Erweiterte Funktionen
Anleihemarkt Bankenwerte unter Druck
07.10.11 10:32
Deutsche Börse AG
Frankfurt (anleihencheck.de) - Für deutsche Staatsanleihen ist es in dieser Woche mal hoch, mal runter gegangen - je nach Nachrichtenlage, so die Deutsche Börse AG.
Die jüngsten Äußerungen der Zentralbanken hätten die Gemüter wieder etwas beruhigen können: "Die Krisenstimmung hat sich durch die Ankündigung von Maßnahmen durch die Federal Reserve, die EZB und die Bank of England etwas gelegt", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Die am kommenden Dienstag anstehende Entscheidung der Slowaken über die Ausweitung des Rettungsschirms könne allerdings noch manche böse Überraschung bringen. "Die Anleger bleiben insgesamt weiter verunsichert und halten sich zurück."
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future, der zwischenzeitlich wieder über 138 Punkte geklettert sei, notiere gen Wochenschluss bei 136,12 Punkten und damit in etwa auf dem Stand von vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell eine Rendite von 1,92 Prozent abwerfen nach 1,93 Prozent am vergangenen Freitag.
Zu Anfang der Woche habe sich wieder Nervosität breit gemacht: Griechenland habe nämlich einräumen müssen, das geplante Sparziel für das laufende Jahr nicht erreichen zu können. Zudem habe die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens auf A2 heruntergestuft. Zu allem Übel habe die Krise mit Dexia das erste Opfer unter den Banken gefordert, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler erläutere: "Der Konzern wird wohl aufgespalten werden, wobei Teile verkauft, andere Geschäftsbereiche mit staatlichen Banken verschmolzen werden sollen." Der Rest solle in einer "Bad Bank" landen. "Da wundert es nicht, dass der Bund-Future zu Wochenauftakt deutlich zulegen konnte." Das Rekordhoch sei aber nicht ganz erreicht worden.
Dann hätten allerdings die Optimisten Oberhand gewonnen: Zum einen habe der Europadirektor des IWF erklärt, dass es konkrete Pläne seitens der EU zur Rekapitalisierung des Bankensektors gäbe, wie Brunner erkläre. Zum anderen habe US-Notenbankchef Ben Bernanke weitere expansive Maßnahmen angekündigt, die Bank of England und die EZB seien gefolgt - allerdings seien die Leitzinsen überall unverändert geblieben. "Stattdessen stellt die EZB den Banken wieder für zwölf Monate unbegrenzt Liquidität zur Verfügung und startet zusätzlich im November ein weiteres Kaufprogramm für gedeckte Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Euro."
Wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte, sei es aufgrund verschärfter Liquiditätsnöte der Finanzinstitute zu einem Ausverkauf von Banktiteln gekommen. "Die Anleger lassen Anleihen der Banken fallen wie heiße Kartoffeln." Stattdessen würden lieber Qualitätstitel von Industrieunternehmen gekauft.
"Erst nach deutlichen Verlusten waren wieder vereinzelt Käufer zu sehen, die das niedrige Niveau zum Einstieg nutzten." So sei eine Anleihe (ISIN XS0177573937 / WKN 909412) von Merrill Lynch mit Laufzeit bis Oktober 2013 und einem Kupon von 4,625 Prozent auf 93,60 Prozent zurückgefallen. Dem Papier (ISIN XS0160850227 / WKN 716977) von BNP Paribas und dem Papier (ISIN XS0211034540 / WKN A0DXMY) von Goldman Sachs sei es ähnlich gegangen. Besonders hart habe es aber die von Liquiditätsproblemen geschüttelte franko-belgische Dexia getroffen: "Ein im Juli 2014 fälliger Bond (ISIN XS0440007176 / WKN A1AJ7Y) mit einem Kupon von 5,3750 Prozent sackte innerhalb eines Tages von 93,62 auf knapp 87 ab." Auch die anderen Händler würden Abgabedruck bei Dexia-Anleihen bestätigen.
