Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

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23.11.25 11:21 #199726 'Was wäre denn die Alternative zur Altern.
Im Klartext: Was wäre die Alternative zur Zerstörung einer Gesellschaft, die ihre Chancen zwar ungerecht verteilt, aber doch so, dass die allermeisten ein materiell saturiertes Leben führen können. Die logische Antwort wäre diese Gesellschaft nicht zu zerstören. Wenn einer von der Brücke springen will weil er die Matheklausur vermasselt hat, ist die Alternative zur Alternative es nicht zu tun. Man muss dafür nichts besseres anbieten. Es reicht zu sagen, der Notstandshandlung fehle die Grundlage, nämlich der rechtfertigende Notstand. Die westlichen Gesellschaften und ihre Bewohner waren und sind nicht in Not. Die entsteht allein durch das Notstandsregime, dem sie sich in immer grösseren Mehrheiten überantworten wollen.  
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23.11.25 11:32 #199727 Spick hier mal rein
Ist ganz frisch aus der Schweiz:

'Die Summe dieses Buches findet sich gleich zu Beginn seines Schlusskapitels, in Form eines pointierten Mottos: „Weil sie ihr Versprechen, den Menschen von der Barbarei zu erlösen, nicht hält, entfesselt die Zivilisation wieder und wieder barbarische Instinkte. Der Rebell gegen die Zivilisation wird zu grenzenlosen Wutausbrüchen angestachelt, weil die Macht, die den Barbaren in ihm unterdrückt, selbst barbarisch ist.'
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23.11.25 13:23 #199728 Es reicht zu sagen
Zitat fill: Man muss dafür nichts besseres anbieten. Es reicht zu sagen, der Notstandshandlung fehle die Grundlage, nämlich der rechtfertigende Notstand. Die westlichen Gesellschaften und ihre Bewohner waren und sind nicht in Not.

Das sagen auch autoritäre Regimes, es gibt gar keine Probleme. Die Notstandshanlung ist es ja erst mal Parteien nicht mehr zu wählen.
Nur wenn Parteien das sagen, welche die Wählergunst zunehmend verlieren, dann verlieren sie noch mehr davon. Der Wähler wird da auch von dir zum Problem gemacht, dann kann man aber die Demokratie begraben.

Diese Not empfindest du nicht und hast scheinbar null Verständnis dafür.

Doch Not ist relativ und vielfältig und individuell, natürlich gibt es sie, auch Ängste, wenn man die Empathie und Verständnis z.B. nur noch Flüchtlingen zukommen lässt und sie dafür anderen völlig entzieht, dann fühlen die sich übergangen und das ist mAn das Problem vieler linker Parteien, auch hier. Die unterprivilegierten Arbeitnehmer, die klassische Wählerschaft, und deren Probleme und Ängste interessieren die oft einfach nicht mehr, stehen ihnen geradezu im Weg für ihre Auffassung von ihrer Politik.  
23.11.25 15:01 #199729 Die Not, die Not
Ganz einfache Frage aus der Geschichte: Wann war die Not größer, 1932 oder 1945 ?

Niemand, der diese Frage zutreffend beantwortet, muss sich "Arroganz" vorhalten lassen, dass er die Not derer, die 1932 in Not waren, geringschätzen würde.  
23.11.25 15:29 #199730 "Arroganz"
Zitat: Ganz einfache Frage aus der Geschichte: Wann war die Not größer, 1932 oder 1945 ?

Da hat man ja alle Probleme gelöst, super, bleiben nur noch die doofen Wähler.
Soll man Wahlen abschaffen?

Da muss man sich wohl auch nicht Arroganz vorwerfen lassen, wenn "Not" erst überhaupt als solche gilt, wenn man sie selber für andere definiert. Solange man selber zufrieden ist, müssen es alle anderen auch sein.
 
23.11.25 19:34 #199731 Arbeiter und Arbeiterinnen
Ich will meine obigen Beiträge noch untermalen mit einem Artikel.

