Euro-Bund-Future die Marke von 141% im Blick


19.04.12 15:59
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Der unkontrollierte Staatsbankrott von Griechenland scheint abgewendet, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Auch in dieser Woche lasse die Krise in Europa die Märkte nicht zur Ruhe kommen. Spanische Anleihen hätten zu Wochenbeginn die kritische Marke von 6% Rendite passiert. Nach der erfolgreichen Platzierung der Geldmarkttitel habe sich der Markt zwar vorübergehend wieder beruhigen können, aber nach neuerlichen Befürchtungen über Schwierigkeiten bei der heutigen Begebung zehnjähriger Anleihen sei das Krisenbarometer (Euro-Bund-Future) erneut angestiegen.

Die negativen Meldungen aus Italien - Verschiebung der Haushaltssanierung als Folge der Rezession - seien auch nicht zur Aufhellung der Stimmung geeignet gewesen. Dass die zehnjährigen Credit Default Swaps für Spanien mit 510 Basispunkten ein neues Hoch markiert hätten, habe die Marktteilnehmer zu Spekulationen über ein baldiges Eingreifen der Europäischen Zentralbank veranlasst (EZB). Die EZB hat allerdings - ungeachtet des Drucks an den Anleihemärkten - in der zurückliegenden Woche keine Staatspapiere von Euroländern neu angekauft. Das so genannte SMP-Programm lasse sie bereits seit einigen Wochen weitestgehend ruhen. Warum aber würden die Notenbanker einen Anstieg der spanischen Renditen auf über 6% zulassen? Warte man nur auf den richtigen Zeitpunkt für einen neuen Dreijahrestender oder ein neues Anleihekaufprogramm?

Es sei aber durchaus möglich, dass man den Anstieg der Anleiherenditen billigend in Kauf nehme, um im Rahmen einer erzieherischen Maßnahme den Druck auf die Staatsregierungen zu erhöhen, damit diese die Haushaltssanierung vorantreiben würden. Es gelte nämlich, die falschen Signale des griechischen Schuldenschnitts für Nachahmer zu entkräften.

Grenzenloses Selbstvertrauen oder Ignoranz? "Spanien wird keine Unterstützung brauchen. Eine Rettung ist nur notwendig, wenn sich ein Land, wie im Falle Griechenlands oder Portugals, nicht mehr am Markt refinanzieren kann", habe sich Wirtschaftsminister Luis De Guindos in der Tageszeitung "El Mundo" zitieren lassen. Diese Darstellungen würden aber sehr stark an die Kommentare griechischer Politiker erinnern. Der Begriff "Déjà vu" mache immer mehr die Runde und somit wachse das Misstrauen der Märkte von Stunde zu Stunde. Inzwischen müsse die spanische Regierung für Geldmarkttitel mit einer Laufzeit von zwölf Monaten mit 2,62% eine höhere Rendite als Deutschland für 30 Jahre zahlen.

Knüppeldick treffe es Spanien aber auch in anderer Hinsicht. Sowohl der wirtschaftliche Streit zwischen Argentinien und Spanien als auch die Angst vor der größten Dürre seit 70 Jahren würden die spanischen Bürgerinnen und Bürger mit Unbehagen in die Zukunft blicken lassen. Sei das Aufbegehren Argentiniens ein Ausnutzen der politischen Unfähigkeit Spaniens zu einer Reaktion? Es könnte einem in den Sinn kommen, denn die finanziellen Mittel für neue Investitionen würden fehlen und man habe selbst genügend Probleme zuhause. Sei das der neue Umgang mit Spanien oder nur ein Beispiel für die Verrohung der Sitten?

Der nicht frei konvertierbare Yuan dürfe seit Montag eine verdoppelte, also eine einprozentige Schwankungsbreite im Wechselkursverhältnis mit dem Dollar haben. Die Regierung in Peking habe sich dazu entschlossen, die Wechselkursbildung des Yuan stärker den Märkten zu überlassen. Mit dem flexibleren Wechselkurs gebe Peking auch eine "künstliche Unterbewertung" ihrer Währung auf, die den Export gefördert habe. Gebe das Reich der Mitte damit pro Forma einer Forderung der Amerikaner nach? Oder sei es nicht vielmehr ein wichtiger Liberalisierungsschritt auf dem Weg einer langfristigen Etablierung des Yuan als internationale Reservewährung?

Ohne Hintergedanken werde man sich sicherlich nicht zu diesem Schritt entschlossen haben, denn liberal und China passe nicht zusammen. Da China "lediglich" noch ein Wachstum von 8,1% ausweise, sei man aber auch auf das Wohlwollen der Exportpartner angewiesen, um das politisch wichtige Wachstum zu erhalten. Es sei also ein Geben und Nehmen! Aber auch die westlichen Industriestaaten seien auf die Volkswirtschaft China angewiesen und somit entstehe eine wundersame Freundschaft.

Es gebe unterschiedliche Sichtweisen darüber wie die Weltwirtschaft künftig vor Turbulenzen durch den Finanzsektor geschützt werden solle. Während EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen der Meinung sei, dass Europa bereits seinen Beitrag geleistet habe, würden dies die Schwellenländer ganz anders sehen. Dies werde deutlich am Versuch des Internationalen Währungsfonds, (IWF) seine Ausleihkapazitäten um 500 Mrd. US-Dollar zu erhöhen. Nachdem bereits die USA sich verweigern würden, würden sich nun auch die Schwellenländer gegen eine massive Ausweitung der IWF-Mittel für die Euro-Rettung wehren. Brasilien und acht weitere lateinamerikanische Länder im IWF-Exekutivdirektorium würden den Euro-Ländern sogar einen Machtmissbrauch vorwerfen, um die Mittel zu erzwingen. Darin und auch in der Kandidatur für den Chefposten der Weltbank werde das gesteigerte Selbstbewusstsein der Schwellenländer überdeutlich. Die Zeiten der "Ja-Sager" seien vorüber!

