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Sorglosigkeit macht sich breit
07.02.13 15:17
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Manchmal hat man in Euroland den Eindruck, die Krise sei bereits überwunden und es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis alles wieder gut werden wird, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Davon sei man aber noch meilenweit entfernt. Denn auch Sisyphos habe erkennen müssen, dass es nicht alleine reiche, einen Stein nach oben zu befördern. Vielmehr müssten auch Maßnahmen getroffen werden, die einen "Rückfall" verhindern könnten. Sorglosigkeit im Umgang mit der Eurofinanzkrise scheine sich auch nach Einschätzung des Generaldirektors der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Jaime Caruana, breit zu machen. Die Lage sei aber weiterhin ernst und niemand könne vorhersagen, ob Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien die ihnen aufgetragenen Arbeiten zur Zufriedenheit der Bürger Europas erledigen würden.
Alleine die Auslagerung der faulen Kredite in eine "Bad Bank" könne nicht als Erfolg - wie im Falle Spaniens - gepriesen werden. Denn auch schimmeliges Obst werde nicht wieder genießbar, wenn es von anderen Sorten getrennt werde. Im Falle Portugals würden die Prognosen so weit auseinanderklaffen, dass niemand zu sagen vermöge, ob der eingeschlagene Weg zum Erfolg führen werde. Die Politiker scheinen das Gefühl der Beherrschbarkeit vermitteln zu wollen und werden nicht müde bei einigen Problemstaaten von einem Primärüberschuss zu sprechen, so die Analysten der Baader Bank. Dies bedeute lediglich mehr Einnahmen als Ausgaben - unter Vernachlässigung des Schuldendienstes. Rach, der Restaurant-Tester hätte an einer solchen Argumentationskette seine wahre Freude.
Dass auch aus Richtungen, die man bisher noch nicht ins Kalkül gezogen habe, Ungemach drohen könne, habe nun eines der Vorzeigeländer der Eurozone erfahren müssen. Nach der Verstaatlichung des Finanzkonzerns SNS Reaal durch die Niederlande sei der Haushalt neu aufzustellen, da sich die Finanzlage eines der wenigen "Getreuen Deutschlands" signifikant verschlechtert habe. Die Rating-Agenturen hätten unterschiedlich reagiert. Moody's und Standard & Poor's hätten es beim Top-Rating belassen, aber Fitch habe den Ausblick auf "negativ" gesenkt. Dies könnte auch schon bald Auswirkungen auf den Rettungsschirm ESM oder andere EU-Länder haben, denn neben Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden die Niederlande zu den "Zahlmeistern" der EU zählen.
Die polnische Wirtschaft bekomme die Vorboten der rezessiven Entwicklung im Euroraum bereits zu spüren. Um den erhöhten Risiken für die Zahlungsbilanz frühzeitig zu begegnen, habe der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Netz gegen eventuelle konjunkturelle Schocks gespannt, indem er dem osteuropäischen Land eine seit 2009 existierende Kreditzusage über 33,8 Mrd. USD vorsorglich verlängert habe. Das Kreditversprechen sei als nötig erachtet worden, um die Investoren angesichts der starken Abhängigkeit Polens von der Eurozone zu beruhigen. Kein Zweifel, Polen sei wie andere osteuropäische Länder eng mit dem Kern der Eurozone verwoben. Das mache auch eine solche Aktion des IWF deutlich.
Das berge nach Auffassung vieler Anleger Chancen für Investments, die sie nach dem Motto "Go east!" bei Staatsanleihen dieser Länder suchen würden. So stünden diese Woche polnische Euro-Bonds (ISIN XS0841073793/ WKN A1HAZX und ISIN XS0479333311/ WKN A1ASBP) mit Endfälligkeiten 7/2024 und 1/2025 bei Renditen von ca. 3,1% und ca. 3,2% auf den Kauflisten. Ebenso gefragt seien eine tschechische Staatsanleihe (ISIN XS0750894577/ WKN A1G1GK) mit Laufzeit 5/2022 und 2,3% Rendite, ein ungarischer Bond (ISIN XS0625388136/ WKN A1GQ11) mit Laufzeit 1/2019 und 4,9% Rendite, sowie eine slowakische Anleihe (ISIN SK4120007071/ WKN A1ATR6), die 2/2016 fällig werde und noch fast 1% abwerfe.