Zitat daraus: Deutschland rückt nach rechts, das zeigt die Bundestagswahl. Dies gilt ganz besonders für Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich verstärkt der AfD zuwenden. Insbesondere in Industrieregionen in Ost wie West laufen Rechtsextreme den Sozialdemokraten zunehmend den Rang ab.

Also hat das damit zu tun, dass die SPD diese traditionelle Wählerbasis vernachlässigte und die ihre Interessen nicht mehr von ihr vertreten sehen? Oder sind die zu dumm oder zu böse zum wählen, sollte man ihnen dieses Recht absprechen? Wer wäre dann rechtsradikal, wenn man das tun würde? Ist natürlich eine rhetorische Frage. Aber wenn das Angebot der SPD für sie nicht stimmt, und diese ja auch verloren hat kontinuierlich an Wählergunst, dann stimmt doch etwas nicht an deren Programm. Das war deren Ursprung und Daseinsberechtigung sich für diese Gruppe besonders einzusetzen. Ist hier ähnlich, viele Arbeiter wählen nicht mehr SP, dafür Akademiker und Beamte usw.
Jetzt kann man als Nichtarbeiter, gar Akademiker, die verurteilen und darüber befinden, denen geht es doch genau so gut wie einem selbst. Aber das ist selbstgerecht.
Die Arbeiterklasse: Auf dem Weg nach rechtsaußen?, MONITOR am 06.03.2025 - Sendungen - Monitor - Das Erste
Deutschland rückt nach rechts, das zeigt die Bundestagswahl. Dies gilt ganz besonders für Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich verstärkt der AfD zuwenden. Insbesondere in Industrieregionen in Ost wie West laufen Rechtsextreme den Sozialdemokraten
 
23.11.25 21:16 #199732 'Wann war die Not größer,1932 oder 1945.
Die Beschreibung der faschistischen Revolte als Kampf von bitter verarmten Paupers um Brot so wie weiland in den Pariser Hungeraufständen führt völlig in die Irre. Der faschistische Rebell verzweifelt an seinem Leben trotz und wegen seiner materiellen Saturiertheit, die zu ihrem Erhalt die Massregelung seiner barbarischen Instinkte durch das bürgerliche Sanktionsregime lebenslang einfordert. DAS ist seine Not.

Die Produktion künstlicher Knappheit und allerlei künstlicher Härten, auf die sein Zerstörungswerk hinausläuft, ist sein Notausgang aus diesem Dilemma. Höhere Renten, mehr Gehalt, mehr soziale Sicherheit, mehr Aufstiegschancen usw, wie es der linke Mainstream als antifaschistisches Gegengift empfiehlt, machen ihn deshalb nur immer wilder. Er kann darin nur den Versuch sehen, ihm sein vermeintliches Naturrecht auf Zerstörung abzukaufen und eben darin den Beweis seiner Legitimität.  
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23.11.25 22:46 #199733 der linke Mainstream
Zitat fill: Die Produktion künstlicher Knappheit und allerlei künstlicher Härten, auf die sein Zerstörungswerk hinausläuft, ist sein Notausgang aus diesem Dilemma. Höhere Renten, mehr Gehalt, mehr soziale Sicherheit, mehr Aufstiegschancen usw, wie es der linke Mainstream als antifaschistisches Gegengift empfiehlt, machen ihn deshalb nur immer wilder. Er kann darin nur den Versuch sehen, ihm sein vermeintliches Naturrecht auf Zerstörung abzukaufen und eben darin den Beweis seiner Legitimität.

Der linke Mainstream, das sind eben oft Akademiker, Studenten, Sozialarbeiter, Kulturschaffende und Intellektuelle usw, die Almosen verteilen wollen, die sie selber gar nicht erwirtschaften, das tun ua. die Arbeiter*innen, die wollen keine Almosen, die wollen gerechte Löhne und Bedingungen für ihre Arbeit, welche auch einen grossen Teil des linken Mainstreams finanzieren, der sich aber gegenüber diesen aufspielt, als wäre es umgekehrt. Da geht es auch um Identität und Respekt mAn. Und du macht sie pauschal zu Faschisten, weil sie nicht so ticken, wie du dir das vorstellst.  

