvollziehbar, denn auch wenn Irland im Zuge der Finanzkrise als erstes Euro-Land EU-Hilfen in Anspruch genommen habe, habe es seinen Haushalt inzwischen erfolgreich konsolidiert. Die Analysten von Anleihencheck Research halten den Inselstaat als Schuldner weiterhin für sehr interessant.

Irland habe als erstes Euro-Land EU-Hilfen in Anspruch genommen und seinerzeit von europäischem Rettungsfonds, IWF und der EU Kreditzusagen von 67,5 Mrd. EUR erhalten. Die zuletzt deutliche Aufwärtsentwicklung sei eine Folge der Haushaltskonsolidierungen und der Abarbeitung des Aufgabenheftes.

Mitte März habe der irische Finanzminister Michael Noonan in einem Fernsehinterview gesagt, dass die irische Wirtschaft in 2013 abheben könnte wie eine Rakete, sollte sich die Lage der weltweiten Wirtschaft weiter verbessern. Noonan halte somit für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 2% für möglich. Auch eine Steigerung von bis zu 4% sei nicht abwegig, sollte die Weltkonjunktur mitspielen. Der Finanzminister habe aber die Wachstumsprognose für dieses Jahr erneut nach unten angepasst und er erwarte nur noch einen BIP-Anstieg um 0,7%, nach zuvor 1,3%. Er erkläre dies vor allem mit einer rückläufigen Inlandsnachfrage und anhaltend schwierigen externen Rahmenbedingungen.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Euro-Schuldenkrise und den sich weiter eintrübenden Wirtschaftsperspektiven, sollten auch die Erwartungen für 2013 nicht zu hoch geschraubt werden, auch wenn sich Irland vermutlich relativ gut behaupten dürfte. Somit sei die Prognose des irischen Finanzministers aktuell mit mehreren Fragezeichen versehen. Denn das Land sei im zweiten Quartal 2012 nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Der IWF erwarte für dieses Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,4% (nach zuvor +0,5%) und für 2013 dann von 1,4%. Sollten die fiskalischen Lockerungsmaßnahmen der internationalen Notenbanken allmählich ihre Wirkung entfalten, könnte sich aber die aufziehenden Gewitterwolken am Konjunkturhimmel endlich verziehen.

Grundsätzlich habe Irland seine Hausaufgaben gemacht und jüngst sei bekannt geworden, dass Irland sein Defizitziel für 2012 übertreffen werde. So dürfte das Haushaltsdefizit auf 8,3% des BIP sinken. Erfreulich sei auch, dass die irische Bevölkerung Anfang Juni für den Europäischen Fiskalpakt gestimmt habe. Damit drohe nach Aussage der Ratingagentur Fitch nun kein Downgrade Irlands mehr. Denn ein negatives Votum hätte das Land von Finanzhilfen aus dem ESM-Programm abgeschnitten, nachdem die Zahlungen für Irland aus der EU und dem IWF im kommenden Jahr auslaufen würden. Trotz des positiven Referendums sehe die Ratingagentur derzeit keinen Spielraum für eine Aufstufung des Länderratings von Irland, da die wirtschaftliche und finanzielle Situation nach wie vor schwierig bleibe. Neben der hohen Staatsverschuldung leide Irland nach Aussage von Fitch vor allem unter der konjunkturell schwachen Entwicklung in der Eurozone. So sei die exportorientierte irische Volkswirtschaft besonders anfällig hinsichtlich der rückläufigen konjunkturellen Entwicklung seiner Haupthandelspartner.

Das Vertrauen in Irland sei zurückgekehrt. Dies werde zum einen an den Anleihekursen ersichtlich und zum anderen habe das Land Anfang Juli Staatspapiere im Wert von über 500 Mio. Euro bei privaten Investoren zu einem Zinssatz von 1,8% platzieren können. Damit sei das Land erstmals seit September 2010 erfolgreich an den Kapitalmarkt zurückgekehrt. Und bei einer Refinanzierungsrunde im September am Geldmarkt habe Irland nur noch eine Rendite von 0,7% zahlen müssen. Ab 2014 wolle sich das Land dann wieder vollständig an den Kapitalmärkten finanzieren.

Nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research bleibt die o.a. Anleihe von Irland eine sehr interessante Alternative für den spekulativeren europäischen Staatsanleihen-Sektor. (Analyse vom 23.10.2012) (23.10.2012/alc/a/a)


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