Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

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12.12.25 17:01 #199901 Integration' zu fordern meint
"Parallelgesellschaften  und Subkulturen gibt es massenhaft, die Welt der Altenheimbewohner ist eine davon. Diese Unterschiede zehren alle von dem Recht, einer herangetragenen Rollenerwartung nicht zu entsprechen. Dabei handelt es sich um den Kern des bürgerlichen Freiheitsbegriffes, der wesentlich Partei nimmt für das Individuum in Abwehr eines übergriffigen Kollektivs. 'Integration' zu fordern meint diesen Freiheitsbegriff abzulehnen."

All diese Beispiele für Parallelgesellschaften (von Altenheim bis Zwangsehen) eint der blinde Oberbegriff der Freiheit - obschon es mit dieser Freiheit nicht weit her ist, insofern ein beträchtlicher Teil der Altenheimbewohner eine Rollenerwartung via Vorsorgevollmacht aufoktroyiert wird - und nie vergesse ich den Insassen, der mich bat, ihn nach Delmenhorst zu fahren (ich hatte grad keine Zeit).

Integration wird seltenst von Einheimischen gefordert. Umso häufiger von Zuwanderern. Welchen Platz beanspruchen sie, die unser System der bürgerlichen Freiheit, das ihnen Schutz und Versorgung gewährt, dankend annehmen, ohne ein beisteuerndes Feedback leben zu wollen?

Wenn keine Integration gefordert wird, ist ein Freiheitsbegriff (gemeint als Daseinsberechtigung innerhalb eines Normenrahmens) obsolet.  
12.12.25 18:28 #199902 Integrieren in was
Seid ihr so ahnungslos oder tut ihr nur so?

Das Bild des jugendlichen Pärchens oben, welches sich da inszeniert, voll modisch damals, also sehr integriert innerhalb einer Jugendkultur, ist wohl von Vorvorgestern.
Wäre interessant ein aktuelles Bild der abgebildeten Personen zu sehen. Die laufen kaum mehr so rum und wenn, sieht es wohl richtig blöde aus, und sie sind tragisch stehen geblieben.

Das Leben besteht aus ständigen Integrationsprozessen, der sieht nicht für alle gleich aus, aber gerade auch in Altenheimen, aber auch in Jobs, in Schulen, in Nachbarschaften, Familien, Freundeskreisen usw. selbst in Subkulturen, da kann man nicht erwarten, dass sich alle anderen einem anpassen.  

Der Begriff Freiheit bedeutet eben auch Selbstbeschränkungen, da es auch die Freiheit der Anderen ist.
Wer das nicht kapiert wird halt ständig unzufrieden sein und sich vielleicht wundern, dass sich andere nur ab einem nerven. Dann kann man jammern, die eigne Freiheit sei eingeschränkt. Ist oft eher tragisch bei Erwachsenen mAn. Die eigne Freiheit ist ein Privatsache und nicht gratis zu bekommen, das sind ständige Lernprozesse mAn. weiss ich aus eigener Erfahrung. Ich war auch einmal ganz anders drauf.  

Wenn man in ein anderes Land, Umfeld usw. emigriert oder auswandert, dann kann man erst recht nicht erwarten, dass sich dieses Umfeld den eignen mit gebrachten Vorstellungen anpasst und den roten Teppich auslegt die ganze Zeit. Denn da gibt es viele andere Vorstellungen die bereits da sind, weil sie sich so entwickelt und etabliert haben, auch durch Einflüsse von Migranten, da wurden auch viele Dinge integriert über die Zeit. Doch wenn man tatsächlich hier leben will, dann kann man sich und seine Vorstellungen dieser Welt einigermassen anpassen, wenn man nicht hier leben will, dann kann man auch wieder gehen. Das Leben ist doch kein Wunschkonzert, wo man ständig das eigne individuelle Paradies serviert bekommt, weil das dann für andere zum Ärgernis wird.

Diese Gesellschaft und dieses Umfeld hier, haben auch sehr viel anzubieten, es kommen gerade auch sehr viele Deutsche in die Schweiz. Die kapieren das mit der Integration öfter nicht so, meinen sie seien in einem Deutschen Bundesland hier. Wenn ich nun eure Vorstellungen und Verweigerung zu Integration lese, wundert mich das auch nicht mehr.

