Es entspricht menschlicher Psychologie, erst dann effektiv zu reagieren, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Vorher hofft man darauf, dass es das eben nicht tut, trotz vernachlässigter Vorkehrungen. Ich denke, man müsste verrückt werden, wollte man sein Leben stets entlang möglicher Worst Case Szenarien planen. Darauf, sich die Fähigkeit zur effektiven Reaktion dann wenn es kracht zu erhalten, kommt es an. Vermutlich meint das auch Taleb* mit seinem Ruf nach 'Antifragilität'.
Die Hoffnung, dass es nicht gar so schlimm kommen möge, ist aber was anderes als bewusstes Verschweigen der Risiken. Im Falle einer Pandemie wäre Vertuschung aufgrund der Vielzahl der aktiv sowie passiv Involvierten auch gar nicht denkbar. Eine andere Frage ist, wie man sein höchst persönliches Risiko definieren will. Tatsache ist ja auch, dass die 29 Jährige ohne bekannte Vorerkrankungen nicht durchgebracht werden kann, während bei der 102 Jährigen noch nicht mal Schrammen zurückbleiben (aus meinem Umfeld).
Für mich selbst ist die Sache nicht mehr abstrakt, ich nehm die Bedrohung seit gut 5 Wochen sehr ernst. Dh grundsätzlich FFP2 in potentiell kritischen Kontaktsituationen zu tragen und diese selbst nach Möglichkeit zu vermeiden, damit sollte der Normalbürger (ex pflegerisches und ärztliches Personal) eigentlich eine effektive Risikokontrolle hinbekommen. Sollten die Variablen dafür nicht bekannt sein, werde ich sie hier gerne noch mal wiederholen.
* Das Antifragile steht Zufälligkeit und Ungewissheit positiv gegenüber, und das beinhaltet auch – was entscheidend ist – die Vorliebe für eine bestimmte Art von Irrtümern. Antifragilität hat die einzigartige Eigenschaft, uns in die Lage zu versetzen, mit dem Unbekannten umzugehen, etwas anzupacken – und zwar erfolgreich –, ohne es zu verstehen.“ (Antifragilität, S. 21/22) ----------- relativism is vulgar materialism, thought disturbs the business |