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Rentenmarkt Unternehmen auf Griechenlands Spuren, Emissionszug rollt weiter
29.03.12 14:09
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Inzwischen kann man sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass der Bogen am Rentenmarkt überspannt wird, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Bereits vor mehreren Wochen hätten sich die Analysten noch verwundert die Augen gerieben hinsichtlich der Idee einer nachträglichen Änderung der Anleihebedingungen. Angesichts des immensen Refinanzierungsbedarfs der Staaten, Länder, Kommunen und Unternehmen sollten alle Bedürftigen darauf achten, dass die Investoren nicht das Vertrauen in die Sache verlieren würden.
Nachdem Griechenland den ersten Teil umgetauscht habe, sei es für den zweiten Teil nun zu einer Fristverlängerung bis zum 4. April gekommen. Diese sei seitens Athens sicherlich nicht gewährt worden, weil die Zustimmung zu groß gewesen sei. Nein, die Rettung Griechenlands stehe immer noch auf des Messers Schneide. Wie kleine Kinder seien die Gläubiger nochmals aufgefordert worden, in sich zu gehen und ihr Verhalten zu überprüfen. Nur Realitätsfremde könnten glauben, dass die Unbeugsamen nachgeben würden. Never ever! Durch Griechenland sei allerdings ein Verhalten initiiert worden, das die Investoren umdenken lasse.
Praktiker habe von den Gläubigern eine Absage erhalten und müsse sich nun auf anderen Wegen neues Kapital suchen. Die Altgläubigen jedenfalls seien nicht dazu bereit gewesen, eine rückwirkende Kuponreduzierung mit zu tragen. Ermöglicht werde das daraus entstehende Chaos aber durch ein bisher in der Öffentlichkeit fast nicht wahrgenommenes Gesetz, das Schuldverschreibungs-Gesetz (SchVG). Darin sei geregelt, dass für die nach deutschem Recht begebenen Schuldverschreibungen durch Mehrheitsbeschlüsse der Gläubiger die Anleihebedingungen für alle Gläubiger derselben Anleihe nachträglich noch geändert werden dürften.
Dieses Gesetz gelte zwar nicht für gedeckte Schuldverschreibungen im Sinne des Pfandbriefgesetzes oder für Anleihen des Bundes, der Länder und Gemeinden. Aber es gebe Anwendungsmöglichkeiten. Erst vor wenigen Tagen seien die Gläubiger der Anleihe (ISIN DE000A0KAH37/ A0KAH3) der CCG Cool Chain Group Holding AG, Bremen, zu einer Gläubigerversammlung eingeladen worden. Mit einer Einladungsfrist von 14 Tagen solle dann am 5. April 2012 über eine Veränderung der Fälligkeit der Hauptforderung entschieden werden. Früher habe an den Börsen das gesprochene Wort gegolten und auf Anleihen würden entsprechend die niedergeschriebenen Bedingungen übertragen. Das könne ja noch heiter werden.
Für viele Experten sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble umfallen würden. Und nun sei es soweit. Die Euro-Finanzminister würden am Freitag in Kopenhagen beschließen, dass die Euro-Rettungsschirme aufgestockt würden. Dies galt lange Zeit als nicht mit uns umsetzbar, so die Analysten der Baader Bank.
Aber nachdem der Druck von außen stetig erhöht worden sei, habe Frau Merkel nun erstmals ihre Bereitschaft signalisiert, den dauerhaften Rettungsschirm ESM (Europäische Stabilitätsmechanismus) und seinen zeitlich begrenzten Vorgänger EFSF (European Financial Stability Facility) vorübergehend nebeneinander aufzuspannen. Damit werde das Kreditvolumen in einer Übergangszeit auf 700 Mrd. EUR anwachsen. Das habe zur Folge, dass sich das Risiko für den deutschen Steuerzahler bis Sommer 2013 von 211 Mrd. EUR auf bis zu 280 Mrd. EUR erhöhe. Und das Risiko bleibe für 30 Jahre erhalten.
