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Die Notenbanker schwingen den Taktstock
28.04.16 11:30
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Am gestrigen Abend war es endlich soweit: Die amerikanischen Notenbanker beendeten ihre zweitägige Tagung und teilten der sehnsüchtig wartenden Investorenschar mit, was in den nächsten Monaten geldpolitisch zu erwarten ist, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Eine Zinsanhebung, mit der man noch zum Jahresbeginn für den April gerechnet habe, sei bereits im Vorfeld der Sitzung nicht mehr wirklich erwartet worden. Aber bei den erläuternden Worten der FED-Präsidentin, Janet Yellen, werde stets versucht, Tendenzen herauszulesen. Manchmal erinnere das an "Kaffeesatzleserei", aber leider sei diese Vorgehensweise alternativlos und die Ergebnisse seien oftmals der Beginn des so genannten Bandwagon-Effekts.
Viel schlauer sei man durch die gestrigen Erläuterungen zwar nicht geworden, aber anscheinend versuche man in den USA mittels einer wohlüberlegten Wortwahl die Fantasie für weitere Zinsanhebungen nicht abzuwürgen. Gleichzeitig möchte man die negativen Auswirkungen möglicher geldpolitischer Entscheidungen nicht überbetonen. Aus diesem Grund sei gestern auch die Passage gestrichen worden, wonach die globale finanzielle Entwicklung und die Wirtschaft weiterhin Risiken darstellen würden. Die generelle positive Einschätzung des Arbeitsmarktes lasse Spielraum für eine Zinserhöhung im Juni des Jahres und der Glaube an ein behutsames Vorgehen der Notenbanker lasse Investoren beruhigter in die Zukunft blicken. Zumal die Entscheidung der Beibehaltung der Leitzinsen mit 9 zu 1 Stimmen beschlossen worden sei.
Die eine Notenbank könne also auf eine gewisse Inflation verweisen, müsse sich aber aus anderen Gründen zurückhalten. Die andere Zentralbank, die Bank of Japan (BoJ), deren Zinsentscheid die Experten am heutigen Donnerstag ebenfalls beschäftige, werde alles dafür tun, die Inflation zu beleben. In der Vergangenheit seien alle möglichen Maßnahmen ergriffen worden, aber bisher ohne nachhaltigen Erfolg. So sei heute damit zu rechnen, dass ein Beschluss gefasst werde, nachdem bei Erreichen eines bestimmten Devisenkurses im Auftrag des japanischen Finanzministeriums am Devisenmarkt interveniert werden solle. Damit würde man zwar streng genommen gegen die kürzlich erst beschlossenen Vermeidung "willkürlicher Interventionen" verstoßen, aber in Japan sehe man darin lediglich die Dämpfung schneller Wechselkursbewegungen. Auch eine Volumenausweitung des bisherigen QQE-Programms oder die Anpassung der durchschnittlichen Laufzeit auf 5 bis 12 Jahre wäre denkbar gewesen. Doch die Notenbanker seien ihrer bisherigen Linie treu geblieben und hätten keine weiteren Lockerungsmaßnahmen beschlossen.
Nicht zum ersten Mal habe die Bundesbank die Gefahren benannt, die von den Staatsanleihen ausgehen würden, welche ohne Unterlegung von Eigenkapital in den Bankbilanzen schlummern würden. Nun mache ihr Präsident Jens Weidmann seine Zustimmung zu einer europäischen Einlagensicherung davon abhängig, dass die Banken in Europa ihre Bestände an Staatsanleihen reduzieren würden. Sonst käme es zu einer Haftung aller für die Staatsschulden in Europa, argumentiere er und mahne in der Diskussion über neue Vorschriften für Staatsanleihen-Käufe von Banken zur Eile. Gerade weil man für neue Regelungen Übergangsfristen brauche, müsse die grundsätzliche Weichenstellung zügig getroffen werden. Die Risikobewertung von Staatsanleihen sei mit der Euro-Schuldenkrise in den Fokus geraten, als sich gezeigt habe, dass auch bei Euro-Staaten ein Ausfallrisiko bestehe. Dieses Risiko wolle Weidmann bewertet haben - mit einer adäquaten Unterlegung der Staatsbonds mit Eigenkapital.
Weidmann zufolge würden gerade die hohen Bestände an Staatsanleihen in vielen Bankbilanzen gegen eine rasche Einführung einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung sprechen. Daher mache er die Verringerung der mit solchen Anleihen verbundenen Risiken zur Voraussetzung eines europäischen Einlagenschutzes. Dies könnte eine kluge Strategie des obersten Bundesbankers sein, um den von den deutschen Bankengruppen ungeliebten EU-Einlagenschutz zumindest hinauszuzögern - wenn er schon nicht zu verhindern sei. Sollte er dann unter der von Weidmann gestellten Bedingung doch kommen, wäre wenigstens eine Risikobewertung der Staatsbonds und damit mehr Sicherheit im europäischen Bankensystem erreicht worden.
Im Sommer würden die Finanzminister der EU die Frage angehen wollen, wie künftig Risiken aus Staatsanleihen in den Bankbilanzen verringert werden könnten. Nach den Vorschlägen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem solle es dann zu einer Verschärfung der Anforderungen an Staatsanleihen kommen.
Wie zuvor EZB-Präsident Mario Draghi fordere auch Weidmann mehr strukturelle Reformen in der Eurozone. Sonst bestehe seines Erachtens die Gefahr, dass sich das nächste Vertrauensproblem für die Währungsunion aufbaue. Dann würde erneut die EZB für die Fiskalpolitik von Eurostaaten in die Bresche springen müssen.
