Anleihenmarkt kaum verändert, Spanien und Portugal erfolgreich


25.01.13 15:38
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zwar sorgt das besser als erwartet ausgefallene ifo-Geschäftsklima am heutigen Freitag für gute Laune auf dem Parkett: Der DAX springt über die Marke von 7.800 Punkten, Bundesanleihen werden abgegeben. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schwung weg ist, so die Deutsche Börse AG.

"Die gute Stimmung des Jahresanfangs ist verflogen", meine die HSH Nordbank. Auslöser seien die Finanzkrise Zyperns, die politische Diskussion über einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens und schwächere Wirtschaftsdaten aus Spanien. "Hinzu kommt, dass der Internationale Währungsfonds die Konjunktur der Eurozone schlechter einschätzt als zuvor."

Daneben stehe im US-Haushaltskonflikt immer noch eine Lösung aus: "Der Kongress verabschiedete zwar ein Gesetz zur Erhöhung der Schuldenobergrenze, aber die Regelung gilt nur bis zum 19. Mai 2013." Die Diskussion zwischen Regierung und Opposition über Haushalt, Verschuldung und Sparmaßnahmen gehe also weiter.

Der Euro-Bund-Future notiere am Freitagnachmittag bei knapp unter 142,83 Punkten nach 143,25 vor einer Woche. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege aktuell bei 1,62 Prozent.

Gute Nachrichten seien in den vergangenen Tagen von der iberischen Halbinsel gekommen: Wie die Hellwig Wertpapierhandelsbank melde, hätten Spanien und Portugal diese Woche erfolgreich neue Anleihen begeben. "Portugal konnte für seine fünfjährige Anleihe über 2 Milliarden Euro sogar ein Orderbuch mit circa 10 Milliarden Euro Volumen vorweisen", erkläre der Händler. "Die Anleihe war offensichtlich mit dem Kupon von 5 Prozent gut nachgefragt."

Der Fall Zypern - das Land habe ESM-Hilfen beantragt - bereite Anleihegläubiger wohl keine schlaflosen Nächte: Die Papiere (ISIN XS0196506694 / WKN A0DAA7; ISIN XS0432083227 / WKN A1AHJL; ISIN XS0554655505 / WKN A1A238; ISIN XS0483954144 / WKN A1AS1P), die im Dezember kräftig im Kurs gefallen seien, hätten sich klar erholt. "Anleger machen sich keine Sorgen. Die EZB unterstützt das Land ohnehin schon mit Milliardenhilfen", meine Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft und verweise auf das Emergency Liquidity Assistance-Programm (Ela).

Im Handel mit Unternehmensanleihen gebe es heute ein ganz großes Thema: SolarWorld. Die Anleihen (ISIN XS0641270045 / WKN A1H3W6; ISIN XS0478864225 / WKN A1CR73) seien heftig unter Druck. "Nachdem das Unternehmen gestern in einer Ad hoc-Meldung notwendige Einschnitte bei den Verbindlichkeiten in Aussicht gestellt hat, verloren die Anleihen erwartungsgemäß stark im Kurs", berichte die Hellwig Wertpapierhandelsbank. Beispielsweise sei die 6,375-prozentige Anleihe, die im Juli 2016 fällig sei, von 33 Prozent gestern auf 20,35 Prozent gefallen.

"Das sieht nach einem Schuldenschnitt aus", bemerke Daniel. Auch Rainer Petz von Close Brothers Seydler berichte von einem "massiven Einbruch". "Dabei hatten die Anleihen zuvor eine Rally hingelegt." Das 2017 fällige Papier sei etwa von 17 Prozent am 10. Dezember auf 33,5 am gestrigen Mittwoch geklettert. SolarWorld könne sich den Problemen der Solarbranche nicht entziehen. Das einstige Vorzeigeunternehmen habe daher gestern "gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten, insbesondere den ausgegebenen Anleihen und Schuldverschreibungen", angekündigt.

Auch Anleihen anderer Solarunternehmen würden unter die Räder kommen, etwa verliere CENTROSOLAR von gestern 47,59 auf aktuell 40 Prozent. Selbst ganz andere Branchen seien betroffen, wie Daniel festgestellt habe, etwa Anleihen der MS Deutschland-Beteiligungsgesellschaft und der Alpine Holding (ISIN AT0000A0V834 / WKN A1G4NY; ISIN AT0000A0PJJ0 / WKN A1GR69; ISIN AT0000A0JDG2 / WKN A1AYFX). "Offenbar regt SolarWorld zum Nachdenken über Nicht-Top-Adressen an."

Unabhängig davon hätten Daniel zufolge in dieser Woche die bis 2015 laufende Deutsche Telekom-Anleihe und im Juni dieses Jahres fällige VW-Papiere (ISIN XS0520522201 / WKN A0S73B) auf den Abgabelisten gestanden. Gekauft worden seien hingegen Peugeot- und auf Brasilianische Real lautende KfW-Anleihen.

Aufwind habe in den vergangenen Wochen die Singulus-Anleihe erhalten: Während der Kurs im November noch unter 60 Prozent gerutscht sei, seien es jetzt wieder 81 Prozent. "Singulus wird gut gekauft", melde Petz. Der Spezialmaschinenbauer leide derzeit unter der enttäuschenden Entwicklung im Blu-ray- und im Solargeschäft. Jetzt würden Anleger offenbar auf eine Ertragswende setzen.

Weiterhin werde das günstige Umfeld rege für Neuemissionen genutzt. Etwa habe sich der Automobilzulieferer Hella am Kapitalmarkt refinanziert, wie Klaus Stopp von der Baader Bank berichte. "Das Unternehmen sammelte mittels einer siebenjährigen Anleihe 500 Millionen Euro ein." Der Kupon liege bei 2,375 Prozent, die Mindeststückelung bei 1.000 Euro.

Daneben komme eine neue Mittelstandsanleihe auf den Markt: Die Modekette Rudolf Wöhrl, Betreiber von derzeit 38 Modehäusern vor allem in Bayern, emittiere eine bis 2018 laufende Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro (ISIN DE000A1R0YA4 / WKN A1R0YA). Der Kupon betrage 6,5 Prozent, die Zeichnungsfrist starte am 4. Februar. Mindestens 1.000 Euro müssten Interessenten investieren. Das Geld solle für den Erwerb und die Modernisierung von Modehäusern und zur Finanzierung des organischen Wachstums verwendet werden. Wöhrl verhandle derzeit über den Erwerb des Konkurrenten SinnLeffers.

Angesichts der Entspannung in der Eurokrise und des Wiedererstarkens der Gemeinschaftswährung sei der ganz große Ansturm auf Fremdwährungsanleihen vorbei. "Anleger, die noch vor kurzem an den Zerfall des Euros glaubten, haben offensichtlich ihre Meinung geändert", erkläre Stopp. Gegenüber dem Britischen Pfund habe der Euro gerade den höchsten Stand seit zehneinhalb Monaten erklommen. Dennoch seien Fremdwährungsanleihen eine gute Alternative zum Euro geblieben. "Zu den Favoriten zählen weiterhin die bewährten Anleihen auf Australische Dollar, Norwegische Kronen und Türkische Lira." Jedoch seien auch "Exoten" wie Brasilianischer Real und Russischer Rubel immer mehr in den Fokus gerückt. (25.01.2013/alc/a/a)





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