Ökonomen streiten über Verteilungsfrage

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08.11.25 22:07 #199601 'Ohne Denken gibt es keine echte Freiheit'
'Ohne Denken gibt es keine echte Freiheit. Wer nicht denkt, „wird gedacht“ – von Algorithmen, von Medien, von Gewohnheiten. Die Selbstbestimmung weicht der Fremdsteuerung, das Individuum wird zum Datensatz'.  

Wer den Spuren dieser Phraseologie vom kritischen Denken folgt, landet regelmässig bei einer Werbeveranstaltung für russischen Neo-Imperialismus. Das geht, weil die Phraseologie komplett geklaut ist, was zugegeben auch die eigentlichen Urheber etwas anrüchig erscheinen lässt.  
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it's the culture, stupid
09.11.25 09:15 #199602 Ohne Denken gibt es keine echte Freiheit.
Mit Denken gibt es erst recht keine "echte" Freiheit. Es fängt schon bei der Geburt an, niemand kann sich seine Geschichte auswählen, niemand seine Fähigkeiten, seinen IQ, usw. Dann ist man auch gefangen in einem Körper und der braucht und will und gefangen in den Gegebenheiten und der Zeit, die man sich auch nicht auswählen kann.

Das Denken selbst ist eine Freiheit, aber auch abhängig von den Umständen und die Konsequenzen daraus können nur Selbstbeschränkungen sein. Wenn man immer sagen würde was man denkt würde man ständig andere verletzen und somit auch sich selbst.
Ganz zu schweigen davon, wenn man immer nur das machen würde, was man gerade will, dann landet man über kurz oder lang wahrscheinlich im Knast. Ohne Leitplanken sind wir verloren.  

Alle denken auf ihre Weise und nie alle das Gleiche und alle leben in diversen Abhängigkeiten. "Echte" Freiheit gibt es nicht, sie wäre auch absolut asozial. So gibt es gewisse Freiheiten wohl nur in der absoluten Einsamkeit, aber das ist dann auch verbunden mit Zwängen, die man sich auferlegen muss.

Freiheit ist immer relativ und steht in Relationen zu anderen. Woher wir kommen und was und wer wir sind usw...

Da waren früher die Kirchen und die herrschenden Klassen und die Umstände welche die Freiheiten sehr stark einschränkten, zu allen Zeiten und überall.
So gibt es heute sehr viele individuelle Freiheiten in den westlichen Ländern, von welchen alle Menschen aus der Vergangenheit nicht einmal zu träumen gewagt hätten und es sie auch heute in vielen anderen Welt-Regionen nicht gibt. Andere sogenannte Freiheiten aus der Vergangenheit, die gibt es vielleicht nicht mehr, aber waren eben auch keine echten Freiheiten für alle, sondern auch Unfreiheiten anderer und so ist es heute noch.

So ist vielleicht das Verzichten auf eigene Freiheiten tatsächlich eine echte Freiheit und gibt anderen Freiheiten. Oder das Geben und nicht das Nehmen.


 
09.11.25 10:29 #199603 Löschung

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Zeitpunkt: 09.11.25 16:55
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Kommentar: Unbelegte Aussage

 

 
09.11.25 10:45 #199604 'niemand kann sich seine Geschichte auswä.
'Mit Denken gibt es erst recht keine "echte" Freiheit. Es fängt schon bei der Geburt an, niemand kann sich seine Geschichte auswählen, niemand seine Fähigkeiten, seinen IQ, usw. Dann ist man auch gefangen in einem Körper und der braucht und...'

Erst mit dem Denken wird das Setup einer Reiz-Reaktionsmaschine verlassen und kann Freiheit beginnen. Gerade in der Fähigkeit des Denkens, sich von den inneren und äusseren Bedingungen seines Zustandekommens entkoppeln zu können, ist es frei. Auch der Vollzug eines freien Willens, der vorausgesetzte Impulse entweder annimmt oder verwirft, ist ohne Denken nicht möglich. Die inneren oder äusseren Bedingungen können noch so drückend sein, im Denken kann stets der Gegenentwurf 'gedacht' werden.  
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09.11.25 12:04 #199605 Reiz-Reaktionsmaschine
Zitat fill: Die inneren oder äusseren Bedingungen können noch so drückend sein, im Denken kann stets der Gegenentwurf 'gedacht' werden.

