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Ein behutsameres Tapering der FED erwartet
16.09.13 15:54
MFS Investment Management
Boston (www.anleihencheck.de) - Alle Augen sind auf die FED gerichtet, so Robert Spector, CFA Portfolio Manager bei MFS Investment Management.
Gespannt warte man darauf, wer der nächste Chairman sein werde. Ein noch wichtigeres Thema für die Investoren sei aber das so genannte Tapering. Die Frage sei nicht mehr, ob die FED ihre als QE3 bekannten Anleihekäufe zurückfahre, sondern wann und in welchem Ausmaß. Mittlerweile sei man sich weitgehend einig, dass die Offenmarktausschusssitzung am 17. und 18. September den Beginn des Taperings markieren werde. Immer mehr spiegle sich diese Erwartung auch in den Kursen wider.
Allerdings würden sich die Prognosen darüber unterscheiden, in welchem Umfang die FED die Anleihekäufe verringere. Die meisten Analysten würden offensichtlich einen Rückgang der monatlichen Anleihekäufe von zurzeit 85 Mrd. USD auf 60 bis 65 Mrd. USD erwarten, bis das Programm Mitte 2014 dann endgültig beendet werde. Diese Annahme sei plausibel, doch würden die Experten es auch für denkbar halten, dass die FED die Käufe zunächst weniger stark zurückführe, vielleicht nur auf etwa 70 bis 75 Mrd. USD. Das entspräche einer Verringerung um 10 bis 15 Mrd. USD.
Warum dieser langsame Beginn? Möglicherweise möchte die FED erst wissen, ob die Liquiditätsverknappung über die Rückführung der Anleihekäufe hinausgehe. Aus Sicht der Notenbank sei Tapering nicht gleichbedeutend mit einer Straffung der Geldpolitik. Zu den Investoren sei sie mit dieser Meinung aber noch nicht durchgedrungen. Der Ausverkauf am Rentenmarkt, der Anstieg der Hypothekenzinsen und die Aktienmarktvolatilität würden vermuten lassen, dass allein die vage Ankündigung, das Quantitative Easing gegebenenfalls zu verringern, die Liquidität verknappen könne. Es wäre für die Experten keine Überraschung, wenn sich die FED bemühe, die Auswirkungen des Taperings zu begrenzen, indem sie darauf hinweise, dass die Kurzfristzinsen trotz des bevorstehenden Endes von QE3 kaum steigen dürften.
Nach Angaben von Goldman Sachs entspreche die Liquiditätsverknappung in den USA seit Anfang Mai einer Leitzinserhöhung um etwa 50 Basispunkte. Dies sei viel, wenn man bedenke, dass sich der Konjunkturaufschwung noch immer in Grenzen halte. Zwar sei das annualisierte BIP-Wachstum im zweiten Quartal auf 2,5% heraufrevidiert worden. Doch würden die Investoren für das dritte Quartal erneut mit einem auf das Jahr hochgerechneten Wachstum von weniger als 2% rechnen.
Der zweite Grund für ein sehr behutsames Vorgehen seien die Anzeichen dafür, dass der jüngste Anstieg der US-Staatsanleiherenditen bereits Auswirkungen auf die Konjunktur habe. Da die Hypothekenzinsen gestiegen seien, seien die Verkäufe neuer Häuser im Juli stark eingebrochen. Es seien weniger Hypotheken beantragt worden, für Hauskäufe und Refinanzierungen gleichermaßen. Wenn die FED das Tapering nicht überstürze, könne sie sorgfältiger auf die Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum achten, das schon seit Jahren nicht über 2% hinauskomme.
Der Ausblick der FED und seine Folgen für die internationale Liquidität würden auch Auswirkungen auf die Emerging Markets haben. Die Konsenserwartungen für das Wirtschaftswachstum in diesen Ländern würden weiter zurückgehen. Zunächst habe dies an der schwachen Konjunkturerholung in wichtigen Industrieländern und den schlechten Exportbedingungen gelegen. Zuletzt hätten dann aber abnehmende Kapitalströme in Schwellenländer mit Leistungsbilanzdefiziten für Währungsabwertungen und einen deutlichen Einbruch der lokalen Aktienmärkte gesorgt. Dies und die steigenden Zinsen hätten den Wachstumsaussichten der Emerging Marktes weiter geschadet.