Ich habe es schon einmal beschrieben, das fast kritiklose Abwinken durch die linken Parteien einer neoliberalen EU-Politik, da geht es um die Interessen der Arbeitgeber, nicht der Arbeitnehmer, das drückt die Löhne und Bedingungen der weniger privilegierten Arbeitnehmer. Und dann verteilt man Almosen, um es zu kaschieren.

Seit wann haben die Intellektuellen eigentlich die Aufgabe die bestehenden "Machtstrukturen" ständig zu verteidigen und nicht zu hinterfragen und kritisieren, sie machen sich ja überflüssig damit und werden nicht einmal bezahlt von den Konzernen, die selber die Mittel haben ihre Interessen zu verteidigen.  
24.11.25 00:24 #199734 'die bestehenden Machtstrukturen zu verteid.
'Seit wann haben die Intellektuellen eigentlich die Aufgabe die bestehenden "Machtstrukturen" ständig zu verteidigen und nicht zu hinterfragen und kritisieren, sie machen sich ja überflüssig damit und...'

Nochmal für dich: Um die bestehenden Machtstrukturen barbarisch, sprich mit der Intention ihrer grösstmöglichen Zerstörung aufzuheben, bedarf es eines rechtfertigenden Notstandes. Den gibt es nirgends im Westen. Deshalb verteidigt sie jeder der noch bei Trost ist gegen die barbarische Alternative.  
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24.11.25 08:32 #199735 bei Trost
Du und halb Deutschland bildet euch ja selber einen Notstand ein, seit langer Zeit? Wähnt euch im Kampfe und Widerstand, auf Seiten der Regierung.
Was hat es gebracht und wohin wird das führen?
Die AfD ist laut Umfragen nun bei ca. 25%, sie war einmal um 10%, als ich hier anfing. War der Kampf erfolgreich? Nein. Weshalb soll er es noch werden? Weil die CDU/CSU und die SPD ein super Team sind? Beide verlieren doch auch dabei. Weshalb die SPD das macht, sich selber in die Bedeutungslosigkeit zu manövrieren. Opposition hätte sie ev. gestärkt.

Mit denen redet man nicht, das sind Nazis, ein Viertel der Bevölkerung sind Schweinehunde und Barbaren, Verbrecher. Ist das gar Rassismus gegenüber den eigenen Mitmenschen. Vielleicht haben die nicht alle Tassen im Schrank. Aber radikalisieren sich um so mehr, desto länger man sie derart stigmatisiert. Und was dabei herauskommen kann, ich befürchte das kann dann tatsächlich übel enden.

Hier hat die SVP, die ein Vorbild war für die AfD, einen Drittel Wähleranteil und ist schon lange in vielen Kantonen in den Regierungen, stellt zwei Bundesräte und einige Ständeräte. Ist der Faschismus ausgebrochen und kam es zu Massenausweisungen? Nein. Das geht nicht so einfach und die Amtsträger mässigen sich und müssen Kompromisse mittragen. Demokratie ist kein Wunschkonzert und man bekommt nicht immer alles, wie man es haben will, gilt auch für die anderen. Wenn man selber keine Demokratie mehr will, dann muss man nicht ständig auf die anderen zeigen, die angeblich die Gefahr darstellen für diese.

Ok. geht mich nichts an, aber ich verstehe das nicht und du und andere konnten es mir bis heute nicht wirklich erklären. Will man gar die Vergangenheit bekämpfen damit?33449379  
24.11.25 11:28 #199736 'Die AfD ist laut Umfragen nun bei ca. 25.
'Die AfD ist laut Umfragen nun bei ca. 25%, sie war einmal um 10%, als ich hier anfing. War der Kampf erfolgreich? Nein. Weshalb soll er es noch werden? Weil die CDU/CSU und die SPD ein super Team sind? Beide verlieren doch auch dabei'.

