(Schönen Gruß an Rigomax & Co.)
Wulff und die Rabulistik
Gleichgültig, ob nun der Bundespräsident etwas Verwerfliches tat oder nicht, bemerkenswert sind in jedem Fall die vielen Argumentationsstränge, die nicht einmal mehr versuchen, den Fall an sich zu bewerten, sondern in lediglich in Relation zu anderen setzen und damit seine Banalität erklären. "Da gib es ganz andere Kaliber", "Andere Politiker haben viel mehr Dreck am Stecken" und ähnliche Kommentare weisen auf eine zunehmende Gewöhnung an bestimmte (Fehl)Verhaltensweisen hin. Auch die Wulffsche Rabulistik wird zunehmend nicht mehr als etwas Negatives angesehen, sondern vielmehr achselzuckend als typische Verhaltensweise bei Politikern. Tricksen, täuschen und ablenken gilt mittlerweile als Normalzustand, weniger als ein Zustand, dem Abhilfe geschaffen werden muss. [Zensiert] Schachzüge sind ebenso normal geworden wie reine Ablenkungsmanöver, die Fragesteller auf falsche Fährten locken.
Auch die Wulffsche Art, mit Fragen umzugehen, stets in Salamitaktik nur das zuzugeben, was nicht mehr verleugnet werden kann, konkrete Antworten zu vermeiden und sich eher in Opfermanier zu gebärden, ist weder neu noch originell und führt bei vielen, die sich von den vielen Wulff-Meldungen quasi überfüttert fühlen, zu ähnlichen Ablenkungsreaktionen. In einem Sketch erläuterte der Komiker Otto Waalkes einmal, wie beim Schmuggeln von Lebensmitteln über die Grenze vorgegangen werden kann. Eine Möglichkeit war die "Brasilienmethode" - beim Schmuggeln einer Wurst ertappt, sollte der Delinquent mit "Sie regen sich über eine geschmuggelte Wurst auf und in Brasilien wird der Kaffee ins Meer geschüttet" reagieren und sich die Irritation des Zöllners zunutze machen, um zu fliehen. Eine frühe Form der Chewbacca-Verteidung sozusagen.
So und ähnlich muten Kommentare wie "Als hätten wir keine anderen Probleme", "Bringt mal was Wichtiges" oder "Unsere Wirtschaft kollabiert und wir reden über Wulff" an, die sich derzeit in vielen Foren finden lassen. Eine Übersättigung mit dem Thema ist sicherlich eingetreten, doch wird auch das Problem, für das Wulff lediglich ein Symptom ist, damit marginalisiert und bagatellisiert.
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