Mal wieder sei ein Nein verworfen und eine rote Linie überschritten worden. Das scheine ein neuer Dreikampf für Politiker geworden zu sein: Diskutieren, dementieren und dennoch realisieren. Aber wenn man sich die Erklärungsversuche unserer Politiker zu Gemüte führe, dann wisse man nicht, ob man weinen, oder lachen solle. Aus CDU-Kreisen heiße es z.B.: "Durch die höhere Brandmauer (...) sei das Risiko wesentlich geringer geworden, dass es zu einer Haftung kommen wird." Man verlasse sich hierbei auf die Wirksamkeit einer Schaufensterauslage, aber eine Brandmauer könne nur wirklich helfen, wenn man den Feuerteufeln auch das Streichholz wegnehme, sprich den Finanzmärkten neue Spielregeln verordne.
Ein kleines unbeugsames Land, eher ein Inselstaat, verfolge noch demokratische Prinzipien. Irland lasse als einziger europäischer Mitgliedsstaat - wie bereits bei den EU-Verträgen von Nizza und Lissabon - die Vereinbarungen durch das Volk legitimieren. Die Iren würden am 31. Mai über den EU-Fiskalpakt für eine strengere Haushaltsdisziplin abstimmen.
Nachdem sich bereits Großbritannien und Tschechien auf jeden Fall nicht an dem EU-Fiskalpakt beteiligen wollten, bestehe das Risiko, dass ein weiteres Land ausscheren werde. Der Fiskalpakt werde aber auch ohne Irland in Kraft treten. Doch eine Ablehnung werde den Zugang zu dem neuen Rettungsfonds der EU, dem European Stability Mechanism (ESM) und damit zu neuen und notwendigen Krediten verhindern. Doch wie werde man sich in der EU nach einem "Nein" verhalten? Ein Ausschluss aus der EU sei nicht vorgesehen und vorstellbar. Aber auch dann werde gelten: Wer zahle, schaffe an!
Ende gut alles gut? Nachdem die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) das zweite Rettungspaket an Griechenland genehmigt hat, schienen die Kapitalmärkte zur Tagesordnung überzugehen, so die Analysten der Baader Bank. Doch am Horizont seien bereits wieder dunkle Wolken zu sehen. Zwar würden die Neuwahlen in Griechenland immer weiter hinausgezögert, doch im Moment stehe der 8. Mai im Raum. Bei der Wahl Anfang Mai gelte es keineswegs als sicher, dass die aktuelle Koalition unter Ministerpräsident Lucas Papademos die Wahl gewinnen werde.
Nach den neuesten Umfragen würden den beiden Traditionsparteien, den Konservativen und den Sozialisten, wegen der Sparbeschlüsse deutliche Stimmenverluste drohen. Es sei davon auszugehen, dass die Gegner der Reformen, also linke und rechte Splittergruppen, ein Votum von weiten Teilen der Bevölkerung erhalten. Würden sie dann die Sparbeschlüsse rückgängig machen? Wenn ja, wie werde die EU darauf reagieren? Dies sei aber nur ein wichtiges Ereignis.
An der Börse sei auch die Präsidentschaftswahl der Franzosen am 22. April ein Thema. Der Ausgang sei mehr als ungewiss und werfe deshalb einen Schatten bis in den Wonnemonat Mai hinein. Obwohl der bisherige Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei den Terroranschlägen eine gute Figur gemacht habe, würden seinem Konkurrenten François Hollande gute Chancen eingeräumt, einen zweiten Wahlgang zu erzwingen. Daher sei es möglich, dass die Franzosen am 6. Mai zu einer zweiten Abstimmung aufgerufen würden.
Der französische Sozialistenchef François Hollande habe für den Fall eines Sieges bei der Präsidentenwahl Korrekturen am kürzlich beschlossenen europäischen Fiskalpakt angekündigt. Er mache sich für gemeinsame europäische Anleihen und eine erweiterte Zuständigkeit der Europäischen Zentralbank stark. Das Fiskalpaket, das eine Schuldenbremse enthalte, habe Hollande als Illusion und risikobehaftet bezeichnet. Wie würden sich dann die Finanzminister und Regierungschefs der anderen europäischen Staaten verhalten? Wie werde Deutschland auf den Wunsch nach europäischen Anleihen reagieren? Somit werde auch in diesem Jahr der alte Spruch der Börsianer wiederbelebt: "Alles neu macht der Mai."