Das ist ja ein schöner Gedanke, aber die Gegenentwürfe müssen deswegen nicht so schön sein.
So ist auch der Faschismus und der totalitäre Kommunismus, und auch wie sie dann umzusetzen waren, in drückenden Bedingungen zustande gekommen. Das waren ja auch erst mal sogenannt freie Gedanken.

Das Denken kann nicht losgelöst passieren in drückenden inneren und äusseren Bedingungen, das Resultat ist ja dann meist wohl erst mal emotional, Wut, Hass, Hoffnungslosigkeit, Trauer usw.

Erst wenn man Bezüge herstellen kann zu anderen, auch durch Bücher, kann man vielleicht die Bedingungen relativieren und einordnen, doch dazu haben nicht alle die Fähigkeiten und allenfalls das Glück. Das mit dem Entkoppeln, das glaube ich weniger, Prägungen kann man nicht loswerden mAn. Sie prägen wiederum das Denken, das kann sich dann entwickeln, aber das Denken fängt schon als Kleinkind an und hat dann seine Dynamik daraus. Da gibt es keinen Reset, da bleibt dann alles gespeichert, solange man denken kann.  

 
09.11.25 12:13 #199606 @xivi
Ich hab den Eindruck, du verwechselst teilweise "Denken" mit "Meinung" ? Und vor allem: "echte Freiheit" mit "absoluter Freiheit"? Wie du zutreffend sagst, ist absolute Freiheit nicht möglich und würde auch im Chaos enden. Daher ist die relative Freiheit, unter den vorhandenen Möglichkeiten zu wählen, die echte. Und zu einer vernünftigen Wahl gelangt man am meisten durch Denken.

Das Denken ist folglich auch immer freier als das Handeln. Deswegen sehe ich nicht, wie du zu deinen Satz oben kommst, "mit Denken gebe es keine echte Freiheit".

Es gibt übrigens eine besondere, auffällige Art von AfD-Logik, wonach Leute behaupten unfrei zu sein oder gar "unterdrückt zu werden", wenn sie die Folgen ihrer Handlungen nicht erleben möchten. Das ist dann ein logischer Fehler. Die Folgen berücksichtigt man (bei vernünftigem Denken) gerade bei seiner Auswahl der Optionen, insofern ist man frei sie in Kauf zu nehmen oder nicht. Wenn man in einem Dilemma ist, in dem alle Optionen dasselbe Maß an unerwünschten Konsequenzen haben, ist man in der Wahl der Optionen trotzdem noch frei. Die Situation ist lediglich unerwünscht, aber nicht unfrei.  
09.11.25 12:21 #199607 @xivi 12:04
(den letzter Beitrag kam, während ich meinen noch schrieb).
Man ist durch die Bedingungen, aus denen man herkommt, geprägt, ja. Einiges wird durch die Ausstattung ab Geburt festgelegt, ja. Aber vieles ist auch durch das eigene frühere Handeln so gelenkt worden, da wird es weniger eindeutig – vielleicht ist diese "Unfreiheit" dann nur wieder das Problem, dass die Folgen des eigenen Handelns einem selbst unerwünscht sind...

Zum Thema Prägungen vor allem eines: Das Denken hat stets mehr Freiheitsgrade als das reflexhafte Handeln und Urteilen. Man hat immer die Wahl, ob man denkt oder nicht. Wenn nicht, rutscht man leichter in Unfreiheit. Wenn man im vollen Sinne "denkt", arbeitet man immer an der Erweiterung seiner Freiheitsgrade, glaub ich.

