Erweiterte Funktionen
Renten: Draghi macht Druck wegen fauler Kredite
24.11.17 08:30
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Endlich macht Mario Draghi Druck auf europäische Banken, die einen Haufen Problemkredite in ihren Bilanzen mit sich herumschleppen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Seit kurzem nehme der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nun jede Gelegenheit wahr, die Reduzierung fauler Kredite anzumahnen.
Denn Draghi wisse genau, dass deren Abbau Voraussetzung für die Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa sei - einem wichtigen, großen Baustein einer europäischen Bankenunion. Wer die gemeinsame Einlagensicherung wolle, müsse zuerst das Problem der faulen Kredite lösen. Dann würde man den Deutschen auch den argumentativen Wind aus den Segeln nehmen, die diese Themen eng miteinander verknüpft hätten. Risikoverringerung und Risikoteilung sollten daher parallel erfolgen, so das Credo der EZB, die seit Herbst 2014 zusätzlich für die Aufsicht über die größten Banken im Währungsraum zuständig sei.
Besonders in Deutschland stoße die Idee einer gemeinsamen EU-Einlagensicherung bekanntlich auf große Vorbehalte. Erst kürzlich habe Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gesagt, für ihn sei der hohe Bestand an Problemdarlehen ein gewichtiges Argument gegen ihre Einführung.
Doch auch unabhängig von der Frage einer EU-Einlagensicherung sei das Thema der faulen Kredite, die europaweit rund 844 Mrd. EUR umfassen würden, ein großes Problem. Nicht nur Geldhäuser und Regulatoren müssten handeln, fordere Draghi. Auch Regierungen und Gesetzgeber in den Mitgliedsstaaten müssten für ein Umfeld sorgen, in dem faule Kredite gehandelt werden könnten.
Die Problematik lasse sich nicht zuletzt in Draghis Heimat Italien beobachten, wo mit der Regionalbank Banca Carige abermals ein Geldinstitut in Schwierigkeiten geraten sei. Dies habe neuerlich Zweifel am italienischen Bankensektor genährt, wo zuletzt die Regierung im Sommer mit einem umstrittenen Rettungsplan die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mehrheitlich verstaatlicht habe.
Doch nun sei es Banca Carige erstmal gelungen, Schlimmeres zu verhindern. Sie hätten sich doch noch im letzten Schritt mit den wichtigsten Anteilseignern auf eine Kapitalerhöhung verständigen können. Über die Ausgabe neuer Aktien erhalte die Bank von ihren Aktionären 500 Mio. EUR sowie weitere 60 Mio. EUR von ihren Anleihegläubigern. Ein internationales Bankenkonsortium, dem Credit Suisse, Deutsche Bank und Barclays angehören würden, habe sich verpflichtet, die bis dahin nicht veräußerten neuen Aktien zu kaufen.
Nach wochenlangen Verhandlungen seien die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition in Deutschland spektakulär gescheitert. An den Kapitalmärkten aber habe sich diese Nachricht als "Nicht-Ereignis" entpuppt. Weder an den Anleihe- noch an den Aktienmärkten, aber auch nicht an der Kursentwicklung des Euro, habe sich der Verhandlungsabbruch wirklich niedergeschlagen - bleibe doch die wirtschaftliche Dynamik der Eurozone und in Deutschland ungebrochen.
Dass sich das Ende der Sondierungsgespräche, an dem alle Beteiligten eine Mitschuld tragen dürften, auch langfristig negativ auf den Kapitalmarkt auswirken werde, sei kaum zu erwarten. Zum einen handele es sich dabei um einen relativ normalen Vorgang in einer Demokratie - nur habe man das eben in der Bundesrepublik noch nicht erlebt. Zum anderen sei auch die Option einer Minderheitsregierung denkbar, was in anderen demokratischen Ländern, etwa in Skandinavien, eine geübte Praxis sei. Eine Minderheitsregierung würde nicht nur die Position der Bundestagsabgeordneten stärken, sondern auch das politische "Weiter so" relativieren. Ob man dann, etwa nach zwei Jahren, wieder Neuwahlen ausrufen werde, müsse sich zeigen.
