Anleihemarkt: Geldpolitik gibt den Takt vor


02.05.16 08:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Notenbanken spielten in der abgelaufenen Woche an den Märkten die erste Geige, so die Deutsche Börse AG.

Nachdem der US-Offenmarktausschuss weder mit einem Zinsschritt noch mit eindeutigen Hinweisen zur nächsten Anhebung aufgewartet habe und auch die japanische Notenbank der Hoffnung auf weitere Liquidität eine Absage erteilt habe, hätten Anleger laut Sabine Tillmann mit Enttäuschung reagiert. "Deutsche Staatsanleihen waren in Folge gefragt." Auf Wochensicht bewege sich der richtungsweisende Euro-Bund-Future um 162,20 Prozent zwar kaum von der Stelle, allerdings habe das hiesige Rentenbarometer anfängliche Kursverluste wieder wettmachen müssen, wie die Händlerin der Hellwig Wertpapierhandelsbank zusammenfasse.

Cyrus de la Rubia sehe die Tür für eine US-Leitzinserhöhung im Juni unverändert offen. Letztlich bleibe die Entscheidung datenabhängig und berücksichtige Beschäftigungsentwicklung, Inflation und den Grad der Nervosität an den internationalen Finanzmärkten. "An dieser Front geht es seit einigen Wochen relativ ruhig zu. Der Volatilitätsindex VIX liegt bei niedrigen 14 Punkten", bemerke der Analyst der HSH Nordbank. Ein gestiegener Ölpreis, freundliche Aktienbörsen und um 11,1 Prozent höhere Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen hätten für mehr Gelassenheit gesorgt.

Die Gespräche über den griechischen Sparkurs seien vorerst gescheitert. "Die Vorstellungen darüber, wie es weitergehen soll, liegen bei der Regierung und den Gläubigern weit auseinander", stelle Klaus Stopp von der Baader Bank fest. Der Streit habe sich vor allem an der Forderung des Internationalen Währungsfonds entzündet, der Zweifel an der Einhaltung der Vereinbarungen durch Athen hege und deshalb quasi auf Vorrat "Reservebeschlüsse" verlange.

Dieses zweite Paket ziele auf weitere Einsparungen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro, falls Athen bis 2018 das die Vorgaben nicht erfülle. "Einen solchen Beschluss aber dürfte die Regierung Tsipras nicht überleben", urteile Stopp. Hinter vorgehaltener Hand stelle man den Griechen als Entgegenkommen unter bestimmten Bedingungen eine Teilnahme am Anleihe-Kaufprogramm der EZB in Aussicht.

Auch die Portugiesen würden belegen, dass das Thema Eurokrise noch nicht ausgestanden sei. Die kanadische Ratingagentur DBRS könnte heute darüber entscheiden, ob die EZB weiterhin portugiesische Anleihen im Rahmen ihres Kaufprogramms in ihre Bücher nehmen dürfe. Denn nur Anleihen von Staaten mit Investment Grade durch eine von vier Ratingagenturen würden für das Programm in Frage kommen. Standard & Poor's, Moody's und Fitch hätten bereits den Daumen gesenkt und würden in Portugal keinen vertrauenswürdigen Schuldner mehr sehen. Analysten würden allerdings erwarten, dass DBRS ihre bisherige Benotung beibehalten werde.

Die zukünftige Einbeziehung von Corporate Bonds bonitätsstarker Unternehmen in das Programm der europäischen Währungshüter führe laut Stopp zu einem Luxusproblem. Viele Unternehmen hätten die Gunst der Stunde genutzt. Etwa habe sich die niederländische Unilever über drei Bonds mit Laufzeiten von vier (ISIN XS1403010512 / WKN A180VF), acht (ISIN XS1403014936 / WKN A180VG) und zwölf Jahren (ISIN XS1403015156 / WKN A180VH) und jährlichen Kupons von null, 0,5 und 1,125 Prozent insgesamt 1,5 Milliarden Euro gesichert.

Etwas tiefer in die Tasche greifen müsse McDonald's. Für einen neuen fünfjährigen Bond (ISIN XS1403263723 / WKN A180VT) der Fast Food-Kette sei ein jährlicher Zins von 0,5 Prozent fällig. Für einen siebenjährigen Wert (ISIN XS1403264374 / WKN A180VU) zahle das US-Unternehmen einen Kupon von 1 Prozent und für eine zwölfjährige Anleihe (ISIN XS1403264291 / WKN A180VV) würden Anleger 1,75 Prozent pro Jahr erhalten.

Auch Bertelsmann buhle um die Gunst der Investoren. Das deutsche Medienunternehmen zahle für eine zehnjährige Anleihe (ISIN XS1400165350 / WKN A2AASY) jährlich 1,125 Prozent Zinsen. Die französische Supermarktkette Carrefour müsse für eine 2024 fällig werdende Anleihe (ISIN XS1401331753 / WKN A180M6) lediglich 0,75 Prozent im Jahr veranschlagen.

Den Handel mit Anleihen von kleineren und mittelgroßen Firmen beschreibe Gregor Daniel als eher ruhig. Etwa fänden Anleger Gefallen an einer in 2019 fälligen, in kanadischen Dollar geführten Anleihe (ISIN US500769GJ78 / WKN A13SKS) der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Der mit 1,750 Prozent verzinste Wert habe seit Montag von 101,15 auf 102,25 Prozent gewonnen.

Zu den umsatzstärksten Bonds auf der Verkaufsseite gehöre bei Daniel eine 2019 zur Rückzahlung anstehende Lufthansa-Anleihe mit einem Kupon von 1,125 Prozent. An den Streiks könne die Abkehr von der größten deutschen Fluggesellschaft kaum liegen. "Denn nicht alle Lufthansa-Bonds sind betroffen", begründe der Händler, der auf Gewinnmitnahmen oder Umschichtungen tippe.

Die generell gestiegene Nachfrage nach in US-Dollar geführten Venezuela-Anleihen erkläre Daniel mit möglichen Wetten auf einen steigenden Ölpreis. Denn ansonsten mache der südamerikanische Staat mit Stromrationierungen und wütende Reaktionen der Bevölkerung von sich reden. (Ausgabe vom 29.04.2016) (02.05.2016/alc/a/a)






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