Anleihenmarkt: Es bleibt wacklig


28.09.12 15:17
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wer auf eine nachhaltige Entspannung in Sachen Eurokrise gehofft hat, wurde in den vergangenen zwei Wochen eines Besseren belehrt, so die Deutsche Börse AG.

"Nun sind wieder neue Hiobsbotschaften aus den Hauptstädten der altbekannten Krisenstaaten zu vernehmen, und der Euro-Bund-Future schiebt sich wieder in Regionen, die man schon aus dem Gedächtnis streichen wollte", fasse Klaus Stopp von der Baader Bank die Lage zusammen. Die als sicher geltenden Bundesanleihen hätten jedenfalls zugelegt, die Zinsaufschläge für Peripherieländer seien gestiegen.

"Spanien bleibt Dauerthema", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft - auch wenn die Woche eher sehr ruhig verlaufen sei. "Die Frage, ob Spanien Geld aus dem Rettungsschirm braucht oder die EZB eingreifen muss, ist nach wie vor offen."

Der Euro-Bund-Future habe seinen zuletzt wieder eingeschlagenen Aufwärtstrend bis zum Mittwoch fortgesetzt. Dann sei es seitwärts gegangen, am heutigen Freitag notiere das richtungweisende Barometer bei 141,67 Punkten nach 140,14 in der Vorwoche. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liege bei 1,425 Prozent.

Balsam für die Seelen besorgter Anleger sei allerdings der gestern vorgelegte Haushaltsplan Spaniens für das kommende Jahr gewesen, der sinkende Ausgaben, sowie einige Steuererhöhungen und Reformen vorsehe. "Die Märkte würdigten das Budgetpaket für 2013, das die spanische Regierung geschnürt hat und am kommenden Samstag dem Parlament vorlegen wird", erkläre die Commerzbank. Heute würden noch Zahlen zum Finanzbedarf spanischer Banken erwartet, die als Grundlagen für die Finanzhilfen an die Institute dienen sollten.

Keine großen Refinanzierungssorgen müsse sich weiterhin Deutschland machen, auch wenn Anleger offenbar nicht alles akzeptieren würden. Das zweite Mal in Folge seien Bundesanleihen bei einer Versteigerung auf schwache Nachfrage gestoßen, wie die Commerzbank berichte. "Bei der Aufstockung der zehnjährigen Bundesanleihe wurden lediglich Gebote in Höhe von 3,95 Milliarden Euro abgegeben; geplant war ein Volumen von 5 Milliarden." Die Zuteilung sei bei einer Rendite von 1,51 Prozent erfolgt.

Daniel melde weiter Nachfrage nach einer Zypern-Anleihe (ISIN XS0196506694 / WKN A0DAA7), die bis 2014 laufe und einen Kupon von 4,375 Prozent aufweise. Aktuell werde das Papier zu 80,1 Prozent gehandelt, was eine Rendite von 18,4 Prozent ergebe. "Die Käufer setzen offenbar darauf, dass das kleine Zypern notfalls gerettet wird."

Im Bereich Unternehmensanleihen gebe es derzeit wieder viel Bewegung in Solarwerten, besonders SolarWorld habe sich merklich berappeln können. "Die bis 2017 laufende Anleihe (ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) notierte Anfang des Monats noch unter 19 Prozent, jetzt sind es 28,4 Prozent", berichte Rainer Petz von Close Brothers Seydler. "Wer da zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen ist, hat einen Gewinn von 56 Prozent gemacht." Mitte Januar habe die Anleihe übrigens noch bei 66,5 Prozent notiert. SolarWorld sei aber nicht der einzige Gewinner: Die Anleihe (ISIN DE000A1E85T1 / WKN A1E85T) von CENTROSOLAR sei seit Ende August von 31 auf 42 Prozent gestiegen.

An Neuemissionen herrsche unterdessen derzeit kein Mangel: Wie Stopp melde, habe sich etwa der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF mit einer 750 Millionen Euro großen Anleihe (ISIN XS0836260975 / WKN A1RE7C) am Kapitalmarkt präsent gezeigt. Diese laufe bis 2018 und sei mit einer Stückelung von 1.000 Euro durchaus privatanlegerfreundlich. Die Zinsen von nur 1,50 Prozent würden aber nicht jeden ansprechen.

Deutlich attraktivere Konditionen würden die beiden neuen Anleihen (ISIN XS0783934911 / WKN A1REYB) des Energiedienstleisters Techem bieten, die erste mit Laufzeit bis 2019 und Kupon von 6,125 Prozent, die zweite, die nachrangig sei, mit Laufzeit bis 2020 und Kupon von 7,875 Prozent. "Die Nachfrage war sehr gut", meine Petz. Aktuell würden die Papiere bereits zu 102,13 beziehungsweise 103,49 Prozent gehandelt. Die Stückelung liege allerdings bei 100.000 Euro.

Mit einem kleineren Einsatz könnten Anleger beim Spirituosenhersteller Berentzen (ISIN DE0005201636 / WKN 520163) zum Zuge kommen. Das Unternehmen plane eine Anleihe (ISIN DE0005201636 / WKN A1RE1V) im Volumen von 50 Millionen Euro mit Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 6,5 Prozent, wie Petz außerdem wisse. "Das Interesse ist riesig." Die Zeichnungsfrist beginne am 8. und ende am 16. Oktober, die Notierungsaufnahme im Entry Standard der Börse Frankfurt sei für den 18. Oktober vorgesehen. Bekannt sei das Unternehmen durch die Eigenmarken Berentzen und Puschkin.

Eine noch höhere Verzinsung gebe es beim IT-Unternehmen BDT, dessen Anleihe (ISIN DE000A1PGQL4 / WKN A1PGQL) noch bis zum 5. Oktober gezeichnet werden könne. BDT, im Bereich Papierzuführungen für Drucker sowie automatisierte Datenspeicherlösungen für Magnetbänder und Festplatten tätig, biete 8,125 Prozent für fünf Jahre. "Bei Kleinanlegern kommt die Anleihe gut an", kommentiere Petz. Das Papier solle ebenfalls im Entry Standard gelistet werden.

In diesem Segment werde seit heute auch die Anleihe (ISIN DE000A1ML257 / WKN A1ML25) von KTG Energie gehandelt, einem Produzenten erneuerbarer Energien aus Biogas. Die Emission habe voll platziert werden können. Das Papier laufe bis 2018 und weise einen Kupon von 7,25 Prozent auf, aktuell notiere es bei 99 Prozent.

Norwegische Kronen, Australische Dollar oder Türkische Lira: Die Nachfrage nach den lange beliebten Fremdwährungsanleihen habe nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen ESM sowie den Ankündigungen der Notenbanken und der daraufhin folgenden Erholung des Euro deutlich nachgelassen.

Mittlerweile sehe es aber wieder anders aus, die Gemeinschaftswährung habe zuletzt wieder nachgegeben. "Dies bestätigte die Euroskeptiker, die die Erholung des Euro zu weiteren Investitionen in Fremdwährungsanleihen nutzten", erkläre Stopp. Seiner Ansicht nach würden Währungsanleihen in diesen unsicheren Zeiten ein Instrument zur Diversifizierung und Anlageoptimierung bleiben. (28.09.2012/alc/a/a)