Der Emissionszug rolle mit unveränderter Geschwindigkeit weiter. Und das, obwohl die konjunkturellen Signale nicht unterschiedlicher sein könnten. Die Beweggründe der Investoren seien aber sehr unterschiedlich. Die einen hätten Liquidität, die nach Anlage verlange und andere würden Unternehmen mehr als Staaten trauen, und die höheren Renditen zur Neuanlage nutzen.
So habe das Bad Homburger Gesundheitsunternehmen Fresenius eine 500 Mio. EUR große Anleihe mit Laufzeit 2019 und einem Kupon von 4,25% am Kapitalmarkt platzieren können. Dass die Anleihe teilweise unter dem Emissionskurs gehandelt worden sei, sei damit zu begründen, dass sie im Vergleich mit den bestehenden Anleihen zu teuer gepreist worden sei. Das Unternehmen werde mit BB+ benotet.
Dagegen habe das finnische Mineralölunternehmen Neste Oil seinen Investoren 4% bieten müssen, um 250 Mio. EUR an frischem Kapital bis 2017 einzusammeln. Der Stahlkonzern ArcelorMittal habe sich ebenso die derzeit günstigen Refinanzierungsbedingungen gesichert und zu 4,25% 500 Mio. EUR über den Kapitalmarkt mit einer Laufzeit bis 2018 aufnehmen können. Mit Baa3/BBB- sei das Unternehmen nur noch eine Stufe vom Ramschbereich entfernt.
Das größte Telekommunikationsunternehmen Österreichs, Telekom Austria, habe sich über zehn Jahre in einem Volumen von 750 Mio. EUR refinanziert. Das Unternehmen (Baa1, BBB) habe dafür 4% als Zins bieten müssen.
Sehr gut platziert werden können habe auch eine neue Anleihe des Rohstoffhändlers Glencore AG (ISIN JE00B4T3BW64 / WKN A1JAGV). Die 4-fach überzeichnete Anleihe werde mit 4,125% verzinst und in 2018 zurückbezahlt. Zu den gleichen Bedingungen (Kupon und Laufzeit) sei auch der spanische Stromkonzern Iberdrola SA im Volumen von 1 Mrd. EUR am Kapitalmarkt aktiv gewesen.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (29.03.2012/alc/a/a)
Bereits vor mehreren Wochen hätten sich die Analysten noch verwundert die Augen gerieben hinsichtlich der Idee einer nachträglichen Änderung der Anleihebedingungen. Angesichts des immensen Refinanzierungsbedarfs der Staaten, Länder, Kommunen und Unternehmen sollten alle Bedürftigen darauf achten, dass die Investoren nicht das Vertrauen in die Sache verlieren würden.
Nachdem Griechenland den ersten Teil umgetauscht habe, sei es für den zweiten Teil nun zu einer Fristverlängerung bis zum 4. April gekommen. Diese sei seitens Athens sicherlich nicht gewährt worden, weil die Zustimmung zu groß gewesen sei. Nein, die Rettung Griechenlands stehe immer noch auf des Messers Schneide. Wie kleine Kinder seien die Gläubiger nochmals aufgefordert worden, in sich zu gehen und ihr Verhalten zu überprüfen. Nur Realitätsfremde könnten glauben, dass die Unbeugsamen nachgeben würden. Never ever! Durch Griechenland sei allerdings ein Verhalten initiiert worden, das die Investoren umdenken lasse.
Praktiker habe von den Gläubigern eine Absage erhalten und müsse sich nun auf anderen Wegen neues Kapital suchen. Die Altgläubigen jedenfalls seien nicht dazu bereit gewesen, eine rückwirkende Kuponreduzierung mit zu tragen. Ermöglicht werde das daraus entstehende Chaos aber durch ein bisher in der Öffentlichkeit fast nicht wahrgenommenes Gesetz, das Schuldverschreibungs-Gesetz (SchVG). Darin sei geregelt, dass für die nach deutschem Recht begebenen Schuldverschreibungen durch Mehrheitsbeschlüsse der Gläubiger die Anleihebedingungen für alle Gläubiger derselben Anleihe nachträglich noch geändert werden dürften.