Kauffreudig hätten sich Investoren hingegen bei Solidem aus der Industrie gezeigt: "Besonders gesucht ist ein noch frischer Bond (ISIN FR0011124544 / WKN A1GVY7) von Peugeot, der bis März 2016 läuft und bei einer Verzinsung von 6,875 Prozent eine Rendite von etwa 6,85 Prozent abwirft", erkläre Stopp. Außerdem fänden Anleihen (ISIN XS0297698853 / WKN A0NTUJ) von Linde mit Laufzeit bis April 2012 und einem Kupon von 4,375 Prozent viel Zuspruch.
Gut angekommen sei die Neuemission (ISIN XS0686703736 / WKN A1GV10) von HeidelbergCement, allerdings habe das Unternehmen einen hohen Kupon von 9,5 Prozent bieten müssen. Manche Marktteilnehmer hätten das zu viel gefunden, wie Stopp berichte. "Mit einer Benotung von Ba2/BB befindet sich das Unternehmen nur zwei Stufen vom Investmentgrade-Bereich entfernt."
Bei reger Nachfrage seitens der Privatanleger habe sich die zuletzt stark unter Druck geratene Anleihe (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) von SolarWorld mit Laufzeit bis 2017 und einem Kupon von 6,125 Prozent etwas erholen können, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler melde. "Im Tief ist die Anleihe auf 50 Prozent gefallen, heute notiert sie wieder bei 55 Prozent."
Doch längst nicht für alle hochverzinslichen Anleihen gehe es aufwärts: "Insgesamt hält der Druck auf High-Yielder an." Etwa werde die bis 2018 laufende Anleihe (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) von Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007 / WKN 731400) mit einem Kupon von 9,25 Prozent aktuell zu nur 59 Prozent und damit auf einem neuen Tief gehandelt. "Das ergibt eine Rendite von 21,12 Prozent."
Die europäischen Länder, die nicht der Eurozone angehören würden, könnten unterdessen frohlocken: "Die Euro-freien Zonen scheinen derzeit zu den Lieblingen der Rating-Agenturen zu gehören", kommentiere Klaus Stopp und verweise auf die jüngst bestätigten Standard & Poor's-Bestnoten für Dänemark, Schweden und sogar Großbritannien. Gesucht seien daher auf schwedische Kronen lautenden Anleihen, etwa von der Europäischen Investitionsbank EIB (ISIN XS0647000065 / WKN A1GTF2; ISIN XS0648618915 / WKN A1GTNG) oder vom niederländischen Spezialfinanzierer BNG (ISIN XS0669364068 / WKN A1GUYX). "Alle drei Bonds weisen ein AAA-Rating auf."
Auch Anleihen auf Norwegische Kronen, Amerikanische, Australische, Kanadische und Neuseeländische Dollar sowie auf Türkische Lira und Südafrikanische Rand seien im Fokus der Privatanleger geblieben. (07.10.2011/alc/m/a)
Die jüngsten Äußerungen der Zentralbanken hätten die Gemüter wieder etwas beruhigen können: "Die Krisenstimmung hat sich durch die Ankündigung von Maßnahmen durch die Federal Reserve, die EZB und die Bank of England etwas gelegt", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Die am kommenden Dienstag anstehende Entscheidung der Slowaken über die Ausweitung des Rettungsschirms könne allerdings noch manche böse Überraschung bringen. "Die Anleger bleiben insgesamt weiter verunsichert und halten sich zurück."
Der richtungsweisende Euro-Bund-Future, der zwischenzeitlich wieder über 138 Punkte geklettert sei, notiere gen Wochenschluss bei 136,12 Punkten und damit in etwa auf dem Stand von vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell eine Rendite von 1,92 Prozent abwerfen nach 1,93 Prozent am vergangenen Freitag.
Zu Anfang der Woche habe sich wieder Nervosität breit gemacht: Griechenland habe nämlich einräumen müssen, das geplante Sparziel für das laufende Jahr nicht erreichen zu können. Zudem habe die Rating-Agentur Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens auf A2 heruntergestuft. Zu allem Übel habe die Krise mit Dexia das erste Opfer unter den Banken gefordert, wie Arthur Brunner von ICF Kursmakler erläutere: "Der Konzern wird wohl aufgespalten werden, wobei Teile verkauft, andere Geschäftsbereiche mit staatlichen Banken verschmolzen werden sollen." Der Rest solle in einer "Bad Bank" landen. "Da wundert es nicht, dass der Bund-Future zu Wochenauftakt deutlich zulegen konnte." Das Rekordhoch sei aber nicht ganz erreicht worden.