Einige Investoren würden befürchten, dass den Schwellenländern eine erneute Krise ähnlich wie Mitte der 1990er Jahre bevorstehe. Die Experten würden diese Sorgen für völlig unbegründet halten. Ein Dominoeffekt scheine unwahrscheinlich, da sich die Turbulenzen offensichtlich auf Länder mit Leistungsbilanzdefiziten beschränken würden. Die Kapitalzuflüsse in Länder mit Überschüssen wie China hätten sich zuletzt sogar etwas verbessert. Alles in allem scheinen die Schwellenländer heute besser dazustehen als in den 1990ern, so die Experten. Die Fremdwährungsreserven seien höher, die Auslandsverschuldung sei niedriger, die Wechselkurse seien flexibler und der kurzfristige Finanzbedarf sei geringer.
Zwei andere wichtige gesamtwirtschaftliche Entwicklungen seien die Lage im Euroraum und die bevorstehenden neuerlichen Etatauseinandersetzungen in den USA. In Deutschland dürfte Angela Merkel die Bundestagswahlen am 22. September gewinnen, was für die Marktteilnehmer keine Überraschung sein werde. Eine Herausforderung könnten aber jene noch immer ungelösten Probleme sein, die angesichts der bevorstehenden Wahlen ein wenig aus dem Blickfeld geraten seien. Dazu würden die politische Lage in Italien und ein möglicherweise nötiges weiteres Rettungspaket für Griechenland zählen.
Es gebe aber auch etwas Positives zu vermelden: Der Euroraum scheine die Rezession hinter sich gelassen zu haben, sodass die Suche nach Lösungen nicht durch eine schrumpfende Wirtschaft erschwert werde. Unterdessen drohe in diesem Herbst eine erneute heftige Auseinandersetzung über die Schuldenobergrenze in den USA. Wie üblich werde man sich bis zur letzten Minute streiten, was mit gewissen Kursschwankungen einhergehen dürfte. Vielleicht sei auch dies ein Grund für die FED, es erst einmal langsam angehen zu lassen. (16.09.2013/alc/a/a)
Gespannt warte man darauf, wer der nächste Chairman sein werde. Ein noch wichtigeres Thema für die Investoren sei aber das so genannte Tapering. Die Frage sei nicht mehr, ob die FED ihre als QE3 bekannten Anleihekäufe zurückfahre, sondern wann und in welchem Ausmaß. Mittlerweile sei man sich weitgehend einig, dass die Offenmarktausschusssitzung am 17. und 18. September den Beginn des Taperings markieren werde. Immer mehr spiegle sich diese Erwartung auch in den Kursen wider.
Allerdings würden sich die Prognosen darüber unterscheiden, in welchem Umfang die FED die Anleihekäufe verringere. Die meisten Analysten würden offensichtlich einen Rückgang der monatlichen Anleihekäufe von zurzeit 85 Mrd. USD auf 60 bis 65 Mrd. USD erwarten, bis das Programm Mitte 2014 dann endgültig beendet werde. Diese Annahme sei plausibel, doch würden die Experten es auch für denkbar halten, dass die FED die Käufe zunächst weniger stark zurückführe, vielleicht nur auf etwa 70 bis 75 Mrd. USD. Das entspräche einer Verringerung um 10 bis 15 Mrd. USD.