In der Sozialpsychologie ist das eindrucksvoll zu sehen: Es gibt viele stabile sozialpsychologische Effekte, zB Misstrauen gegen Fremde etc, die auftreten, wenn Leute reflexhaft urteilen, und die verschwinden, sobald dieselben Leute motiviert werden, nachzudenken.  
09.11.25 12:33 #199608 Nein, ich verwechsle das nicht
Lies meinen Text vielleicht nochmals durch. Ich habe versucht das zu erklären.
Freiheit ist eben auch ein populistischer Begriff und viele stellen sich dann ihre eigne individuelle Freiheit darunter vor, was ein grosses Missverständnis ist mAn. Es geht ja immer um das Zusammenleben ganz vieler verschiedener Menschen.
Gedanken sind sogenannt frei aber deswegen noch lange nicht gut. Und kommen nie aus dem Nichts und sind somit eben auch nicht "frei". Gerade in Zeiten des Internets und nun der KI ist das eine Herausforderung, für die es bisher keine Rezepte gibt. Und das muss in der Schule anfangen, einen Umgang damit zu lernen, nur wo soll man da ansetzten? 33410916  
09.11.25 12:33 #199609 Um das noch weiterzuführen
Das reflexhafte Massenverhalten ist aus diesem Grund die Basis des Faschismus oder anderer unfreier Gesellschaftsformen. Menschen, die emotionalisiert werden, werden dadurch lenkbar. Die Tendenz zu unfreien Gesellschaftsmodellen geht gegenwärtig zeitgleich mit der Dominanz von "sozialen Medien" einher. In diesen regiert der "gefällt-mir-Button", der nebenbei zu Polarisierung und daher Emotionalisierung führt, das mündet dann auch wieder in Reflexhaftigkeit, wie schon die Geisteshaltung des Likens als solche. Der Gefälltmirbutton ist die Keimzelle des Faschismus, durch ihn werden die Nutzer dressiert und von den Techbaronen in eine Herde von Nutzvieh verwandelt. Musk, Twitter, und Faschismus sind eine moderne Dreieinigkeit.

Ariva unterscheidet wenigstens zwischen drei Arten von Gefälltmir (obwohl ich oft nicht verstehe, was der Unterschied ist zwischen witzig und gut analysiert). Da ist ein winziges Innehalten eingebaut, eine winzige Form des Nachdenkens: Gefällt es mir einfach bloß, oder hab ich jetzt gerade etwas mitgedacht? Wie alle Freiheit ist auch diese Wahlfreiheit nur relativ zum Gegebenen, aber immerhin...  
09.11.25 12:39 #199610 "Freiheit ist ein populistischer Begriff"
Ja, aber da ist er eine nicht zuende gedachte Freiheit. Er bezeichnet dann im wesentlichen nur die Freiheit von Milliardären,  sich den Staat kaufen zu dürfen und keine Rechenschaft abzulegen. Die Leute, deren Krankenversicherung abgeschafft wird, um die Freiheiten der Milliardäre gegenzufinanzieren, die haben eine Einbuße an Freiheit. Klarerweise ist also die Verarmung der Massen wie in den USA ein Rückgang der gesellschaftlichen Freiheit als Ganzer. Durch Emotionalisierung und Popolismus kann man die Massen bei Wahlen dafürstimmen lassen, das ist dann ein Mangel an Urteilsfähigkeit. Und ein Mangel an Urtelsfähigkeit, also Denkvermögen, bewirkt einen Verlust an Freiheit. Es ist auch in dieser Betrachtung alles wie immer.  
09.11.25 12:41 #199611 gefällt mir, Vermeer, wie fast immer
wird wohl Prägung sein
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09.11.25 12:50 #199612 oder gut analysiert
09.11.25 13:03 #199613 Prägungen
Zitat Vermeer: Er bezeichnet dann im wesentlichen nur die Freiheit von Milliardären,  sich den Staat kaufen zu dürfen und keine Rechenschaft abzulegen.

Gerade die USA sind ja auch ein Beispiel für Prägungen und wie sie auch Generationen überdauern.
Denn es sind bei Weitem nicht nur Milliardäre, die einen Freiheitsbegriff pflegen, der eben nicht eine kollektive und ausgeglichene und somit relative Freiheit anstrebt. Vom Wilden Westen, dem Recht des Stärkeren, der weissen Europäer, zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die eben auch nicht für alle unbegrenzt sind. Der Mensch ist begrenzt und somit auch seine Freiheiten.

Denken kann man vieles, nur ist diese Freiheit für sich noch keine Qualität.
So ist ja auch der Austausch  mit verschiedenen anderen Gedanken der Katalysator allenfalls, Gedanken können sich aber in verschiedene Richtungen entwickeln.
Die Radikalisierungen, ich denke jetzt nicht in eine Richtung, die finden nun aber genau auch durch die Möglichkeiten des Internets statt. Vorhersehbar war das nicht und wohin das führt, weiss man auch noch nicht. Beunruhigen ist es mAn. Weil sich da auch Gefühle und Gedanken mischen, ganz verschiedener Qualitäten.  
09.11.25 19:00 #199614 Löschung

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10.11.25 14:31 #199615 Löschung

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