Die neue Lust an der Zerstörung mit Bewegungscharakter ist ein globales Phänomen und tritt parallel unter völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Bedingungen und ganz gleich wer wie gerade regiert auf. Nur zum Schein simuliert man dafür eine pragmatische Kritik an konkreten Verhältnissen und deren Verwaltern,  um seine angewandten Dystopien als 'Notwehr' verkaufen zu können.

Das Potential dazu war immer schon da, von der bürgerlichen Gesellschaft temporär eingehegt und befriedet, aber offensichtlich ohne es je aufheben zu können.  Bürgerliche Ratio und Benimm, die man selbst stets gepredigt hatte, werden nun wieder von wachsenden Mehrheiten als illegitime Einschränkung der eigenen Machtentfaltung erfahren und zum Abbruch vormarkiert.

Der Protofaschist, der zuvor immer konservativ oder sozialdemokratisch gewählt hatte, votiert nun für die faschistische Alternative. Nichts hat sich geändert ausser dass er zum offenen Vollzug schreitet.  Es hat auch niemand einen Fehler gemacht, ausser mglw den das larvierte Gewaltpotential in der Gesellschaft getriggert zu haben.

Dass nun, in der Zerstörung, die so lange marginalisierten Arbeiterinteressen endlich zum Zuge kämen, ist jetzt eher ein Witz. Keine der Alternativen hat die im Programm, ausser im Gegenzug zur absehbaren Pauperisierung der Arbeiterklasse ihr das Recht auf Drangsalierung von Minderheiten zu versprechen. Ein Arbeiter, der faschistoid wählt, bekundet damit dass es dieses 'Naturrecht' wert ist wieder ein bisschen zu hungern.  Wenn man so will, hat er damit seinen Klassenstandpunkt verlassen und sich so autodestruktiv von seiner sozialen Herkunft emanzipiert.  
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24.11.25 18:46 #199737 Das Potential dazu war immer schon da
Ich kenne die menschlichen Abgründe nur zu gut. Ich musste mich an ein positiveres Menschenbild heran arbeiten, weil ich sonst zugrunde gegangen wäre, und traf ja auch fast überall auf Leute, die eben nicht so sind. Fast alles war besser, als wie ich es kannte. Und so bin ich nicht bereit die Menschen so zu sehen, wie du es schilderst. Das sind mAn viele Protestwähler bei der AfD. Vielleicht sind ein paar Prozent, welche abgründige Fantasien haben. Aber die Projektion ist eben die Vergangenheit mAn
Und dann ist da die Opposition zu einem bisherigen Konsens zu diversen Themen, was aber mMn im Ramen ist von Demokratie, denn der Konsens wird und wurde ständig neu verhandelt.



 
25.11.25 09:44 #199738 Friedensverhandlungen
Es ist ein Debakel für die EU, wie das jetzt abläuft. Darf man das hier schreiben, ohne gleich gemeldet zu werden? Ich finde es auch schlimm, was da nun abläuft, Putin quasi belohnt werden soll, beeinflussen kann ich es aber auch nicht. In so einem Forum haben ja manche das Gefühl, sie könnten das beeinflussen, was ich jeweils etwas grössenwahnsinnig fand.

Die EU hat sehr viel Energie und Gelder in Länder gesteckt, die nicht Mitglied sind. Und nun steht sie geschwächt, an allen Fronten, da. Kann da ein Zusammenhang bestehen. Hätte man nicht besser diese ganzen Energien und Gelder in die EU selber gesteckt, woher sie ja auch stammen, nachdem sie bereits stark gewachsen war? Oder gibt es da gar keine Bedürfnisse dafür?

Propaganda on:
Man ist ja so stark und reich und mächtig und demokratisch und stabil und populär und gut organisiert, das muss einfach überquellen auf immer mehr Länder und das macht die EU dann noch besser, stabiler und populärer, als sie es schon war.
Ironie off  
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