Irland-Anleihe: Sehr attraktives Chance/Risiko-Profil


28.06.12 12:19
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN IE00B28HXX02 / WKN A0TLEW) von Irland weiterhin für eine interessante Alternative für den spekulativeren europäischen Staatsanleihen-Sektor.

Die Anleihe, emittiert vom westeuropäischen Staat Irland, sei mit einem Kupon von 4,50% ausgestattet, laufe noch bis zum 18.10.2018 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 0,01 auf. Bei einem aktuellen Kurs von 87,19% biete das Papier eine jährliche Rendite von 7,10%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit "Ba1" bewertet, was eine Stufe unter Investmentgrade-Status liege.

Die Euro-Schuldenkrise habe die Märkte fest im Griff. Auch wenn das Wahlergebnis in Griechenland pro-europäisch gewesen sei, sei schnell wieder Ernüchterung an den Märkten eingekehrt. Die Probleme in Spanien und Italien und wohl weitere Zugeständnisse der EU gegenüber Griechenland würden weiterhin das Marktgeschehen dominieren. Mit Zypern sei nun das fünfte Land aus Europa unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft und Moody's habe jüngst 28 spanische Kreditinstitute - zum Teil um vier Stufen - zurückgestuft, nachdem die spanische Regierung nun offiziell Unterstützung bei der EU für den angeschlagenen Bankensektor beantragt habe. Die Euro-Schuldenkrise dürfte den Finanzmärkten damit einen "heißen" Sommer bescheren.

Diese Entwicklung habe auch negative Auswirkungen auf die Anleihekurse der spekulativeren Emittenten gehabt. Investoren hätten sich vorerst von Anleihen von Italien, Spanien und Portugal getrennt. Auch irische Anleihen wurden verkauft, obwohl die Analysten von Anleihencheck Research den Inselstaat als Schuldner für sehr interessant halten.

Irland habe als erstes Euro-Land EU-Hilfen in Anspruch genommen und seinerzeit von europäischem Rettungsfonds, IWF und der EU Kreditzusagen von 67,5 Mrd. EUR erhalten. Die zuletzt deutliche Aufwärtsentwicklung sei eine Folge der Haushaltskonsolidierungen und der Abarbeitung des Aufgabenheftes. Was fehle, sei Wachstum. Dies falle aber angesichts einer um rund 5% eingebrochenen Inlandsnachfrage nicht einfach.

Mitte März habe der irische Finanzminister Michael Noonan in einem Fernsehinterview gesagt, dass die irische Wirtschaft in 2013 abheben könnte wie eine Rakete, sollte sich die Lage der weltweiten Wirtschaft weiter verbessern. Noonan halte somit für 2013 ein Wirtschaftswachstum von 2% für möglich. Auch eine Steigerung von bis zu 4% sei nicht abwegig, sollte die Weltkonjunktur mitspielen. Noonan habe aber die Wachstumsprognose für dieses Jahr erneut nach unten angepasst und er erwarte nur noch einen BIP-Anstieg um 0,7%, nach zuvor 1,3%. Er erkläre dies vor allem mit einer rückläufigen Inlandsnachfrage und anhaltend schwierigen externen Rahmenbedingungen.

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Euro-Schuldenkrise und den sich weiter eintrübenden Wirtschaftsperspektiven, sollten auch die Erwartungen für 2013 nicht zu hoch geschraubt werden, auch wenn sich Irland vermutlich relativ gut behaupten dürfte. Somit sei die Prognose des irischen Finanzministers aktuell mit mehreren Fragezeichen versehen.

Grundsätzlich habe das Land seine Hausaufgaben gemacht und jüngst sei bekannt geworden, dass Irland sein Defizitziel für 2012 übertreffen werde. So dürfte das Haushaltsdefizit auf 8,3% des BIP sinken. Erfreulich sei auch, dass die irische Bevölkerung Anfang Juni für den Europäischen Fiskalpakt gestimmt habe. Damit drohe nach Aussage der Ratingagentur Fitch nun kein Downgrade Irlands. Denn ein negatives Votum hätte das Land von Finanzhilfen aus dem ESM-Programm abgeschnitten, nachdem die Zahlungen für Irland aus der EU und dem IWF im kommenden Jahr auslaufen würden. Trotz des positiven Referendums sehe die Ratingagentur derzeit keinen Spielraum für eine Aufstufung des Länderratings von Irland, da die wirtschaftliche und finanzielle Situation nach wie vor schwierig bleibe. Neben der hohen Staatsverschuldung leide Irland nach Aussage von Fitch vor allem unter der konjunkturell schwachen Entwicklung in der Eurozone. So sei die exportorientierte irische Volkswirtschaft besonders anfällig hinsichtlich der rückläufigen konjunkturellen Entwicklung seiner Haupthandelspartner.

Nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research bleibt die o.a. Anleihe von Irland eine sehr interessante Alternative für den spekulativeren europäischen Staatsanleihen-Sektor. (Analyse vom 28.06.2012) (28.06.2012/alc/a/a)


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