Entscheidend werde am Ende sein, ob man die großen Themen der Zeit in der Lage sei, herzhaft anzugehen. Dazu würden insbesondere eine gewisse Bildungsmisere, die Herausforderungen durch die Digitalisierung sowie die Umbrüche zählen, die die Mobilität der Zukunft und der Klimawandel mit sich bringen würden. Erst wenn die Börse sehen sollte, dass die Bundesrepublik auf diesen Feldern den Zug verpasse, werde sie reagieren.
Theresa May habe sich bei der Frage der finalen Zahlung an die Europäische Union (EU) für den Brexit bewegt. So sei die britische Regierung offenbar bereit, die "Austrittsgebühr" für Großbritannien aus der EU auf 40 Mrd. EUR zu verdoppeln. Mit diesem Schritt sollten die Verhandlungspartner auf EU-Seite dazu gebracht werden, im Dezember die nächste Runde der Austrittsverhandlungen einzuleiten. Dann wolle London Gespräche über eine Übergangsfrist erreichen und das künftige Handelsverhältnis Großbritanniens mit der EU besprechen.
Folge man britischen Zeitungsberichten, habe die Premierministerin auch die Hardliner unter den Brexiteers in der Regierung in dieser Frage hinter sich gebracht. Eine offizielle Bestätigung dieser Summe habe es aber nicht gegeben.
Bisher stehe lediglich ein Angebot von 20 Mrd. EUR im Raum. Mit der Verdopplung der Summe verbinde London die Erwartung, dass die Gegenseite keine höheren finanziellen Forderungen mehr stellen dürfe. Schließlich habe Brüssel ja Rechnungen von bis zu 100 Mrd. EUR aufgemacht. Erst der 8. Dezember gelte als wahrscheinliches Datum für eine offizielle Bekanntgabe des neuen Angebots. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier habe London eigentlich eine Frist für Zugeständnisse bis Ende dieser Woche gesetzt, um sie bei der nächsten Sitzung berücksichtigen zu können.
Die Höhe der "Austrittsgebühr" gelte als einer von drei Punkten, bei denen Brüssel ausreichende Fortschritte sehen wolle, bevor die nächste Phase der Gespräche eingeläutet werden könne. Des Weiteren seien das Bleiberecht von EU-Ausländern auf der Insel sowie Briten auf dem Kontinent wichtige Punkte. Außerdem dränge Brüssel auf eine Regelung für die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.
Die Chefin der US-Zentralbank, Janet Yellen, verzichte auf einen Direktorenposten bei der FED, wenn ihr Nachfolger im Amt, Jerome Powell, im Februar 2018 vereidigt werde. Noch bis 2024 hätte sie auf diese Weise im Führungsgremium der Zentralbank die Geldpolitik mitentscheiden können. Nach ihrem Ausscheiden würden damit vier von sieben Direktoriumsplätze frei sein - was ungeahnten Spielraum für D. T., den Unberechenbaren, eröffne.
Denn damit habe Präsident Donald Trump die Möglichkeit, die Führungsriege der mächtigsten Notenbank der Welt personell noch stärker zu prägen als durch die Personalentscheidung für seinen republikanischen Parteifreund Powell. Schließlich würden die Mandate mit Zustimmung des Senats für 14 Jahre vergeben.
Yellen sitze seit 2010 im Direktorium und hätte diesem noch bis 2024 angehören können, auch wenn ihr vierjähriges Mandat als FED-Chefin Anfang Februar ablaufe. In einem Brief an Trump habe die 71-jährige Ökonomin eine positive Bilanz ihrer Zeit im Direktorium gezogen, indem sie darauf verwiesen habe, dass in diesem Jahrzehnt unter dem Strich 17 Millionen Jobs in den USA entstanden seien.
Als möglicher Anwärter auf einen der Direktorenposten gelte Ökonomie-Professor John Taylor, der bereits für die FED-Spitze im Gespräch gewesen sei. Er schlage die nach ihm benannte Taylor Rule als Richtschnur für die US-Geldpolitik vor, was bisher bei der Notenbank auf heftigen Widerstand gestoßen sei.