Die Crux liege darin, dass die Spielräume, die durch die lockere EZB-Politik für eine zügige Verringerung struktureller Haushaltsdefizite entstanden seien, von den Staaten vielfach nicht genutzt worden seien. Und dies, so Weidmanns Befürchtung, könnte die Schuldentragfähigkeit einzelner Eurostaaten dann enorm belasten, wenn die EZB ihre Geldpolitik bei einer steigenden Inflation wieder straffen müsse.
Apple und thyssenkrupp - das seien zwei Unternehmen, wie sie verschiedener kaum sein könnten. Gemeinsam sei ihnen aber in dieser Woche gewesen, dass es schlechte Nachrichten zu beiden Firmen gegeben habe. Apple habe im ersten Quartal 2016 den ersten Absatzrückgang seiner iPhones überhaupt hinnehmen müssen. Und thyssenkrupp habe sich beim Ringen um einen Milliardenauftrag der australischen Regierung zum Bau von zwölf U-Booten dem französischen Staatskonzern DCNS geschlagen geben müssen. In beiden Fällen habe auch der Aktienkurs gelitten, sodass sich ein Blick auf die Preisentwicklung der Corporate Bonds dieser Unternehmen lohne.
Eine bis 11/2024 laufende Unternehmensanleihe (ISIN CH0271171685/ WKN A1ZWW8) von Apple sei in den vergangenen Tagen etwas zurückgekommen, um jetzt aber wieder bei 103,20% und damit knapp unter dem Jahreshoch von 103,62% (15.4.) zu notieren. Die Rendite liege für den auf Schweizer Franken lautenden Titel bei 0%. Etwas schwächer präsentiere sich eine Euro-Anleihe von Apple (ISIN XS1292384960/ WKN A1Z6UE), die momentan mit 104,772% unter dem Jahreshoch von 105,533% (7.4.) notiere. Die Anleihe rentiere bei einer Fälligkeit am 17.01.2024 mit ca. 0,73% und sei mit einer Make-Whole-Option ausgestattet
thyssenkrupp feche die Nachricht von dem verpassten Großauftrag am Bondmarkt indessen nicht an. Ein bis 8/2018 laufender Corporate Bond (ISIN DE000A1R08U3/ WKN A1R08U) des Unternehmens notiere bei ca. 106,90% und liege damit unter seinem Zwölfmonatshoch von 108,00% vom April 2015 und rentiere mit 0,98%. Auch im langfristigen Bereich bleibe thyssenkrupp auf Kurs. Ein Bond (ISIN DE000A14J587/ WKN A14J58) mit Fälligkeit 2/2025 notiere mit ca. 99,35% und einer Rendite von 2,58% knapp unter dem Zwölfmonatshoch von 99,82% im April 2015.
Insgesamt könne in diesen Fällen konstatiert werden, dass die schlechten Nachrichten die Anleger am Bondmarkt nur wenig beeindruckt hätten.
Ausgerechnet Goldman Sachs, Wall-Street-Legende, Investment Bank und Global Player, umwerbe nun die einfachen Sparer. Von nun an könnten US-Privatkunden bei der Goldman-Tochter GS Bank, einer Onlinebank, Sparkonten eröffnen und ab 500 US-Dollar Einlagezertifikate zeichnen. Die Bank offeriere noch kein vollwertiges Privatkundengeschäft. So fehle es an Geldautomaten oder Filialen. Aber die Zinsen, die Goldman zahle, könnten sich mehr als sehen lassen. 1,05% auf Spareinlagen und 1% auf einjährige Einlagezertifikate sowie 2% auf zweijährige Zertifikate würden durchaus als Lockvogelangebote für US-Kunden erscheinen.
Die neue Sparte von Goldman sei durch die Übernahme der Onlinebank GE Capital im August 2015 entstanden, die aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur bereits derart attraktive Konditionen geboten habe. Nun führe Goldman diese Konditionen weiter. Basis der neuen Strategie seien die neuen Bankenregeln, die Spareinlagen als besonders hochwertig einstufen würden. Das Ganze geschehe vor dem Hintergrund, dass das Kerngeschäft von Goldman, das Investmentbanking und der Wertpapierhandel, ein schwieriges erstes Quartal 2016 hätten verdauen müssen. Mit den Spargeldern wolle Goldman kostengünstige Einlagen gewinnen, um diese in anderen Geschäftsbereichen wie dem Investmentbanking zu verleihen. Während der Finanzkrise 2008 sei das Institut in die Bredouille geraten, als kurzfristige Kredite von anderen Finanzfirmen, die üblicherweise zur Absicherung ihrer Wetten am Terminmarkt benutzt würden, plötzlich nicht mehr zur Verfügung gestanden hätten. Die Bankenaufsicht habe sie aus diesem Grunde gedrängt, ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Geldern anderer Banken zu reduzieren. Ob dafür aber ausgerechnet Kundengelder ein guter Ersatz sein sollten, dürfe zumindest infrage gestellt werden. Die GS Bank verzeichne Einlagen in der Größenordnung von 88 Mrd. US-Dollar.
