NZWL: Optimismus trotz herausforderndem Umfeld - Anleihe wird ein fester Bestandteil des Finanzierungsmix bleiben


29.10.24 08:30
anleihencheck.de



Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH (NZWL) ist ein international tätiger Produzent von Motor- und Getriebeteilen (Zahnräder, Synchronisierungen, Wellen), Getriebebaugruppen und komplett montierten Getrieben für die Automobilindustrie. Die NZWL-Gruppe hat 120 Jahre Erfahrung im Getriebebau.

Die Geschäftsführung des Leipziger Unternehmens hat am 7. Oktober beschlossen, eine neue Unternehmensanleihe (ISIN DE000A383RA4 / WKN A383RA) im Volumen von bis zu 15 Mio. Euro zu begeben, die über die Laufzeit von fünf Jahren mit 9,75% p.a. verzinst ist. Das Angebot für die neuen Schuldverschreibungen 2024/2029 besteht aus einem öffentlichen Umtauschangebot, einem öffentlichen Angebot und einer Privatplatzierung.

Im Rahmen des öffentlichen Umtauschangebots können sowohl die Inhaber der mit 11,993 Mio. Euro ausstehenden 6,5% Schuldverschreibungen 2018/2024 (ISIN DE000A2NBR88 / WKN A2NBR8) als auch die Inhaber der mit 13,85 Mio. Euro ausstehenden 6,5% Schuldverschreibungen 2019/2025 (ISIN DE000A255DF3 / WKN A255DF) ihre Schuldverschreibungen jeweils im Verhältnis 1 zu 1 in die angebotenen neuen Schuldverschreibungen 2024/2029 tauschen. Zudem erhalten sie je umgetauschter Schuldverschreibung jeweils einen Zusatzbetrag i.H.v. 20 Euro und die aufgelaufenen Stückzinsen. Das öffentliche Umtauschangebot hat am 9. Oktober 2024 begonnen und endet am 30. Oktober 2024 (18 Uhr).

Im Rahmen des öffentlichen Angebots zur Neuzeichnung in Deutschland und Luxemburg können interessierte Anleger noch bis zum 31. Oktober 2024 (12 Uhr) ihre Kaufanträge über eine Online-Zeichnungsstrecke der Emittentin unter www.nzwl.de/ir abgeben. Darüber hinaus kann noch bis zum 5. November 2024 (12 Uhr) über die Zeichnungsfunktionalität DirectPlace der Frankfurter Wertpapierbörse im Handelssystem XETRA gezeichnet werden.

anleihencheck.de führte das folgende Interview mit Herrn Dr. Hubertus Bartsch, CEO der NZWL.

anleihencheck.de: Warum haben Sie sich erneut für eine Anleiheemission entschieden? Haben Sie auch andere Finanzierungsoptionen in Erwägung gezogen?

Wir verfügen über einen tadellosen Track-Record am Kapitalmarkt


Dr. Bartsch: Ja, wir haben selbstverständlich verschiedene Finanzierungsoptionen geprüft, aber uns recht schnell für eine neue börsennotierte Anleihe entschieden. Die Gründe liegen auf der Hand: Wir verfügen über einen tadellosen Track-Record am Kapitalmarkt, haben mit unseren bisherigen neun Anleihen ausschließlich positive Erfahrungen gemacht und pflegen ein dementsprechend langjährig gewachsenes Vertrauensverhältnis zu unseren Anlegern. Deshalb haben wir uns auch erneut für ein Umtauschangebot zu attraktiven Konditionen entschieden. Die Anleihe hat sich als Finanzierungsinstrument für uns also mehr als bewährt und wird daher auch in Zukunft ein fester Bestandteil unseres Finanzierungsmix bleiben, um unsere Wachstumsstrategie weiterhin erfolgreich umzusetzen.

anleihencheck.de: Wie wollen Sie den Emissionserlös konkret verwenden?

