Spanien-Anleihen: Renditen nach Moody´s-Urteil weiter auf dem Rückzug


17.10.12 12:15
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Spanische Staatsanleihen bleiben nach Meinung der Analysten von Anleihencheck Research ein spekulatives aber durchaus interessantes Investment.

Nach den weiteren fiskalischen Lockerungsmaßnahmen der EZB und der US-Notenbank hat sich die Lage in Europa merklich entspannt. Erstmals würden einige Marktteilnehmer eine Lösung der Euro-Schuldenkrise für möglich halten.

Neben den europäischen Aktienmärkte hätten sich auch die Renditen der hochverschuldeten Euroländer wie Spanien und Italien seither sehr positiv entwickelt. Zum Beispiel rentiere die Anleihe (ISIN ES00000120G4 / WKN A0GFQ1) inzwischen bei 98,37%, nachdem sie Mitte Juli nur bei rund 87% notiert habe.

Und gestern habe die Ratingagentur Moody's für eine positive Überraschung gesorgt. So habe sie die Bonitätsnote des hoch verschuldeten Euro-Mitglieds Spanien bestätigt. Das Kreditrating Spaniens sei bei "Baa3" belassen worden. Der Ausblick sei jedoch mit "negativ" angegeben worden, was eine mittelfristige Abstufung der Bonitätsnote wahrscheinlich mache. Moody's habe zur Begründung vor allem auf die Fortschritte Spaniens bei der Haushaltskonsolidierung und der Restrukturierung des angeschlagenen Bankensektors verwiesen. Die Ratingagentur habe sich außerdem zuversichtlich gezeigt, dass Spanien weiterhin Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten haben werde. Nach Einschätzung von Moody's werde Spanien um Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM ersuchen. Dieser Schritt würde es der Europäischen Zentralbank ermöglichen, spanische Staatsanleihen zu kaufen, was sich positiv auf die Anleiherenditen des Landes auswirken würde.

Dennoch dürfe nicht darüber hinweg gesehen werden, dass Spanien mit massiven Problemen zu kämpfen habe. So habe sich die Wirtschaft im zweiten Quartal 2012 schwächer als erwartet entwickelt. Das BIP sei nach einer zweiten Schätzung um 1,3% zum entsprechenden Vorjahresmonat zurückgegangen. In einer ersten Schätzung sei noch ein Rückgang von 1,0% ermittelt worden. Im ersten Quartal sei die viertgrößte Wirtschaft der Eurozone noch um 0,6% zum Vorjahr geschrumpft. Die spanische Regierung erwarte für Spanien für dieses Jahr einen BIP-Rückgang von 1,5%. Die Konsensschätzungen würden dagegen schon bei -1,7% bis -2,0% liegen. Zudem habe sich zuletzt im August die Inflationsrate auf 2,7% erhöht, nachdem sie im Vormonat noch bei 2,2% gelegen habe.

Dass für 2012 und 2013 hinsichtlich der massiven Sparmaßnahmen keine großen Sprünge zu erwarten seien, sei keine Überraschung. Dem Land könnte es aber gelingen, die Krise zu meistern, auch wenn dazu nun die Hilfe der EU in Anspruch genommen werden müsste. Immerhin seien zuletzt ermutigende Anzeichen vom spanischen Häusermarkt gekommen. So habe sich die negative Dynamik der spanischen Hausverkäufe spürbar abgeschwächt.

Die Stimmung an den Anleihemärkten sei derzeit positiv. Die eingeleiteten Maßnahmen sollten aber nicht überbewertet werden und es müsse abgewartet werden, ob die angeschlagenen Nationen bei ihrer Haushaltskonsolidierung bald Fortschritte machen würden. Ein Austritt Spaniens aus der Europäischen Währungsunion würden die Analysten aber nach wie vor für sehr unwahrscheinlich halten, zumal ein solcher auch politisch nicht gewollt sei.

Nach Ansicht der Analysten von Anleihencheck Research könnten Staatsanleihen von Spanien durchaus eine interessante Investmentalternative für den europäischen Staatsanleihen-Sektor sein. Hier böten sich ggf. eher kurzlaufende Anleihen wie zum Beispiel diese (ISIN ES00000121H0 / WKN A0T2H6) an. Die Papiere würden aber weiterhin eher für spekulativ veranlagte Anleger interessant bleiben. (Analyse vom 17.10.2012) (17.10.2012/alc/a/a)


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