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Anleihen tiefe Sorgenfalten
23.09.11 17:08
Deutsche Börse AG
Frankfurt (anleihencheck.de) - Schlechte Ratings und magere Konjunkturprognosen für die Weltwirtschaft bestimmten den Anleihenhandel in dieser Woche, so die Deutsche Börse AG.
"Zu einer schlechteren Benotung des italienischen Staates gesellte sich die Abstufung der Bonität von sieben italienischen Banken durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s", fasse Gregor Daniel zusammen. Den Daumen gesenkt habe Moody’s zudem für drei große US-amerikanische Geldhäuser. "Ab jetzt werden Citygroup (ISIN US1729674242 / WKN A1H92V), Bank of America und Wells Fargo sich nur noch zu schlechteren Konditionen am Kapitalmarkt Geld leihen können", erkläre der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Anders als bisher schätze Moody’s die Bereitschaft der US-Regierung nun geringer ein, kriselnde Banken noch einmal massiv mit Steuergeldern zu stützen.
"Insgesamt herrscht im Bankensektor erhöhtes Misstrauen", beobachte Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Es werde für einige europäische Banken dadurch immer schwieriger, sich mit USD einzudecken. Jüngst sei die EZB mit einem Volumen von 500 Mrd. USD eingesprungen.
Für die Wirtschaft in Deutschland, den USA und der Welt habe der Internationale Währungsfonds (IWF) laut Daniel die Prognosen nach unten revidiert und so eine weitere Fluchtbewegung in sichere Bundesanleihen angestoßen. Statt der bisher angenommenen 3,2 Prozent würden die Volkswirte des IWF für die hiesige Wirtschaft nur noch mit einem Wachstum von 2,7 Prozent in diesem Jahr und 1,3 Prozent im kommenden Jahr rechnen. Die Erwartungen für die USA seien um einen Prozentpunkt auf 1,5 Prozent in diesem Jahr und um 0,9 auf 1,8 Prozent für 2012 nach unten revidiert worden.
Dem richtungsweisenden Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) habe das gesteigerte Interesse nach Bundesanleihen zu einem neuen Allzeithoch von zwischenzeitlich 139,07 Prozent verholfen. Nach oben betrete das Barometer aus technischer Sicht erst einmal Neuland, nach unten erkenne die HSH Nordbank Unterstützungszonen bei 138,15 bzw. 138,22 Prozent und 137,05 bzw. 137,17 Prozent.
Die hohe Nachfrage nach lang laufenden Bundesanleihen sei die Ursache für die derzeit niedrigeren Renditen der hiesigen Staatsanleihen. Zehnjährige Bundanleihen kämen beispielsweise aktuell lediglich auf 1,67 Prozent. Wenig vertrauensfördernd hätten Veröffentlichungen vonseiten der Europäischen Zentralbank gewirkt. Eine Studie sehe aufgrund der Schuldenkrise die Gemeinschaftswährung als gefährdet an. Als erstes EZB-Mitglied habe der niederländische Notenbankchef Klaas Knot zudem eine Insolvenz Griechenlands als ein denkbares Szenario aufgezeigt. "Das sind zwar alles keine neuen Erkenntnisse, sie fallen derzeit aber auf besonders fruchtbaren Boden", beschreibe die HSH Nordbank.
Auch Deutschland werde zunehmend in den Strudel der Unsicherheit mit hineingezogen. Abzulesen sei dies an den Preisen für Kreditausfallversicherungen (CDS). "Die Prämien für fünfjährige CDS auf Bundesanleihen haben sich seit Ende Juni mehr als verdoppelt", berichte Brunner. Allein in dieser Woche habe der Händler einen Anstieg von rund 23 Prozent registriert. Zu den extrem niedrigen Renditen der vermeintlich sicheren Staatsanleihen passe die hohe Absicherungsprämie nicht mehr. "Hier bahnt sich ein Zielkonflikt an", sage Brunner voraus. Einzig die hohe Liquidität im Markt der Bundesanleihen könne man ein Engagement dort noch rechtfertigen.