Anerkennung bei den Anlegern würden offenbar die Reformbemühungen der Spanier finden. Insgesamt gelte das Land ebenso wie Portugal als Hoffnungsträger in der Euro-Peripherie, der die nötigen Sanierungsmaßnahmen ordentlich anpacke. Da verwundere es nicht, dass Titel sowohl des spanischen Staates als auch die von dortigen Unternehmen am Rentenmarkt auf den Kauflisten stünden. Gesucht seien unter den Corporate Bonds (ISIN XS0879869187/ WKN A1HFA0) derzeit Iberdrola mit Laufzeit 2/2021 und ca. 3,7% Rendite sowie ein Bond (ISIN XS0874864860/ WKN A1HESV) der Telefónica S.A., der 1/2023 fällig werde und mit rund 4,4% rentiere.
Ebenso würden die jüngsten Anleihen des spanischen Staates zu den begehrten Titeln zählen. Sowohl ein Bond (ISIN ES00000123U9/ WKN A1HFHQ) mit zehnjähriger Laufzeit und einer Rendite von rund 5,4% als auch eine Anleihe (ISIN ES00000123T1/ WKN A1HEP2), die 3/2015 fällig werde und 2,75% Rendite aufweise, würden nach ihrer Emission in diesem Jahr weiter nachgefragt. Dies sei auch bei einer Anleihe (ISIN ES0000101545/ WKN A1HFKV) der Kommune Madrid zu beobachten, die im Gegensatz zum Hauptstadtverein Real zumindest bei Anlegern hoch im Kurs stehe. Der bis 2/2018 laufende Bond werfe derzeit eine Rendite von 5,4% ab.
Am heutigen Donnerstag sei es wieder soweit. Bei der turnusgemäßen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) stehe die Geldpolitik auf dem Prüfstand und von der sich anschließenden Pressekonferenz würden sich Investoren einen Hinweis auf eventuelle konjunkturelle Risiken erwarten. Sei der gestiegene Euro bereits jetzt ein Konjunkturrisiko? Diese und andere Fragen würden sich die Börsianer seit geraumer Zeit stellen. Da die Notenbanken währungspolitisch in unterschiedliche Richtungen tendieren würden, bleibe abzuwarten, wann auch die EZB in diesen Währungskrieg eintreten werde. Denn zur Belebung der Konjunktur in Euroland sei ein zu starker Euro Gift und somit stelle sich die Frage nach dem rechten Zeitpunkt einer möglichen Zinssenkung.
Dieses "letzte" Mittel werde man aber noch nicht in die Waagschale werfen, sondern versuchen, die Fantasie der Spekulanten zu erhalten. Denn im Vorfeld einer sich abzeichnenden Zinssenkung würde man Gefahr laufen, Gewinnmitnahmen bei allen Assetklassen herauf zu beschwören. Somit könne man davon ausgehen, dass die geldpolitischen Rahmendaten nicht verändert würden und diese bei der Pressekonferenz fast zur Nebensache werden könnten.
Dafür dürfte die Person Mario Draghis im Mittelpunkt des Interesses stehen. Die Vorgänge um die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, in Verbindung mit seiner Tätigkeit als Notenbankchef Italiens und damit der oberste Bankenaufseher, würden immer wieder neue Fragen aufwerfen. Sollten hierbei Ungereimtheiten aufgedeckt werden, so würde dies vor dem Hintergrund der Neuordnung der europäischen Bankenaufsicht - unter Aufsicht der EZB - einen Schatten auf Draghis Wirken werfen.