Dr. Bartsch: Wir konzentrieren uns im Rahmen der Mittelverwendung zu 100% auf die Finanzierung unseres weiteren Wachstums. Dazu planen wir, die zufließenden Mittel in neue Produkte bei Hybrid- und alternativen Antrieben sowie in Produkte der E-Mobilität zu investieren.

anleihencheck.de: Wie stark ist die Eigenkapitalbasis der NZWL-Gruppe?

Unsere Eigenkapitalquote erhöhte sich von 19,9% auf 20,1%


Dr. Bartsch: Die NZWL-Gruppe verfügt über eine sehr solide Eigenkapitalbasis. Gegenüber dem 31. Dezember 2023 stieg das Eigenkapital nämlich von 27,3 Mio. Euro auf 29,3 Mio. Euro zum 30. Juni 2024. Dementsprechend erhöhte sich unsere Eigenkapitalquote von 19,9% auf 20,1%.

anleihencheck.de: Über Deutschland kreist weiter der Pleitegeier. Die Zahl der Insolvenzen steigt dramatisch an, zugleich schrumpft die deutsche Wirtschaft. Welche Sicherheit bieten Sie den Investoren?

Dr. Bartsch: Die Anleihebedingungen beinhalten als besondere Schutzrechte für die Investoren vor allem eine Ausschüttungsbeschränkung, eine Verschuldungsbegrenzung, eine Veräußerungsbegrenzung für Vermögensgegenstände, eine Negativverpflichtung, eine Transparenzverpflichtung sowie eine Positivverpflichtung. Zudem besteht für die Anleger ein Sonderkündigungsrecht bei einem Kontrollwechsel und Drittverzug.

anleihencheck.de: Lahmende Konjunktur, hohe Energiepreise, Krise in der Automobilindustrie, überbordende Überregulierung und Bürokratie, Fachkräftemangel etc. Das Umfeld für die NZWL ist sehr herausfordernd. Wie bewerten Sie die aktuelle Marktposition Ihres Unternehmens?

Wir konnten den Konzernumsatz um 6,2% auf 91,0 Mio. Euro und das EBITDA um 11,5% auf 10,7 Mio. Euro steigern


Dr. Bartsch: Unser Branchenumfeld birgt in der Tat vielfältige Herausforderungen. Dass wir uns darin weiterhin erfolgreich behaupten, sehen wir als einen klaren Beleg für die Richtigkeit unserer Strategie an. Das hat nicht zuletzt auch unsere solide Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr 2024 gezeigt, als wir den Konzernumsatz um 6,2% auf 91,0 Mio. Euro und das EBITDA um 11,5% auf 10,7 Mio. Euro steigern konnten. Zu dieser guten Performance trägt vor allem bei, dass wir über eine gute Marktposition als einer der führenden Produzenten von Synchronisierungen für Doppelkupplungsgetriebe verfügen und bei ca. 90% unserer Aufträge der Alleinlieferant sind. Aus dieser Position der Stärke heraus gelingt es uns, die anhaltenden branchenspezifischen Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

anleihencheck.de: Wie sehen die mittel- und langfristigen Planungen der NZWL aus? Welche Ziele sollen in den kommenden Jahren erreicht werden?

Dr. Bartsch: Als Global Player wollen wir auch in Zukunft im partnerschaftlichen Schulterschluss mit unseren langjährigen Kunden weiter profitabel wachsen und in den von uns adressierten Produktbereichen weiterhin stabile Cashflows erzielen. Dazu werden wir das Kerngeschäft mit Synchronisierungen erweitern, unsere etablierten Kundenbeziehungen vertiefen, unsere strategische Produktentwicklung konsequent fortsetzen und unsere Großserienproduktion sukzessive ausbauen.

anleihencheck.de: Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial für das Geschäft der NZWL?