Die Gespräche über einen griechischen Sparkurs seien zunächst gescheitert. Die Vorstellungen darüber, wie es weitergehen solle, lägen bei der Regierung und den Gläubigern weit auseinander. Daher habe Regierungschef Alexis Tsipras einen EU-Sondergipfel beantragen wollen, doch dies sei bereits von den anderen Verhandlungspartnern abgelehnt worden. Der Druck auf die griechische Regierung werde täglich größer und es gebe in Athen schon wieder Spekulationen über Neuwahlen.
Der Streit habe sich vor allem an der Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) entzündet, der Zweifel an der Einhaltung der Vereinbarungen durch Athen hege und deshalb "Reservebeschlüsse" verlange. Dieser Notfallplan solle noch einmal Einsparungen in Höhe von 2% des BIPs bringen.
Griechenland solle deshalb neben den im Juli 2015 vereinbarten Reform- und Sparmaßnahmen im Umfang von 5,4 Mrd. Euro Maßnahmen für rund 3,6 Mrd. Euro treffen. Dieses zweite Paket solle quasi auf Vorrat beschlossen werden und in Kraft treten, falls Athen bis 2018 das gesetzte Ziel, einen Überschuss von 3,5% des Bruttoinlandsproduktes vor Abzug der Kreditzinsen, nicht erreiche.
Einen solchen Beschluss aber dürfte die Regierung Tsipras nicht überleben. Athen schlage daher eine Art "automatischen fiskalen Stabilisator" vor, nach dem alle Staatsausgaben um einen bestimmten Prozentsatz gekürzt werden sollten, wenn das Land sein Einsparziel um genau diese Quote verfehle. Die Gläubiger könnten sich damit nicht anfreunden und würden konkrete Maßnahmen fordern.
Um den Griechen den Abschluss der Überprüfung des Hilfsprogramms schmackhaft zu machen, stelle man zumindest hinter vorgehaltener Hand den Griechen eine Teilnahme am Anleihe-Kaufprogramm der EZB unter bestimmten Bedingungen in Aussicht.
Saudi-Arabien bereite sich auf den Abschied vom Öl vor. Angesichts des Preisverfalls beim Rohöl wolle sich das Land auf spektakuläre Art und Weise unabhängig von den Rohstoffeinnahmen machen. Dazu gründe Riad nun den größten Staatsfonds der Welt. "Vision 2030" werde der Plan genannt, wonach weniger als 5% der staatlichen Ölgesellschaft Aramco an die Börse gebracht würden. Der zu erzielende Erlös solle neben den Erträgen aus einer 5%-igen Mehrwertsteuer in einen insgesamt 2 Billionen Dollar schweren Staatsfonds fließen, der 10% der weltweiten Investitionskraft umfassen würde. Der Gesamtwert von Aramco liege bei rund 2,5 Billionen US-Dollar.
Gehe die Rechnung auf, welche der "Vision 2030" zugrunde liege, wolle Saudi-Arabien bereits im Jahr 2020 ohne Öl leben. Immerhin, in einem größeren Ausmaß als viele andere Länder der Erde verfüge Saudi-Arabien über eine unerschöpfliche Energiequelle: die Sonne, die als Alternative zum Erdöl besser genutzt werden solle.
Mancher Emittent sehe sich in Kombination mit seiner eigenen Bonitätsbeurteilung und der Ankündigung des EZB-Präsidenten, zukünftig auch Corporate Bonds guter Unternehmen anzukaufen, mit einem "Luxus-Problem" konfrontiert und wage den Schritt an den Primärmarkt, um sich die günstigen Refinanzierungskosten zu sichern.
So habe das niederländische Unternehmen Unilever die Gunst der Stunde genutzt und 1,5 Mrd. Euro mittels dreier Anleihen mit einer Mindeststücklung von 100.000 Euro aufgenommen. Die erste Tranche (ISIN XS1403010512/ WKN A180VF) sei am 29.04.2020 endfällig und als Null-Prozenter bei 99,67% begeben worden. Auf diesem Weg hätten 300 Mio. Euro eingesammelt werden können. Für eine um 4 Jahre längere Laufzeit sei ein jährlicher Kupon von 0,5% vereinbart worden, was wiederum 500 Mio. Euro in die Unternehmenskasse gespült habe. Gepreist worden sei die Anleihe (ISIN XS1403014936/ WKN A180VG) bei 98,419%, was einem Emissionsspread von +71,9 bps über der vergleichbaren deutschen Staatsanleihe entspreche. Wer sein Geld noch länger investieren möchte, der habe die Möglichkeit jährlich 1,125% Zinsen bis zur Endfälligkeit am 29.04.2028 zu erhalten. Diese Anleihe (ISIN XS1403015156/ WKN A180VH) sei 700 Mio. Euro schwer und bei 99,034% begeben worden (+93,8 bps über Bund).
Etwas mehr Zinsen müsse McDonalds zahlen, das ebenfalls drei Emissionen an den Markt gebracht habe und dadurch 2,5 Mrd. Euro habe einsammeln können. Eine 750 Mio. Euro schwere Anleihe (ISIN XS1403263723/ WKN A180VT) sei mit einem Kupon von 0,5% ausgestattet und am 15.01.2021 fällig. Der Emissionspreis von 99,736% habe einen Spread von +50 bps über Mid Swap bedeutet. Die zweite Tranche (ISIN XS1403264374/ WKN A180VU) mit Rückzahlung am 15.11.2023 sei mit einem Kupon von 1% ausgestattet. Das Emissionsvolumen der mit 99,282% begebenen Anleihe (+70 bps über Mid Swap) belaufe sich auf 1 Mrd. Euro. Wem die bisherigen Laufzeiten allerdings zu kurz gewesen seien, der könne McDonalds bis zum 03.05.2028 sein Geld zur Verfügung stellen und kassiere dafür jährlich 1,75%. Die Anleihe (ISIN XS1403264291/ WKN A180VV) im Volumen von 750 Mio. Euro sei bei 99,262% bzw. +95 bps über Mid Swap gepreist worden. Kumuliert hätten insgesamt Orders für über 14 Mrd. Euro vorgelegen.
