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Die wichtige 3-Prozent-Marke


04.04.18 11:30
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Situation an den Anleihemärkten hat sich zu Beginn des Jahres erheblich verschärft, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate".

Anfang Februar habe an den Aktienmärkten eine kräftige Korrektur eingesetzt, die nach Meinung zahlreicher Experten eine Reaktion auf die zuvor stark gestiegenen Anleiherenditen gewesen sei. Nachdem es für renditeorientierte Investoren in den vergangenen Jahren an den Bondmärkten wenig zu holen gegeben habe, seien diese in etwas risikoreichere Anlagen wie etwa Aktien ausgewichen. An den weltweiten Aktienmärkten sei es in den vergangenen Jahren daher zu kräftigen Aufwärtsbewegungen gekommen. Aktien hätten lange Zeit als alternativlos gegolten. Würden nun aber die Renditen bei Anleihen steigen, würden festverzinsliche Wertpapiere gerade für Großinvestoren wieder eine lohnende Alternative zu Aktien.

An den Finanzmärkten hätten 10-jährige US-Staatsanleihen dabei eine Signalfunktion. Eine Rendite von 3 Prozent gelte hier als Schlüsselmarke. Das nachhaltige Überqueren dieser Marke könne für ein Umdenken an den Anleihemärkten sorgen. Jüngst sei der T-Note Future, der die Entwicklung von US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren widerspiegele, auf knapp 120 US-Dollar abgesackt, was das tiefste Niveau seit beinahe sieben Jahren bedeutet habe. Die Rendite sei gleichzeitig mit 2,96 Prozent nahe an die richtungsweisende 3-Prozent-Marke und damit auf das höchste Niveau seit mehr als vier Jahren geklettert.

Geschuldet gewesen sei diese Entwicklung den steigenden Zinserwartungen. Der Anfang Februar erschienene US-Arbeitsmarktbericht für Januar habe an den Finanzmärkten die Sorge geschürt, die US-Notenbank (FED) könnte ihre geldpolitischen Zügel schneller anziehen als erwartet. Statt drei Zinserhöhungen in 2018, wie es die durchschnittlichen Projektionen der Notenbank-Mitglieder vorsähen, seien zahlreiche Analysten nun sogar von vier Zinsanpassungen in diesem Jahr ausgegangen. Die US-Wirtschaft habe im Januar mehr Stellen geschafft als erwartet. Gleichzeitig hätten die für die Inflationsentwicklung so wichtigen Stundenlöhne im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent zugelegt, was auf Jahressicht ein Lohnwachstum von 2,9 Prozent bedeutet habe. Der von der US-Notenbank erhoffte Lohndruck schien endlich einzusetzen, was als Startschuss für ein deutliches Anziehen der US-Inflation in den kommenden Monaten gesehen wurde, so die Analysten der BNP Paribas.

Mittlerweile habe sich die Situation jedoch wieder leicht entspannt. 10-jährige US-Staatsanleihen würden aktuell mit 2,85 Prozent rentieren und hätten sich somit wieder etwas von der viel beachteten 3-Prozent-Marke entfernen können. Der Anfang März veröffentlichte US-Jobreport für Februar sei zwar erneut sehr stark ausgefallen, habe aber etwas die Zinssorgen gelindert. Obwohl deutlich mehr Neustellen geschaffen worden sei als erwartet, sei das Lohnwachstum im Februar vergleichsweise schwach ausgefallen und habe mit 0,1 Prozent unterhalb der Markterwartungen gelegen. Auf Jahressicht seien die Löhne damit nur noch um 2,6 Prozent gestiegen, womit der Lohndruck doch weiter auf sich warten lasse. Prompt hätten die Analysten ihre Zinserwartungen gesenkt und würden mehrheitlich nun wieder von drei Zinsschritten in diesem Jahr seitens der US-Notenbank ausgehen.

Die Entwicklung der Löhne dürfte aber auch künftig im Fokus stehen und erheblichen Einfluss auf die Inflationserwartungen haben. Die US-Verbraucherpreise seien im Februar um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, womit die Jahresteuerung auf 2,2 Prozent geklettert sei. Alarmierend sei die Inflationsentwicklung in den USA jedoch noch nicht, was vor allem an der weiterhin bei 1,8 Prozent stagnierenden Kerninflation liege, bei der die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise unberücksichtigt bleiben würden. Die Kerninflation liege damit weiterhin unterhalb des von der US-Notenbank festgelegten Zielwerts von 2 Prozent.