Dieses Gesetz gelte zwar nicht für gedeckte Schuldverschreibungen im Sinne des Pfandbriefgesetzes oder für Anleihen des Bundes, der Länder und Gemeinden. Aber es gebe Anwendungsmöglichkeiten. Erst vor wenigen Tagen seien die Gläubiger der Anleihe (ISIN DE000A0KAH37/ A0KAH3) der CCG Cool Chain Group Holding AG, Bremen, zu einer Gläubigerversammlung eingeladen worden. Mit einer Einladungsfrist von 14 Tagen solle dann am 5. April 2012 über eine Veränderung der Fälligkeit der Hauptforderung entschieden werden. Früher habe an den Börsen das gesprochene Wort gegolten und auf Anleihen würden entsprechend die niedergeschriebenen Bedingungen übertragen. Das könne ja noch heiter werden.
Für viele Experten sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble umfallen würden. Und nun sei es soweit. Die Euro-Finanzminister würden am Freitag in Kopenhagen beschließen, dass die Euro-Rettungsschirme aufgestockt würden. Dies galt lange Zeit als nicht mit uns umsetzbar, so die Analysten der Baader Bank.
Aber nachdem der Druck von außen stetig erhöht worden sei, habe Frau Merkel nun erstmals ihre Bereitschaft signalisiert, den dauerhaften Rettungsschirm ESM (Europäische Stabilitätsmechanismus) und seinen zeitlich begrenzten Vorgänger EFSF (European Financial Stability Facility) vorübergehend nebeneinander aufzuspannen. Damit werde das Kreditvolumen in einer Übergangszeit auf 700 Mrd. EUR anwachsen. Das habe zur Folge, dass sich das Risiko für den deutschen Steuerzahler bis Sommer 2013 von 211 Mrd. EUR auf bis zu 280 Mrd. EUR erhöhe. Und das Risiko bleibe für 30 Jahre erhalten.
Mal wieder sei ein Nein verworfen und eine rote Linie überschritten worden. Das scheine ein neuer Dreikampf für Politiker geworden zu sein: Diskutieren, dementieren und dennoch realisieren. Aber wenn man sich die Erklärungsversuche unserer Politiker zu Gemüte führe, dann wisse man nicht, ob man weinen, oder lachen solle. Aus CDU-Kreisen heiße es z.B.: "Durch die höhere Brandmauer (...) sei das Risiko wesentlich geringer geworden, dass es zu einer Haftung kommen wird." Man verlasse sich hierbei auf die Wirksamkeit einer Schaufensterauslage, aber eine Brandmauer könne nur wirklich helfen, wenn man den Feuerteufeln auch das Streichholz wegnehme, sprich den Finanzmärkten neue Spielregeln verordne.
Ein kleines unbeugsames Land, eher ein Inselstaat, verfolge noch demokratische Prinzipien. Irland lasse als einziger europäischer Mitgliedsstaat - wie bereits bei den EU-Verträgen von Nizza und Lissabon - die Vereinbarungen durch das Volk legitimieren. Die Iren würden am 31. Mai über den EU-Fiskalpakt für eine strengere Haushaltsdisziplin abstimmen.
Nachdem sich bereits Großbritannien und Tschechien auf jeden Fall nicht an dem EU-Fiskalpakt beteiligen wollten, bestehe das Risiko, dass ein weiteres Land ausscheren werde. Der Fiskalpakt werde aber auch ohne Irland in Kraft treten. Doch eine Ablehnung werde den Zugang zu dem neuen Rettungsfonds der EU, dem European Stability Mechanism (ESM) und damit zu neuen und notwendigen Krediten verhindern. Doch wie werde man sich in der EU nach einem "Nein" verhalten? Ein Ausschluss aus der EU sei nicht vorgesehen und vorstellbar. Aber auch dann werde gelten: Wer zahle, schaffe an!