Die größten Wachstumspotenziale sehen wir in der Elektromobilität und im Nutzfahrzeugbereich


Dr. Bartsch: Die größten Wachstumspotenziale sehen wir in der Elektromobilität und im Nutzfahrzeugbereich. Auf der Grundlage unserer bereits bestehenden guten Positionierung wollen wir dort unsere Marktanteile kontinuierlich ausbauen. Unter geografischen Gesichtspunkten bietet der Automobilmarkt sowohl in Europa als auch in China ebenfalls noch ausreichend Wachstumspotenzial, das wir in den kommenden Jahren konsequent nutzen wollen.

anleihencheck.de: Die Spannungen im Handel zwischen der EU und China scheinen zu eskalieren. Gleichzeitig tun sich die deutschen Autobauer im Reich der Mitte schwer. Wie wollen Sie zukünftig mit dem China-Geschäft umgehen?

Wir verfügen in China über eine komplette Wertschöpfungskette für die Hauptprodukte.


Dr. Bartsch: Das China-Geschäft ist und bleibt eine wichtige Säule unseres Erfolgs. Schließlich sind dort - im größten Automobilmarkt der Welt - zwei der zehn größten Hersteller unsere Kunden. Diese engen Geschäftsbeziehungen werden wir auch in Zukunft intensiv pflegen, da sie für uns strategisch sehr wichtig sind. Gleichzeitig prüfen wir fortlaufend die Möglichkeit, neue Partnerschaften zu schließen, um auf Grundlage unserer Anpassungsfähigkeit und Marktkenntnis in einem sich schnell verändernden Umfeld weiterhin erfolgreich zu bleiben. Wichtig zu betonen ist, dass wir in China hauptsächlich für den chinesischen Markt produzieren. Zugute kommt uns dabei, dass wir - so wie in Deutschland und der Slowakei - auch in China über eine komplette Wertschöpfungskette für die Hauptprodukte verfügen.

anleihencheck.de: Der Elektro-Boom ist ins Stottern geraten. Welche Nachteile ergeben sich daraus für das Geschäft der NZWL-Gruppe?

Dr. Bartsch: Die Auswirkungen des gedämpften Elektro-Booms auf unsere Geschäftsentwicklung dürften sich insgesamt in Grenzen halten. Wir haben uns zwar schon frühzeitig sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugbereich in der Elektromobilität positioniert und verfügen mit einem Umsatzanteil von 9% im Bereich Elektro-/Hybridantrieb im 1. Halbjahr 2024 auch über eine solide Basis. Allerdings war es von Anfang an unser Ziel, auch mit den Getrieben im verbleibenden Verbrennermarkt erfolgreich zu wirtschaften. Der Elektro-Boom mag zwar ins Stottern geraten sein, aber dies bremst unsere solide Geschäftsentwicklung keineswegs aus. Gleichzeitig bleiben wir dank unserer bestehenden Positionierung jederzeit in der Lage, von einer Erholung des Elektro-Booms zu profitieren.

anleihencheck.de: Was stimmt Sie für die Zukunft der NZWL-Gruppe zuversichtlich?

Dr. Bartsch: 120 Jahre Erfahrung im Getriebebau, eine starke Marktposition als einer der führenden Produzenten von Synchronisierungen für Direktschaltgetriebe und Alleinlieferant bei ca. 90% unserer Aufträge sowie eine hohe Diversifikation nach Marken, Ländern und Antriebsarten, durch die wir flexibel auf Marktveränderungen reagieren und attraktive Marktchancen gezielt nutzen können - all das stimmt uns sehr zuversichtlich für unsere zukünftige Geschäftsentwicklung. Hinzu kommen unsere etablierten, langjährig gewachsenen Beziehungen sowohl zu unseren Kunden und Geschäftspartnern als auch zu unseren Anlegern, die es uns ermöglichen, trotz des herausfordernden Umfelds unsere Wachstumsstrategie erfolgreich umzusetzen, stabile Ergebnisse zu erzielen und unsere Marktposition erfolgreich zu behaupten.

anleihencheck.de: Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Bartsch. (29.10.2024/alc/a/a)

Hinweis: Den Wertpapierprospekt zur neuen NZWL-Anleihe 2024/2029 können Sie hier einsehen.







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