Geldmärkte drücken Rentenrenditen


16.01.12 10:09
fairesearch

Frankfurt (anleihencheck.de) - Die beste Performance erzielten in 2011 die Staatsanleihen in den USA und Deutschland, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Sie hätten den Ruf eines "sicheren Hafens". Der Goldpreis pro Unze an zweiter Stelle sei im Vorjahr dagegen "nur" in USD um 10 % bzw. in EUR um fast 15% gestiegen. Der Dow Jones habe stagniert, der DAX um 15% nachgegeben.

Frage man nach der Ursache des Rückgangs der genannten Rentenrenditen, könne nur gefolgert werden, dieses Segment des Finanzmarktes sei fast ausschließlich durch die ultraexpansive Geldpolitik der Zentralbanken getrieben worden und werde vermutlich Ende 2012 hinsichtlich der Performance die letzte Stelle einnehmen. Kapitalangebot und -nachfrage würden in 2012 wieder in einem so angespannten Verhältnis stehen, dass nur durch die Hilfe der Notenbanken ein labiles Gleichgewicht erreicht werden könne. Für die Anleger würden Rentenrenditen von weniger als 3% nach Steuern nicht einmal einen Inflationsausgleich bieten. Treasuries und Bunds seien keinesfalls ein "sicherer Hafen", wenn man sich die ununterbrochen steigende Staatsverschuldung vor Augen führe.

Der Emissionsbedarf der Emittenten bleibe ungebrochen hoch. Der Schuldendienst (Soll-Zinsen und Tilgungen) nehme immer größere Teile der Budgets in Anspruch. In keinem einzigen Land sei eine Rückzahlung bestehender Schulden vorgesehen. In den USA werde die erst im letzten Herbst festgelegte Schuldenobergrenze von USD 15,194 Billionen in aller Kürze schon wieder erreicht. In der Eurozone würden in 2012 Emissionen in Höhe von rund 1,5 Billionen EUR zur Finanzierung von Defiziten und Tilgungen oder 15,5% des BIPs (USA 24,3%) benötigt.

Die Finanzierung der Staatsschulden gehe nicht ohne die Notenpresse. Der moderne Begriff "quantitative Lockerungen" sei nichts anderes als Schönreden einer nach klassischen Regeln verwerflichen Maßnahme. Die EZB habe inzwischen für EUR 213,0 Mrd. Anleihen von Peripherieländern der Eurozone gekauft. Die FED habe Staatsanleihen erworben in Höhe von USD 1.330 Mrd. (Budgetdefizit der letzten zwölf Monate USD 1.352 Mrd.). Auch die BoE verfolge ein Ankaufprogramm von Staatsanleihen von GBP 275 Mrd. Die Notenbanken würden Geld drucken, damit die umlaufende Geldmenge erhöhen, es überaus preiswert der Regierung leihen, die damit einen Teil ihrer Ausgaben finanziere, und hoffen, dass sie das gestiegene Geldvolumen eines Tages wieder abschöpfen könnten, damit es nicht inflationär wirke.

Deflationäre Tendenzen, wie z.B. sinkende Kreditnachfrage, würden eine vordergründige Rechtfertigung liefern. Die Disziplinierung der Finanzminister und Treasurer, der Kämmerer, einen ausgeglichenen Haushalt anzustreben, werde aufgehoben. Dadurch komme die absurd hohe Gesamtverschuldung der öffentlichen Haushalte erst zustande. Dies sei der wichtigste Grund für die jüngsten Herabstufungen durch S&P. Schulden würden Abhängigkeit von Kreditoren verursachen.

Durch die scheinbar ausweglose Situation der öffentlichen Finanzen dränge sich die Vermutung auf, dass die überschuldeten Staatshaushalte letztenendes wiederum durch Inflationierung saniert würden. Die reale Performance der Langläufer sei gefährdet. (16.01.2012/alc/m/a)






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