Vier Mrd. Euro habe die Europäische Zentralbank in dieser Woche erfolgreich auf dem Kapitalmarkt platzieren können, wie Gregor Daniel berichte. "Das Geld ist für die kommenden Kredittranchen für Portugal und Irland vorgesehen", wisse der Händler. Bisher schlage die Euro-Schuldenkrise nach Berechnungen des IWF mit schätzungsweise 300 Mrd. Euro zu Buche. 200 Mrd. Euro seien durch Kursverluste von Staatsanleihen betroffener Länder angefallen. Rund 100 Mrd. Euro Verlust seien Finanzverbindungen von Geldinstituten untereinander zuzuordnen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause stünden Währungsanleihen in Norwegischen (NOK) und Schwedischen Kronen (SEK) bei Anlegern erneut im Mittelpunkt. "Der Euro hat wieder an Boden gut gemacht, was die Attraktivität von Engagements in Alternativwährungen erhöht", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Beliebt seien etwa zwei Anleihen des norwegischen Königreichs (ISIN NO0010144843 / WKN 858524, ISIN NO0010226962 / WKN A0BC8F). Ausgestattet mit einem Kupon von 6,5 Prozent laufe Erstere bis Mai 2013 und komme aktuell auf eine Rendite von 1,33 Prozent. Bei einem Zinssatz von 5 Prozent und einer Fälligkeit im Mai 2015 erreiche Letztere eine Rendite von 1,58 Prozent.
Investoren würden zudem bei Fremdwährungsanleihen deutscher Schuldner mit hoher Kreditwürdigkeit zugreifen. "Seit Monaten ist diese Kombination beliebt", registriere die Baader Bank. Eine in Norwegischen Kronen emittierte Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit einem Zinssatz von 3,375 Prozent und einer gegenwärtigen Rendite von 3,15 Prozent finde beispielsweise regen Anklang. Beliebt seien der Baader Bank zufolge zudem zwei Bonds von Daimler, die beide ein Rendite von derzeit 2,8 Prozent böten: eine im Januar 2015 fällig werdende NOK-Anleihe (ISIN XS0670437150 / WKN A1GUY7) mit einem Zins von 3.625 Prozent und eine SEK-Anleihe (ISIN XS0671135514 / WKN A1GU3S) mit einer Laufzeit bis Dezember 2014 und einem Kupon von 3,0 Prozent.
Bei insgesamt gemischtem Handel mit Unternehmensanleihen erkenne Gregor Daniel zudem ein deutliches Interesse an einer Anleihe (ISIN DE000A1AY2A0 / WKN A1AY2A) der Continental AG mit einer Laufzeit bis Oktober 2015 und einem Kupon von 8,5 Prozent.
Nachdem der Markt über Wochen wie ausgetrocknet schien, seien Neuemissionen im Markt für Unternehmensanleihen wieder zum Leben erwacht. "Firmen mit guter Qualität gelingt es derzeit im Primärmarkt problemlos, sich zu refinanzieren", meine Klaus Stopp. TeliaSonera AB, Schneider Electric SA (ISIN FR0000121972 / WKN 860180) und Autoroutes du Sud de la France (ISIN FR0005512555 / WKN 552829), alles Unternehmen mit einer Bonität von BBB+ oder besser, hätten ihre Bonds beispielsweise erfolgreich platziert. Weniger angetan hätten sich Anleger von schlecht oder gar nicht benoteten Unternehmen gezeigt. Investoren fehle es an Risikofreude, deshalb hätten sie lieber die Finger von Firmen ohne Gütezeichen gelassen. (23.09.2011/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
"Zu einer schlechteren Benotung des italienischen Staates gesellte sich die Abstufung der Bonität von sieben italienischen Banken durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s", fasse Gregor Daniel zusammen. Den Daumen gesenkt habe Moody’s zudem für drei große US-amerikanische Geldhäuser. "Ab jetzt werden Citygroup (ISIN US1729674242 / WKN A1H92V), Bank of America und Wells Fargo sich nur noch zu schlechteren Konditionen am Kapitalmarkt Geld leihen können", erkläre der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Anders als bisher schätze Moody’s die Bereitschaft der US-Regierung nun geringer ein, kriselnde Banken noch einmal massiv mit Steuergeldern zu stützen.
"Insgesamt herrscht im Bankensektor erhöhtes Misstrauen", beobachte Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Es werde für einige europäische Banken dadurch immer schwieriger, sich mit USD einzudecken. Jüngst sei die EZB mit einem Volumen von 500 Mrd. USD eingesprungen.
Für die Wirtschaft in Deutschland, den USA und der Welt habe der Internationale Währungsfonds (IWF) laut Daniel die Prognosen nach unten revidiert und so eine weitere Fluchtbewegung in sichere Bundesanleihen angestoßen. Statt der bisher angenommenen 3,2 Prozent würden die Volkswirte des IWF für die hiesige Wirtschaft nur noch mit einem Wachstum von 2,7 Prozent in diesem Jahr und 1,3 Prozent im kommenden Jahr rechnen. Die Erwartungen für die USA seien um einen Prozentpunkt auf 1,5 Prozent in diesem Jahr und um 0,9 auf 1,8 Prozent für 2012 nach unten revidiert worden.
