Anleihen-Handel: Politische Unsicherheit ohne Folgen


27.11.17 12:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen sorgte zwar für viel Gesprächsstoff, blieb aber mehr oder weniger folgenlos, so die Deutsche Börse AG.

"An den Kapitalmärkten entpuppte sich diese Nachricht als "Nicht-Ereignis", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Weder bei Anleihen oder Aktien noch beim Euro habe sich der Verhandlungsabbruch wirklich niedergeschlagen. "Die wirtschaftliche Dynamik der Eurozone und in Deutschland bleibt eben ungebrochen."

"Panik ist nicht angebracht", meine auch Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. Die grundsätzliche Stabilität Deutschlands sei nicht infrage gestellt. "Deutschland hat eine geschäftsführende Regierung, sodass der Konjunkturmotor auch weiterhin kräftig brummen dürfte."

Auf Wochensicht sei der Euro-Bund-Future weiter auf der Stelle getreten, am Freitagmittag habe der Indikator bei 163,06 Punkten gelegen nach 162,60 vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen hätten 0,37 Prozent abgeworfen nach 0,38 Prozent am 17. November.

Viel mehr los sei in US-Treasuries - zumindest in Kurzläufern: Die Verzinsung zweijähriger Papiere habe sich Anfang der letzten Woche der Marke von 1,80 Prozent genähert. "Am langen Ende der US-Zinsen ist dagegen kaum Bewegung zu erkennen, sodass sich die Zinskurve seit Jahresende 2016 vom kurzen Ende her immer weiter abgeflacht hat", erkläre Sintje Boie von der HSH Nordbank. Damit spiegle sich der Zinserhöhungskurs der FED immer stärker in den zweijährigen US-Zinsen wider, während die zehnjährigen Renditen die gute konjunkturelle Entwicklung in den USA kaum aufnähmen. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen seien trotz Leitzinserhöhungen bis September auf 2,03 Prozent zurückgegangen, aktuell seien es 2,34 Prozent und damit immer noch weniger als im Dezember 2016.

Stark beachtet würden weiter die Anleihen Venezuelas bleiben, das Land habe Anfang November eine Umschuldung seiner Auslandskredite inklusive der des staatlichen Ölkonzerns PDVSA angekündigt. "Es gibt nichts wirklich Neues", stelle Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Die Kurse von PDVSA-Anleihen (ISIN USP7807HAR68 / WKN A1ZBN3, ISIN XS0294367205 / WKN A0NRTC, ISIN XS0294364954 / WKN A0NRHT) hätten letzte Woche unter Schwankungen seitwärts tendiert.

Die Türkische Lira falle unterdessen auf immer neue Rekordtiefs. Das habe die Zentralbank zu einer "heimlichen" Zinserhöhung veranlasst, wie Bloomberg berichte: So habe die türkische Notenbank beschlossen, sämtliche Finanzierungen zu kappen mit Ausnahme eines Liquiditätsfensters, das als letzte Möglichkeit für eine Übernacht-Notfallfinanzierung konzipiert gewesen sei. Dieser Schritt entspreche einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Anleihen in Türkischen Lira wie die der KfW (ISIN XS1234897483 / WKN A1SR83) mit Laufzeit bis 2020 und Kupon von 9,25 Prozent würden Daniel zufolge aber in beide Richtungen gehandelt.

Nur kurz unter Druck geraten seien Daniel zufolge STADA-Anleihen. "Wegen der Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven können Gläubiger die vorzeitige Rückzahlung der Anleihe zu 100 Prozent verlangen", berichte der Händler. Allerdings mache das wenig Sinn: "Die Bonität hat sich durch die Übernahme nicht verschlechtert, zudem kann die Anleihe am Markt zu 102,52 Prozent verkauft werden."

"Die Emissionstätigkeit der Unternehmen ist weiter sehr rege", stelle Stopp fest. So habe der französische Autobauer Renault eine 750 Millionen Euro schwere Anleihe (ISIN FR0013299435 / WKN A19SW3) begeben mit Laufzeit bis November 2025 und Kupon von 1 Prozent. Mit einer Stückelung von 1.000 Euro richte sich Renault auch an Privatanleger. Das gelte ebenfalls für den 500 Millionen Euro schweren Bond (ISIN XS1724873275 / WKN A19SRU) von Südzucker, der gleichermaßen bis November 2025 und 1 Prozent biete. (Ausgabe vom 24.11.2017) (27.11.2017/alc/a/a)





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