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Bond-Anleger tauschen Bankanleihen gegen ausgewählte Lieblinge aus der Industrie
11.10.11 09:22
Baader Bank
Unterschleissheim (anleihencheck.de) - Die Anleger am Bondmarkt lassen Anleihen der Banken fallen wie heiße Kartoffeln - und finden Alternativen bei gut gerateten Bonds von Industrieunternehmen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Nachdem sich die Bankenkrise europaweit verschärft habe, sei es in dieser Woche zunächst zu einem Ausverkauf von Banktiteln gekommen. Erst nach deutlichen Kursverlusten seien wieder vereinzelt Käufer zu sehen gewesen, die das niedrigere Niveau zum Einstieg genutzt hätten.
So sei ein Bond von Merill Lynch mit Laufzeit 10/2013 und einem Kupon von 4,625% von rund 102% auf 93,60% zurückgefallen. Eine Tier-Anleihe (ISINXS0160850227/ WKN 716977) der BNP Paribas ohne Endfälligkeit und einem Kupon von 5,8680% habe innerhalb weniger Tage von rund 74% auf 67% nachgegeben. Ein 4%-iger Bond (ISIN XS0211034540 / WKN A0DXMY) von Goldman Sachs mit Laufzeit 2/2015 sei von 96% auf 93,6% gefallen.
Aber vor allem die Bonds der von Liquiditätsproblemen geschüttelten franko-belgischen Bank Dexia hätten heftige Abschläge hinnehmen müssen. Ein 7/2014 fälliger Bond (ISIN XS0440007176 / WKN A1AJ7Y) der Dexia mit einem Kupon von 5,3750% sei innerhalb eines Tages von 93,62% auf knapp 87% abgesackt.
Indessen würden die Anleger Bankenbonds gegen Corporate Bonds von Industrieunternehmen mit guter Bonität tauschen. Besonders gesucht seien ein noch frischer Bond (ISIN FR0010957274 / WKN A0VSYT) von Peugeot, der bis 10/2013 laufe und bei einer Verzinsung von 4,00% eine Rendite von ca. 4,36% abwerfe. Ebenso stünden Anleihen (ISIN XS0686703736 / WKN A1GV10) von HeidelbergCement mit Laufzeit 12/2018, die mit einem Kupon von 9,50% mit 9,67% rentieren würden, im Mittelpunkt. Außerdem seien Bonds (ISIN XS0297698853 / WKN A0NTUJ) von Linde gesucht, die 4/2012 fällig würden und bei einem 4,375%er-Kupon 1,5% Rendite bringen würden.
Die Euro-freien Zonen scheinen derzeit zu den Lieblingen der Ratingagenturen zu gehören, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank. Nicht von ungefähr habe Standard & Poor's die höchste Bonitätsnote für Dänemark und Schweden bestätigt. Die Staatsanleihen der beiden skandinavischen Länder würden die Bestnote "AAA" erhalten, den Ausblick für die beiden bewerte S&P als "stabil". Und obwohl Großbritannien keiner der wirtschaftlichen Musterschüler sei, aber eben nicht zur Euro-Zone gehöre, habe ihm S&P ein "AAA" verliehen - ebenfalls mit stabilem Ausblick.
Entsprechend gesucht seien vor allem die auf Schwedische Kronen lautenden Anleihen der EIB. Im Anlegerinteresse stünden hier ein bis 7/2013 laufender Titel (ISIN XS0647000065 / WKN A1GTF2), der bei einem Kupon von 2,50% mit 1,45% rentiere, und eine Anleihe (ISIN XS0648618915 / WKN A1GTNG) mit Laufzeit 8/2015, einem Kupon über 3,25% und einer Rendite von 2,07%. Außerdem sei eine Anleihe (ISIN XS0669364068 / WKN A1GUYX) der BNG, die bis 8/2014 laufe, und bei einer Verzinsung von 2,1250% eine Rendite von 1,85% abwerfe, gefragt. Alle drei Bonds würden ein AAA-Rating aufweisen.
