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Anleihenmarkt: Ruhe nach dem Sturm
21.09.12 15:51
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Absichtserklärung der EZB, notfalls unbegrenzt Anleihen unter Druck geratener Euroländer zu kaufen, zeigt Wirkung, so die Deutsche Börse AG.
"In der vergangenen Woche konnten sich Spanien, Portugal und Frankreich zu jeweils günstigeren Konditionen als zuvor über den Markt refinanzieren", berichte ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Dennoch stünden Gerüchte im Raum, dass Spanien an diesem Wochenende unter den Rettungsschirm flüchten werde, obwohl dies von den Spaniern bislang strikt abgelehnt worden sei.
"Noch ist das Geschehen im Handel mit Staatsanleihen geprägt von den Versuchen der stolzen Spanier, die Vorzüge des Rettungsschirms zu genießen, ohne einen Offenbarungseid leisten zu müssen." Denn mit den Hilfen aus dem Rettungsschirm seien strenge Sparvorgaben einhergegangen.
Nachdem auch die Japaner die Notenpresse wieder anwerfen würden, werde es nach Auffassung von Arthur Brunner von ICF Kursmakler für Anleger zunehmend schwieriger, einen sicheren Hafen für ihr Geld zu finden. Mit den angekündigten zusätzlichen 10.000 Milliarden Yen summiere sich das japanische Gesamtpaket für Anleihekäufe auf umgerechnet 782 Milliarden Euro.
"Profitieren konnten US-Staatsanleihen und Bundesanleihen." Auf Wochensicht tendiere der Euro-Bund-Future deutlich fester und notiere derzeit wieder um die 140 Prozent. "Die darin implizierte 10-jährige Rendite fiel in diesem Zusammenhang auf 1,63 Prozent", bemerke der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Mit der dritten Auflage des Quantitative Easing möchte die US-Regierung mit dem vorerst unbegrenzten Kaufprogramm die US-Konjunktur ankurbeln und zudem den Leitzins auf tiefem Niveau einfrieren, wie Klaus Stopp von der Baader Bank bemerke. Aufgrund des immer größer werdenden US-Schuldenbergs und der daraus resultierenden Gefahr von steigenden Zinsen habe die kleine Ratingagentur Egan-Jones als bisher einzige die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten von AA auf AA- herabgesetzt.
Der Beschluss der Federal Reserve werde der Wirtschaft mehr schaden als helfen, schätze Egan-Jones die Folgen ein und verweise auf Auswirkungen wie einen sinkenden US-Dollar und steigende Preise für Energie und den Import von Waren. Bereits im April habe Egan-Jones die Bonität des Landes von AA+ auf AA herabgestuft. "Spannend ist, ob die großen Ratingagenturen folgen werden oder ob der politische Druck auf die Bonitätswächter wirkt."
Nach der turbulenten Vorwoche sei im Anleihehandel wieder mehr Ruhe eingekehrt, wie die Händler einmütig berichten würden. "Anleger brauchen Ideen", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Die derzeitigen Umsätze hätten eher zufallsbedingt gewirkt. Ohne einen für ihn erkennbaren Grund sei beispielsweise eine Grenke Finance-Anleihe (ISIN DE000A0VUEK3 / WKN A0VUEK) mit einer Laufzeit bis 2013 zwischenzeitlich rege gekauft worden. Zaghaften Umsatz mache Daniel zudem in einer Zypern-Anleihe (ISIN XS0196506694 / WKN A0DAA7) aus. "Bei den derzeitig gut laufenden Aktienmärkten geraten Bonds tendenziell ins Hintertreffen", beobachte Daniel.
Inflationsgelinkte Bundesanleihen hätten derweil wieder angezogen, registriere Brunner. "Attraktiv sind diese Bonds bei steigenden Preisen." Sowohl Rückzahlung als auch Verzinsung würden bei Anleihen dieser Gattung an die Inflation angepasst. "Bei gleichbleibender oder sinkender Kaufkraft bringen diese Bonds allerdings weniger Rendite als normale Bundesanleihen."
Bewegung verspüre die Hellwig Wertpapierhandelsbank bei Unternehmensanleihen wie dem Newcomer von Renault. Die am 18. September 2017 fällig werdende Anleihe sei erfolgreich in den Handel gestartet und notiere gegenwärtig knapp unter 100 Prozent. Anleger hätten zudem eine Coba-Anleihe (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) favorisiert, die aktuell zu knapp 95 Prozent über den Tisch gehe.
