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Branchen unterscheiden sich im SME-Markt deutlich


17.10.13 09:51
Scope Analysis

Berlin (www.anleihencheck.de) - Bei Risikoaufschlägen, Volatilitäten und Defaults gibt es deutliche Branchenunterschiede bei Mittelstandsanleihen, so die Analysten von Scope Analysis.

Interessant dabei: Im Sektor mit den im Durchschnitt geringsten Risikoaufschlägen zum Emissionszeitpunkt habe es die meisten Ausfälle gegeben.

Scope habe sämtliche seit 2010 begebenen Anleihen mittelständischer Unternehmen nach Branchen klassifiziert. Die 147 betrachteten Anleihen seien sowohl an den speziellen Mittelstands- als auch an anderen Segmenten deutscher Börsen gelistet. Bei der Sektor-Aufteilung sei auf die zehn Hauptkategorien des Global Industry Classification Standard (GICS) abgestellt worden. Das Ergebnis: Die vier bestimmenden Sektoren im deutschen Mittelstandsanleihemarkt seien "Finanzwesen/ Immobilien", "Versorgungsbetriebe/ Stromerzeuger", "Industrie" und "Nicht-Basiskonsumgüter". Sie würden zusammen fast 80% des gesamten Emissionsvolumens in Höhe von 7,2 Mrd. Euro vereinen.

Scope beobachte die höchsten Risikoaufschläge im Sektor "Industrie". Die bislang 20 Anleihen in diesem Sektor hätten zum Emissionszeitpunkt einen Spread von durchschnittlichen 650 Basispunkten aufgewiesen (Referenz: fünfjährige Bundesanleihen).

Die im Durchschnitt niedrigsten Spreads würden Unternehmen des Sektors "Versorgungsbetriebe/ Stromerzeuger" zeigen. Bei den bislang 26 Anleihen dieser Branche, zu der auch das Gros der Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien zähle, liege der durchschnittliche Risikoaufschlag zum Zeitpunkt der Emission bei 540 Basispunkten. In Anbetracht der zahlreichen Insolvenzen in diesem Bereich sei der Spread bei Emission hier tendenziell zu gering gewesen. Das vergleichsweise hohe Risiko sei aus Investorensicht nicht angemessen eingepreist worden.

Eine Erklärung: Die Stabilität, die Investoren grundsätzlich mit Versorgern assoziieren würden, sei auch auf Erneuerbare-Energien-Unternehmen übertragen worden. Die Risiken, die aus einer deutlichen Reduktion der öffentlichen Förderung bei zugleich massiver Verschärfung der Konkurrenzsituation resultieren würden, seien hingegen unterschätzt worden.

Mit durchschnittlich 550 Basispunkten würden auch die 35 Mittelstandsanleihen des Sektors "Finanzen/ Immobilien" vergleichsweise niedrige Spreads zum Zeitpunkt der Emission zeigen. Zurückzuführen sei dies vor allem auf den hohen Anteil von Immobilienunternehmen. Der geringere Risikoaufschlag von Immobilienunternehmen lasse sich allerdings weniger mit besseren Emittenten-Bonitäten als vielmehr durch den großen Umfang an Besicherungen erklären - mehr als die Hälfte der Immobilienunternehmen habe die begebene Anleihe mit Grundschulden besichert. Diese zusätzlichen Sicherheiten würden aus Investorensicht das Risiko von hohen Verlusten und in der Tendenz den Risikoaufschlag senken.

Neben den Risikoaufschlägen habe Scope auch die Volatilität der Anleihekurse analysiert. Für jeden Sektor seien die Kursschwankungen sämtlicher Anleihen seit Erstnotierung betrachtet worden. Das Ergebnis: Die geringste Volatilität mit durchschnittlich 11,5% p.a. würden Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüter zeigen. Signifikant höhere Volatilitäten beobachte Scope hingegen für Anleihen von "Versorgern" (23,7% p.a.). Insgesamt entspreche das Volatilitätsniveau bei Mittelstandsanleihen damit eher Aktien-Investments. Zum Vergleich: Die Volatilität des DAX betrage seit 2010 rund 18,6% p.a. Die Volatilität von Anleihen deutscher Large-Cap-Unternehmen hingegen liege deutlich im einstelligen Prozentbereich.

Die extrem hohen Volatilitäten der insolventen Anleihen habe Scope zwar aus der Berechnung ausgeklammert (um stark verzerrende Effekte zu vermeiden), dennoch sei die hohe Anzahl von Ausfällen für die hohe Volatilität des Sektors "Versorgungsbetriebe/ Stromerzeuger" verantwortlich. Der Grund: Unternehmensinsolvenzen würden nicht nur zu hohen Kursschwankungen der betroffenen Anleihen führen, sondern würden in der Regel auch die Volatilität des gesamten Sektors (Spill-over-Effekt) erhöhen.

Fast alle insolventen Unternehmen seien mit dem Thema erneuerbare Energien verbunden - der Großteil davon als "Versorger" wie beispielsweise die Windreich AG aber auch als Komponentenproduzent aus dem Sektor "Industrie" wie zum Beispiel SIAG Schaaf Industrie AG.

Nach Ansicht von Scope würden sich die Parameter bei Neuemissionen aus dem Bereich Erneuerbare Energien zukünftig ändern. Emittenten würden dabei zum einen deutlich höhere Risikoaufschläge als bislang zahlen müssen. Zum anderen rechne Scope mit einer stärkeren Verlagerung in diesem Segment hin zu besicherten Projektanleihen (Asset Based Debt Instruments).

Weiterhin hohe Emissionstätigkeit erwarte Scope im Sektor "Finanzwesen/ Immobilien" - vor allem Immobilienunternehmen würden sich 2014 noch umfangreicher mit besicherten Anleihekonzepten über den Kapitalmarkt finanzieren. Darüber hinaus erwarte Scope mit zunehmendem Reifegrad des Mittelstandsanleihemarktes steigende Emissionsvolumina in den bislang unterrepräsentierten Sektoren - vor allem bei "Telekommunikation", "IT" und "Gesundheitswesen". (17.10.2013/alc/n/a)