Ende gut alles gut? Nachdem die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) das zweite Rettungspaket an Griechenland genehmigt hat, schienen die Kapitalmärkte zur Tagesordnung überzugehen, so die Analysten der Baader Bank. Doch am Horizont seien bereits wieder dunkle Wolken zu sehen. Zwar würden die Neuwahlen in Griechenland immer weiter hinausgezögert, doch im Moment stehe der 8. Mai im Raum. Bei der Wahl Anfang Mai gelte es keineswegs als sicher, dass die aktuelle Koalition unter Ministerpräsident Lucas Papademos die Wahl gewinnen werde.
Nach den neuesten Umfragen würden den beiden Traditionsparteien, den Konservativen und den Sozialisten, wegen der Sparbeschlüsse deutliche Stimmenverluste drohen. Es sei davon auszugehen, dass die Gegner der Reformen, also linke und rechte Splittergruppen, ein Votum von weiten Teilen der Bevölkerung erhalten. Würden sie dann die Sparbeschlüsse rückgängig machen? Wenn ja, wie werde die EU darauf reagieren? Dies sei aber nur ein wichtiges Ereignis.
An der Börse sei auch die Präsidentschaftswahl der Franzosen am 22. April ein Thema. Der Ausgang sei mehr als ungewiss und werfe deshalb einen Schatten bis in den Wonnemonat Mai hinein. Obwohl der bisherige Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei den Terroranschlägen eine gute Figur gemacht habe, würden seinem Konkurrenten François Hollande gute Chancen eingeräumt, einen zweiten Wahlgang zu erzwingen. Daher sei es möglich, dass die Franzosen am 6. Mai zu einer zweiten Abstimmung aufgerufen würden.
Der französische Sozialistenchef François Hollande habe für den Fall eines Sieges bei der Präsidentenwahl Korrekturen am kürzlich beschlossenen europäischen Fiskalpakt angekündigt. Er mache sich für gemeinsame europäische Anleihen und eine erweiterte Zuständigkeit der Europäischen Zentralbank stark. Das Fiskalpaket, das eine Schuldenbremse enthalte, habe Hollande als Illusion und risikobehaftet bezeichnet. Wie würden sich dann die Finanzminister und Regierungschefs der anderen europäischen Staaten verhalten? Wie werde Deutschland auf den Wunsch nach europäischen Anleihen reagieren? Somit werde auch in diesem Jahr der alte Spruch der Börsianer wiederbelebt: "Alles neu macht der Mai."
So habe das Bad Homburger Gesundheitsunternehmen Fresenius eine 500 Mio. EUR große Anleihe mit Laufzeit 2019 und einem Kupon von 4,25% am Kapitalmarkt platzieren können. Dass die Anleihe teilweise unter dem Emissionskurs gehandelt worden sei, sei damit zu begründen, dass sie im Vergleich mit den bestehenden Anleihen zu teuer gepreist worden sei. Das Unternehmen werde mit BB+ benotet.
Dagegen habe das finnische Mineralölunternehmen Neste Oil seinen Investoren 4% bieten müssen, um 250 Mio. EUR an frischem Kapital bis 2017 einzusammeln. Der Stahlkonzern ArcelorMittal habe sich ebenso die derzeit günstigen Refinanzierungsbedingungen gesichert und zu 4,25% 500 Mio. EUR über den Kapitalmarkt mit einer Laufzeit bis 2018 aufnehmen können. Mit Baa3/BBB- sei das Unternehmen nur noch eine Stufe vom Ramschbereich entfernt.
Das größte Telekommunikationsunternehmen Österreichs, Telekom Austria, habe sich über zehn Jahre in einem Volumen von 750 Mio. EUR refinanziert. Das Unternehmen (Baa1, BBB) habe dafür 4% als Zins bieten müssen.
Sehr gut platziert werden können habe auch eine neue Anleihe des Rohstoffhändlers Glencore AG (ISIN JE00B4T3BW64 / WKN A1JAGV). Die 4-fach überzeichnete Anleihe werde mit 4,125% verzinst und in 2018 zurückbezahlt. Zu den gleichen Bedingungen (Kupon und Laufzeit) sei auch der spanische Stromkonzern Iberdrola SA im Volumen von 1 Mrd. EUR am Kapitalmarkt aktiv gewesen.
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