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Zinssenkungen besser später als zu früh
01.03.24 10:44
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB wird bei der kommenden Sitzung am 7. März die Leitzinsen wahrscheinlich auf dem aktuellen Niveau belassen, so Dr. Cyrus de la Rubia und Nils Müllervon der Hamburg Commercial Bank.
Dies habe eine deutliche Mehrheit von 76% der EZB-Ratsmitglieder signalisiert. Lediglich 19% des EZB-Gremiums würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank so einschätzen, dass sie sich bei der Sitzung für eine Senkung der Leitzinsen einsetzen könnten. Die Einschätzung der Hamburg Commercial Bank beruhe auf einer gründlichen Analyse der jüngsten Reden und Interviews der Ratsmitglieder.
Seit September letzten Jahres lägen die EZB-Leitzinsen unverändert bei 4,00% (Zinssatz für die Einlagefazilität) und 4,50% (Hauptfinanzierungszinssatz). Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden erwarten, dass die EZB eine erste Zinssenkung im Juni 2024 vornehmen werde, gefolgt von einer weiteren im September desselben Jahres.
Kurz vor der anstehenden Sitzung hätten sich die Vertreter der EZB deutlicher dazu geäußert, wo sie die Zinssätze in diesem Jahr sähen. Die Debatte konzentriere sich größtenteils auf die Frage, wann die erste Zinssenkung erfolgen werde. Obwohl einige Ratsmitglieder auch Präferenzen für frühere oder spätere Maßnahmen geäußert hätten, scheine der Juni als Zeitpunkt plausibel. Bei vielen Mitgliedern des EZB-Rats bestehe derzeit noch die Sorge, dass wachsende Löhne den Rückgang der Inflationsrate verlangsamen könnten. Im Mai werde die EZB jedoch über die Lohndaten des ersten Quartals von 2024 verfügen und damit bei der Juni-Sitzung mehr Gewissheit über die weitere Entwicklung der Inflationsrate haben.
Auch die Aussagen von Joachim Nagel, dem deutschen Vertreter im EZB-Rat, würden zum Szenario für den Juni passen. Auf die Frage, wie er die Neubewertung der Finanzmärkte empfinde, die nun Zinssenkungen für den Juni und nicht mehr für den April einpreisen würden, habe er geantwortet: "Ich fühle mich wohler damit." Die Tatsache, dass er diese Spekulation über baldige Zinssenkungen nicht zurückgewiesen habe, verdeutliche eine mögliche Neuausrichtung der EZB im Sommer dieses Jahres.
Trotzdem habe Nagel Mitte Februar gewarnt: "Basierend auf vergangenen Erfahrungen war es oft schmerzhafter, wenn man die Zinssätze zu früh senkte und dann möglicherweise in eine Phase geriet, in der die Preise stiegen und man dann Gegenmaßnahmen ergreifen musste." Weiterhin habe er betont, dass es "eine effektivere Strategie ist, hartnäckiger zu sein, länger auf einem bestimmten Zinsniveau zu verharren und dann erst zu einem späteren Zeitpunkt zu handeln."
Im starken Kontrast zu Nagels Ansicht stünden die Aussagen von Mário Centeno, dem portugiesischen Notenbankchef, der kürzlich gesagt habe: "Der März ist der Zeitpunkt, an dem wir die größte Menge neuer Daten vorliegen haben - einige Daten könnten uns dazu veranlassen, bereits im März über Zinssenkungen zu diskutieren." Er begründe seinen Standpunkt damit, dass die Inflation in den letzten Monaten durchweg unter den Prognosen der EZB gelegen habe und dass "die Inflation sogar irgendwann in diesem Jahr unter 2% liegen könnte - wenn auch nur vorübergehend - und dann um 2% schwanken könnte," was dem Ziel der EZB entspräche.
