Wer gegen Glaeseker ermittelt, darf bei Wulff nicht untätig bleiben Strafrechtler fordert Ermittlungen im Fall Wulff
Transparenz? Von Christian Wulffs Versprechen, offen mit seiner Kredit- und Medienaffäre umzugehen, ist wenig übriggeblieben, findet der Bochumer Strafrechtler Osman Isfen - und erklärt im Interview, warum die Affäre unbedingt ein Fall für die Staatsanwaltschaft sein müsste.
SPIEGEL ONLINE: Herr Professor Isfen, gegen Bundespräsident Christian Wulff sind seit Bekanntwerden von Details über die Kreditfinanzierung seines Eigenheims zahlreiche Strafanzeigen wegen Vorteilsannahme eingegangen. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat aber bereits wenige Tage später, am 22. Dezember, entschieden, dass man keine Ermittlungen aufnehmen wird. Halten Sie das für richtig?
Isfen: Nein, im Gegenteil, das ist schon ein starkes Stück. Für mich ist bereits die Schnelligkeit, mit der hier den damals bekannten Vorgängen Unbedenklichkeit bescheinigt worden ist, äußerst verwunderlich. Normalerweise nimmt sich eine Staatsanwaltschaft bei solchen Dingen wesentlich mehr Zeit, um zu prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt und damit ein Ermittlungsverfahren einzuleiten ist. Im übrigen dürfte es wohl kein Zufall sein, dass die Mitteilung der Staatsanwaltschaft Hannover gerade an dem Tag erfolgte, an dem auch Wulff in einer persönlichen Erklärung um Nachsicht für sein Verhalten in der Kreditaffäre bat.
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