Brüssel (Reuters) - Die EU hat bestätigt, dass der jüngste Ausbruch der Vogelgrippe im Osten der Türkei auf die gefährliche Virus-Variante H5N1 zurückzuführen ist.
Die Europäische Kommission teilte am Samstag mit, das zuständige Labor der Europäischen Union (EU) in Weybridge habe ihr diesen Befund übermittelt. Im Osten der Türkei waren in den vergangenen Tagen drei Kinder an der Krankheit gestorben. Es sind die ersten bekannten Vogelgrippe-Toten außerhalb Südostasiens und Chinas. Die Krankheit ist mittlerweile auch wieder im Westen der Türkei ausgebrochen. Das Landwirtschaftsministerium hatte am Freitag mitgeteilt, die Vogelgrippe sei bei zwei Wildenten rund 100 Kilometer westlich von Ankara festgestellt worden. Der Fund deutet darauf hin, dass Zugvögel das Virus in der Türkei verbreiten. Experten hatten davor gewarnt.
Das kleine Städtchen Dogubayazit kennt seit dieser Woche jeder türkische Fernsehzuschauer. Es liegt im tiefsten Osten unmittelbar an der iranischen Grenze und gehört zu den ärmsten Regionen des Landes. Von hier stammen die drei Geschwister (11, 14 und 15 Jahre), die in den ersten Tagen nach Neujahr die ersten türkischen Opfer der Vogelgrippe wurden.
Der Vater der Kinder, ein kleiner Bauer, betrieb Tierhaltung vor allem zur Selbstversorgung. Er hatte sein Geflügel geschlachtet, als es merkwürdige Symptome zeigte, die auf den Vogelgrippe-Virus H5N1 hinwiesen, um es wenigstens für den Verzehr zu retten.
Die drei Kinder, die auch sonst engen Kontakt zu lebendem Geflügel hatten, hatten mit Köpfen der getöteten Hühner gespielt und daraufhin hohes Fieber, Halsentzündungen und Husten bekommen. Erst nach einer Woche wurden sie von ihren Eltern in das Krankenhaus der Provinzstadt Van gebracht, wo für sie jede Hilfe zu spät kam. Untersuchungen ergaben, daß zwei der Kinder dem Virus H5N1 zum Opfer gefallen waren. Woran das dritte starb, ist noch ungeklärt.
Der tragische Vorfall, der in erster Linie auf fahrlässige Unwissenheit zurückzuführen ist, löste in der Türkei heftige Reaktionen aus. Eine große Aufklärungskampagne wurde gestartet, Soldaten rückten in Schutzanzügen aus, um infiziertes Federvieh zu beschlagnahmen und zu vernichten. Die Zahl der getöteten Tiere ist inzwischen auf über 14 000 gestiegen. Gestern schließlich verbot die Regierung landesweit die Jagd auf Vögel, weil sich der Virus immer weiter und schneller ausbreitet.
Inzwischen sind zehn Infektionsherde in sechs der 81 Provinzen des Landes festgestellt worden. In Istanbul wurden sieben Menschen mit auf Vogelgrippe hindeutenden Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert. Im osttürkischen Van, wo die drei Geschwister starben, werden derzeit mehr als zwanzig Patienten mit Vogelgrippe-Symptomen behandelt.
Grund zu Hysterie besteht dennoch nicht.... http://www.wams.de/data/2006/01/08/828579.html |