Ob sich indessen die Steigerung bei den 5-jährigen Kreditausfallversicherungen auf deutsche Staatsanleihen als Vorbote einer Herabstufung der deutschen Bonität erweise, werde die Zukunft zeigen. Fest stehe, dass die Kosten zur Absicherung von Bundesanleihen über 10 Mio. Euro - die so genannten Credit Default Swaps (CDS) - vergangene Woche in der Spitze um 60 auf 118 Basispunkte gestiegen seien - ein Rekordwert, der bisher noch nie erreicht worden sei. Mittlerweile liege der Wert bei rund 114 Basispunkten oder 114.000,- Euro.
Heute sei es nun soweit. Der noch amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet lade ein letztes Mal zur Pressekonferenz und übergebe in diesem Monat das Zepter an seinen Nachfolger Mario Draghi. Werde er leise Adieu sagen oder sich nochmals mit einem Paukenschlag in Erinnerung bringen? Beide Varianten seien denkbar. Aber es sei wohl zu erwarten, dass der "Eiserne Jean" noch keine Zinssenkung verkünden werde. Vielmehr dürfte er sich damit begnügen, ein zwölfmonatiges Refinanzierungsgeschäft mit Vollzuteilung anzukündigen. Für eine Leitzinssenkung sei es noch zu früh.
In den letzten Wochen und Monaten habe sich die Europäische Zentralbank einem nicht für möglich gehaltenen Aktionismus hingegeben und somit werde man versuchen, die nationalen Entscheidungen bezüglich des EFSF abzuwarten. Sollte die Slowakei mit "Nein" stimmen, könnte allerdings Mario Draghi sich als erster EZB-Präsident verewigen, der sozusagen als erste Amtshandlung eine Zinssenkung verkünden müsse. Der EZB würde somit die Rolle als "Retter in größter Not" zufallen.
Sollte aber im November noch Zeit zu einem Start mit ruhiger Hand vorhanden sein, so wäre es an der Tagesordnung, die einzelnen "Landesfürsten" mal wieder einzufangen. Denn die große Vielstimmigkeit der EZB-Ratsmitglieder trage nie und nimmer zur Beruhigung der Finanzmärkte bei.
In Europas Bankenwelt stünden die Zeichen auf Sturm. Im Mittelmeerraum braue sich ein Tief zusammen und drohe die europäischen Banken zu belasten. Ob deren Eigenkapitaldecke ausreichend sein werde, dürfe bezweifelt werden. Die Meldungen diesbezüglich seien alles andere als beruhigend. So sei die belgisch-französische Dexia in den hellenischen Schuldenstrudel geraten. Ihr drohe nun die Zerschlagung. Branchenprimus Deutsche Bank warte mit einer Gewinnwarnung auf. Die spanische Zentralbank übernehme die Kontrolle über drei Sparkassen. Und die Diskussion über eine stärkere Beteiligung am Schuldenerlass Griechenlands seitens der Banken sei neu entbrannt.
Weitere Risiken würden sich für die Finanzwirtschaft aus den noch nicht vollständig vollzogenen Wertberichtigungen der Anleihen von Peripherieländern ergeben. Bisher seien die Kurse in den Handelsbüchern angepasst worden, aber noch nicht in den Bankbüchern. Aktuell versuche man sich mittels Vorkehrungen auf die Abwehr einer neuen Banken-Krise vorzubereiten. Die Stresstests seien auch in diesem Jahr zu lasch und somit nicht aussagekräftig gewesen. Nicht umsonst würden in Berlin bereits Überlegungen angestellt, den 480 Milliarden Euro schweren staatlichen Banken-Rettungsfonds SoFFin wieder zu beleben. Stürmische Zeiten kämen da auf uns zu. Es gelte dabei, einen "Banken-Run" zu vermeiden.
Während die einen Staaten überlegen würden, welchen Part sie in der Euro-Schuldenkrise übernehmen könnten, würden andere versuchen, sich unsichtbar zu machen. Im Einzelnen heiße das, dass Japan trotz immenser Verschuldung (220% des BIP) und nicht kalkulierbarer Kosten einer Natur- und Nuklearkatastrophe einem Staat wie Deutschland (Verschuldungsgrad 80% BIP) bei der Bewältigung seiner Schuldenproblematik helfen möchte. Andererseits suche die Slowakei nach Mitteln und Wegen, sich, respektive ihre Bürger, vor einer Transferunion zu schützen.
