Unternehmensanleihen Anleger werden vorsichtiger


18.11.11 16:16
Deutsche Börse AG

Frankfurt (anleihencheck.de) - Der Politikwechsel in Italien und Griechenland konnte die Märkte nicht wirklich überzeugen, so die Deutsche Börse AG.

Das Fehlen einer nachhaltigen Strategie zur Lösung der Schuldenkrise führe bei vielen Investoren zu einer Euro-Müdigkeit, wie Klaus Stopp von der Baader Bank erläutere. "In der Folge trennten sich die Anleger zum Teil fluchtartig von ihren europäischen Staatsanleihen und machten Kasse." Betroffen davon seien nicht mehr nur die Peripherie-, sondern auch Euro-Kernländern gewesen.

"Außer Bundesanleihen wurden diese Woche die Anleihen aller Euroländer abgestraft", erkläre Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Zehnjährige französische Staatsanleihen hätten in der Spitze 200 Basispunkte über den Bundesanleihen rentiert, aktuell betrage der Abstand noch 165 Basispunkte. "Am schlimmsten hat es diese Woche Spanien erwischt. Obwohl das Land am Donnerstag mit 6,975 Prozent einen Rekordzinssatz zahlte, gelang es nicht, 4 Milliarden zehnjährige Anleihen im Markt zu platzieren."

Bundesanleihen würden als Hort der Sicherheit gesucht bleiben. Der Euro-Bund-Future habe sich zwischenzeitlich wieder auf sein Rekordhoch zubewegt, zuletzt aber nachgegeben. "Jede politische Nachricht wird in kräftige Bewegungen im Bund-Future umgesetzt", kommentiere ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Heute notiere der Euro-Bund-Future bei 137,26 Punkten und damit in etwa auf dem Niveau vom vergangenen Freitag. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei zwischenzeitlich unter 1,80 Prozent gefallen, aktuell liege sie bei 1,89 Prozent.

Laut Klaus Stopp sei von der Verkaufswelle französischer Staatsanleihen etwa eine Schuldverschreibung mit Fälligkeit im April 2015 (ISIN FR0010163543 / WKN A0DYDV) betroffen gewesen, deren Kurs von über 106 auf rund 104 Prozent zurückgegangen sei. Auch österreichische Anleihen würden abgegeben, Stopp nenne einen bis März 2037 laufenden Bond (ISIN AT0000A04967 / WKN A0G4X4). Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte von regen Umsätzen mit Österreich- und auch Ungarn-Anleihen, und zwar über alle Laufzeiten hinweg. "Das waren meist Verkäufe."

Viel Nachfrage habe Daniel bei den bis 2022 laufenden EFSF-Anleihen registriert. "Der Renditevorsprung gegenüber Bundesanleihen überzeugt dann offenbar doch", erkläre der Händler. "Die Rendite beim EFSF-Bond liegt mit 3,9 Prozent doppelt so hoch wie bei zehnjährigen Bundesanleihen."

Auch im Handel mit Unternehmensanleihen steige die Risikoscheu, wie Stopp beobachtet habe. "Dies bekamen etwa die Anleihen (ISIN DE000A0T61L9 / WKN A0T61L; ISIN FR0010809236 / WKN A1ANEW) von ThyssenKrupp mit Laufzeit bis Februar 2016 und rund 4,80 Prozent Rendite und von Renault mit Laufzeit bis Oktober 2014 und einer Rendite von rund 4,30 Prozent zu spüren", erkläre der Händler.

Besonders Federn lassen müssen hätten allerdings Papiere von Finanzinstituten: "Nachdem zu befürchten ist, dass manche Banken auf die Idee kommen könnten, ihre Eigenkapitalklemme durch die Neubewertung ihrer Risikoaktiva zu entschärfen, klingelten bei den Anlegern die Alarmglocken", erkläre Stopp. Betroffen sei etwa die Commerzbank gewesen, der man laut Stopp solche Bilanzkosmetik zutraue (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE; ISIN DE000CB83CF0 / WKN CB83CF). Auch Bonds (ISIN XS0433853644 / WKN UB3MCV) der UBS seien unter Druck geraten. Die Herabstufung deutscher Landesbanken durch die Ratingagentur Moody's habe Brunner hingegen kaum Auswirkungen gehabt. "Zu größeren Verkäufen kam es in den Anleihen der betroffenen Banken nicht."

Daneben hätten Solaranleihen empfindliche Verluste verzeichnet. Der Grund: Zu Wochenbeginn seien sowohl Q-Cells als auch SolarWorld mit Quartalszahlen herausgekommen, die wenig überzeugt hätten. Die Anleihen (ISIN DE000A1E8HF6 / WKN A1E8HF; ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73; ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6), die zuletzt zugelegt hätten, hätten deutlich verloren. "Die bis 2017 laufende SolarWorld-Anleihe wurde vergangenen Freitag noch zu 68,5 Prozent gehandelt und sank auf ein Tief von 51,5 Prozent", erkläre Rainer Petz von Close Brothers Seydler. Auf diesem Niveau hätten sowohl institutionelle als auch private Anleger aber wieder Interesse gezeigt und seien eingestiegen. "Bei einem Kurs von 55 ergibt sich eine Rendite von 21,28 Prozent."

Die Anleihe von Heckler & Koch, die in der Vorwoche nach einer Razzia am Firmensitz eingebrochen sei, habe sich unterdessen wieder knapp über 60 Prozent eingependelt, wie die Hellwig Wertpapierhandelsbank melde. "Die Nachrichten dieser Woche über den sich ausweitenden Korruptionsverdacht haben den Kurs nicht bewegt." Das Unternehmen solle in Mexiko Beamte bestochen haben.

Auch die Quartalszahlen von Air Berlin, die enttäuscht und das Bild einer angeschlagenen Fluglinie bestätigt hätten, hätten im Anleihehandel (ISIN DE000AB100A6 / WKN AB100A; ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B; ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) kaum für Bewegung gesorgt, wie Petz erkläre. "Da tut sich nicht mehr viel. Die Umsätze sind niedrig." Generell sehe er aber durchaus Druck auf hochverzinsliche Anleihen. "Es fehlt die Kaufbereitschaft." (18.11.2011/alc/m/a)