Warum dieser langsame Beginn? Möglicherweise möchte die FED erst wissen, ob die Liquiditätsverknappung über die Rückführung der Anleihekäufe hinausgehe. Aus Sicht der Notenbank sei Tapering nicht gleichbedeutend mit einer Straffung der Geldpolitik. Zu den Investoren sei sie mit dieser Meinung aber noch nicht durchgedrungen. Der Ausverkauf am Rentenmarkt, der Anstieg der Hypothekenzinsen und die Aktienmarktvolatilität würden vermuten lassen, dass allein die vage Ankündigung, das Quantitative Easing gegebenenfalls zu verringern, die Liquidität verknappen könne. Es wäre für die Experten keine Überraschung, wenn sich die FED bemühe, die Auswirkungen des Taperings zu begrenzen, indem sie darauf hinweise, dass die Kurzfristzinsen trotz des bevorstehenden Endes von QE3 kaum steigen dürften.
Der zweite Grund für ein sehr behutsames Vorgehen seien die Anzeichen dafür, dass der jüngste Anstieg der US-Staatsanleiherenditen bereits Auswirkungen auf die Konjunktur habe. Da die Hypothekenzinsen gestiegen seien, seien die Verkäufe neuer Häuser im Juli stark eingebrochen. Es seien weniger Hypotheken beantragt worden, für Hauskäufe und Refinanzierungen gleichermaßen. Wenn die FED das Tapering nicht überstürze, könne sie sorgfältiger auf die Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum achten, das schon seit Jahren nicht über 2% hinauskomme.
Der Ausblick der FED und seine Folgen für die internationale Liquidität würden auch Auswirkungen auf die Emerging Markets haben. Die Konsenserwartungen für das Wirtschaftswachstum in diesen Ländern würden weiter zurückgehen. Zunächst habe dies an der schwachen Konjunkturerholung in wichtigen Industrieländern und den schlechten Exportbedingungen gelegen. Zuletzt hätten dann aber abnehmende Kapitalströme in Schwellenländer mit Leistungsbilanzdefiziten für Währungsabwertungen und einen deutlichen Einbruch der lokalen Aktienmärkte gesorgt. Dies und die steigenden Zinsen hätten den Wachstumsaussichten der Emerging Marktes weiter geschadet.
Einige Investoren würden befürchten, dass den Schwellenländern eine erneute Krise ähnlich wie Mitte der 1990er Jahre bevorstehe. Die Experten würden diese Sorgen für völlig unbegründet halten. Ein Dominoeffekt scheine unwahrscheinlich, da sich die Turbulenzen offensichtlich auf Länder mit Leistungsbilanzdefiziten beschränken würden. Die Kapitalzuflüsse in Länder mit Überschüssen wie China hätten sich zuletzt sogar etwas verbessert. Alles in allem scheinen die Schwellenländer heute besser dazustehen als in den 1990ern, so die Experten. Die Fremdwährungsreserven seien höher, die Auslandsverschuldung sei niedriger, die Wechselkurse seien flexibler und der kurzfristige Finanzbedarf sei geringer.
Zwei andere wichtige gesamtwirtschaftliche Entwicklungen seien die Lage im Euroraum und die bevorstehenden neuerlichen Etatauseinandersetzungen in den USA. In Deutschland dürfte Angela Merkel die Bundestagswahlen am 22. September gewinnen, was für die Marktteilnehmer keine Überraschung sein werde. Eine Herausforderung könnten aber jene noch immer ungelösten Probleme sein, die angesichts der bevorstehenden Wahlen ein wenig aus dem Blickfeld geraten seien. Dazu würden die politische Lage in Italien und ein möglicherweise nötiges weiteres Rettungspaket für Griechenland zählen.
Es gebe aber auch etwas Positives zu vermelden: Der Euroraum scheine die Rezession hinter sich gelassen zu haben, sodass die Suche nach Lösungen nicht durch eine schrumpfende Wirtschaft erschwert werde. Unterdessen drohe in diesem Herbst eine erneute heftige Auseinandersetzung über die Schuldenobergrenze in den USA. Wie üblich werde man sich bis zur letzten Minute streiten, was mit gewissen Kursschwankungen einhergehen dürfte. Vielleicht sei auch dies ein Grund für die FED, es erst einmal langsam angehen zu lassen. (16.09.2013/alc/a/a)