Dann hätten allerdings die Optimisten Oberhand gewonnen: Zum einen habe der Europadirektor des IWF erklärt, dass es konkrete Pläne seitens der EU zur Rekapitalisierung des Bankensektors gäbe, wie Brunner erkläre. Zum anderen habe US-Notenbankchef Ben Bernanke weitere expansive Maßnahmen angekündigt, die Bank of England und die EZB seien gefolgt - allerdings seien die Leitzinsen überall unverändert geblieben. "Stattdessen stellt die EZB den Banken wieder für zwölf Monate unbegrenzt Liquidität zur Verfügung und startet zusätzlich im November ein weiteres Kaufprogramm für gedeckte Anleihen im Volumen von 40 Milliarden Euro."
Wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte, sei es aufgrund verschärfter Liquiditätsnöte der Finanzinstitute zu einem Ausverkauf von Banktiteln gekommen. "Die Anleger lassen Anleihen der Banken fallen wie heiße Kartoffeln." Stattdessen würden lieber Qualitätstitel von Industrieunternehmen gekauft.
Kauffreudig hätten sich Investoren hingegen bei Solidem aus der Industrie gezeigt: "Besonders gesucht ist ein noch frischer Bond (ISIN FR0011124544 / WKN A1GVY7) von Peugeot, der bis März 2016 läuft und bei einer Verzinsung von 6,875 Prozent eine Rendite von etwa 6,85 Prozent abwirft", erkläre Stopp. Außerdem fänden Anleihen (ISIN XS0297698853 / WKN A0NTUJ) von Linde mit Laufzeit bis April 2012 und einem Kupon von 4,375 Prozent viel Zuspruch.
Gut angekommen sei die Neuemission (ISIN XS0686703736 / WKN A1GV10) von HeidelbergCement, allerdings habe das Unternehmen einen hohen Kupon von 9,5 Prozent bieten müssen. Manche Marktteilnehmer hätten das zu viel gefunden, wie Stopp berichte. "Mit einer Benotung von Ba2/BB befindet sich das Unternehmen nur zwei Stufen vom Investmentgrade-Bereich entfernt."
Bei reger Nachfrage seitens der Privatanleger habe sich die zuletzt stark unter Druck geratene Anleihe (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) von SolarWorld mit Laufzeit bis 2017 und einem Kupon von 6,125 Prozent etwas erholen können, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler melde. "Im Tief ist die Anleihe auf 50 Prozent gefallen, heute notiert sie wieder bei 55 Prozent."
Doch längst nicht für alle hochverzinslichen Anleihen gehe es aufwärts: "Insgesamt hält der Druck auf High-Yielder an." Etwa werde die bis 2018 laufende Anleihe (ISIN DE000A1KQ1E2 / WKN A1KQ1E) von Heidelberger Druck (ISIN DE0007314007 / WKN 731400) mit einem Kupon von 9,25 Prozent aktuell zu nur 59 Prozent und damit auf einem neuen Tief gehandelt. "Das ergibt eine Rendite von 21,12 Prozent."
Die europäischen Länder, die nicht der Eurozone angehören würden, könnten unterdessen frohlocken: "Die Euro-freien Zonen scheinen derzeit zu den Lieblingen der Rating-Agenturen zu gehören", kommentiere Klaus Stopp und verweise auf die jüngst bestätigten Standard & Poor's-Bestnoten für Dänemark, Schweden und sogar Großbritannien. Gesucht seien daher auf schwedische Kronen lautenden Anleihen, etwa von der Europäischen Investitionsbank EIB (ISIN XS0647000065 / WKN A1GTF2; ISIN XS0648618915 / WKN A1GTNG) oder vom niederländischen Spezialfinanzierer BNG (ISIN XS0669364068 / WKN A1GUYX). "Alle drei Bonds weisen ein AAA-Rating auf."
Auch Anleihen auf Norwegische Kronen, Amerikanische, Australische, Kanadische und Neuseeländische Dollar sowie auf Türkische Lira und Südafrikanische Rand seien im Fokus der Privatanleger geblieben. (07.10.2011/alc/m/a)
Werte im Artikel