Aber auch Emittenten wie Bertelsmann (ISIN XS1400165350/ WKN A2AASY/ 2026) und Carrefour (ISIN XS1401331753/ WKN A180M6/ 2024) würden mit Neuemissionen um die Gunst der Investoren buhlen. Das deutsche Medienunternehmen zahle einen jährlichen Zins von 1,125% und die französische Supermarktkette müsse nur 0,75% veranschlagen.
Endlich hätten die Bären mal Recht bekommen, aber die spannende Frage werde nun sein: "Wars das oder geht die Party jetzt erst richtig los?" Für beide Thesen gebe es plausible Erklärungen.
Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der weiteren Weltwirtschafts-Entwicklung und möglicherweise geschönter Konjunkturdaten in China könnte es sich um eine kurze Schwächeperiode handeln. Sollten sich aber große institutionelle Investoren zu Gewinnmitnahmen genötigt sehen, so sei eine Entwicklung wie vor einem Jahr nicht auszuschließen. Da man die Frage aber nur in Verbindung mit vielen "Wenn und Aber" beantworten könne, ziehe man in einem solchen Fall gerne die Charttechnik zu Rate.
Der intakte Abwärtstrend verfüge über eine schwache Unterstützungslinie bei 161,50% und erst das Tief vom 10.03.2016 (Draghi-Day) bei 160,81%, stelle eine nennenswerte Unterstützung dar. Nach oben blickend habe man am gestrigen Handelstag noch bei 162,33% (Tief vom 21.04.) einen ersten Widerstand registriert, der inzwischen zur Unterstützungslinie mutiert sei. Daher sei jetzt der Weg bis zur psychologischen Marke bei 163% wieder frei.
Aktuell handle das Rentenbarometer infolge der gestrigen amerikanischen und heutigen japanischen Zinsentscheidung bei 162,46%.
In dieser Handelswoche seien in der Eurozone Anleihen im Gegenwert von über 50 Mrd. Euro endfällig geworden. Neuaufnahmen habe es aber lediglich in Höhe von 9 Mrd. Euro gegeben. Die beiden Emittenten, die sich hierzu am Kapitalmarkt getummelt hätten, seien Italien, das diverse Altemissionen aufgestockt habe, und Deutschland gewesen. Die Platzierung der deutschen 30-jährigen Staatsanleihe (ISIN DE0001102341/ WKN 110234) sei bei einer Durchschnittsrendite von 1,03% erfolgt und das angestrebte Volumen von 1 Mrd. Euro habe sich im aktuellen Marktumfeld nicht als Problem dargestellt. Das Gesamtvolumen belaufe sich nun auf 16 Mrd. Euro.
Das Highlight der Woche sei allerdings die Ankündigung Belgiens gewesen, das sich als zweiter Staat - nach Irland - an die Begebung einer 100-jährigen Anleihe wage. Das Volumen sei mit 100 Mio. Euro sicherlich übersichtlich, aber die Laufzeit erstrecke sich - auch ohne Verlängerung der Lebensarbeitszeit - auf mindestens drei Generationen. Dies ermögliche den Investoren, die Duration ihrer Portfolios mit einer Transaktion deutlich zu verlängern. Ob sinnvoll oder weniger sinnvoll, das müssten die Nachfolger entscheiden. Die Rendite für diese Investitionsdauer belaufe sich auf ca. 2,3% p.a.
In den USA denke man zwar immer gerne in XXL-Kategorien, aber auch in diesen Tagen seien konservativ Geldmarktpapiere für insgesamt 107 Mrd. USD sowie fünfjährige T-Notes für 34 Mrd. USD, siebenjährige für 28 Mrd. USD und ein zweijähriger Floater für 15 Mrd. USD aufgelegt worden. Nicht jeder Trend sei nachahmenswert.
Nach dem ersten Großereignis und der Austragung der Fußball-WM 2014 stehe für Brasilien das nächste Spektakel an. Seit dem gestrigen Mittwoch seien es noch exakt 100 Tage bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Die ohnehin schwierige politische Lage im Land werde durch die bevorstehenden Spiele nochmals verschärft. Es würden Proteste gegen die Regierung drohen.
Doch Investoren würden sich nicht nur aus sportlichen Gründen für Brasilien interessieren, sondern würden auch währungstechnische Überlegungen anstellen. Seit der Weltmeisterschaft habe sich der Brasilianische Real in einer Tradingrange zwischen 2,8679 BRL und 4,7832 BRL bewegt und infolge einer rückläufigen Inflationserwartung im laufenden und kommenden Jahr würden sich die Blicke auf mögliche Zinsentscheidungen der Zentralbank Brasiliens richten, was wiederum Auswirkungen auf die Devisenkurse hätte. Der Euro notiere aktuell um die Marke von 4,00 BRL.
Neben Brasilien tage am kommenden Freitag auch die Notenbank Russlands. Im Vorfeld der Notenbanksitzung zeige sich der Rubel sehr robust und handle im Moment bei 74,10 RUB. In der Vorwoche sei gar ein neues Jahreshoch bei 72,4749 RUB zum Euro markiert worden.