Yellen stehe für einen Kurs behutsamer Zinserhöhungen, der unter ihrem Nachfolger Powell fortgesetzt werden dürfte. Am 12. und 13. Dezember werde die FED zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung zusammenkommen. Es werde erwartet, dass Yellen dann als ihre letzte große Amtshandlung an der Spitze der FED den Zinssatz zur Versorgung der Banken mit Geld zum dritten Mal in diesem Jahr nochmals anheben werde.
Damit Kriseninstitute vor massenhaften Abhebungen und dem Zugriff der Gläubiger (Bank Run) geschützt werden könnten, sollten den Behörden weitreichende Instrumente zugestanden werden. Ein solches Werkzeug sollte nicht nur dazu dienen, Guthaben einfrieren zu können, sondern möglichst alle Verbindlichkeiten einer Bank abzuschirmen. Diese These habe die Chefin der europäischen Bankenabwicklungsbehörde, Elke König, auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt vertreten.
Mit einer solchen "Quarantäne" könnten nicht nur Einlagen, sondern auch Anleihen einer notleidenden Bank eingefroren werden. König wolle den Behörden solche Mittel nur vorübergehend, "idealerweise fünf Tage", an die Hand geben, denn dann wäre es einfacher, eine in Schwierigkeiten geratene Bank zu retten oder abzuwickeln. In dieser Zeit könnten Aufseher und Abwickler über weitere Maßnahmen beraten, um etwa die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine "Bad Bank" einzuleiten, ohne dass permanent Geld abgezogen werde.
Die Emissionstätigkeit der Unternehmen sei weiter sehr rege. So hätten sich in dieser Handelswoche unter anderem Renault und Südzucker frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen entschlossen. Auch McDonald's habe erfolgreich eine Dualtranche platziert.
Der französische Automobilhersteller Renault habe jetzt eine 750 Mio. EUR schwere Anleihe (ISIN FR0013299435 / WKN A19SW3) begeben. Der 8-jährige Bond sei am 28.11.2025 fällig und mit einem Kupon von jährlich 1% ausgestattet. Der Ausgabepreis habe bei 99,109% gelegen, was einem Emissionsspread von +53 bps über Mid Swap entsprochen habe. Renault erfreue die Privatanleger mit einer Mindeststückelung von 1.000 EUR. In die Anleihebedingungen sei eine Make Whole Option aufgenommen worden und der Bond sei seitens des Emittenten ab dem 28.08.2025 zu 100% kündbar.
Ebenfalls mit einer privatanleger-freundlichen Mindeststückelung habe Südzucker einen 500 Mio. EUR schweren Bond (ISIN XS1724873275 / WKN A19SRU) mit einer Laufzeit bis zum 28.11.2025 begeben. Dieser 8-jährige Bond zahle den Investoren jährlich ebenfalls 1% Zinsen und sei zu 99,367% begeben worden. Dies sei einem Spread von +50 bps über Mid Swap gleichgekommen. Der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Lebensmittelkonzerne Deutschlands habe sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben lassen. Ebenfalls sei das Wertpapier drei Monate vor Endfälligkeit, sprich ab dem 28.08.2025, jederzeit zu 100% kündbar.
Als letzter im Bunde habe der US-amerikanische Betreiber und Franchisegeber von Fast-Food-Restaurants McDonald's erfolgreich eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1,2 Mrd. EUR am Kapitalmarkt platzieren können. Dabei sei die erste Tranche (ISIN XS1725630740 / WKN A19SWU) 700 Mio. EUR schwer und am 29.01.2024 fällig. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahle das Unternehmen jährlich 0,625% Zinsen an die Investoren. Ausgegeben worden sei der Bond bei 99,832% (+30 bps über Mid Swap).
