Presseschau zur Wulff-Erklärung "Ein Befreiungsschlag sieht anders aus"
Die "tageszeitung": Wulff sei nun ein "Bundespräsident, den viele nicht mehr ernst nehmen werden, wenn er über Schulden, Finanzkrise oder Moral in der Politik redet".
Ähnlich urteilt die "Neue Osnabrücker Zeitung: Wulff habe mit seiner Erklärung lediglich Zeit gewonnen. "Er war ein Getriebener, und er wird vorerst ein Getriebener bleiben. Die Recherchen über sein Privatleben werden vermutlich ebenso weitergehen wie die Forderungen an ihn. Ein Befreiungsschlag sieht anders aus als eine Erklärung, die viele Fragen offenlässt."
Für die "Nürnberger Nachrichten" ist Wulffs Erklärung kaum mehr als heiße Luft: "Wie kann ein Profi wie Wulff, der etliche gewichtigere Skandale anderer Politiker mit steilst erhobenem moralischen Zeigefinger kommentiert hat - wie kann ausgerechnet er, ausgerechnet im höchsten Amt, ernsthaft erwarten, er käme durch mit der von ihm gewählten Taktiererei?", empört sich die Zeitung.
Für die "Frankfurter Rundschau" bleiben viele Fragen offen: "Was hat der Bundespräsident zur Sache gesagt? Hat er gesagt, es sei falsch gewesen, private Kredite anzunehmen? Es sei falsch gewesen, sich in luxuriöse Urlaubsdomizile einladen zu lassen? Nein. Das zeigt, dass Wulff nur die Hälfte verstanden hat. Er wird vielleicht in Zukunft vorsichtiger sein. Wirklich klüger ist er nicht."
Die "Welt" sieht in Wulffs Kreditaffäre ein misslungenes Finale für 2011 - es gäbe nach einem Jahr mit Arabischem Frühling, der Katastrophe von Fukushima und der Euro-Krise weit Wichtigeres zu tun, schreibt die Zeitung. "Es war gewissermaßen ein großes Jahr. Es ist ein Jammer, dass es in Deutschland so klein endet: mit einer Affäre, in der es um private Unsauberkeiten, dubiose Freundschaftsnetze und Verstocktheit geht (...) Gerade angesichts der gewaltigen Aufgaben, vor denen wir stehen, ist die Beschädigung des höchsten Amtes im Staat das Letzte, was wir jetzt brauchen. Es ist aber beschädigt. Christian Wulff hat nicht heilen können, was er heilen wollte."
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,805522,00.html |