Bereits in den letzten Wochen habe Finnland für Gesprächsstoff gesorgt, da man Sicherheiten für die Beteiligung an den Griechenlandhilfen verlangt habe. Inzwischen scheine ein Kuhhandel vereinbart - und zwar in Form der Erbringung des Kapitalanteils und geringerer Beteiligung an eventuell erzielten Gewinnen. Das entsprechende Modell für die Slowakei solle nach Vorstellung der Regierungskoalition den eigenen Steuerzahler nichts kosten, um akzeptabel zu sein. Da von den 17 Eurostaaten Einstimmigkeit verlangt werde, grenze das Vorhaben an Erpressung. Auf diesem Weg anderen europäischen Bürgern zusätzliche Risiken aufzuerlegen, sei für einen bekennenden Europäer nicht hinnehmbar.
Die hilfsbereiten Japaner seien hingegen an einer Stabilisierung der Region Euroland nicht zuletzt aus eigenen wirtschaftspolitischen Überlegungen interessiert. So nutze Japan die Gunst der Stunde, sich als drittgrößter Gläubiger der USA teilweise von US-Bonds zu trennen und die frei werdenden Gelder in europäische Staatsanleihen zu investieren.
Auch in dieser Woche hätten sich einige Unternehmen an den Kapitalmarkt gewagt. Interessant zu beobachten sei die Neuemission des Heidelberger Baustoffkonzern HeidelbergerCement AG gewesen. Um bei den aktuell schwierigen Marktbedingungen erfolgreich einen 300 Mio. Euro großen Bond zu emittieren, habe das Unternehmen seinen Investoren einen hohen Kupon von 9,5% bieten müssen. Im Vergleich zu den bereits ausstehenden Bonds sei das viel zu billig, wie manche Marktteilnehmer kritisieren würden.
Mit einer Benotung von Ba2/BB befinde sich das Unternehmen nur 2 Notches vom Investmentgradebereich entfernt. Wenn man nun die Überlegung anstelle, dass viele zyklische High-Yield-Werte schlechter als HeidelbergerCement geratet seien, werde es für diese Unternehmen schwierig werden, sich derzeit zu einem vernünftigen Zinssatz über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Die Anleihe werde 2018 zurückbezahlt.
Der französische Industriekonzern Areva S.A. sei ebenfalls am Kapitalmarkt aktiv geworden. Das Unternehmen habe 500 Mio. Euro mit einem Kupon von 4,625% und einer Laufzeit bis 2017 emittierte. Das Rating liege bei BBB+.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (11.10.2011/alc/m/a)
Nachdem sich die Bankenkrise europaweit verschärft habe, sei es in dieser Woche zunächst zu einem Ausverkauf von Banktiteln gekommen. Erst nach deutlichen Kursverlusten seien wieder vereinzelt Käufer zu sehen gewesen, die das niedrigere Niveau zum Einstieg genutzt hätten.
So sei ein Bond von Merill Lynch mit Laufzeit 10/2013 und einem Kupon von 4,625% von rund 102% auf 93,60% zurückgefallen. Eine Tier-Anleihe (ISINXS0160850227/ WKN 716977) der BNP Paribas ohne Endfälligkeit und einem Kupon von 5,8680% habe innerhalb weniger Tage von rund 74% auf 67% nachgegeben. Ein 4%-iger Bond (ISIN XS0211034540 / WKN A0DXMY) von Goldman Sachs mit Laufzeit 2/2015 sei von 96% auf 93,6% gefallen.
Aber vor allem die Bonds der von Liquiditätsproblemen geschüttelten franko-belgischen Bank Dexia hätten heftige Abschläge hinnehmen müssen. Ein 7/2014 fälliger Bond (ISIN XS0440007176 / WKN A1AJ7Y) der Dexia mit einem Kupon von 5,3750% sei innerhalb eines Tages von 93,62% auf knapp 87% abgesackt.