Nachdem die Commerzbank ihren hohen Verlust für das vierte Quartal 2012 bekannt gegeben habe, sei nicht nur der Aktienkurs auf Talfahrt gegangen. Auch die Corporate Bonds des Instituts seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Inzwischen aber würden die Anleger bei den Rentenpapieren ein lohnendes Investment wittern und sich nach dem Motto "Buy on bad news, sell on good news" verhalten. Die nachrangig besicherten Commerzbank-Anleihen (ISIN DE000CB83CE3/WKN CB83CE; ISIN DE000CB83CF0/ WKN CB83CF) mit Laufzeiten von 3/2019 und 3/2021 stünden jedenfalls plötzlich wieder in der Gunst des Publikums. Die attraktiven Renditen von rund 6,0 und 7,1% würden hierzu sicher ihr Übriges tun.
Die Schwellenländer seien nicht weiterhin bereit, lediglich als zahlendes Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu fungieren. Die Dominanz der EU-Staaten, die etwa ein Drittel der gesamten Stimmrechte im Vorstand innehätten, was aber nicht mehr ihrer Wirtschaftskraft entspreche, sei so für die aufstrebenden Staaten nicht mehr länger akzeptabel. Denn durch diese Machtverhältnisse würden sich viele Mitglieder gezwungen sehen, mit Milliarden den Euroländern bei der Überwindung ihrer Schuldenkrise zu helfen.
Bis Januar nächsten Jahres solle die Zusammensetzung des Direktoriums und auch die Stimmrechtsgewichtung überarbeitet werden. In der Zeit bis eine einvernehmliche Lösung gefunden sei, werde der IWF zwar handlungsfähig sein. Sollten aber weiterhin die globalen Finanzströme nach Europa gelenkt werden, so drohe sich der Konflikt zu verschärfen. Fingerspitzengefühl sei gefragt.
Zum Schluss der vergangenen Handelswoche schien alles auf fallende Rentenkurse hinzudeuten, aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, so die Analysten der Baader Bank. So auch in diesem Fall, denn man habe die Rechnung ohne Italien und Spanien gemacht. Diese beiden "Problemstaaten" hätten das Sorgenbarometer in einen kurzfristigen Aufwärtstrend versetzt und somit den mittelfristigen Abwärtstrend (seit Jahresanfang) gemildert. Somit stehe schon bald eine Entscheidung an. Entweder werde die obere Abwärtstrendlinie durchstoßen oder aber es habe sich bei den steigenden Kursen lediglich um eine kurze Gegenreaktion gehandelt. Nach oben sei die Marke bei 143% eine psychologische Hürde und nach unten sei erst der Bereich um 140,95% (Tief vom 18.10.12) eine etwas ausgeprägtere Unterstützungslinie.
Die Finanzkrise lasse auch weiterhin die Regierungen der Euroländer an den Kapitalmärkten, um die Gunst der Investoren buhlen. Neben Frankreich hätten auch Österreich und Spanien Altemissionen aufgestockt und sich niedrige Refinanzierungskosten erhofft. Die Alpenrepublik habe sich in Anbetracht der guten Noten durch die Rating-Agenturen Moody's und Fitch Refinanzierungskosten in Höhe von 1,934% für die Dauer von zehn Jahren sichern können. Diese Rendite bedeute zwar gegenüber der Auktion im vergangenen Jahr einen Anstieg von 0,10%, das sei angesichts der allgemeinen Zinsentwicklung nachvollziehbar. Mit Spannung werde das Ergebnis der heutigen Auktionen in Frankreich und Spanien erwartet.