Es scheine so, als wäre die Krise wieder neu entfacht und die Marktteilnehmer hätten große Zweifel, ob die Schuldenkrise zu bewältigen sei. Vor allem die Angst um Spanien und Italien sorge weiterhin für viel Unsicherheit. Daher seien Bundesanleihen als "sicherer Hafen" gefragt gewesen. Das beherzte Zugreifen der Anleger bei den vermeintlich sicheren Anleihen habe dem Rentenbarometer zu einem neuen All-Time-High bei 140,56% verholfen. Nun verharre der Bund-Future auf diesem hohem Niveau.

Die weitere Entwicklung sei maßgeblich von der heute anstehenden spanischen Bond-Auktion abhängig. Verlaufe diese nicht wie erhofft, so werde die psychologisch wichtige Marke von 141% in Angriff genommen. Bei einem nachhaltigen Durchstoßen sei die nächste Marke bei ca. 142,50% angesiedelt. Sollte das "Sorgenbarometer Euro-Bund-Future" infolge der Krisenentspannung aber unter Gewinnmitnahmen leiden, so werde die nächste Unterstützung bei 139,45% gesehen. Und erst bei einem nachhaltigen Durchbrechen dieses Bereichs sei ein Abrutschen bis auf 138,50% denkbar.

Langsam erwache der Primärmarkt aus dem Osterschlaf. Dennoch sei die Emissionstätigkeit noch als lethargisch zu bezeichnen. Dies sei insbesondere der wieder aufkeimenden EU-Schuldenkrise geschuldet. Nur wenige Unternehmen hätten sich an den Primärmarkt gewagt. Wie beim FC Bayern, habe auch hier hauptsächlich Frankreich die Akzente gesetzt.

So habe das französische Unternehmen für Elektrotechnik Legrand SA am Kapitalmarkt 400 Mio. EUR zu einem Zinssatz von 3,375% aufnehmen können. Die Anleihe des mit A- gerateten Unternehmens habe ein Laufzeit von zehn Jahren. Die französische Holdinggesellschaft PPR (ISIN FR0000121485 / WKN 851223), die unter ihrem Dach einige Nobelmarken vereine (u.a. Gucci, Yves Saint Laurent, PUMA) sei der Zweite im Bunde gewesen und habe sogar 500 Mio. EUR an frischem Kapital einsammeln können. Die 2019 fällige Anleihe beschere den Investoren eine jährliche Verzinsung von 3,125% und werde mit BBB benotet.

In dieser Woche habe die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts dem Geldmarkt 214,0 Mrd. EUR (Vw.: 214 Mrd. EUR) entzogen. Dieser Betrag entspreche der Summe der - im Rahmen des Ankaufprogramms - abgewickelten Transaktionen. Auch in dieser Woche sei die EZB am Kapitalmarkt nicht aktiv gewesen. Somit habe die EZB Gebote von 75 Instituten erhalten (Vw.: 66) über 438,324 Mrd. EUR (Vw.: 365,273 Mrd. EUR). Der gewogene Durchschnittssatz habe 0,26% betragen (Vw.: 0,26%).

In den USA seien in dieser Handelswoche den Investoren neben Geldmarktpapieren auch eine inflationsindexierte Anleihe zum Kauf angeboten worden. Dabei habe es sich um 30 Mrd. US-Dollar als 4-Wochen-, 30 Mrd. US-Dollar als 3-Monat-, 28 Mrd. US-Dollar als 6-Monat-T-Bills, sowie 16 Mrd. US-Dollar als 5-Jahre-TIPS gehandelt.

In Euroland seien in dieser Handelswoche zwei Altemissionen Frankreichs (ISIN FR0010163543 / WKN A0DYDV, 2015; ISIN FR0120473253 / WKN A1G02A, 2017) und in Deutschland die aktuelle 2-jährige Bundesschatzanweisung sogar um 5 Mrd. EUR auf insgesamt 15 Mrd. EUR aufgestockt worden. Die Zuteilung des 1,8-fach überzeichneten Wertpapiers sei bei einer Durchschnittsrendite i.H.v. 0,14% erfolgt.

Zu Beginn der Handelswoche habe der Euro seine Gewinne nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten wieder abgeben müssen. Er sei sogar kurzzeitig unter die Marke von 1,30 gefallen. Erst die positiven Konjunkturdaten in Euroland hätten die Gemeinschaftswährung wieder in das alte Fahrwasser zurückgebracht. Vor der heutigen spanischen Bondauktion pendle der Euro aktuell um die 1,3150. Gegenüber dem Südafrikanischen Rand und der Schwedischen Krone habe der Euro seine in der letzten Woche aufgestellten Drei-Monats-Hochs nicht verteidigen können. Er sei bis auf 10,2 respektive 8,83 zurückgefallen.

Im Vorfeld der anstehenden Entscheidungen seien die privaten Anleger weiterhin auf der Suche nach Anleihen in Alternativwährungen. Diese Woche seien hauptsächlich Bonds auf australische Dollar, sowie auf skandinavische Währungen nachgefragt worden.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (19.04.2012/alc/a/a)






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