Dem richtungsweisenden Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) habe das gesteigerte Interesse nach Bundesanleihen zu einem neuen Allzeithoch von zwischenzeitlich 139,07 Prozent verholfen. Nach oben betrete das Barometer aus technischer Sicht erst einmal Neuland, nach unten erkenne die HSH Nordbank Unterstützungszonen bei 138,15 bzw. 138,22 Prozent und 137,05 bzw. 137,17 Prozent.
Die hohe Nachfrage nach lang laufenden Bundesanleihen sei die Ursache für die derzeit niedrigeren Renditen der hiesigen Staatsanleihen. Zehnjährige Bundanleihen kämen beispielsweise aktuell lediglich auf 1,67 Prozent. Wenig vertrauensfördernd hätten Veröffentlichungen vonseiten der Europäischen Zentralbank gewirkt. Eine Studie sehe aufgrund der Schuldenkrise die Gemeinschaftswährung als gefährdet an. Als erstes EZB-Mitglied habe der niederländische Notenbankchef Klaas Knot zudem eine Insolvenz Griechenlands als ein denkbares Szenario aufgezeigt. "Das sind zwar alles keine neuen Erkenntnisse, sie fallen derzeit aber auf besonders fruchtbaren Boden", beschreibe die HSH Nordbank.
Vier Mrd. Euro habe die Europäische Zentralbank in dieser Woche erfolgreich auf dem Kapitalmarkt platzieren können, wie Gregor Daniel berichte. "Das Geld ist für die kommenden Kredittranchen für Portugal und Irland vorgesehen", wisse der Händler. Bisher schlage die Euro-Schuldenkrise nach Berechnungen des IWF mit schätzungsweise 300 Mrd. Euro zu Buche. 200 Mrd. Euro seien durch Kursverluste von Staatsanleihen betroffener Länder angefallen. Rund 100 Mrd. Euro Verlust seien Finanzverbindungen von Geldinstituten untereinander zuzuordnen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause stünden Währungsanleihen in Norwegischen (NOK) und Schwedischen Kronen (SEK) bei Anlegern erneut im Mittelpunkt. "Der Euro hat wieder an Boden gut gemacht, was die Attraktivität von Engagements in Alternativwährungen erhöht", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Beliebt seien etwa zwei Anleihen des norwegischen Königreichs (ISIN NO0010144843 / WKN 858524, ISIN NO0010226962 / WKN A0BC8F). Ausgestattet mit einem Kupon von 6,5 Prozent laufe Erstere bis Mai 2013 und komme aktuell auf eine Rendite von 1,33 Prozent. Bei einem Zinssatz von 5 Prozent und einer Fälligkeit im Mai 2015 erreiche Letztere eine Rendite von 1,58 Prozent.
Investoren würden zudem bei Fremdwährungsanleihen deutscher Schuldner mit hoher Kreditwürdigkeit zugreifen. "Seit Monaten ist diese Kombination beliebt", registriere die Baader Bank. Eine in Norwegischen Kronen emittierte Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau mit einem Zinssatz von 3,375 Prozent und einer gegenwärtigen Rendite von 3,15 Prozent finde beispielsweise regen Anklang. Beliebt seien der Baader Bank zufolge zudem zwei Bonds von Daimler, die beide ein Rendite von derzeit 2,8 Prozent böten: eine im Januar 2015 fällig werdende NOK-Anleihe (ISIN XS0670437150 / WKN A1GUY7) mit einem Zins von 3.625 Prozent und eine SEK-Anleihe (ISIN XS0671135514 / WKN A1GU3S) mit einer Laufzeit bis Dezember 2014 und einem Kupon von 3,0 Prozent.
Bei insgesamt gemischtem Handel mit Unternehmensanleihen erkenne Gregor Daniel zudem ein deutliches Interesse an einer Anleihe (ISIN DE000A1AY2A0 / WKN A1AY2A) der Continental AG mit einer Laufzeit bis Oktober 2015 und einem Kupon von 8,5 Prozent.
Nachdem der Markt über Wochen wie ausgetrocknet schien, seien Neuemissionen im Markt für Unternehmensanleihen wieder zum Leben erwacht. "Firmen mit guter Qualität gelingt es derzeit im Primärmarkt problemlos, sich zu refinanzieren", meine Klaus Stopp. TeliaSonera AB, Schneider Electric SA (ISIN FR0000121972 / WKN 860180) und Autoroutes du Sud de la France (ISIN FR0005512555 / WKN 552829), alles Unternehmen mit einer Bonität von BBB+ oder besser, hätten ihre Bonds beispielsweise erfolgreich platziert. Weniger angetan hätten sich Anleger von schlecht oder gar nicht benoteten Unternehmen gezeigt. Investoren fehle es an Risikofreude, deshalb hätten sie lieber die Finger von Firmen ohne Gütezeichen gelassen. (23.09.2011/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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