In Deutschland hingegen sei bereits gestern die fünfjährige Bundesobligation Serie 165 (SIN DE0001141653/ WKN 114165) um 4 Mrd. Euro auf insgesamt 9 Mrd. Euro aufgestockt worden. Bei einer 1,9fachen Überzeichnung sei mit einer Durchschnittsrendite von 0,68% zugeteilt worden. Dabei handle es sich um die höchste Zuteilungsrendite für diese Laufzeit seit April vergangenen Jahres.
Auch beim Rettungsschirm ESM hätten sich die Zeiten geändert. Gegenüber der vorigen Emission zu Jahresbeginn habe für die Platzierung der dreimonatigen Geldmarkttitel jetzt eine Rendite von +0,0158% (nach -0,0324%) gezahlt werden müssen.
In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland einen Ausbau des Marktsegments "inflationsgeschützter Anleihen" erwäge. Diese Anleihen würden sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, obwohl sich der dabei zugrunde liegende Inflationsausgleich an der von offiziellen Stellen errechneten Inflation orientiere und den reellen Wertverlust nur zum Teil ausgleiche.
In den vergangenen Handelstagen habe der Euro bei seinem Höhenflug gegenüber dem USD einen Zwischenstopp eingelegt. Das neue 14-Monats-Hoch sei am vergangenen Freitag mit 1,3711 festgestellt worden. Die jüngsten Entwicklungen in Italien und Spanien, sowie die Ankündigung des französischen Präsidenten Hollande, der sich für neue Mechanismen bei Wechselkursen ausgesprochen habe, hätten zu dieser Verschnaufpause geführt.
Dass ein Umdenken in puncto aktiver Währungspolitik stattgefunden habe, werde an der Vorgehensweise in Japan überdeutlich. Nach dem Rücktritt des bisherigen Notenbank-Chefs werde nun ein Nachfolger gesucht, der die auf dem Papier unabhängige Notenbank näher an die Regierung heranrücke. Vor diesem Hintergrund einer eventuellen drastischen Lockerung der Geldpolitik sei der JPY auf neue Tiefststände gegenüber dem USD (94,06 JPY) und dem Euro (127,69 JPY) gefallen.
Solche Auswüchse der nationalen Währungspolitik würden Investoren weiterhin nach Fremdwährungsanleihen Ausschau halten lassen, mit denen sie die Erträge aufgrund einer geschickten Währungsspekulation steigern könnten. Verstärktes Interesse hätten vor diesem Hintergrund in Anleihen auf Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand und Norwegische Kronen festgestellt werden können.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (07.02.2013/alc/a/a)
Davon sei man aber noch meilenweit entfernt. Denn auch Sisyphos habe erkennen müssen, dass es nicht alleine reiche, einen Stein nach oben zu befördern. Vielmehr müssten auch Maßnahmen getroffen werden, die einen "Rückfall" verhindern könnten. Sorglosigkeit im Umgang mit der Eurofinanzkrise scheine sich auch nach Einschätzung des Generaldirektors der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Jaime Caruana, breit zu machen. Die Lage sei aber weiterhin ernst und niemand könne vorhersagen, ob Griechenland, Italien, Portugal oder Spanien die ihnen aufgetragenen Arbeiten zur Zufriedenheit der Bürger Europas erledigen würden.
Alleine die Auslagerung der faulen Kredite in eine "Bad Bank" könne nicht als Erfolg - wie im Falle Spaniens - gepriesen werden. Denn auch schimmeliges Obst werde nicht wieder genießbar, wenn es von anderen Sorten getrennt werde. Im Falle Portugals würden die Prognosen so weit auseinanderklaffen, dass niemand zu sagen vermöge, ob der eingeschlagene Weg zum Erfolg führen werde. Die Politiker scheinen das Gefühl der Beherrschbarkeit vermitteln zu wollen und werden nicht müde bei einigen Problemstaaten von einem Primärüberschuss zu sprechen, so die Analysten der Baader Bank. Dies bedeute lediglich mehr Einnahmen als Ausgaben - unter Vernachlässigung des Schuldendienstes. Rach, der Restaurant-Tester hätte an einer solchen Argumentationskette seine wahre Freude.