Im Bereich der Fast-Food-Konzerne sei McDonald's das umsatzstärkste Unternehmen der Welt und habe die zweite 500 Mio. EUR schwere Tranche (ISIN XS1725633413 / WKN A19SWV) mit einem Kupon in Höhe von 1,5% ausgestattet. Fällig sei das Papier am 28.11.2029. Der Emissionsspread habe sich auf +57 bps über Mid Swap belaufen, was einem Emissionspreis von 99,164% entsprochen habe. Die Mindeststückelung von 100.000 EUR habe McDonald's für beide Bonds festgelegt und eine Make Whole Option sei ebenfalls in die Emissionsbedingungen aufgenommen worden.
Am 24. September 2017 hätten die Bundestagswahlen in Deutschland mit dem Ergebnis stattgefunden, dass bis heute keine neue Regierung habe gebildet werden können. Mit dem Abbruch der Koalitionsverhandlungen könnte es erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zu Neuwahlen kommen.
An den internationalen Finanzmärkten sei dies mit erstaunlicher Gelassenheit registriert worden. In erster Reaktion sei der Euro zu Beginn der Handelswoche von 1,1790 USD zeitweise bis auf 1,1722 USD gefallen. Jedoch habe sich die Gemeinschaftswährung im weiteren Handelsverlauf davon erholen können und sei in der Spitze bis auf 1,1846 USD geklettert. Für die restliche Handelswoche sei nicht mit neuen Impulsen zur rechnen. Denn in den USA werde am 23.11. Thanksgiving gefeiert und das Börsengeschehen ruhe. Am Freitag werde in den Vereinigten Staaten ebenfalls nur verkürzt gehandelt. Damit würden viele Marktakteure fehlen, das Währungspaar EUR/USD handele heute Morgen bei 1,1830 USD.
Weiterhin ziemlich schwach präsentiere sich die Türkische Lira (TRY). Damit halte der seit Monaten anhaltende Abwärtstrend der Währung an. So habe der Euro in dieser Handelswoche einen neuen historischen Rekordstand erreichen können und mit 4,6773 TRY so hoch wie nie zuvor notiert. Staatschef Erdogan habe selbst mit seinen Äußerungen und der Kritik an der Unabhängigkeit der Notenbank für ein Abrutschen der eigenen Währung gesorgt.
In dieser Berichtswoche hätten die Privatanleger auf Altbekanntes gesetzt. Favorisiert worden seien hierbei Fremdwährungsanleihen auf Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie US-Dollar.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 23.11.2017) (24.11.2017/alc/a/a)
Seit kurzem nehme der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nun jede Gelegenheit wahr, die Reduzierung fauler Kredite anzumahnen.
Denn Draghi wisse genau, dass deren Abbau Voraussetzung für die Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa sei - einem wichtigen, großen Baustein einer europäischen Bankenunion. Wer die gemeinsame Einlagensicherung wolle, müsse zuerst das Problem der faulen Kredite lösen. Dann würde man den Deutschen auch den argumentativen Wind aus den Segeln nehmen, die diese Themen eng miteinander verknüpft hätten. Risikoverringerung und Risikoteilung sollten daher parallel erfolgen, so das Credo der EZB, die seit Herbst 2014 zusätzlich für die Aufsicht über die größten Banken im Währungsraum zuständig sei.
Besonders in Deutschland stoße die Idee einer gemeinsamen EU-Einlagensicherung bekanntlich auf große Vorbehalte. Erst kürzlich habe Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gesagt, für ihn sei der hohe Bestand an Problemdarlehen ein gewichtiges Argument gegen ihre Einführung.
Doch auch unabhängig von der Frage einer EU-Einlagensicherung sei das Thema der faulen Kredite, die europaweit rund 844 Mrd. EUR umfassen würden, ein großes Problem. Nicht nur Geldhäuser und Regulatoren müssten handeln, fordere Draghi. Auch Regierungen und Gesetzgeber in den Mitgliedsstaaten müssten für ein Umfeld sorgen, in dem faule Kredite gehandelt werden könnten.
Die Problematik lasse sich nicht zuletzt in Draghis Heimat Italien beobachten, wo mit der Regionalbank Banca Carige abermals ein Geldinstitut in Schwierigkeiten geraten sei. Dies habe neuerlich Zweifel am italienischen Bankensektor genährt, wo zuletzt die Regierung im Sommer mit einem umstrittenen Rettungsplan die Krisenbank Monte dei Paschi di Siena mehrheitlich verstaatlicht habe.