Wenn man das hier ablehnt, dann hat man einen Fehler gemacht hier her zu kommen und wird hier nicht glücklich werden. Es gibt für niemanden eine Glücksgarantie.
Das ist nun einmal auch eine "harte" Welt und viele leiden auch. Ist nun einmal so.

 
12.12.25 18:53 #199903 Daseinsberechtigung innerhalb eines Normen.
'Wenn keine Integration gefordert wird, ist ein Freiheitsbegriff (gemeint als Daseinsberechtigung innerhalb eines Normenrahmens) obsolet'

Das ist keine Antwort auf die Frage 'Integration worin'. Der bürgerliche Freiheitsbegriff bezieht sich nicht auf das Recht zu einer blossen Existenz, sondern darauf auch dann sanktionslos Verhaltensweisen an den Tag legen zu dürfen, wenn diese einen Dissens, eine Differenz, eine Nichtidentität gegenüber Rollenerwartungen und Konventionen einer Mehrheitsgesellschaft markieren. Einschränkung erfährt dieses Recht durch das identische Recht der sozialen Umgebung auf den jeweils eigenen Entwurf, womit im Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft der perfekt Integrierte mit dem Outlaw grundrechtlich gleichgestellt wird.

Dass dieses Recht gewährt wird bedeutet das es auch wieder entzogen werden kann, was auf Funktionen von Herrschaft und Abhängigkeit verweist die in der bürgerlichen Gesellschaft natürlich nicht aufgehoben werden.  In der gesellschaftliche Realität konkurrieren alle möglichen Wertemodelle, Lebensentwürfe und soziale Verhaltensweisen um Response, wobei die demonstrative Weigerung sich zu integrieren nicht gerade selten zum Startschuss einer Karriere werden kann. In dieser Realität gibt es längst keine hegemoniale Konvention mehr, die man einem Einwanderer nahelegen könnte. In den Augen der konservativen Revolution ein rückabzuwickelnder 'Untergang des Abendlandes',  womit sie ihrerseits Teil des ' Great Divide' geworden ist.  
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it's the culture, stupid
12.12.25 21:02 #199904 Weigerung
Zitat fill: Der bürgerliche Freiheitsbegriff bezieht sich nicht auf das Recht zu einer blossen Existenz, sondern darauf auch dann sanktionslos Verhaltensweisen an den Tag legen zu dürfen, wenn diese einen Dissens, eine Differenz, eine Nichtidentität gegenüber Rollenerwartungen und Konventionen einer Mehrheitsgesellschaft markieren.

Also das gilt dann wohl auch für Verschwörungstheoretiker, Extremisten aller Art, religiösen Fanatiker aller Art, Antisemiten, Faschisten usw..?
Du rechtfertigst ja auch alles was du ansonsten total ablehnst, weil du dich dumm stellst. Nur um etwas zu rechtfertigen, was du als richtig empfindest, nur ist das auch völlig irrelevant. Nur trägst du damit auch bei zur Zerstörung eines allgemeinen Konsens, an dem du dich auch nicht orientieren willst. Dann beklage aber auch dessen Zerfall nicht, du machst ja munter mit bei der Demontage.
 
12.12.25 22:14 #199905 'Extremisten aller Art'
Ja, der bürgerliche Freiheitsbegriff gilt auch für Extremisten aller Art. Innerhalb des gewährten bzw geforderten Rechtsrahmens. Mein persönliches Kriterium für eine rote Linie ist aber nicht der bürgerliche Rechtsrahmen, sondern die Fähigkeit oder wenigstens die realistische Möglichkeit Macht destruktiv über andere ausüben zu können. Gequatsche in Foren oder auf Tiktok gehört nicht dazu.  
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it's the culture, stupid
13.12.25 09:55 #199906 Macht destruktiv über andere ausüben
Ich glaube ja, dir geht es um den Islam und dessen Regeln, Sitten und Gebräuche, wenn du dich so gegen Integration stemmst.
Du gehörst zwar weder dieser Glaubensgemeinschaft an, noch zelebriert du dessen Regeln, Sitten und Gebräuche.

