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Die jüngste Zinssenkung der EZB könnte die letzte gewesen sein


07.03.25 10:30
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen von Trumps Zollpolitik verunsichern die Marktteilnehmer. Wir sind eher der Meinung, dass der Einfluss der Zölle auf die Inflation genauso groß oder sogar größer sein wird als die Konsequenzen für die Konjunktur, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei RBC BlueBay Asset Management.

Angesichts eines wahrscheinlichen Anstiegs des Verbraucherpreisindexes dürfte es für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schwierig werden, die Zinsen in den kommenden Monaten zu senken.

Derweil habe der aller Voraussicht nach künftige deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner fiskalischen Kehrtwende die Weichen für eine deutliche Erhöhung der Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben gestellt - ein Schritt, der aus Sicht von Dowding beispielhaft für die gesamte Europäische Union (EU) sein werde. Er möchte Rüstungsausgaben von mehr als 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von den Regeln der deutschen Schuldenbremse ausnehmen und habe erklärt, er sei in der Lage "alles zu tun, was nötig ist", um die Sicherheit Deutschlands zu gewährleisten.

Die deutschen Gesamtausgaben für Verteidigung und Infrastruktur könnten sich in den kommenden zehn Jahren auf nahezu 1 Billion Euro belaufen. Damit würden die Verteidigungsausgaben der Bundesrepublik im Verhältnis zum BIP auf das gleiche Niveau wie in den USA steigen. Wenn sich diese Maßnahmen auf die gesamte EU ausweiten würden, dürfte das BIP den Schätzungen von Dowding zufolge um 0,7 Prozentpunkte pro Jahr steigen. Dadurch würde das Wachstum von rund 0,8 Prozent im vergangenen Jahr auf etwa 1,5 Prozent klettern. Ebenso sei zu erwarten, dass sich die Inflation in der Eurozone bei etwa 2,5 Prozent einpendeln werde und damit leicht über dem Ziel der EZB liege.

Vor diesem Hintergrund könnte die in dieser Woche vorgenommene Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,75 Prozent auf 2,50 Prozent nach Ansicht von Dowding die letzte in diesem Zyklus sein.

Den Ausblick für den Euro habe Dowding zuvor relativ negativ eingeschätzt. Die Argumente für eine rückläufige Entwicklung der Gemeinschaftswährung seien jedoch nicht mehr stichhaltig.

Dowding sei zwar nach wie vor besorgt über die möglichen Auswirkungen von Zöllen in Europa, wenn man die Exportabhängigkeit der Wirtschaft bedenke. Die Verringerung des Wachstums- und Zinsgefälles zwischen der EU und den USA spreche jedoch für einen positiveren Ausblick für den Euro. Außerdem könnte die weltweit wachsende Geringschätzung der USA zu Umschichtungen bei der Vermögensallokation weg von US-Dollar-Anlagen führen. So sei es bemerkenswert gewesen, dass der norwegische Staatsfonds in dieser Woche davon gesprochen habe, seine US-Investments zu verkaufen, um die Entwicklung der europäischen Verteidigungsindustrie zu unterstützen.

Die weitere Vergemeinschaftung von Schulden in der Eurozone bedeute auch eine gewisse zusätzliche Integration innerhalb der Staatengemeinschaft. Dies könnte sich unter dem Strich positiv auf die Spreads auswirken. Bei Bundesanleihen sei Dowding der Meinung, dass, wenn sich die Geldmarktsätze in der Eurozone bei 2,5 Prozent einpendeln würden, Renditen in Höhe von 3 Prozent längerfristig einen fairen Wert darstellen könnten.

Im Laufe des heutigen Tages würden die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Nächste Woche folge der Verbraucherpreisindex. Mark Dowding, Chief Investment Officer bei RBC BlueBay Asset Management, ist der Meinung, dass die harten Wirtschaftsdaten relativ robust bleiben dürften. Die Marktteilnehmer würden jedoch auf Anzeichen für eine Verlangsamung des Wachstums achten - und dies könnte eine Herausforderung für Risikoanlagen darstellen. (07.03.2025/alc/a/a)