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Anleihemarkt Anleger atmen auf
31.10.11 09:05
Deutsche Börse AG
Frankfurt (anleihencheck.de) - Die Ergebnisse des EU-Gipfels sind an den Märkten mit Erleichterung aufgenommen worden, so die Deutsche Börse AG.
Aktien, Euro und Renditen der Bundesanleihen hätten deutlich im Plus gelegen. "Stark erholt haben sich auch kurz laufende griechische Staatsanleihen", berichte ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Bei Fälligkeiten unter einem Jahr hätten die Kurse dieser Bonds zum Teil die 50-Prozent-Hürde (ISIN GR0114020457 / WKN A0LN5U) genommen und gar 60 Prozent (ISIN GR0110021236 / WKN A0T6US) überschritten. Bei Fälligkeit der Bonds in wenigen Monaten hätten sich Anleger vermutlich die volle Auszahlung des Anleihewerts erhofft. Von dem Aufruf zum freiwilligen Verzicht auf Rückzahlung hätten sie sich offenbar nicht angesprochen gefühlt. "Privatanleger oder auch Fonds haben dem Schuldenerlass ja noch nicht zugestimmt", bemerke Gregor Daniel. Diese und noch zahlreiche weitere Fragen bezüglich der Umsetzung des Übereinkommens seien noch unbeantwortet.
Erzwingen könne die EU die Zustimmung aller Gläubiger Griechenlands nicht. "Sie müssen Banken, Versicherungen und andere Gläubiger um diesen Verzicht bitten, ansonsten entsteht ein Kreditereignis und die Absicherungen gegen einen Zahlungsausfall des Landes würden fällig", erläutere der Händler der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig. Die Konsequenzen eines solchen Schrittes seien schwer einzuschätzen. Denn die Verkettung von Zahlungs- und Gegenparteirisiken bei den so genannten Credit Default Swaps seien nicht ersichtlich.
Es sei beabsichtigt, bei dem Schulden-Cut griechische Anleihen zunächst in neue Schuldpapiere mit dem halben Nominalwert umzuwandeln. Diese wiederum würden zu 30 Prozent von dem Rettungsschirm EFSF garantiert. "Die Verzinsung der neuen Anleihen kennen wir noch nicht, noch wissen wir, wie die Garantie des EFSF ausgestaltet sein wird", berichte Daniel. Auch stelle die HSH Nordbank die Frage, ob 50 Prozent gleich 50 Prozent seien. Neue Anleihen könnten so strukturiert werden, dass ihr Nominalwert zwar bei 50 Prozent liege, der abdiskontierte Wert etwa durch einen relativ hohen Kupon dennoch deutlich höher liege. Der internationale Bankenverband habe bereits Andeutungen in diese Richtung gemacht.
Den richtungsweisenden Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) hätten die Entwicklungen im Euroraum deutlich unter Druck gesetzt. "Das Krisenbarometer verlor nach Bekanntwerden der EU-Rettungsmaßnahmen über 200 Basispunkte", beobachte der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen seien in diesem Zug auf 2,20 Prozent angestiegen. Auf Wochensicht seien der Baader Bank zufolge deutsche Staatsanleihen (ISIN DE0001134468 / WKN 113446), etwa mit einer Laufzeit bis Juni 2016, einem Kupon von 6 Prozent und einer Rendite von rund 1,08 Prozent dennoch beliebt gewesen.
Nachrangige Hybridanleihen deutscher Banken hätten von den EU-Absichten zur Rettung Griechenlands profitiert. "Insbesondere die Deutsche Bank war gefragt", melde der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Zeitweise seien für Anleihen (ISIN DE000A0TU305 / WKN A0TU30; ISIN DE000A1ALVC5 / WKN A1ALVC) der größten deutschen Bank keine Brief-Quotes gestellt worden.
Im Handel hätten Investoren in dieser Woche ausgesuchten Unternehmensanleihen vertraut, beobachte Klaus Stopp von der Baader Bank. Corporate Bonds (ISIN DE000A0T1GK7 / WKN A0T1GK) von BMW etwa mit einer Laufzeit bis November 2011, einem Kupon von 4,95 Prozent und einer derzeitigen Rendite von 2,2 Prozent würden sich Anleger tendenziell ins Depot legen. An einer im Oktober 2014 fällig werdenden Anleihe von Haniel würden Investoren ebenfalls Gefallen finden. Bei einer Verzinsung von 6,75 Prozent erreiche dieses Papier eine aktuelle Rendite von 4,06 Prozent.