Indessen würden die Anleger Bankenbonds gegen Corporate Bonds von Industrieunternehmen mit guter Bonität tauschen. Besonders gesucht seien ein noch frischer Bond (ISIN FR0010957274 / WKN A0VSYT) von Peugeot, der bis 10/2013 laufe und bei einer Verzinsung von 4,00% eine Rendite von ca. 4,36% abwerfe. Ebenso stünden Anleihen (ISIN XS0686703736 / WKN A1GV10) von HeidelbergCement mit Laufzeit 12/2018, die mit einem Kupon von 9,50% mit 9,67% rentieren würden, im Mittelpunkt. Außerdem seien Bonds (ISIN XS0297698853 / WKN A0NTUJ) von Linde gesucht, die 4/2012 fällig würden und bei einem 4,375%er-Kupon 1,5% Rendite bringen würden.
Die Euro-freien Zonen scheinen derzeit zu den Lieblingen der Ratingagenturen zu gehören, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank. Nicht von ungefähr habe Standard & Poor's die höchste Bonitätsnote für Dänemark und Schweden bestätigt. Die Staatsanleihen der beiden skandinavischen Länder würden die Bestnote "AAA" erhalten, den Ausblick für die beiden bewerte S&P als "stabil". Und obwohl Großbritannien keiner der wirtschaftlichen Musterschüler sei, aber eben nicht zur Euro-Zone gehöre, habe ihm S&P ein "AAA" verliehen - ebenfalls mit stabilem Ausblick.
Entsprechend gesucht seien vor allem die auf Schwedische Kronen lautenden Anleihen der EIB. Im Anlegerinteresse stünden hier ein bis 7/2013 laufender Titel (ISIN XS0647000065 / WKN A1GTF2), der bei einem Kupon von 2,50% mit 1,45% rentiere, und eine Anleihe (ISIN XS0648618915 / WKN A1GTNG) mit Laufzeit 8/2015, einem Kupon über 3,25% und einer Rendite von 2,07%. Außerdem sei eine Anleihe (ISIN XS0669364068 / WKN A1GUYX) der BNG, die bis 8/2014 laufe, und bei einer Verzinsung von 2,1250% eine Rendite von 1,85% abwerfe, gefragt. Alle drei Bonds würden ein AAA-Rating aufweisen.
Ob sich indessen die Steigerung bei den 5-jährigen Kreditausfallversicherungen auf deutsche Staatsanleihen als Vorbote einer Herabstufung der deutschen Bonität erweise, werde die Zukunft zeigen. Fest stehe, dass die Kosten zur Absicherung von Bundesanleihen über 10 Mio. Euro - die so genannten Credit Default Swaps (CDS) - vergangene Woche in der Spitze um 60 auf 118 Basispunkte gestiegen seien - ein Rekordwert, der bisher noch nie erreicht worden sei. Mittlerweile liege der Wert bei rund 114 Basispunkten oder 114.000,- Euro.
Heute sei es nun soweit. Der noch amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet lade ein letztes Mal zur Pressekonferenz und übergebe in diesem Monat das Zepter an seinen Nachfolger Mario Draghi. Werde er leise Adieu sagen oder sich nochmals mit einem Paukenschlag in Erinnerung bringen? Beide Varianten seien denkbar. Aber es sei wohl zu erwarten, dass der "Eiserne Jean" noch keine Zinssenkung verkünden werde. Vielmehr dürfte er sich damit begnügen, ein zwölfmonatiges Refinanzierungsgeschäft mit Vollzuteilung anzukündigen. Für eine Leitzinssenkung sei es noch zu früh.
In den letzten Wochen und Monaten habe sich die Europäische Zentralbank einem nicht für möglich gehaltenen Aktionismus hingegeben und somit werde man versuchen, die nationalen Entscheidungen bezüglich des EFSF abzuwarten. Sollte die Slowakei mit "Nein" stimmen, könnte allerdings Mario Draghi sich als erster EZB-Präsident verewigen, der sozusagen als erste Amtshandlung eine Zinssenkung verkünden müsse. Der EZB würde somit die Rolle als "Retter in größter Not" zufallen.