Dass auch aus Richtungen, die man bisher noch nicht ins Kalkül gezogen habe, Ungemach drohen könne, habe nun eines der Vorzeigeländer der Eurozone erfahren müssen. Nach der Verstaatlichung des Finanzkonzerns SNS Reaal durch die Niederlande sei der Haushalt neu aufzustellen, da sich die Finanzlage eines der wenigen "Getreuen Deutschlands" signifikant verschlechtert habe. Die Rating-Agenturen hätten unterschiedlich reagiert. Moody's und Standard & Poor's hätten es beim Top-Rating belassen, aber Fitch habe den Ausblick auf "negativ" gesenkt. Dies könnte auch schon bald Auswirkungen auf den Rettungsschirm ESM oder andere EU-Länder haben, denn neben Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden die Niederlande zu den "Zahlmeistern" der EU zählen.
Die polnische Wirtschaft bekomme die Vorboten der rezessiven Entwicklung im Euroraum bereits zu spüren. Um den erhöhten Risiken für die Zahlungsbilanz frühzeitig zu begegnen, habe der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Netz gegen eventuelle konjunkturelle Schocks gespannt, indem er dem osteuropäischen Land eine seit 2009 existierende Kreditzusage über 33,8 Mrd. USD vorsorglich verlängert habe. Das Kreditversprechen sei als nötig erachtet worden, um die Investoren angesichts der starken Abhängigkeit Polens von der Eurozone zu beruhigen. Kein Zweifel, Polen sei wie andere osteuropäische Länder eng mit dem Kern der Eurozone verwoben. Das mache auch eine solche Aktion des IWF deutlich.
Das berge nach Auffassung vieler Anleger Chancen für Investments, die sie nach dem Motto "Go east!" bei Staatsanleihen dieser Länder suchen würden. So stünden diese Woche polnische Euro-Bonds (ISIN XS0841073793/ WKN A1HAZX und ISIN XS0479333311/ WKN A1ASBP) mit Endfälligkeiten 7/2024 und 1/2025 bei Renditen von ca. 3,1% und ca. 3,2% auf den Kauflisten. Ebenso gefragt seien eine tschechische Staatsanleihe (ISIN XS0750894577/ WKN A1G1GK) mit Laufzeit 5/2022 und 2,3% Rendite, ein ungarischer Bond (ISIN XS0625388136/ WKN A1GQ11) mit Laufzeit 1/2019 und 4,9% Rendite, sowie eine slowakische Anleihe (ISIN SK4120007071/ WKN A1ATR6), die 2/2016 fällig werde und noch fast 1% abwerfe.
Anerkennung bei den Anlegern würden offenbar die Reformbemühungen der Spanier finden. Insgesamt gelte das Land ebenso wie Portugal als Hoffnungsträger in der Euro-Peripherie, der die nötigen Sanierungsmaßnahmen ordentlich anpacke. Da verwundere es nicht, dass Titel sowohl des spanischen Staates als auch die von dortigen Unternehmen am Rentenmarkt auf den Kauflisten stünden. Gesucht seien unter den Corporate Bonds (ISIN XS0879869187/ WKN A1HFA0) derzeit Iberdrola mit Laufzeit 2/2021 und ca. 3,7% Rendite sowie ein Bond (ISIN XS0874864860/ WKN A1HESV) der Telefónica S.A., der 1/2023 fällig werde und mit rund 4,4% rentiere.
