Anleihenmarkt: Von Krisen und Fortschritten


21.12.12 16:09
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die nach wie vor ausstehende Einigung im US-Haushaltsstreit sowie Sorgen um Zypern lasten zwar heute auf dem Markt, die Woche insgesamt war aber durchaus von Entspannung geprägt, so die Deutsche Börse AG.

Gut angekommen sei etwa die Hochstufung Griechenlands durch die Rating-Agentur Standard & Poor's. Zudem würden sich die erfreulichen Nachrichten von Konjunkturseite mehren. "Mit 102,4 Punkten überraschte das ifo-Geschäftsklima positiv", bemerke die Commerzbank. Wie auch andere Frühindikatoren gezeigt hätten, hätten sich Signale für eine wieder zunehmende Konjunkturdynamik im kommenden Jahr verfestigt - sofern sich die Staatsschuldenkrise nicht erneut zuspitze.

Der Euro-Bund-Future notiere am heutigen Freitag bei 144,55 Punkten und damit etwas unter dem Niveau der Vorwoche von 145,04. Wirklich weit von seinem historischen Hoch bei 146,89 Punkten habe sich das Anleihebarometer allerdings nicht entfernt. Zehnjährige Bundesanleihen würden aktuell 1,39 Prozent abwerfen. Brunner gehe übrigens fest davon aus, dass die Zinsen hierzulande auch im neuen Jahr niedrig sein würden: "Die Geldpolitik bleibt expansiv, und nach Inflation sieht es nicht aus."

Die Renditeaufschläge für Peripherieländer seien in dieser Woche weiter geschrumpft. Regelrecht abgestürzt seien allerdings Zypern-Anleihen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft berichte. "Die Süddeutsche Zeitung hat die Lage im Kommentar 'Zypern schlimmer als Griechenland' gut beschrieben", meine der Händler. Zypern bitte die EU-Länder zwar "nur" um 17 Milliarden Euro. "Im Verhältnis zum BIP sind das aber fast 100 Prozent. Dem Land fehlt ein Geschäftsmodell, der Bankensektor ist stark aufgebläht." Nicht zuletzt spreche einiges für die Annahme, dass viele Bankeinlagen, die nun gerettet werden sollten, aus dubiosen russischen Quellen stammen würden.

"Politisch ist das alles extrem heikel." Wie heute bekannt geworden sei, habe die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Zyperns erneut um zwei Stufen gesenkt, und zwar von "B" auf "CCC+". Die bis 2014 laufende Anleihe (ISIN XS0196506694 / WKN A0DAA7) habe vor einer Woche noch bei 89 Prozent notiert, gestern seien es 73,5 Prozent gewesen. Heute präsentiere sich das Papier leicht erholt bei 75 Prozent. "Das ist ein Pulverfass", meine der Händler.

Irland gelte hingegen als Musterschüler. "Das Land ist auf gutem Weg", finde Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Im Gegenzug für die Umsetzung der Reformen wünsche sich Dublin nun niedrigere Zinsen auf die Hilfskredite. Irland habe als erstes Land unter dem Rettungsschirm wieder langfristige Anleihen verkaufen können. "2013 soll das im regelmäßigen Turnus geschehen."

"Es war ein Jahr der Krisentreffen, der Ratingherabstufungen und der Erweiterung der Rettungsfazilitäten", kommentiere die Helaba zum Jahresausklang. 2012 sei aber auch ein Jahr der Fortschritte gewesen: "Der permanente Rettungsschirm ESM hat alle parlamentarischen und juristischen Hürden überwunden und seine Arbeit, wenn auch verspätet, aufgenommen; Griechenland hat zwei erfolgreiche Schuldenschnitte durchgeführt; die Risikoprämien der Peripheriestaaten haben sich von ihren Höchstständen deutlich entfernt." Zudem hätten sich auch realwirtschaftlich erste Verbesserungen gezeigt. "Inzwischen dominiert die Hoffnung, dass der Höhepunkt der Krise hinter uns liegt."

Von den Corporate Bonds seien Daniel zufolge Air Berlin-Anleihen rege gehandelt worden. "Es gibt frisches Geld: Das Unternehmen verkauft sein Vielfliegerprogramm an den arabischen Partner Etihad." Die Anleihen hätten im Kurs jedoch kaum reagiert. Das bis 2014 laufende Papier (ISIN DE000AB100C2 / WKN AB100C) mit einem Kupon von 11,50 Prozent notiere aktuell bei 104,70 Prozent, das ergebe eine Rendite von 8,75 Prozent.

Deutlich von ihren Tiefstständen habe sich die Praktiker-Anleihe erholt, wie Rainer Petz von Close Brothers Seydler beobachtet habe. Während das Papier vor drei Monaten noch zu 33 Prozent über den Tisch gegangen sei, seien es heute 60,5 Prozent. Zusätzliche Unterstützung habe die Anleihe in den vergangenen Tagen durch eine erfolgreiche Kapitalerhöhung bekommen: Mit dem Verkauf von 55 Millionen neuen Aktien verschaffe sich der angeschlagene Konzern wieder ein wenig Luft. "Allerdings ist jetzt zum Jahresende vieles hoch gegangen", meine Petz.

Seit heute wieder gehandelt würden im Übrigen die Anleihen der Westfälischen Grundbesitz- und Finanzverwaltung WGF. Das bis 2014 laufende Papier (ISIN DE000WGFH042 / WKN WGFH04) koste aktuell knapp 24 Prozent. "Der Kurs ist nicht viel anders als vor der Aussetzung des Handels", bemerke Petz. Das Unternehmen habe vergangene Woche Insolvenz angemeldet.

Etwas entspannt habe sich auch die Situation bei Mittelstandsanleihen, von denen einige vergangene Woche ordentlich unter Druck geraten seien. "Anfang der Woche war die Nervosität noch hoch, dann hat sich die Lage aber etwa beruhigt", melde Brunner. Die "Traumschiffanleihe" der MS Deutschland, die im Tief bis auf 83,50 Prozent abgerutscht sei, habe sich bei rund 94 Prozent stabilisiert. Die Anleihe (ISIN DE000A1PGRG2 / WKN A1PGRG) des Reiseportalanbieters Travel24, die nach der Verhaftung von zwei Managern bis auf 56 Prozent gefallen sei, koste heute 75 Prozent.

Die Eterna-Anleihe notiere wieder über Pari bei 100,4 Prozent, im Tief seien es 95 Prozent gewesen. Und die ohnehin als sehr solide geltende Karlsberg-Anleihe habe sich auf 110 Prozent verteuert. (21.12.2012/alc/a/a)





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