Diese Berichtswoche stehe ganz im Zeichen der Notenbanken, so habe gestern Abend die zweitägige Sitzung der Federal Reserve (FED) geendet. Erwartungsgemäß habe es keine großen Überraschungen aus Übersee gegeben und so notiere die europäische Gemeinschaftswährung heute Morgen bei 1,1355 USD, nachdem sie noch vor Wochenfrist bei 1,1398 USD gehandelt worden sei.
Im Fokus der Privatanleger hätten in den vergangenen Handelstagen vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Brasilianische Real, Norwegische Kronen und vereinzelt auch Russische Rubel gestanden. (Ausgabe vom 28.04.2016)
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Eine Zinsanhebung, mit der man noch zum Jahresbeginn für den April gerechnet habe, sei bereits im Vorfeld der Sitzung nicht mehr wirklich erwartet worden. Aber bei den erläuternden Worten der FED-Präsidentin, Janet Yellen, werde stets versucht, Tendenzen herauszulesen. Manchmal erinnere das an "Kaffeesatzleserei", aber leider sei diese Vorgehensweise alternativlos und die Ergebnisse seien oftmals der Beginn des so genannten Bandwagon-Effekts.
Viel schlauer sei man durch die gestrigen Erläuterungen zwar nicht geworden, aber anscheinend versuche man in den USA mittels einer wohlüberlegten Wortwahl die Fantasie für weitere Zinsanhebungen nicht abzuwürgen. Gleichzeitig möchte man die negativen Auswirkungen möglicher geldpolitischer Entscheidungen nicht überbetonen. Aus diesem Grund sei gestern auch die Passage gestrichen worden, wonach die globale finanzielle Entwicklung und die Wirtschaft weiterhin Risiken darstellen würden. Die generelle positive Einschätzung des Arbeitsmarktes lasse Spielraum für eine Zinserhöhung im Juni des Jahres und der Glaube an ein behutsames Vorgehen der Notenbanker lasse Investoren beruhigter in die Zukunft blicken. Zumal die Entscheidung der Beibehaltung der Leitzinsen mit 9 zu 1 Stimmen beschlossen worden sei.
Die eine Notenbank könne also auf eine gewisse Inflation verweisen, müsse sich aber aus anderen Gründen zurückhalten. Die andere Zentralbank, die Bank of Japan (BoJ), deren Zinsentscheid die Experten am heutigen Donnerstag ebenfalls beschäftige, werde alles dafür tun, die Inflation zu beleben. In der Vergangenheit seien alle möglichen Maßnahmen ergriffen worden, aber bisher ohne nachhaltigen Erfolg. So sei heute damit zu rechnen, dass ein Beschluss gefasst werde, nachdem bei Erreichen eines bestimmten Devisenkurses im Auftrag des japanischen Finanzministeriums am Devisenmarkt interveniert werden solle. Damit würde man zwar streng genommen gegen die kürzlich erst beschlossenen Vermeidung "willkürlicher Interventionen" verstoßen, aber in Japan sehe man darin lediglich die Dämpfung schneller Wechselkursbewegungen. Auch eine Volumenausweitung des bisherigen QQE-Programms oder die Anpassung der durchschnittlichen Laufzeit auf 5 bis 12 Jahre wäre denkbar gewesen. Doch die Notenbanker seien ihrer bisherigen Linie treu geblieben und hätten keine weiteren Lockerungsmaßnahmen beschlossen.
Nicht zum ersten Mal habe die Bundesbank die Gefahren benannt, die von den Staatsanleihen ausgehen würden, welche ohne Unterlegung von Eigenkapital in den Bankbilanzen schlummern würden. Nun mache ihr Präsident Jens Weidmann seine Zustimmung zu einer europäischen Einlagensicherung davon abhängig, dass die Banken in Europa ihre Bestände an Staatsanleihen reduzieren würden. Sonst käme es zu einer Haftung aller für die Staatsschulden in Europa, argumentiere er und mahne in der Diskussion über neue Vorschriften für Staatsanleihen-Käufe von Banken zur Eile. Gerade weil man für neue Regelungen Übergangsfristen brauche, müsse die grundsätzliche Weichenstellung zügig getroffen werden. Die Risikobewertung von Staatsanleihen sei mit der Euro-Schuldenkrise in den Fokus geraten, als sich gezeigt habe, dass auch bei Euro-Staaten ein Ausfallrisiko bestehe. Dieses Risiko wolle Weidmann bewertet haben - mit einer adäquaten Unterlegung der Staatsbonds mit Eigenkapital.
Weidmann zufolge würden gerade die hohen Bestände an Staatsanleihen in vielen Bankbilanzen gegen eine rasche Einführung einer gemeinsamen europäischen Einlagensicherung sprechen. Daher mache er die Verringerung der mit solchen Anleihen verbundenen Risiken zur Voraussetzung eines europäischen Einlagenschutzes. Dies könnte eine kluge Strategie des obersten Bundesbankers sein, um den von den deutschen Bankengruppen ungeliebten EU-Einlagenschutz zumindest hinauszuzögern - wenn er schon nicht zu verhindern sei. Sollte er dann unter der von Weidmann gestellten Bedingung doch kommen, wäre wenigstens eine Risikobewertung der Staatsbonds und damit mehr Sicherheit im europäischen Bankensystem erreicht worden.
