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Dem britischen Anleihenmarkt steht eine Zinssenkung bevor


24.06.16 14:46
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Der Ausgang des Referendums war lange Zeit offen, doch letztlich stimmten die Briten für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Charles Hepworth, Investment Director bei GAM, analysiert die Konsequenzen des britischen "No" zur EU.

"Nach den jüngsten Umfrageergebnissen war die Entscheidung der britischen Bevölkerung für den Austritt aus der EU eine Überraschung. Jetzt rechnen wir mit einer deutlichen Abschwächung des Britischen Pfunds in Richtung Parität zum Euro und um die 1,20 gegenüber dem US-Dollar", erläutere Charles Hepworth.

Auch an der Londoner Börse werde der Brexit voraussichtlich für eine starke Reaktion sorgen: "Mit Blick auf den britischen Aktienmarkt rechnen wir mit relativ starken Kursrückgängen zwischen 15 und 20 Prozent in den nächsten Monaten. Eine Abwärtskorrektur der britischen Wachstumsprognose auf einen annualisierten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 1 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahre ist sehr wahrscheinlich."

Der Experte erkläre weiter: "Die europäischen Aktienmärkte werden ebenfalls enorm unter Druck geraten, da eine Zersplitterung der EU befürchtet wird. Falls für bestimmte Kundenmandate ein Aktienengagement in Großbritannien erforderlich sein sollte, könnte das Large Cap-Marktsegment eine gewisse relative Sicherheit bieten." Insbesondere Nebenwerte dürften den Brexit stark zu spüren bekommen. Allgemein wäre laut Hepworth eine risikoaverse Haltung gegenüber europäischen Aktien zurzeit die vernünftigste Option.

Der britische Anleihenmarkt werde nach der Brexit-Entscheidung nun mit der Möglichkeit eines Anstiegs des Leistungsbilanzdefizits konfrontiert. "Angesichts der drohenden Rezession steht zu erwarten, dass die Bank of England den Leitzins proaktiv in Richtung 0 Prozent senkt. Außerdem wird sie eingreifen müssen, um einen liquiden, geordneten Markt sicherzustellen, da sich viele ausländische Anleger zweifellos zurückziehen werden", sage Hepworth. Aufgrund der zu erwartenden starken Abwertung des Britischen Pfunds werde das Ergebnis des Referendums eine inflationäre Wirkung haben. Zusammen mit dem rückläufigen Wirtschaftswachstum könne so ein stagflationäres Umfeld entstehen, also ein Gesamtumfeld, das durch die Kombination aus Stagnation und Inflation gekennzeichnet sei.

Generell seien das für Anleger schlechte Vorzeichen. Die größere Gefahr für Investments sehe Hepworth dennoch woanders: "Die potenziell stärkeren Risiken bestehen im Hinblick auf die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank und die US-Präsidentschaftswahlen. Beide Faktoren rechtfertigen einen Rückzug von den hohen Aktienengagements, die wir bisher aufrechterhalten haben. Kapitalerhaltung wird in den kommenden Tagen, Monaten und Quartalen das wichtigste Gebot sein. Deshalb werden wir vermutlich stärker auf Gold und andere sichere Anlagen setzen und unsere britischen Ertragswerte fast völlig zugunsten internationalerer Ertragsströme aus den Fonds herausnehmen." (24.06.2016/alc/a/a)