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Mittelstandsanleihen auf dem Weg zu professionellen Covenant-Standards


19.02.14 14:34
Scope Analysis

Berlin (www.anleihencheck.de) - Scope Ratings beobachtet einen klaren Trend hin zu Gläubigerschutzklauseln (Covenants) in den Anleihebedingungen deutscher Mittelstandsanleihen, so die Analysten von Scope Analysis.

Deutlich unterrepräsentiert seien bislang jedoch Financial Covenants. Hier sehe Scope Handlungsbedarf.

Diese Ergebnisse würden aus einer heute veröffentlichten Studie zu Covenants im deutschen Markt für Mittelstandsanleihen hervorgehen. Für die Studie seien die Anleihebedingungen von 157 gelisteten Anleihen mittelständischer Emittenten ausgewertet worden. Die Kernergebnisse im Detail:

Während im Jahr 2010 im Durchschnitt nur eine Schutzklausel in den Anleihebedingungen der Emissionen festgeschrieben worden sei, seien es 2013 durchschnittlich bereits 3,5 pro Anleihe gewesen. Den größten Zuwachs seit 2010 registriere Scope bei Kontrollwechsel-Klauseln (Change of Control), Ausschüttungssperren (Payout Blocks) und Drittverzugs-Klauseln (Cross Default). Weniger als 6% aller seit 2010 emittierten börsengelisteten SME-Anleihen würden keinerlei Schutzklauseln oder Besicherungen aufweisen.

Trotz deutlicher Zunahme der Gewährung von Gläubigerschutzklauseln würden gravierende Unterschiede in der Qualität dieser Klauseln existieren. Aus Sicht von Scope würden sich zu häufig reine "Pro-forma"-Covenants in den Anleihebedingungen befinden, die keinen materiellen Gläubigerschutz bieten würden.

Von den fest etablierten Covenants-Standard-Sets professionalisierter Anleihenmärkte wie zum Beispiel dem LargeCap-Segment oder auch dem US-Highyield-Bondmarkt sei der deutsche Mittelstandsanleihenmarkt noch weit entfernt. Insbesondere Financial Covenants, die große Schutzwirkung für Anleihegläubiger entfalten könnten, seien bislang massiv unterrepräsentiert: Nur rund jede zehnte der im vergangenen Jahr begebenen Mittelstandsanleihen verfüge über Financial Covenants.

Obwohl die Nachfrage nach Anleihen in erster Linie durch Fundamentaldaten bzw. Anleihespezifika determiniert werde, beobachte Scope einen tendenziellen Zusammenhang zwischen Anleihen mit überdurchschnittlicher Platzierungsquote und Anleihen mit komplexen - das heiße, umfangreichen und aus Investorensicht hochwertigen - Covenant-Strukturen. Dies lasse auf ein höheres Investoren-Vertrauen schließen.

Für Scope als Ratingagentur gelte bei Covenants Klasse statt Masse. Scope bemesse Schutzklauseln eine höhere Bedeutung zu, die das Risikoprofil von Emittenten während der Laufzeit der Anleihe senken würden. Dazu würden vor allem Financial Covenants zählen. Scope halte eine weitere Professionalisierung des Marktsegments für notwendig. Als Richtschnur für die Entwicklung eines Standardsets für SME-Anleihen könnten die in dieser Studie untersuchten Covenants dienen. Grundsätzlich gelte jedoch: Covenants müssten auf die jeweilige Emission bzw. das emittierende Unternehmen zugeschnitten sein. (19.02.2014/alc/n/a)