Ein weiterer Zinsschritt auf dem FED-Meeting am 13. Juni werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 75 Prozent eingepreist. Doch was danach passiere, dürfte auch davon abhängen, wie sich die USA im drohenden Handelskonflikt verhalten würden. Durch das Verhängen von Strafzöllen auf in die USA eingeführte Stahl- und Aluminiumprodukte könnte US-Präsident Donald Trump einen Handelskrieg mit Europa und China angezettelt haben. Bisher hätten die Europäische Union (EU) und China lediglich mit Gegenmaßnahmen gedroht. Hier könnte sich natürlich etwas entwickeln, was erheblichen Einfluss auf die Volkswirtschaften nehmen dürfte.

Trump habe bereits angekündigt, auf Gegenmaßnahmen entsprechend reagieren zu wollen und bei Bedarf auch auf Autoimporte Strafzölle zu verlangen. Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) würden bei einem Handelskrieg zwischen den USA und Europa die Unternehmen und die Verbraucher auf beiden Seiten die Verlierer sein und durch höhere Preise die Zeche zahlen. Höhere Preise könnten die Inflationsentwicklung beschleunigen, was sich zumindest in den USA unmittelbar in höheren Zinsen niederschlagen dürfte.

In Europa sei eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin nicht in Sicht. Auf der jüngsten EZB-Sitzung am 8. März hätten die europäischen Währungshüter die Leitzinsen wie erwartet unangetastet gelassen. In ihrem Begleitkommentar hätten sie allerdings den Passus gestrichen, wonach sich die EZB vorbehalte, den Umfang des Wertpapieraufkaufprogramms jederzeit auszuweiten. Die Streichung des so genannten "Easing Bias" sei von einigen Volkswirten angesichts des grundsätzlich verbesserten Konjunkturumfelds jedoch als längst überfällig bezeichnet worden und lasse ihrer Meinung nach noch nicht zwingend auf eine restriktivere Geldpolitik der EZB in naher Zukunft schließen. Dazu habe die Bestätigung gepasst, dass die EZB die Anleihekäufe im Wert von 30 Milliarden Euro monatlich bis Ende September 2018 oder darüber hinaus fortsetzen werde.

Wenige Tage später habe EZB-Präsident Mario Draghi zusätzlich die Erwartungen eines raschen Endes der Geldflut gebremst. Draghi habe klargestellt, dass die EZB ihre extrem lockere Geldpolitik erst dann etwas zurücknehmen werde, wenn die Inflation nachhaltig den Zielwert von unter, aber nahe 2 Prozent erreiche. Er habe unterstrichen, dass nicht die aktuelle Inflationsentwicklung entscheidend sondern die mittelfristig absehbare Inflationsentwicklung relevant sei. Diese Aussage habe für eine gewisse Verunsicherung gesorgt, denn die EZB habe im Anschluss an die März-Sitzung ihre Inflationsprognose für 2019 von 1,5 auf 1,4 Prozent gesenkt, weshalb sich eine Zinswende in Europa sogar noch weiter hinauszögern könnte.

Während sich die US-Notenbank bereits mit einer Inflation nahe dem Zielkorridor konfrontiert sehe, würden sich die Verbraucherpreise in der Eurozone weiterhin in die falsche Richtung entwickeln. Im Februar sei die Jahresteuerung sogar auf 1,1 Prozent gesunken und habe wieder das Niveau von vor 16 Monaten erreicht. Vor rund einem Jahr sei die Inflation kurzzeitig bereits auf 1,9 Prozent geklettert. Doch gerade bei Betrachtung der Inflationsentwicklung ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Preise für Lebensmittel, Energie, Alkohol und Tabak falle auf, dass die geldpolitischen Maßnahmen der EZB weiterhin kaum Wirkung zeigen würden.

Aktuell sei ein konkretes Ende des Anleihekaufprogramms also weiterhin nicht absehbar. Doch selbst wenn es wie vorgesehen im September ende, so dürfte die EZB auch noch lange nach Beendigung des Kaufprogramms am Markt aktiv bleiben. Draghi habe zudem bestätigt, dass der Anleihebestand auch danach konstant hoch gehalten und das Kapital auslaufender Anleihen wieder reinvestiert werden solle. Die Höhe der bereits begonnenen "Reinvestitionspolitik" habe Draghi allein von März 2018 bis Februar 2019 auf 167 Milliarden Euro beziffert.

An den europäischen Anleihemärkten sei zuletzt wieder Ernüchterung eingekehrt. Die Rendite 10-jähriger Euro-Anleihen, die Anfang Februar kurzzeitig über 0,8 Prozent geklettert sei, notiere mittlerweile wieder unterhalb von 0,6 Prozent. Auch der Markt habe sich somit von einer baldigen Zinswende in der Eurozone wieder distanziert. (Ausgabe April 2018) (04.04.2018/alc/a/a)