Sollte aber im November noch Zeit zu einem Start mit ruhiger Hand vorhanden sein, so wäre es an der Tagesordnung, die einzelnen "Landesfürsten" mal wieder einzufangen. Denn die große Vielstimmigkeit der EZB-Ratsmitglieder trage nie und nimmer zur Beruhigung der Finanzmärkte bei.
In Europas Bankenwelt stünden die Zeichen auf Sturm. Im Mittelmeerraum braue sich ein Tief zusammen und drohe die europäischen Banken zu belasten. Ob deren Eigenkapitaldecke ausreichend sein werde, dürfe bezweifelt werden. Die Meldungen diesbezüglich seien alles andere als beruhigend. So sei die belgisch-französische Dexia in den hellenischen Schuldenstrudel geraten. Ihr drohe nun die Zerschlagung. Branchenprimus Deutsche Bank warte mit einer Gewinnwarnung auf. Die spanische Zentralbank übernehme die Kontrolle über drei Sparkassen. Und die Diskussion über eine stärkere Beteiligung am Schuldenerlass Griechenlands seitens der Banken sei neu entbrannt.
Weitere Risiken würden sich für die Finanzwirtschaft aus den noch nicht vollständig vollzogenen Wertberichtigungen der Anleihen von Peripherieländern ergeben. Bisher seien die Kurse in den Handelsbüchern angepasst worden, aber noch nicht in den Bankbüchern. Aktuell versuche man sich mittels Vorkehrungen auf die Abwehr einer neuen Banken-Krise vorzubereiten. Die Stresstests seien auch in diesem Jahr zu lasch und somit nicht aussagekräftig gewesen. Nicht umsonst würden in Berlin bereits Überlegungen angestellt, den 480 Milliarden Euro schweren staatlichen Banken-Rettungsfonds SoFFin wieder zu beleben. Stürmische Zeiten kämen da auf uns zu. Es gelte dabei, einen "Banken-Run" zu vermeiden.
Während die einen Staaten überlegen würden, welchen Part sie in der Euro-Schuldenkrise übernehmen könnten, würden andere versuchen, sich unsichtbar zu machen. Im Einzelnen heiße das, dass Japan trotz immenser Verschuldung (220% des BIP) und nicht kalkulierbarer Kosten einer Natur- und Nuklearkatastrophe einem Staat wie Deutschland (Verschuldungsgrad 80% BIP) bei der Bewältigung seiner Schuldenproblematik helfen möchte. Andererseits suche die Slowakei nach Mitteln und Wegen, sich, respektive ihre Bürger, vor einer Transferunion zu schützen.
Die hilfsbereiten Japaner seien hingegen an einer Stabilisierung der Region Euroland nicht zuletzt aus eigenen wirtschaftspolitischen Überlegungen interessiert. So nutze Japan die Gunst der Stunde, sich als drittgrößter Gläubiger der USA teilweise von US-Bonds zu trennen und die frei werdenden Gelder in europäische Staatsanleihen zu investieren.
Auch in dieser Woche hätten sich einige Unternehmen an den Kapitalmarkt gewagt. Interessant zu beobachten sei die Neuemission des Heidelberger Baustoffkonzern HeidelbergerCement AG gewesen. Um bei den aktuell schwierigen Marktbedingungen erfolgreich einen 300 Mio. Euro großen Bond zu emittieren, habe das Unternehmen seinen Investoren einen hohen Kupon von 9,5% bieten müssen. Im Vergleich zu den bereits ausstehenden Bonds sei das viel zu billig, wie manche Marktteilnehmer kritisieren würden.
Mit einer Benotung von Ba2/BB befinde sich das Unternehmen nur 2 Notches vom Investmentgradebereich entfernt. Wenn man nun die Überlegung anstelle, dass viele zyklische High-Yield-Werte schlechter als HeidelbergerCement geratet seien, werde es für diese Unternehmen schwierig werden, sich derzeit zu einem vernünftigen Zinssatz über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Die Anleihe werde 2018 zurückbezahlt.
Der französische Industriekonzern Areva S.A. sei ebenfalls am Kapitalmarkt aktiv geworden. Das Unternehmen habe 500 Mio. Euro mit einem Kupon von 4,625% und einer Laufzeit bis 2017 emittierte. Das Rating liege bei BBB+.
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