Frankreich-Anleihe: sehr interessantes Renditeniveau


29.10.12 16:15
Anleihencheck Research

Westerburg (www.anleihencheck.de) - Der Analyst von Anleihencheck Research, Sven Krupp, hält die Anleihe (ISIN FR0010466938 / WKN A0NUKW) von Frankreich für eine interessante Alternative für den top-gerateten Staatsanleihen-Sektor.

Die Staatsanleihe, emittiert von der Republik Frankreich, sei mit einem Kupon von 4,25% ausgestattet, laufe noch bis zum 25.10.2023 und weise eine anlegerfreundliche Stückelung von 1,00 auf. Bei einem aktuellen Kurs von 118,26% biete das Papier eine jährliche Rendite von 2,34%. Sowohl die Anleihe als auch der Emittent seien von der Ratingagentur Moody's mit der Bestnote von "Aaa" bewertet. Damit bestehe nach Einschätzung von Moody's bezüglich der Verbindlichkeiten des Emittenten nur ein minimales Kreditrisiko.

Der Markt halte anscheinend eine Lösung der Euro-Schuldenkrise für möglich. Seit Wochen befänden sich die Zinsen der europäischen Risikoländer wie Italien, Spanien und Portugal auf dem Rückzug und die Zinsaufschläge seien so niedrig wie zuletzt Anfang des Jahres. Unterstützung würden die "Optimisten" von Frühindikatoren aus Deutschland und Frankreich erhalten. Zudem habe Moody's zuletzt das Rating für Spanien bestätigt, hier sei Schlimmeres befürchtet worden, die Kreditverhandlungen in Griechenland würden vielversprechend verlaufen und sollte sich Spanien mit der EZB auf ein "Refinanzierungs-Konstrukt" einigen, dürfte nachhaltig die Refinanzierung des Landes über den Kapitalmarkt gesichert sein.

Trotz des zuletzt positiven Nachrichtenflusses dürften nicht die bestehenden Risiken für die Euro-Zone außer Acht gelassen werden. Sicherheitsorientierte Anleger würden somit nach wie vor nach Schuldnern mit Top-Bonitäten Ausschau halten. Dazu zähle u.a. auch Frankreich.

Frankreich sei eine der größten Volkswirtschaften der Welt, und neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Im Frühjahr sei es zu einem Machtwechsel an der Regierung gekommen. Nicolas Sarkozy sei durch den linken Herausforderer François Hollande abgelöst worden. Damit habe das erste Mal seit 17 Jahren wieder ein Sozialist das Regierungszepter Frankreichs übernommen. Es werde gehofft, dass er die Stabilitätspolitik und Haushaltsdisziplin weiterführe.

In 2011 sei Frankreichs Wirtschaft um 1,7% gewachsen, die Prognose für dieses Jahr liege bei nur noch +0,7%. Dies läge aber vermutlich über dem europäischen Durchschnitt. Die Jahre 2013 bis 2015 sollten ein Wachstum von jeweils 2% bringen, was aber angesichts der aktuell schwer zu prognostizierenden Entwicklung für Euroland nur eingeschränkt berücksichtigt werden sollte. Das Haushaltsdefizit habe im letzten Jahr 5,2% des BIP betragen und für dieses Jahr zeige sich die Regierung (noch) zuversichtlich, die avisierten 4,5% schlagen zu können. In 2013 solle dann wieder die 3%-Marke unterschritten werden.

Die Stagnation der Wirtschaftsleistung für das zweite Quartal 2012 könne vor dem Hintergrund der schwierigen Rahmenbedingungen als Erfolg gewertet werden. Damit könnte Frankreich besser als von vielen erwartet durch die Krise kommen. Jedoch würden die Arbeitslosenzahlen für August nichts Gutes verheißen. Diese hätten mit 3,01 Mio. erstmals seit 13 Jahren wieder über der Marke von 3 Mio. gelegen. Die Arbeitslosenquote belaufe sich somit auf über 10%. Dies sei für einen führenden Industriestaat eine kritische Größe. In Deutschland zum Beispiel liege die Arbeitslosenquote lediglich bei 5,5%. Immerhin liege das Wirtschaftsvertrauen für September stabil bei 90 Punkten.

Unabhängig davon, wie es mit der Euro-Schuldenkrise weitergehe, dürfte Frankreich auch künftig zu den stärksten Volkswirtschaften in Europa zählen. Somit halten die Analysten von Anleihencheck Research die o.a. Staatsanleihe von Frankreich mit einer Rendite von über 2,3% für eine sehr interessante Alternative für den top-gerateten Staatsanleihen-Sektor. Eine vergleichbare Bundesanleihe bringe aktuell nur eine Rendite von rund 1,6%. (Analyse vom 29.10.2012) (29.10.2012/alc/a/a)


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