Doch nun sei es Banca Carige erstmal gelungen, Schlimmeres zu verhindern. Sie hätten sich doch noch im letzten Schritt mit den wichtigsten Anteilseignern auf eine Kapitalerhöhung verständigen können. Über die Ausgabe neuer Aktien erhalte die Bank von ihren Aktionären 500 Mio. EUR sowie weitere 60 Mio. EUR von ihren Anleihegläubigern. Ein internationales Bankenkonsortium, dem Credit Suisse, Deutsche Bank und Barclays angehören würden, habe sich verpflichtet, die bis dahin nicht veräußerten neuen Aktien zu kaufen.
Nach wochenlangen Verhandlungen seien die Sondierungsgespräche für eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition in Deutschland spektakulär gescheitert. An den Kapitalmärkten aber habe sich diese Nachricht als "Nicht-Ereignis" entpuppt. Weder an den Anleihe- noch an den Aktienmärkten, aber auch nicht an der Kursentwicklung des Euro, habe sich der Verhandlungsabbruch wirklich niedergeschlagen - bleibe doch die wirtschaftliche Dynamik der Eurozone und in Deutschland ungebrochen.
Dass sich das Ende der Sondierungsgespräche, an dem alle Beteiligten eine Mitschuld tragen dürften, auch langfristig negativ auf den Kapitalmarkt auswirken werde, sei kaum zu erwarten. Zum einen handele es sich dabei um einen relativ normalen Vorgang in einer Demokratie - nur habe man das eben in der Bundesrepublik noch nicht erlebt. Zum anderen sei auch die Option einer Minderheitsregierung denkbar, was in anderen demokratischen Ländern, etwa in Skandinavien, eine geübte Praxis sei. Eine Minderheitsregierung würde nicht nur die Position der Bundestagsabgeordneten stärken, sondern auch das politische "Weiter so" relativieren. Ob man dann, etwa nach zwei Jahren, wieder Neuwahlen ausrufen werde, müsse sich zeigen.
Entscheidend werde am Ende sein, ob man die großen Themen der Zeit in der Lage sei, herzhaft anzugehen. Dazu würden insbesondere eine gewisse Bildungsmisere, die Herausforderungen durch die Digitalisierung sowie die Umbrüche zählen, die die Mobilität der Zukunft und der Klimawandel mit sich bringen würden. Erst wenn die Börse sehen sollte, dass die Bundesrepublik auf diesen Feldern den Zug verpasse, werde sie reagieren.
Theresa May habe sich bei der Frage der finalen Zahlung an die Europäische Union (EU) für den Brexit bewegt. So sei die britische Regierung offenbar bereit, die "Austrittsgebühr" für Großbritannien aus der EU auf 40 Mrd. EUR zu verdoppeln. Mit diesem Schritt sollten die Verhandlungspartner auf EU-Seite dazu gebracht werden, im Dezember die nächste Runde der Austrittsverhandlungen einzuleiten. Dann wolle London Gespräche über eine Übergangsfrist erreichen und das künftige Handelsverhältnis Großbritanniens mit der EU besprechen.
Folge man britischen Zeitungsberichten, habe die Premierministerin auch die Hardliner unter den Brexiteers in der Regierung in dieser Frage hinter sich gebracht. Eine offizielle Bestätigung dieser Summe habe es aber nicht gegeben.
Bisher stehe lediglich ein Angebot von 20 Mrd. EUR im Raum. Mit der Verdopplung der Summe verbinde London die Erwartung, dass die Gegenseite keine höheren finanziellen Forderungen mehr stellen dürfe. Schließlich habe Brüssel ja Rechnungen von bis zu 100 Mrd. EUR aufgemacht. Erst der 8. Dezember gelte als wahrscheinliches Datum für eine offizielle Bekanntgabe des neuen Angebots. EU-Verhandlungsführer Michel Barnier habe London eigentlich eine Frist für Zugeständnisse bis Ende dieser Woche gesetzt, um sie bei der nächsten Sitzung berücksichtigen zu können.
