Tschechien-Anleihe: nach jüngsten Gewinnmitnahmen ein klarer Kauf


05.10.12 12:11
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN XS0750894577 / WKN A1G1GK) von Tschechien weiterhin für eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor.

Die Anleihe, emittiert von der tschechischen Republik, sei mit einem Kupon von 3,875% ausgestattet, laufe noch bis zum 24.05.2022 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1.000 EUR auf. Bei einem aktuellen Kurs von 108,55% biete das Papier eine jährliche Rendite von 2,86%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit "A1" bewertet, was im mittleren Investmentgrade-Bereich liege. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten ein geringes Kreditrisiko.

Die Sparpolitik von Ministerpräsident Petr Necas und seiner Regierung sei zu Beginn des Jahres auf großen Widerstand gestoßen, weshalb die Links-Opposition im Frühjahr einen Antrag für ein Misstrauensvotum gestellt habe. Dieser sei jedoch gescheitert und inzwischen hätten sich die erhitzten politischen Gemüter in Tschechien wieder etwas beruhigt.

Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren würden auf eine Stabilisierung der Weltwirtschaft ab der zweiten Jahreshälfte 2012 hindeuten, so dass Tschechien schon bald die Rezession hinter sich lassen sollte. Zumal auch aus Deutschland, welches für Tschechien ein wichtiger Handelspartner sei, zuletzt relativ ermutigende Konjunkturdaten gemeldet worden seien. So sei das Bruttoinlandsprodukt nach vorläufigen Berechnungen - preis-, saison- und kalenderbereinigt - um 0,3% gegenüber dem Vorquartal gewachsen und die BIP-Wachstumsprognose für 2012 liege derzeit bei +0,7%. Und auch für China sei keine "harte Landung" zu erwarten, auch wenn sich dessen Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf knapp 8% abschwächen dürfte.

Insgesamt sei für Tschechien für 2012 mit einem leichten BIP-Rückgang zu rechnen, obwohl das Finanzministerium bisher noch ein minimales Plus von 0,2% in Aussicht stelle. In Q1'2012 sei es zu einem BIP-Rückgang um 1% gg. VJ gekommen. Und in Q2'2012 sei die Wirtschaft um 0,2% geschrumpft. Es handle sich dabei um den dritten Rückgang in Folge. Im Jahresvergleich sei die Einbuße nach 0,7% im ersten Quartal mit -1,2% sogar nochmals stärker ausgefallen. Für 2013 erwarte die EU-Kommission dann wieder ein Wachstum von 1,5%.

Weitere Lockerungsmaßnahmen der Notenbanken in Europa und den USA hätten zuletzt für Entspannung an den Kapitalmärkten gesorgt. Die Renditen von spanischen und italienischen Anleihen seien weiter auf dem Rückzug.

Bei tschechischen Anleihen mit einer Laufzeit von etwa zehn Jahren sei es nach den fulminanten Kursgewinnen der letzten Monate zu leichten Gewinnmitnahmen gekommen. Sie würden aktuell wieder bei knapp 2,9% p.a. rentieren.

Tschechien zähle in Europa für die Analysten zu einem soliden Schuldner und sei einer der treibenden Kräfte der Süd-/Osteuropa-Region. So solle das Haushaltsdefizit, welches in 2011 bei 3,1% gelegen habe bis 2013 auf unter 3% gesenkt werden. Außerdem sei die Gesamtverschuldung des Staates mit knapp über 41% des BIP nur halb so hoch wie im EU-Durchschnitt. Daher halten die Analysten von Anleihencheck Research die o.a. Anleihe der tschechischen Republik weiterhin für eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor, vor allem nach den jüngsten Gewinnmitnahmen. (Analyse vom 05.10.2012) (05.10.2012/alc/a/a)


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