Kauffreude registriere die Baader Bank zudem für eine Anleihe (ISIN XS0462999573 / WKN A1APFA) der spanischen Telefónica (ISIN ES0178430E18 / WKN 850775) mit einer Rendite von derzeit 2,05 Prozent. Fitch rate den mit 4,693 Prozent verzinsten Bond BBB+, Moody's Baa1. Ein Kurssprung von 68 auf zwischenzeitlich 78,75 innerhalb weniger Tage habe Daniel zufolge eine Anleihe (ISIN DE000A0G4X39 / WKN A0G4X3) von Wienerberger erfahren. "Zuvor waren das schwer verkäufliche Bonds."
Mit einem Kupon von 7,375 Prozent und einer Endfälligkeit im Jahr 2072 sei die Emission eine Hybridanleihe (ISIN XS0674277933 / WKN A1MBBB) des Karlsruher Energieversorgers EnBW vom Markt gut angenommen worden. 750 Mio. Euro habe das Unternehmen einnehmen können. "Die ansehnliche Rendite der Schuldverschreibung ist in dem höheren Risiko durch die Eigenkapitalstruktur begründet", wisse Daniel. Auch sei die mit Baa1 benotete Anleihe mit einem vorzeitigen Kündigungsrecht im Jahr 2017 ausgestattet.
Erfolgreich platziert worden sei zudem eine Neuemission der mit A2 benoteten Oldenburger EWE AG. 500 Mio. Euro zu einem jährlichen Zinssatz von 4,124 und einer Fälligkeit im Jahr 2019 habe der Dienstleister in den Bereichen Strom, Gas, und Informationstechnologie laut Stopp eingesammelt.
Trotz vorliegendem Lösungsansatz zur Rettung des Euro würden sich laut Baader Bank sicherheitsorientierte Anleger nach wie vor für Anlagen in Fremdwährungen wie die Norwegische Krone entscheiden. Eine norwegische Staatsanleihe (ISIN NO0010313356 / WKN A0GS9C) mit einer Laufzeit bis Mai 2017, einem Kupon von 4,25 Prozent und einer aktuellen Rendite von rund 2,06 Prozent komme laut Stopp gut an. Eine Anleihe (ISIN NO0010144843 / WKN 858524) der norwegischen Regierung mit einer Verzinsung von 6,5 Prozent und einer Rendite von gegenwärtig 1,6 Prozent sei ebenfalls gesucht. (Ausgabe vom 28.10.2011) (31.10.2011/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Aktien, Euro und Renditen der Bundesanleihen hätten deutlich im Plus gelegen. "Stark erholt haben sich auch kurz laufende griechische Staatsanleihen", berichte ein Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank.
Bei Fälligkeiten unter einem Jahr hätten die Kurse dieser Bonds zum Teil die 50-Prozent-Hürde (ISIN GR0114020457 / WKN A0LN5U) genommen und gar 60 Prozent (ISIN GR0110021236 / WKN A0T6US) überschritten. Bei Fälligkeit der Bonds in wenigen Monaten hätten sich Anleger vermutlich die volle Auszahlung des Anleihewerts erhofft. Von dem Aufruf zum freiwilligen Verzicht auf Rückzahlung hätten sie sich offenbar nicht angesprochen gefühlt. "Privatanleger oder auch Fonds haben dem Schuldenerlass ja noch nicht zugestimmt", bemerke Gregor Daniel. Diese und noch zahlreiche weitere Fragen bezüglich der Umsetzung des Übereinkommens seien noch unbeantwortet.
Erzwingen könne die EU die Zustimmung aller Gläubiger Griechenlands nicht. "Sie müssen Banken, Versicherungen und andere Gläubiger um diesen Verzicht bitten, ansonsten entsteht ein Kreditereignis und die Absicherungen gegen einen Zahlungsausfall des Landes würden fällig", erläutere der Händler der Wertpapierhandelsgesellschaft Walter Ludwig. Die Konsequenzen eines solchen Schrittes seien schwer einzuschätzen. Denn die Verkettung von Zahlungs- und Gegenparteirisiken bei den so genannten Credit Default Swaps seien nicht ersichtlich.