Noch bis zum 24. September könne eine neue Anleihe (ISIN DE000A1G9AQ4 / WKN A1G9AQ) von Enterprise Holdings Limited über die Börse Frankfurt gezeichnet werden, die sich mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch an Privatanleger richte. Der Versicherungsdienstleister, der als erstes internationales Unternehmen im Deutsche Börse Entry Standard für Anleihen gelistet sei, hoffe mit dem bis September 2017 laufenden Bond auf eine Summe bis zu 35 Millionen Euro. Anlegern biete er dafür 7 Prozent Zinsen. Die Handelsaufnahme sei für den 26. September geplant.
Im Sektor Unternehmensanleihen berichte Klaus Stopp von bemerkenswerten Neuemissionen etwa des Energiedienstleisters Techem. Zwei Tranchen mit Laufzeiten von sieben und acht Jahren und Kupons von 6,125 Prozent bzw. 7,875 Prozent im Gesamtvolumen von rund 750 Millionen Euro seien mehrfach überzeichnet und hätten nach Aufnahme in den Handel rund 3 Prozent zugelegt. Benotet sei die Kreditwürdigkeit von Techem mit Ba3/B+.
Von Investoren gut angenommen worden sei zudem eine neue Anleihe der mit A3/BBB+ bewerteten französischen Unternehmensgruppe Bouygues SA. Für einen Kredit in Höhe von 700 Millionen Euro mit einer Laufzeit bis 2023 zahle das Unternehmen einen Kupon von 3,625 Prozent.
Anleger hätten sich zudem mit Bonds von Unternehmen aus der Peripherie eingedeckt. "Sie scheinen ihre Bedenken erst einmal ad acta gelegt zu haben", meine Stopp. Erfolgreich refinanziert habe sich beispielsweise Repsol. Investoren hätten dem spanischen Petrochemie-Konzern rund 750 Millionen Euro zu 4,375 Prozent anvertraut. Das mit einer Bonitätsnote von Baa3/BBB- ausgestattete Unternehmen plane die Rückzahlung des Kredits im Jahr 2018.
Mit Energias de Portugal wage sich ein weiterer Emittent aus der Peripherie an den Primärmarkt. Für eine Summe von 750 Millionen Euro biete der Energieversorger einen jährlichen Kupon von 5,75 Prozent für die im Jahr 2018 fällig werdende Anleihe. Mit einer Note von Ba1/BB+ liege die Kreditwürdigkeit allerdings am unteren Ende der Skala. (21.09.2012/alc/a/a)
"In der vergangenen Woche konnten sich Spanien, Portugal und Frankreich zu jeweils günstigeren Konditionen als zuvor über den Markt refinanzieren", berichte ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Dennoch stünden Gerüchte im Raum, dass Spanien an diesem Wochenende unter den Rettungsschirm flüchten werde, obwohl dies von den Spaniern bislang strikt abgelehnt worden sei.
"Noch ist das Geschehen im Handel mit Staatsanleihen geprägt von den Versuchen der stolzen Spanier, die Vorzüge des Rettungsschirms zu genießen, ohne einen Offenbarungseid leisten zu müssen." Denn mit den Hilfen aus dem Rettungsschirm seien strenge Sparvorgaben einhergegangen.
Nachdem auch die Japaner die Notenpresse wieder anwerfen würden, werde es nach Auffassung von Arthur Brunner von ICF Kursmakler für Anleger zunehmend schwieriger, einen sicheren Hafen für ihr Geld zu finden. Mit den angekündigten zusätzlichen 10.000 Milliarden Yen summiere sich das japanische Gesamtpaket für Anleihekäufe auf umgerechnet 782 Milliarden Euro.
"Profitieren konnten US-Staatsanleihen und Bundesanleihen." Auf Wochensicht tendiere der Euro-Bund-Future deutlich fester und notiere derzeit wieder um die 140 Prozent. "Die darin implizierte 10-jährige Rendite fiel in diesem Zusammenhang auf 1,63 Prozent", bemerke der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Mit der dritten Auflage des Quantitative Easing möchte die US-Regierung mit dem vorerst unbegrenzten Kaufprogramm die US-Konjunktur ankurbeln und zudem den Leitzins auf tiefem Niveau einfrieren, wie Klaus Stopp von der Baader Bank bemerke. Aufgrund des immer größer werdenden US-Schuldenbergs und der daraus resultierenden Gefahr von steigenden Zinsen habe die kleine Ratingagentur Egan-Jones als bisher einzige die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten von AA auf AA- herabgesetzt.
