In dieser Woche schaltete sich eine längst vergessene Expertin für düstere Medienmachenschaften in die Debatte ein. Die Nachrichtensprecherin Eva Herman hatte sich vor gut vier Jahren aus der Öffentlichkeit verabschiedet, seitdem arbeitet sie als professionelles Medienopfer beim Weltverschwörungsverlag Kopp, wo sie eine Sendung hat, die so tut, als ginge es um Nachrichten mit DVDs voller „Fakten und Hintergrundinformationen, die Ihnen von den Mainstream-Medien verschwiegen werden“. Am Mittwoch befragte Herman den „Querdenker“ Arne Hoffmann zu der Frage: „Wulff-Krise oder Medien-Desaster?“ - was natürlich eine rein rhetorische Frage war. Eine Hetzjagd sei im Gange, so Herman, „die inzwischen auch den Bürger traumatisiere“. Und auch Hoffmann attestierte den Medien „freiwillige Selbstgleichschaltung“ und stellte Christian Wulff in eine Reihe mit anderen Opfern „medialer Massensteinigungen: Möllemann, Hohmann, Sarrazin, Herman.
Sie haben wieder Konjunktur, die Warnungen vor der „Medienmeute“, die Klagen über den gutmenschlichen Mainstream (willkommen im Club, „Bild“-Zeitung!) und über die Hauptstadtjournalisten und ihr Kartell. Die Vorstellung, dass es sich bei der Berichterstattung über die Unzulänglichkeiten des Bundespräsidenten um eine Hetzkampagne handele, ist so präsent, dass sich überzeugte Paria wie Herman, die ihre Ansichten natürlich ungehindert überall herummeinen können, sich demnächst schwertun werden damit, sich weiterhin als Opfer von Denkverboten zu inszenieren.
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