Es sei beabsichtigt, bei dem Schulden-Cut griechische Anleihen zunächst in neue Schuldpapiere mit dem halben Nominalwert umzuwandeln. Diese wiederum würden zu 30 Prozent von dem Rettungsschirm EFSF garantiert. "Die Verzinsung der neuen Anleihen kennen wir noch nicht, noch wissen wir, wie die Garantie des EFSF ausgestaltet sein wird", berichte Daniel. Auch stelle die HSH Nordbank die Frage, ob 50 Prozent gleich 50 Prozent seien. Neue Anleihen könnten so strukturiert werden, dass ihr Nominalwert zwar bei 50 Prozent liege, der abdiskontierte Wert etwa durch einen relativ hohen Kupon dennoch deutlich höher liege. Der internationale Bankenverband habe bereits Andeutungen in diese Richtung gemacht.
Den richtungsweisenden Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) hätten die Entwicklungen im Euroraum deutlich unter Druck gesetzt. "Das Krisenbarometer verlor nach Bekanntwerden der EU-Rettungsmaßnahmen über 200 Basispunkte", beobachte der Händler der Hellwig Wertpapierhandelsbank. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen seien in diesem Zug auf 2,20 Prozent angestiegen. Auf Wochensicht seien der Baader Bank zufolge deutsche Staatsanleihen (ISIN DE0001134468 / WKN 113446), etwa mit einer Laufzeit bis Juni 2016, einem Kupon von 6 Prozent und einer Rendite von rund 1,08 Prozent dennoch beliebt gewesen.
Im Handel hätten Investoren in dieser Woche ausgesuchten Unternehmensanleihen vertraut, beobachte Klaus Stopp von der Baader Bank. Corporate Bonds (ISIN DE000A0T1GK7 / WKN A0T1GK) von BMW etwa mit einer Laufzeit bis November 2011, einem Kupon von 4,95 Prozent und einer derzeitigen Rendite von 2,2 Prozent würden sich Anleger tendenziell ins Depot legen. An einer im Oktober 2014 fällig werdenden Anleihe von Haniel würden Investoren ebenfalls Gefallen finden. Bei einer Verzinsung von 6,75 Prozent erreiche dieses Papier eine aktuelle Rendite von 4,06 Prozent.
Kauffreude registriere die Baader Bank zudem für eine Anleihe (ISIN XS0462999573 / WKN A1APFA) der spanischen Telefónica (ISIN ES0178430E18 / WKN 850775) mit einer Rendite von derzeit 2,05 Prozent. Fitch rate den mit 4,693 Prozent verzinsten Bond BBB+, Moody's Baa1. Ein Kurssprung von 68 auf zwischenzeitlich 78,75 innerhalb weniger Tage habe Daniel zufolge eine Anleihe (ISIN DE000A0G4X39 / WKN A0G4X3) von Wienerberger erfahren. "Zuvor waren das schwer verkäufliche Bonds."
Mit einem Kupon von 7,375 Prozent und einer Endfälligkeit im Jahr 2072 sei die Emission eine Hybridanleihe (ISIN XS0674277933 / WKN A1MBBB) des Karlsruher Energieversorgers EnBW vom Markt gut angenommen worden. 750 Mio. Euro habe das Unternehmen einnehmen können. "Die ansehnliche Rendite der Schuldverschreibung ist in dem höheren Risiko durch die Eigenkapitalstruktur begründet", wisse Daniel. Auch sei die mit Baa1 benotete Anleihe mit einem vorzeitigen Kündigungsrecht im Jahr 2017 ausgestattet.
Erfolgreich platziert worden sei zudem eine Neuemission der mit A2 benoteten Oldenburger EWE AG. 500 Mio. Euro zu einem jährlichen Zinssatz von 4,124 und einer Fälligkeit im Jahr 2019 habe der Dienstleister in den Bereichen Strom, Gas, und Informationstechnologie laut Stopp eingesammelt.
Trotz vorliegendem Lösungsansatz zur Rettung des Euro würden sich laut Baader Bank sicherheitsorientierte Anleger nach wie vor für Anlagen in Fremdwährungen wie die Norwegische Krone entscheiden. Eine norwegische Staatsanleihe (ISIN NO0010313356 / WKN A0GS9C) mit einer Laufzeit bis Mai 2017, einem Kupon von 4,25 Prozent und einer aktuellen Rendite von rund 2,06 Prozent komme laut Stopp gut an. Eine Anleihe (ISIN NO0010144843 / WKN 858524) der norwegischen Regierung mit einer Verzinsung von 6,5 Prozent und einer Rendite von gegenwärtig 1,6 Prozent sei ebenfalls gesucht. (Ausgabe vom 28.10.2011) (31.10.2011/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