Im Sommer würden die Finanzminister der EU die Frage angehen wollen, wie künftig Risiken aus Staatsanleihen in den Bankbilanzen verringert werden könnten. Nach den Vorschlägen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem solle es dann zu einer Verschärfung der Anforderungen an Staatsanleihen kommen.
Wie zuvor EZB-Präsident Mario Draghi fordere auch Weidmann mehr strukturelle Reformen in der Eurozone. Sonst bestehe seines Erachtens die Gefahr, dass sich das nächste Vertrauensproblem für die Währungsunion aufbaue. Dann würde erneut die EZB für die Fiskalpolitik von Eurostaaten in die Bresche springen müssen.
Die Crux liege darin, dass die Spielräume, die durch die lockere EZB-Politik für eine zügige Verringerung struktureller Haushaltsdefizite entstanden seien, von den Staaten vielfach nicht genutzt worden seien. Und dies, so Weidmanns Befürchtung, könnte die Schuldentragfähigkeit einzelner Eurostaaten dann enorm belasten, wenn die EZB ihre Geldpolitik bei einer steigenden Inflation wieder straffen müsse.
Apple und thyssenkrupp - das seien zwei Unternehmen, wie sie verschiedener kaum sein könnten. Gemeinsam sei ihnen aber in dieser Woche gewesen, dass es schlechte Nachrichten zu beiden Firmen gegeben habe. Apple habe im ersten Quartal 2016 den ersten Absatzrückgang seiner iPhones überhaupt hinnehmen müssen. Und thyssenkrupp habe sich beim Ringen um einen Milliardenauftrag der australischen Regierung zum Bau von zwölf U-Booten dem französischen Staatskonzern DCNS geschlagen geben müssen. In beiden Fällen habe auch der Aktienkurs gelitten, sodass sich ein Blick auf die Preisentwicklung der Corporate Bonds dieser Unternehmen lohne.
Eine bis 11/2024 laufende Unternehmensanleihe (ISIN CH0271171685/ WKN A1ZWW8) von Apple sei in den vergangenen Tagen etwas zurückgekommen, um jetzt aber wieder bei 103,20% und damit knapp unter dem Jahreshoch von 103,62% (15.4.) zu notieren. Die Rendite liege für den auf Schweizer Franken lautenden Titel bei 0%. Etwas schwächer präsentiere sich eine Euro-Anleihe von Apple (ISIN XS1292384960/ WKN A1Z6UE), die momentan mit 104,772% unter dem Jahreshoch von 105,533% (7.4.) notiere. Die Anleihe rentiere bei einer Fälligkeit am 17.01.2024 mit ca. 0,73% und sei mit einer Make-Whole-Option ausgestattet
thyssenkrupp feche die Nachricht von dem verpassten Großauftrag am Bondmarkt indessen nicht an. Ein bis 8/2018 laufender Corporate Bond (ISIN DE000A1R08U3/ WKN A1R08U) des Unternehmens notiere bei ca. 106,90% und liege damit unter seinem Zwölfmonatshoch von 108,00% vom April 2015 und rentiere mit 0,98%. Auch im langfristigen Bereich bleibe thyssenkrupp auf Kurs. Ein Bond (ISIN DE000A14J587/ WKN A14J58) mit Fälligkeit 2/2025 notiere mit ca. 99,35% und einer Rendite von 2,58% knapp unter dem Zwölfmonatshoch von 99,82% im April 2015.
Insgesamt könne in diesen Fällen konstatiert werden, dass die schlechten Nachrichten die Anleger am Bondmarkt nur wenig beeindruckt hätten.
Ausgerechnet Goldman Sachs, Wall-Street-Legende, Investment Bank und Global Player, umwerbe nun die einfachen Sparer. Von nun an könnten US-Privatkunden bei der Goldman-Tochter GS Bank, einer Onlinebank, Sparkonten eröffnen und ab 500 US-Dollar Einlagezertifikate zeichnen. Die Bank offeriere noch kein vollwertiges Privatkundengeschäft. So fehle es an Geldautomaten oder Filialen. Aber die Zinsen, die Goldman zahle, könnten sich mehr als sehen lassen. 1,05% auf Spareinlagen und 1% auf einjährige Einlagezertifikate sowie 2% auf zweijährige Zertifikate würden durchaus als Lockvogelangebote für US-Kunden erscheinen.
Die neue Sparte von Goldman sei durch die Übernahme der Onlinebank GE Capital im August 2015 entstanden, die aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur bereits derart attraktive Konditionen geboten habe. Nun führe Goldman diese Konditionen weiter. Basis der neuen Strategie seien die neuen Bankenregeln, die Spareinlagen als besonders hochwertig einstufen würden. Das Ganze geschehe vor dem Hintergrund, dass das Kerngeschäft von Goldman, das Investmentbanking und der Wertpapierhandel, ein schwieriges erstes Quartal 2016 hätten verdauen müssen. Mit den Spargeldern wolle Goldman kostengünstige Einlagen gewinnen, um diese in anderen Geschäftsbereichen wie dem Investmentbanking zu verleihen. Während der Finanzkrise 2008 sei das Institut in die Bredouille geraten, als kurzfristige Kredite von anderen Finanzfirmen, die üblicherweise zur Absicherung ihrer Wetten am Terminmarkt benutzt würden, plötzlich nicht mehr zur Verfügung gestanden hätten. Die Bankenaufsicht habe sie aus diesem Grunde gedrängt, ihre Abhängigkeit von kurzfristigen Geldern anderer Banken zu reduzieren. Ob dafür aber ausgerechnet Kundengelder ein guter Ersatz sein sollten, dürfe zumindest infrage gestellt werden. Die GS Bank verzeichne Einlagen in der Größenordnung von 88 Mrd. US-Dollar.