Der Beschluss der Federal Reserve werde der Wirtschaft mehr schaden als helfen, schätze Egan-Jones die Folgen ein und verweise auf Auswirkungen wie einen sinkenden US-Dollar und steigende Preise für Energie und den Import von Waren. Bereits im April habe Egan-Jones die Bonität des Landes von AA+ auf AA herabgestuft. "Spannend ist, ob die großen Ratingagenturen folgen werden oder ob der politische Druck auf die Bonitätswächter wirkt."
Inflationsgelinkte Bundesanleihen hätten derweil wieder angezogen, registriere Brunner. "Attraktiv sind diese Bonds bei steigenden Preisen." Sowohl Rückzahlung als auch Verzinsung würden bei Anleihen dieser Gattung an die Inflation angepasst. "Bei gleichbleibender oder sinkender Kaufkraft bringen diese Bonds allerdings weniger Rendite als normale Bundesanleihen."
Bewegung verspüre die Hellwig Wertpapierhandelsbank bei Unternehmensanleihen wie dem Newcomer von Renault. Die am 18. September 2017 fällig werdende Anleihe sei erfolgreich in den Handel gestartet und notiere gegenwärtig knapp unter 100 Prozent. Anleger hätten zudem eine Coba-Anleihe (ISIN DE000CB83CE3 / WKN CB83CE) favorisiert, die aktuell zu knapp 95 Prozent über den Tisch gehe.
Noch bis zum 24. September könne eine neue Anleihe (ISIN DE000A1G9AQ4 / WKN A1G9AQ) von Enterprise Holdings Limited über die Börse Frankfurt gezeichnet werden, die sich mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch an Privatanleger richte. Der Versicherungsdienstleister, der als erstes internationales Unternehmen im Deutsche Börse Entry Standard für Anleihen gelistet sei, hoffe mit dem bis September 2017 laufenden Bond auf eine Summe bis zu 35 Millionen Euro. Anlegern biete er dafür 7 Prozent Zinsen. Die Handelsaufnahme sei für den 26. September geplant.
Im Sektor Unternehmensanleihen berichte Klaus Stopp von bemerkenswerten Neuemissionen etwa des Energiedienstleisters Techem. Zwei Tranchen mit Laufzeiten von sieben und acht Jahren und Kupons von 6,125 Prozent bzw. 7,875 Prozent im Gesamtvolumen von rund 750 Millionen Euro seien mehrfach überzeichnet und hätten nach Aufnahme in den Handel rund 3 Prozent zugelegt. Benotet sei die Kreditwürdigkeit von Techem mit Ba3/B+.
Von Investoren gut angenommen worden sei zudem eine neue Anleihe der mit A3/BBB+ bewerteten französischen Unternehmensgruppe Bouygues SA. Für einen Kredit in Höhe von 700 Millionen Euro mit einer Laufzeit bis 2023 zahle das Unternehmen einen Kupon von 3,625 Prozent.
Anleger hätten sich zudem mit Bonds von Unternehmen aus der Peripherie eingedeckt. "Sie scheinen ihre Bedenken erst einmal ad acta gelegt zu haben", meine Stopp. Erfolgreich refinanziert habe sich beispielsweise Repsol. Investoren hätten dem spanischen Petrochemie-Konzern rund 750 Millionen Euro zu 4,375 Prozent anvertraut. Das mit einer Bonitätsnote von Baa3/BBB- ausgestattete Unternehmen plane die Rückzahlung des Kredits im Jahr 2018.
Mit Energias de Portugal wage sich ein weiterer Emittent aus der Peripherie an den Primärmarkt. Für eine Summe von 750 Millionen Euro biete der Energieversorger einen jährlichen Kupon von 5,75 Prozent für die im Jahr 2018 fällig werdende Anleihe. Mit einer Note von Ba1/BB+ liege die Kreditwürdigkeit allerdings am unteren Ende der Skala. (21.09.2012/alc/a/a)
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