Die Höhe der "Austrittsgebühr" gelte als einer von drei Punkten, bei denen Brüssel ausreichende Fortschritte sehen wolle, bevor die nächste Phase der Gespräche eingeläutet werden könne. Des Weiteren seien das Bleiberecht von EU-Ausländern auf der Insel sowie Briten auf dem Kontinent wichtige Punkte. Außerdem dränge Brüssel auf eine Regelung für die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland.
Die Chefin der US-Zentralbank, Janet Yellen, verzichte auf einen Direktorenposten bei der FED, wenn ihr Nachfolger im Amt, Jerome Powell, im Februar 2018 vereidigt werde. Noch bis 2024 hätte sie auf diese Weise im Führungsgremium der Zentralbank die Geldpolitik mitentscheiden können. Nach ihrem Ausscheiden würden damit vier von sieben Direktoriumsplätze frei sein - was ungeahnten Spielraum für D. T., den Unberechenbaren, eröffne.
Denn damit habe Präsident Donald Trump die Möglichkeit, die Führungsriege der mächtigsten Notenbank der Welt personell noch stärker zu prägen als durch die Personalentscheidung für seinen republikanischen Parteifreund Powell. Schließlich würden die Mandate mit Zustimmung des Senats für 14 Jahre vergeben.
Als möglicher Anwärter auf einen der Direktorenposten gelte Ökonomie-Professor John Taylor, der bereits für die FED-Spitze im Gespräch gewesen sei. Er schlage die nach ihm benannte Taylor Rule als Richtschnur für die US-Geldpolitik vor, was bisher bei der Notenbank auf heftigen Widerstand gestoßen sei.
Yellen stehe für einen Kurs behutsamer Zinserhöhungen, der unter ihrem Nachfolger Powell fortgesetzt werden dürfte. Am 12. und 13. Dezember werde die FED zu ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung zusammenkommen. Es werde erwartet, dass Yellen dann als ihre letzte große Amtshandlung an der Spitze der FED den Zinssatz zur Versorgung der Banken mit Geld zum dritten Mal in diesem Jahr nochmals anheben werde.
Damit Kriseninstitute vor massenhaften Abhebungen und dem Zugriff der Gläubiger (Bank Run) geschützt werden könnten, sollten den Behörden weitreichende Instrumente zugestanden werden. Ein solches Werkzeug sollte nicht nur dazu dienen, Guthaben einfrieren zu können, sondern möglichst alle Verbindlichkeiten einer Bank abzuschirmen. Diese These habe die Chefin der europäischen Bankenabwicklungsbehörde, Elke König, auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt vertreten.
Mit einer solchen "Quarantäne" könnten nicht nur Einlagen, sondern auch Anleihen einer notleidenden Bank eingefroren werden. König wolle den Behörden solche Mittel nur vorübergehend, "idealerweise fünf Tage", an die Hand geben, denn dann wäre es einfacher, eine in Schwierigkeiten geratene Bank zu retten oder abzuwickeln. In dieser Zeit könnten Aufseher und Abwickler über weitere Maßnahmen beraten, um etwa die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine "Bad Bank" einzuleiten, ohne dass permanent Geld abgezogen werde.
Die Emissionstätigkeit der Unternehmen sei weiter sehr rege. So hätten sich in dieser Handelswoche unter anderem Renault und Südzucker frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen entschlossen. Auch McDonald's habe erfolgreich eine Dualtranche platziert.
Der französische Automobilhersteller Renault habe jetzt eine 750 Mio. EUR schwere Anleihe (ISIN FR0013299435 / WKN A19SW3) begeben. Der 8-jährige Bond sei am 28.11.2025 fällig und mit einem Kupon von jährlich 1% ausgestattet. Der Ausgabepreis habe bei 99,109% gelegen, was einem Emissionsspread von +53 bps über Mid Swap entsprochen habe. Renault erfreue die Privatanleger mit einer Mindeststückelung von 1.000 EUR. In die Anleihebedingungen sei eine Make Whole Option aufgenommen worden und der Bond sei seitens des Emittenten ab dem 28.08.2025 zu 100% kündbar.