Die Gespräche über einen griechischen Sparkurs seien zunächst gescheitert. Die Vorstellungen darüber, wie es weitergehen solle, lägen bei der Regierung und den Gläubigern weit auseinander. Daher habe Regierungschef Alexis Tsipras einen EU-Sondergipfel beantragen wollen, doch dies sei bereits von den anderen Verhandlungspartnern abgelehnt worden. Der Druck auf die griechische Regierung werde täglich größer und es gebe in Athen schon wieder Spekulationen über Neuwahlen.
Der Streit habe sich vor allem an der Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) entzündet, der Zweifel an der Einhaltung der Vereinbarungen durch Athen hege und deshalb "Reservebeschlüsse" verlange. Dieser Notfallplan solle noch einmal Einsparungen in Höhe von 2% des BIPs bringen.
Griechenland solle deshalb neben den im Juli 2015 vereinbarten Reform- und Sparmaßnahmen im Umfang von 5,4 Mrd. Euro Maßnahmen für rund 3,6 Mrd. Euro treffen. Dieses zweite Paket solle quasi auf Vorrat beschlossen werden und in Kraft treten, falls Athen bis 2018 das gesetzte Ziel, einen Überschuss von 3,5% des Bruttoinlandsproduktes vor Abzug der Kreditzinsen, nicht erreiche.
Einen solchen Beschluss aber dürfte die Regierung Tsipras nicht überleben. Athen schlage daher eine Art "automatischen fiskalen Stabilisator" vor, nach dem alle Staatsausgaben um einen bestimmten Prozentsatz gekürzt werden sollten, wenn das Land sein Einsparziel um genau diese Quote verfehle. Die Gläubiger könnten sich damit nicht anfreunden und würden konkrete Maßnahmen fordern.
Um den Griechen den Abschluss der Überprüfung des Hilfsprogramms schmackhaft zu machen, stelle man zumindest hinter vorgehaltener Hand den Griechen eine Teilnahme am Anleihe-Kaufprogramm der EZB unter bestimmten Bedingungen in Aussicht.
Saudi-Arabien bereite sich auf den Abschied vom Öl vor. Angesichts des Preisverfalls beim Rohöl wolle sich das Land auf spektakuläre Art und Weise unabhängig von den Rohstoffeinnahmen machen. Dazu gründe Riad nun den größten Staatsfonds der Welt. "Vision 2030" werde der Plan genannt, wonach weniger als 5% der staatlichen Ölgesellschaft Aramco an die Börse gebracht würden. Der zu erzielende Erlös solle neben den Erträgen aus einer 5%-igen Mehrwertsteuer in einen insgesamt 2 Billionen Dollar schweren Staatsfonds fließen, der 10% der weltweiten Investitionskraft umfassen würde. Der Gesamtwert von Aramco liege bei rund 2,5 Billionen US-Dollar.
Gehe die Rechnung auf, welche der "Vision 2030" zugrunde liege, wolle Saudi-Arabien bereits im Jahr 2020 ohne Öl leben. Immerhin, in einem größeren Ausmaß als viele andere Länder der Erde verfüge Saudi-Arabien über eine unerschöpfliche Energiequelle: die Sonne, die als Alternative zum Erdöl besser genutzt werden solle.
Mancher Emittent sehe sich in Kombination mit seiner eigenen Bonitätsbeurteilung und der Ankündigung des EZB-Präsidenten, zukünftig auch Corporate Bonds guter Unternehmen anzukaufen, mit einem "Luxus-Problem" konfrontiert und wage den Schritt an den Primärmarkt, um sich die günstigen Refinanzierungskosten zu sichern.
So habe das niederländische Unternehmen Unilever die Gunst der Stunde genutzt und 1,5 Mrd. Euro mittels dreier Anleihen mit einer Mindeststücklung von 100.000 Euro aufgenommen. Die erste Tranche (ISIN XS1403010512/ WKN A180VF) sei am 29.04.2020 endfällig und als Null-Prozenter bei 99,67% begeben worden. Auf diesem Weg hätten 300 Mio. Euro eingesammelt werden können. Für eine um 4 Jahre längere Laufzeit sei ein jährlicher Kupon von 0,5% vereinbart worden, was wiederum 500 Mio. Euro in die Unternehmenskasse gespült habe. Gepreist worden sei die Anleihe (ISIN XS1403014936/ WKN A180VG) bei 98,419%, was einem Emissionsspread von +71,9 bps über der vergleichbaren deutschen Staatsanleihe entspreche. Wer sein Geld noch länger investieren möchte, der habe die Möglichkeit jährlich 1,125% Zinsen bis zur Endfälligkeit am 29.04.2028 zu erhalten. Diese Anleihe (ISIN XS1403015156/ WKN A180VH) sei 700 Mio. Euro schwer und bei 99,034% begeben worden (+93,8 bps über Bund).
Aber auch Emittenten wie Bertelsmann (ISIN XS1400165350/ WKN A2AASY/ 2026) und Carrefour (ISIN XS1401331753/ WKN A180M6/ 2024) würden mit Neuemissionen um die Gunst der Investoren buhlen. Das deutsche Medienunternehmen zahle einen jährlichen Zins von 1,125% und die französische Supermarktkette müsse nur 0,75% veranschlagen.