Ebenso würden die jüngsten Anleihen des spanischen Staates zu den begehrten Titeln zählen. Sowohl ein Bond (ISIN ES00000123U9/ WKN A1HFHQ) mit zehnjähriger Laufzeit und einer Rendite von rund 5,4% als auch eine Anleihe (ISIN ES00000123T1/ WKN A1HEP2), die 3/2015 fällig werde und 2,75% Rendite aufweise, würden nach ihrer Emission in diesem Jahr weiter nachgefragt. Dies sei auch bei einer Anleihe (ISIN ES0000101545/ WKN A1HFKV) der Kommune Madrid zu beobachten, die im Gegensatz zum Hauptstadtverein Real zumindest bei Anlegern hoch im Kurs stehe. Der bis 2/2018 laufende Bond werfe derzeit eine Rendite von 5,4% ab.
Am heutigen Donnerstag sei es wieder soweit. Bei der turnusgemäßen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) stehe die Geldpolitik auf dem Prüfstand und von der sich anschließenden Pressekonferenz würden sich Investoren einen Hinweis auf eventuelle konjunkturelle Risiken erwarten. Sei der gestiegene Euro bereits jetzt ein Konjunkturrisiko? Diese und andere Fragen würden sich die Börsianer seit geraumer Zeit stellen. Da die Notenbanken währungspolitisch in unterschiedliche Richtungen tendieren würden, bleibe abzuwarten, wann auch die EZB in diesen Währungskrieg eintreten werde. Denn zur Belebung der Konjunktur in Euroland sei ein zu starker Euro Gift und somit stelle sich die Frage nach dem rechten Zeitpunkt einer möglichen Zinssenkung.
Dieses "letzte" Mittel werde man aber noch nicht in die Waagschale werfen, sondern versuchen, die Fantasie der Spekulanten zu erhalten. Denn im Vorfeld einer sich abzeichnenden Zinssenkung würde man Gefahr laufen, Gewinnmitnahmen bei allen Assetklassen herauf zu beschwören. Somit könne man davon ausgehen, dass die geldpolitischen Rahmendaten nicht verändert würden und diese bei der Pressekonferenz fast zur Nebensache werden könnten.
Dafür dürfte die Person Mario Draghis im Mittelpunkt des Interesses stehen. Die Vorgänge um die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena, in Verbindung mit seiner Tätigkeit als Notenbankchef Italiens und damit der oberste Bankenaufseher, würden immer wieder neue Fragen aufwerfen. Sollten hierbei Ungereimtheiten aufgedeckt werden, so würde dies vor dem Hintergrund der Neuordnung der europäischen Bankenaufsicht - unter Aufsicht der EZB - einen Schatten auf Draghis Wirken werfen.
Nachdem die Commerzbank ihren hohen Verlust für das vierte Quartal 2012 bekannt gegeben habe, sei nicht nur der Aktienkurs auf Talfahrt gegangen. Auch die Corporate Bonds des Instituts seien in Mitleidenschaft gezogen worden. Inzwischen aber würden die Anleger bei den Rentenpapieren ein lohnendes Investment wittern und sich nach dem Motto "Buy on bad news, sell on good news" verhalten. Die nachrangig besicherten Commerzbank-Anleihen (ISIN DE000CB83CE3/WKN CB83CE; ISIN DE000CB83CF0/ WKN CB83CF) mit Laufzeiten von 3/2019 und 3/2021 stünden jedenfalls plötzlich wieder in der Gunst des Publikums. Die attraktiven Renditen von rund 6,0 und 7,1% würden hierzu sicher ihr Übriges tun.
Die Schwellenländer seien nicht weiterhin bereit, lediglich als zahlendes Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu fungieren. Die Dominanz der EU-Staaten, die etwa ein Drittel der gesamten Stimmrechte im Vorstand innehätten, was aber nicht mehr ihrer Wirtschaftskraft entspreche, sei so für die aufstrebenden Staaten nicht mehr länger akzeptabel. Denn durch diese Machtverhältnisse würden sich viele Mitglieder gezwungen sehen, mit Milliarden den Euroländern bei der Überwindung ihrer Schuldenkrise zu helfen.