Obwohl bei der kommenden EZB-Sitzung keine neuen Entscheidungen seitens der EZB zu erwarten seien, werde der 7. März trotzdem spannend sein, da an diesem Tag auch neue Projektionen des EZB-Stabs veröffentlicht würden. Aufgrund der niedrigeren Energiepreise würden die neuen Projektionen wahrscheinlich eine Abwärtskorrektur der Inflation für 2024 zeigen. Zuletzt, d.h. im Januar, habe die Gesamtinflationsrate der Eurozone bei 2,8% YoY im Vergleich zu 2,9% im Vormonat gelegen. Auch unser Nowcasting-Modell prognostiziert einen Wert von 2,6% für den Februar, was darauf hindeutet, dass sich der Abwärtstrend der Inflationsrate fortsetzen könnte, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Das Lieblingszitat der Analysten der Hamburg Commercial Bank sei von Mārtiņ Kazāks (lettischer Notenbankchef): "That dragon has been pushed to the ground, but it has not been killed yet. The nature of inflation is insidious. Therefore, we will need to be patient a while longer. But the good news is that inflation has come down sharply and monetary policy has helped push it down. Once there is confidence that inflation has been killed, (interest) rates will come down." (01.03.2024/alc/a/a)
Dies habe eine deutliche Mehrheit von 76% der EZB-Ratsmitglieder signalisiert. Lediglich 19% des EZB-Gremiums würden die Analysten der Hamburg Commercial Bank so einschätzen, dass sie sich bei der Sitzung für eine Senkung der Leitzinsen einsetzen könnten. Die Einschätzung der Hamburg Commercial Bank beruhe auf einer gründlichen Analyse der jüngsten Reden und Interviews der Ratsmitglieder.
Seit September letzten Jahres lägen die EZB-Leitzinsen unverändert bei 4,00% (Zinssatz für die Einlagefazilität) und 4,50% (Hauptfinanzierungszinssatz). Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden erwarten, dass die EZB eine erste Zinssenkung im Juni 2024 vornehmen werde, gefolgt von einer weiteren im September desselben Jahres.
Kurz vor der anstehenden Sitzung hätten sich die Vertreter der EZB deutlicher dazu geäußert, wo sie die Zinssätze in diesem Jahr sähen. Die Debatte konzentriere sich größtenteils auf die Frage, wann die erste Zinssenkung erfolgen werde. Obwohl einige Ratsmitglieder auch Präferenzen für frühere oder spätere Maßnahmen geäußert hätten, scheine der Juni als Zeitpunkt plausibel. Bei vielen Mitgliedern des EZB-Rats bestehe derzeit noch die Sorge, dass wachsende Löhne den Rückgang der Inflationsrate verlangsamen könnten. Im Mai werde die EZB jedoch über die Lohndaten des ersten Quartals von 2024 verfügen und damit bei der Juni-Sitzung mehr Gewissheit über die weitere Entwicklung der Inflationsrate haben.
Trotzdem habe Nagel Mitte Februar gewarnt: "Basierend auf vergangenen Erfahrungen war es oft schmerzhafter, wenn man die Zinssätze zu früh senkte und dann möglicherweise in eine Phase geriet, in der die Preise stiegen und man dann Gegenmaßnahmen ergreifen musste." Weiterhin habe er betont, dass es "eine effektivere Strategie ist, hartnäckiger zu sein, länger auf einem bestimmten Zinsniveau zu verharren und dann erst zu einem späteren Zeitpunkt zu handeln."
Im starken Kontrast zu Nagels Ansicht stünden die Aussagen von Mário Centeno, dem portugiesischen Notenbankchef, der kürzlich gesagt habe: "Der März ist der Zeitpunkt, an dem wir die größte Menge neuer Daten vorliegen haben - einige Daten könnten uns dazu veranlassen, bereits im März über Zinssenkungen zu diskutieren." Er begründe seinen Standpunkt damit, dass die Inflation in den letzten Monaten durchweg unter den Prognosen der EZB gelegen habe und dass "die Inflation sogar irgendwann in diesem Jahr unter 2% liegen könnte - wenn auch nur vorübergehend - und dann um 2% schwanken könnte," was dem Ziel der EZB entspräche.
Obwohl bei der kommenden EZB-Sitzung keine neuen Entscheidungen seitens der EZB zu erwarten seien, werde der 7. März trotzdem spannend sein, da an diesem Tag auch neue Projektionen des EZB-Stabs veröffentlicht würden. Aufgrund der niedrigeren Energiepreise würden die neuen Projektionen wahrscheinlich eine Abwärtskorrektur der Inflation für 2024 zeigen. Zuletzt, d.h. im Januar, habe die Gesamtinflationsrate der Eurozone bei 2,8% YoY im Vergleich zu 2,9% im Vormonat gelegen. Auch unser Nowcasting-Modell prognostiziert einen Wert von 2,6% für den Februar, was darauf hindeutet, dass sich der Abwärtstrend der Inflationsrate fortsetzen könnte, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Das Lieblingszitat der Analysten der Hamburg Commercial Bank sei von Mārtiņ Kazāks (lettischer Notenbankchef): "That dragon has been pushed to the ground, but it has not been killed yet. The nature of inflation is insidious. Therefore, we will need to be patient a while longer. But the good news is that inflation has come down sharply and monetary policy has helped push it down. Once there is confidence that inflation has been killed, (interest) rates will come down." (01.03.2024/alc/a/a)