Endlich hätten die Bären mal Recht bekommen, aber die spannende Frage werde nun sein: "Wars das oder geht die Party jetzt erst richtig los?" Für beide Thesen gebe es plausible Erklärungen.
Aufgrund der Unsicherheit bezüglich der weiteren Weltwirtschafts-Entwicklung und möglicherweise geschönter Konjunkturdaten in China könnte es sich um eine kurze Schwächeperiode handeln. Sollten sich aber große institutionelle Investoren zu Gewinnmitnahmen genötigt sehen, so sei eine Entwicklung wie vor einem Jahr nicht auszuschließen. Da man die Frage aber nur in Verbindung mit vielen "Wenn und Aber" beantworten könne, ziehe man in einem solchen Fall gerne die Charttechnik zu Rate.
Der intakte Abwärtstrend verfüge über eine schwache Unterstützungslinie bei 161,50% und erst das Tief vom 10.03.2016 (Draghi-Day) bei 160,81%, stelle eine nennenswerte Unterstützung dar. Nach oben blickend habe man am gestrigen Handelstag noch bei 162,33% (Tief vom 21.04.) einen ersten Widerstand registriert, der inzwischen zur Unterstützungslinie mutiert sei. Daher sei jetzt der Weg bis zur psychologischen Marke bei 163% wieder frei.
Aktuell handle das Rentenbarometer infolge der gestrigen amerikanischen und heutigen japanischen Zinsentscheidung bei 162,46%.
In dieser Handelswoche seien in der Eurozone Anleihen im Gegenwert von über 50 Mrd. Euro endfällig geworden. Neuaufnahmen habe es aber lediglich in Höhe von 9 Mrd. Euro gegeben. Die beiden Emittenten, die sich hierzu am Kapitalmarkt getummelt hätten, seien Italien, das diverse Altemissionen aufgestockt habe, und Deutschland gewesen. Die Platzierung der deutschen 30-jährigen Staatsanleihe (ISIN DE0001102341/ WKN 110234) sei bei einer Durchschnittsrendite von 1,03% erfolgt und das angestrebte Volumen von 1 Mrd. Euro habe sich im aktuellen Marktumfeld nicht als Problem dargestellt. Das Gesamtvolumen belaufe sich nun auf 16 Mrd. Euro.
Das Highlight der Woche sei allerdings die Ankündigung Belgiens gewesen, das sich als zweiter Staat - nach Irland - an die Begebung einer 100-jährigen Anleihe wage. Das Volumen sei mit 100 Mio. Euro sicherlich übersichtlich, aber die Laufzeit erstrecke sich - auch ohne Verlängerung der Lebensarbeitszeit - auf mindestens drei Generationen. Dies ermögliche den Investoren, die Duration ihrer Portfolios mit einer Transaktion deutlich zu verlängern. Ob sinnvoll oder weniger sinnvoll, das müssten die Nachfolger entscheiden. Die Rendite für diese Investitionsdauer belaufe sich auf ca. 2,3% p.a.
In den USA denke man zwar immer gerne in XXL-Kategorien, aber auch in diesen Tagen seien konservativ Geldmarktpapiere für insgesamt 107 Mrd. USD sowie fünfjährige T-Notes für 34 Mrd. USD, siebenjährige für 28 Mrd. USD und ein zweijähriger Floater für 15 Mrd. USD aufgelegt worden. Nicht jeder Trend sei nachahmenswert.
Nach dem ersten Großereignis und der Austragung der Fußball-WM 2014 stehe für Brasilien das nächste Spektakel an. Seit dem gestrigen Mittwoch seien es noch exakt 100 Tage bis zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro. Die ohnehin schwierige politische Lage im Land werde durch die bevorstehenden Spiele nochmals verschärft. Es würden Proteste gegen die Regierung drohen.
Doch Investoren würden sich nicht nur aus sportlichen Gründen für Brasilien interessieren, sondern würden auch währungstechnische Überlegungen anstellen. Seit der Weltmeisterschaft habe sich der Brasilianische Real in einer Tradingrange zwischen 2,8679 BRL und 4,7832 BRL bewegt und infolge einer rückläufigen Inflationserwartung im laufenden und kommenden Jahr würden sich die Blicke auf mögliche Zinsentscheidungen der Zentralbank Brasiliens richten, was wiederum Auswirkungen auf die Devisenkurse hätte. Der Euro notiere aktuell um die Marke von 4,00 BRL.
Neben Brasilien tage am kommenden Freitag auch die Notenbank Russlands. Im Vorfeld der Notenbanksitzung zeige sich der Rubel sehr robust und handle im Moment bei 74,10 RUB. In der Vorwoche sei gar ein neues Jahreshoch bei 72,4749 RUB zum Euro markiert worden.
Diese Berichtswoche stehe ganz im Zeichen der Notenbanken, so habe gestern Abend die zweitägige Sitzung der Federal Reserve (FED) geendet. Erwartungsgemäß habe es keine großen Überraschungen aus Übersee gegeben und so notiere die europäische Gemeinschaftswährung heute Morgen bei 1,1355 USD, nachdem sie noch vor Wochenfrist bei 1,1398 USD gehandelt worden sei.
Im Fokus der Privatanleger hätten in den vergangenen Handelstagen vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Brasilianische Real, Norwegische Kronen und vereinzelt auch Russische Rubel gestanden. (Ausgabe vom 28.04.2016)
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