Euro-Govies Verunsicherung der Anleger nimmt weiter zu


24.11.11 12:43
HSH Nordbank AG

Hamburg (anleihencheck.de) - Die Verunsicherung der Anleger am europäischen Staatsanleihemarkt hat gestern weiter zugenommen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Staatsschuldenkrise habe jetzt auch den Kern der Eurozone erreicht. Hauptaufreger sei dabei die desaströs verlaufene Emission der neuen zehnjährigen Bunds gewesen. Bei einem Emissionsvolumen von 6 Mrd. EUR seien nur 3,9 Mrd. EUR an Geboten zusammengekommen, was einem bid to cover-ratio von nur 0,65 entspreche. Die Bundesbank als Hausbank des Bundes habe daher eine deutlich größere "Marktpflegequote" nehmen müssen als üblich. Beobachtern zufolge sei das die am schlechtesten verlaufene Bund-Auktion seit Bestehen der Währungsunion gewesen.

Nach Bekanntgabe des Auktionsergebnisses sei der Sekundärmarkt deutlich unter Abgabedruck geraten, die Rendite der marktführenden zehnjährigen Bunds sei um 14 BP in die Höhe geschossen. Besonders hart habe es gestern belgische OLOs mit Renditesprüngen von 40 und mehr Stellen erwischt. Auslöser hierfür seien die abermals gescheiterten Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung. Die seit 18(!) Monaten geschäftsführende Regierung Leterme werde für 2012 jetzt wohl einen Nothaushalt auf Basis des 2011er-Budgets aufstellen. Für die kommende Woche angesetzte OLO-Auktion bedeute das nichts Gutes.

Auf der politischen Bühne biete Europa - befeuert von Barrosos neuerlichem Vorpreschen mit drei Vorschlägen zu Eurobonds - derzeit wieder einmal ein höchst zerstrittenes Bild. Dass die Eurobonds jetzt "Stabilitätsanleihen" heißen würden und in Kombination mit härteren Haushaltskontrollrechten für Brüssel kommen sollten, mache die Sache nicht besser. Was habe der Mann eigentlich am "Nein" aus Deutschland nicht verstanden? Oder hoffe er etwa, dass die Bundesregierung quasi als Gegenleistung für eine drastische Verschärfung des Maastricht-Vertrages hier letztendlich doch einknicken werde?

Bei den Bund-Investoren stoße das jedenfalls sauer auf, wie die gestrige Auktion gezeigt habe. Dramatisch sei der gestrige Flop allerdings nach Erachten der Analysten nicht, denn er sei erstens durch die Ausgestaltung des Auktionsverfahrens systembedingt und zweitens ja nicht die erste Emission, bei der nicht genug Gebote zusammengekommen seien. Schwierig selbst für den Bund sei allerdings das aktuelle Marktumfeld, denn außereuropäische Investoren würden sich mit neuen Anlagen in der Eurozone zunehmend zurückhalten oder diese gar gezielt abbauen. Und innerhalb der Eurozone hätten die Anleger im Zuge der schon seit geraumer Zeit anhaltenden Flucht in die Qualität bereits massenweise Mittel in Bunds umgeschichtet. Da könne eine Neuemission zu rekordniedrigen Zinsen schon mal durchfallen.

Bedenklich würde es allerdings dann, wenn die Top-Bonität Deutschlands durch zusätzliche Mithaftung für die Schulden der anderen, bonitätsschwächeren Euroland-Staaten gefährdet würde. Eng werde es diesbezüglich laut Fitch für Frankreich. Die Ratingagentur sehe hier keinen Spielraum mehr für eine zusätzliche Lastenübernahme, wenn nicht das AAA-Rating des Landes in Gefahr geraten solle. Die neuerliche Diskussion mit Belgien über die Tragung der Lasten aus der Dexia-Rettung (u.a. umfangreiche
Liquiditätsgarantien) komme da zur Unzeit.

Die entscheidende Frage sei jetzt: Sei das gestern nur ein Ausrutscher gewesen oder würden sich die Anleger jetzt auch verstärkt aus Bunds verabschieden? Die Analysten würden nicht davon ausgehen, dass Bunds jetzt mit in den Strudel gerissen würden, denn die Bundesregierung werde Eurobonds nicht zustimmen - basta! Vielmehr sollte sich die Aufregung im Tagesverlauf legen und dann wieder auf greifbarere Dinge richten.

So werde es z.B. darauf ankommen, ob IWF und EU die von Herrn Samaras verfasste Selbstverpflichtung auf die Griechenland-Rettungspakete trotz seiner Modifikationswünsche akzeptiere. Für verbale Entlastung sei zudem ein Treffen von Merkel und Sarkozy mit Italiens neuem Premier Monti gut, das dessen Reformpolitik stützen sollte. Als kursstabilisierend dürfte sich zudem der erneute Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex erweisen. Nach dem gestrigen Kurseinbruch erwarte man für den Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) nach einer schwächeren Eröffnung unter dem Strich heute noch eine behauptete Tagestendenz. (24.11.2011/alc/m/a)






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