Vietnam-Anleihe: leider kein Geheimtipp mehr


05.11.12 16:12
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN XS0234072568 / WKN A0GH00) von Vietnam weiterhin für eine interessante Alternative für den internationalen Staatsanleihen-Sektor, fernab der Euro-Schuldenkrise.

Die Anleihe sei mit einem Kupon von 6,875% ausgestattet, laufe noch bis zum 15.01.2016 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1.000 USD auf. Bei einem aktuellen Kurs von 110,60% biete die Anleihe eine jährliche Rendite von 3,31%. Von der Ratingagentur Moody's werde Vietnam mit "B2" eingestuft, was im mittleren Non-Investment-Grade-Bereich liege.

Nach den angekündigten weiteren fiskalischen Lockerungsmaßnahmen der FED und EZB habe sich die Lage an den Kapitalmärkten spürbar entspannt. Das erste Mal seit Beginn der Euro-Schuldenkrise scheine eine nachhaltige Lösung greifbar nahe.

Für renditeorientierte Anleger, die dennoch dem Euro gegenüber pessimistisch eingestellt seien, könnten u.a. Fremdwährungsanleihen von Emittenten fernab der Euro-Zone interessant sein. Mit Vietnam gebe es im asiatischen Raum einen vielversprechenden Emittenten, der sich zunehmender Beliebtheit erfreue.

Vietnam werde von Insidern als "Little China" bezeichnet und gelte unter Experten als Geheimtipp unter den Schwellenländern. Vietnam generiere seit Jahren BIP-Wachstumsraten zwischen 7,0% und 8,5%. Damit weise es hinter China im asiatischen Raum das dynamischste Wirtschaftswachstum auf. Vietnam, welches bevölkerungs- und flächenmäßig in etwa so groß sei wie Deutschland, profitiere u.a. von seiner demographischen Struktur. So seien ca. 70% der Bevölkerung jünger als 35 Jahre und jedes Jahr würden schätzungsweise 1,45 Millionen Jugendliche auf den Arbeitsmarkt drängen.

Aktuell vollziehe das Land den Wandel von einem Agrar- zu einem Industriestaat. Dies habe unter anderem dazu geführt, dass Vietnam in den letzten Jahren bei ausländischen Investoren als Standort immer beliebter geworden sei. Seit Januar 2007 sei Vietnam WTO-Mitglied.

Auch von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 habe sich der Staat schnell erholen können. So sei die vietnamesische Wirtschaft im Jahr 2010 bereits wieder um 6,8% gewachsen. Die Entwicklung sei dabei auch durch umfangreiche Konjunkturpakete in Höhe von etwa 8 Mrd. US-Dollar gestützt worden. Dies habe rund 8,5% des Bruttoinlandsproduktes entsprochen.

Die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes würden sich für 2012 vor dem Hintergrund der für das laufende Jahr zu erwartenden globalen Wirtschaftsabschwächung schwierig gestalten. Dabei dürfte die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes deutlich von der weiteren Wirtschaftsentwicklung der wichtigen Handelspartner Europa und USA beeinflusst werden. Zudem könne im Falle einer deutlichen Zuspitzung der internationalen Schuldenkrisen auch nicht ausgeschlossen werden, dass europäische und US-Banken Kapital aus dem Land abziehen würden. Ein weiteres Problem des Landes sei die hohe Inflation, die sich im zweistelligen Prozentbereich bewege. Aus diesem Grund sei die Zentralbank des Landes dazu gezwungen, die Zinssätze mit mehr als 15% sehr hoch zu halten. Auf der anderen Seite werde sich die Staatsverschuldung des Landes nach offiziellen Stellungnahmen bis Ende 2012 auf voraussichtlich 58% des Bruttoinlandsproduktes belaufen und liege damit zumindest im Vergleich zu den meisten Euroländern noch auf einem vertretbaren Niveau.

Insgesamt halten die Analysten von Anleihencheck Research die o.a. Staatsanleihe von Vietnam für eine interessante Alternative für den internationalen Staatsanleihen-Sektor. Aufgrund des fehlenden Investment-Grade-Status handle es sich aber bei diesem Emittenten und somit bei der Anleihe um ein spekulativeres Investment. Es gelte zudem, ein mögliches Währungsrisiko zu beachten. Dies könnte aber auch die Rendite der Währungsanleihe steigern, sollte der USD gegenüber dem Euro wieder aufwerten, was vor dem Hintergrund der immer noch anhaltenden Euro-Schuldenkrise nicht unwahrscheinlich sei. (Analyse vom 05.11.2012) (05.11.2012/alc/a/a)


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