Ebenfalls mit einer privatanleger-freundlichen Mindeststückelung habe Südzucker einen 500 Mio. EUR schweren Bond (ISIN XS1724873275 / WKN A19SRU) mit einer Laufzeit bis zum 28.11.2025 begeben. Dieser 8-jährige Bond zahle den Investoren jährlich ebenfalls 1% Zinsen und sei zu 99,367% begeben worden. Dies sei einem Spread von +50 bps über Mid Swap gleichgekommen. Der größte Zuckerproduzent der Welt und einer der größten Lebensmittelkonzerne Deutschlands habe sich eine Make Whole Option in die Anleihebedingungen schreiben lassen. Ebenfalls sei das Wertpapier drei Monate vor Endfälligkeit, sprich ab dem 28.08.2025, jederzeit zu 100% kündbar.
Als letzter im Bunde habe der US-amerikanische Betreiber und Franchisegeber von Fast-Food-Restaurants McDonald's erfolgreich eine Dualtranche im Gesamtvolumen von 1,2 Mrd. EUR am Kapitalmarkt platzieren können. Dabei sei die erste Tranche (ISIN XS1725630740 / WKN A19SWU) 700 Mio. EUR schwer und am 29.01.2024 fällig. Für die Aufnahme des Kredits am Bondmarkt zahle das Unternehmen jährlich 0,625% Zinsen an die Investoren. Ausgegeben worden sei der Bond bei 99,832% (+30 bps über Mid Swap).
Im Bereich der Fast-Food-Konzerne sei McDonald's das umsatzstärkste Unternehmen der Welt und habe die zweite 500 Mio. EUR schwere Tranche (ISIN XS1725633413 / WKN A19SWV) mit einem Kupon in Höhe von 1,5% ausgestattet. Fällig sei das Papier am 28.11.2029. Der Emissionsspread habe sich auf +57 bps über Mid Swap belaufen, was einem Emissionspreis von 99,164% entsprochen habe. Die Mindeststückelung von 100.000 EUR habe McDonald's für beide Bonds festgelegt und eine Make Whole Option sei ebenfalls in die Emissionsbedingungen aufgenommen worden.
Am 24. September 2017 hätten die Bundestagswahlen in Deutschland mit dem Ergebnis stattgefunden, dass bis heute keine neue Regierung habe gebildet werden können. Mit dem Abbruch der Koalitionsverhandlungen könnte es erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zu Neuwahlen kommen.
An den internationalen Finanzmärkten sei dies mit erstaunlicher Gelassenheit registriert worden. In erster Reaktion sei der Euro zu Beginn der Handelswoche von 1,1790 USD zeitweise bis auf 1,1722 USD gefallen. Jedoch habe sich die Gemeinschaftswährung im weiteren Handelsverlauf davon erholen können und sei in der Spitze bis auf 1,1846 USD geklettert. Für die restliche Handelswoche sei nicht mit neuen Impulsen zur rechnen. Denn in den USA werde am 23.11. Thanksgiving gefeiert und das Börsengeschehen ruhe. Am Freitag werde in den Vereinigten Staaten ebenfalls nur verkürzt gehandelt. Damit würden viele Marktakteure fehlen, das Währungspaar EUR/USD handele heute Morgen bei 1,1830 USD.
Weiterhin ziemlich schwach präsentiere sich die Türkische Lira (TRY). Damit halte der seit Monaten anhaltende Abwärtstrend der Währung an. So habe der Euro in dieser Handelswoche einen neuen historischen Rekordstand erreichen können und mit 4,6773 TRY so hoch wie nie zuvor notiert. Staatschef Erdogan habe selbst mit seinen Äußerungen und der Kritik an der Unabhängigkeit der Notenbank für ein Abrutschen der eigenen Währung gesorgt.
In dieser Berichtswoche hätten die Privatanleger auf Altbekanntes gesetzt. Favorisiert worden seien hierbei Fremdwährungsanleihen auf Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie US-Dollar.
Disclaimer
Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.
Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.
Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 23.11.2017) (24.11.2017/alc/a/a)
Werte im Artikel