Bis Januar nächsten Jahres solle die Zusammensetzung des Direktoriums und auch die Stimmrechtsgewichtung überarbeitet werden. In der Zeit bis eine einvernehmliche Lösung gefunden sei, werde der IWF zwar handlungsfähig sein. Sollten aber weiterhin die globalen Finanzströme nach Europa gelenkt werden, so drohe sich der Konflikt zu verschärfen. Fingerspitzengefühl sei gefragt.
Zum Schluss der vergangenen Handelswoche schien alles auf fallende Rentenkurse hinzudeuten, aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, so die Analysten der Baader Bank. So auch in diesem Fall, denn man habe die Rechnung ohne Italien und Spanien gemacht. Diese beiden "Problemstaaten" hätten das Sorgenbarometer in einen kurzfristigen Aufwärtstrend versetzt und somit den mittelfristigen Abwärtstrend (seit Jahresanfang) gemildert. Somit stehe schon bald eine Entscheidung an. Entweder werde die obere Abwärtstrendlinie durchstoßen oder aber es habe sich bei den steigenden Kursen lediglich um eine kurze Gegenreaktion gehandelt. Nach oben sei die Marke bei 143% eine psychologische Hürde und nach unten sei erst der Bereich um 140,95% (Tief vom 18.10.12) eine etwas ausgeprägtere Unterstützungslinie.
In Deutschland hingegen sei bereits gestern die fünfjährige Bundesobligation Serie 165 (SIN DE0001141653/ WKN 114165) um 4 Mrd. Euro auf insgesamt 9 Mrd. Euro aufgestockt worden. Bei einer 1,9fachen Überzeichnung sei mit einer Durchschnittsrendite von 0,68% zugeteilt worden. Dabei handle es sich um die höchste Zuteilungsrendite für diese Laufzeit seit April vergangenen Jahres.
Auch beim Rettungsschirm ESM hätten sich die Zeiten geändert. Gegenüber der vorigen Emission zu Jahresbeginn habe für die Platzierung der dreimonatigen Geldmarkttitel jetzt eine Rendite von +0,0158% (nach -0,0324%) gezahlt werden müssen.
In diesem Zusammenhang sei auch noch erwähnt, dass die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland einen Ausbau des Marktsegments "inflationsgeschützter Anleihen" erwäge. Diese Anleihen würden sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, obwohl sich der dabei zugrunde liegende Inflationsausgleich an der von offiziellen Stellen errechneten Inflation orientiere und den reellen Wertverlust nur zum Teil ausgleiche.
In den vergangenen Handelstagen habe der Euro bei seinem Höhenflug gegenüber dem USD einen Zwischenstopp eingelegt. Das neue 14-Monats-Hoch sei am vergangenen Freitag mit 1,3711 festgestellt worden. Die jüngsten Entwicklungen in Italien und Spanien, sowie die Ankündigung des französischen Präsidenten Hollande, der sich für neue Mechanismen bei Wechselkursen ausgesprochen habe, hätten zu dieser Verschnaufpause geführt.
Dass ein Umdenken in puncto aktiver Währungspolitik stattgefunden habe, werde an der Vorgehensweise in Japan überdeutlich. Nach dem Rücktritt des bisherigen Notenbank-Chefs werde nun ein Nachfolger gesucht, der die auf dem Papier unabhängige Notenbank näher an die Regierung heranrücke. Vor diesem Hintergrund einer eventuellen drastischen Lockerung der Geldpolitik sei der JPY auf neue Tiefststände gegenüber dem USD (94,06 JPY) und dem Euro (127,69 JPY) gefallen.
Solche Auswüchse der nationalen Währungspolitik würden Investoren weiterhin nach Fremdwährungsanleihen Ausschau halten lassen, mit denen sie die Erträge aufgrund einer geschickten Währungsspekulation steigern könnten. Verstärktes Interesse hätten vor diesem Hintergrund in Anleihen auf Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand und Norwegische Kronen festgestellt werden können.
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (07.02.2013/alc/a/a)
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