Die Nazis haben eine furchtbare und auch falsche Rassenlehre den Leuten eingetrieben und das wirkt bis heute nach. Eine Religion ist keine Rasse und auch die Germanen sind keine Rasse, wir Europäer, wir modernen Menschen allgemein, kommen alle ursprünglich aus Afrika und stammen von diversen Stämmen ab, haben auch nachweislich noch etwas DNA, von den von "uns" ausgerotteten Europäischen Menschen, den Neandertalern.

Nun hat man in Europa die Zeiten hinter sich gelassen, als die Kirchen die Gesetze machten und Macht über alle ausübten, heute ist Gaube hier eine Privatsache. Doch das ist nicht überall so. Aber hier ist es so.
So kann man die Bibel und die Kirchen und das Christentum auch kritisieren oder selber interpretieren. Das ist eine Errungenschaft und eine Grundlage der Freiheit.

Und jetzt redet man Muslimen ein, welche nun hier leben, diese Freiheit solle nicht für sie gelten.
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13.12.25 13:16 #199907 'Und jetzt redet man Muslimen ein'
'So kann man die Bibel und die Kirchen und das Christentum auch kritisieren oder selber interpretieren. Das ist eine Errungenschaft und eine Grundlage der Freiheit. Und jetzt redet man Muslimen ein, welche nun hier leben, diese Freiheit solle nicht für sie gelten'

Ich selbst rede ihnen das jedenfalls nicht ein. Dass man sich selbst aussuchen kann und laut Existenzphilosophe auch muss, als was und wer man durch die Welt geht, ist doch nicht an enthnische und/oder kulturelle Herkunft gebunden. Wenn dies jemand als Muslim tun will kann man dies kritisieren, lebenspraktisch muss man ihn aber ziehen lassen. Verfügt er über Macht und setzt diese destruktiv ein, sollte ihm diese Möglichkeit entzogen werden. Theoretisch eine Aufgabe nicht nur für staatliche Institutionen, sondern auch für sein soziales Umfeld.  
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it's the culture, stupid
13.12.25 19:15 #199908 gibt es längst keine hegemoniale Konventio.
Es scheint mir ein systemisches Missverstehen vorzuliegen bzgl. der Wortfelder rund um Integration und Freiheit.
Freiheit, in unserer Kulturgemeinschaft, bedeutet, desintegrativen Strömungen Entwicklungsraum zu geben, um sich potenziell daran und damit zu bereichern. Das ist schlicht die Geschichte des Abendlandes.
Gehen freilich als "Freiheit" missverstandene Entwicklungen solcher Kulturen, die nicht vereinzelt auftreten, sondern in Massen, einher mit reziproken Intergrationsvisionen, ist der freie Integrationsraum schnell an den Grenzen, die er zuvor zu setzen vergessen hat, und dann verabschiedet sich auch sang- und klanglos der Begriff der Freiheit, denn welchen Sinn macht eine elastische Konvention, die ohne Zustimmung begraben wird, um von einer rigiden Konvention abgelöst wird, in der es keine desintegrativen Strömungen mehr geben darf.

Es gibt keine richtige Freiheit in einer falschen.  
13.12.25 22:50 #199909 'von einer rigiden Konvention abgelöst'
Um es konkret zu machen: Muslimische Einwanderer bleiben mit ihren mehr oder weniger rigiden Konventionen weitestgehend unter sich. Wenn sie Macht destruktiv einsetzen dann weitestgehend gegen ihresgleichen. Das sollte man dann erkennen, offen kritisch adressieren, ernste Rechtsbrüche auch ernsthaft verfolgen und Betroffenen - speziell Mädchen und Frauen - institutionell Exitoptionen anbieten. Muslime verfügen aber keinesfalls über Macht über die Gesellschaft als ganzes, sie haben noch nicht mal die Chance dazu. Ganz im Gegensatz zu den konservativen Revolutionären, die die grundrechtliche Gleichstellung der nichtidentischen Individuen und Teilgruppen mit ihresgleichen als himmelschreiende Ungerechtigkeit skandalisieren, eben darin den Untergang des Abendlandes anprangern und daraus ein unbegrenztes Notwehrrecht ableiten.

Als erstes holten sie den Muslim,
Ich schwieg, denn ich war kein Muslim
Dann holten sie den Queeren.
Ich schwieg, denn...
Dann holten sie die Fettleibigen.
Ich schwieg, denn...

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it's the culture, stupid
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