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Zinsen 2026: Fed vor 100 Basispunkten Senkung, Bund bei 2,55%?


03.03.26 10:37
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Wie von den Analysten der National-Bank AG erwartet, hat sich der Trend zu weiter rückläufigen Zinssätzen weltweit fortgesetzt.

Die globale Benchmark in Form der US-Treasuries 10-jähriger Laufzeit habe zuletzt (bereits deutlich vor Ausbruch der Kampfhandlungen) wieder klar unter 4,0% rentiert - das seien mittlerweile rund 110 Basispunkte unterhalb der Top-Stände in der gesamten Post-Corona-Zeit - und auch deutlich unterhalb des Bloomberg-Konsensus um 4,5% im Jahresmittel 2025! Diese Entwicklung dürfte sich auch im Jahre 2026 fortsetzen, vor allem da sich die Inflation weltweit ungebrochen auf dem Rückzug befinde und sich den Zielvorgaben der Zentralbanken angenähert habe. Die Disinflation spiegele dabei verschiedene Faktoren auf globaler Ebene wider, darunter die - zumindest bis dato - sinkenden Energiepreise, eine geringe konjunkturelle Dynamik in Europa und eine post-coronär disinflationäre Konstellation in Asien.

Höhere Zölle hätten zuletzt zwar zu einem leichten Anstieg der US-Wareninflation beigetragen, dieser Effekt sei jedoch unter anderem durch die Bevorratung von Waren abgemildert worden. Auch bei der Preisentwicklung spiele eine sich sogar noch intensivierende globale Arbeitsteilung bei intakten Lieferketten eine zentrale Rolle: So seien die Lieferketten weltweit derzeit in Bestform - Versorgungsengpässe seien - zumindest bis zuletzt - kaum feststellbar gewesen, im Gegenteil würden etwa die Lieferzeiten rund um den Globus weit unterdurchschnittlich bleiben. Vorbehaltlich eines langanhaltenden Nahost-Krieges sei somit auch weiterhin davon auszugehen, dass die Inflation weltweit weiter sinken werde.

Für die Projektion des konkreten Disinflationspfades in den Industrienationen zentral sei nach Einschätzung der Analysten hier aber vor allem, dass sich der Auslastungsgrad insbesondere am amerikanischen Arbeitsmarkt - aber zusehends auch in Europa - weiter spürbar vermindere. Dies sei entscheidend dafür, dass die Inflationsimpulse vom Lohnsetzungsprozess weiter rückläufig bleiben würden und der unterliegende Kernpreistrend weiter abwärtsgerichtet bleibe. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten weiterhin davon ausgehen, dass die amerikanische Notenbank ihre Leitzinssätze im weiteren Verlauf um 75-100 Basispunkte ermäßigen werde.

Wenn die Term Spreads konstant bleiben würden, wäre somit davon auszugehen, dass die Abwärtsbewegung am kurzen Ende auch die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen am "langen Ende" der Fristenskala dominiere. Signifikant sei hier in den letzten Tagen diesbezüglich festzustellen gewesen, dass die Termspreads zumindest in zeitlicher Folge der Ablehnung der Zölle durch den US Supreme Court wieder spürbar zurückgegangen seien. Die Analysten würden weiterhin grundsätzlich davon ausgehen, dass die Abschwächung der amerikanischen Konjunktur aufgrund der Dysfunktionalität der amerikanischen Wirtschaftspolitik auch den Termspread dominieren werde: Letztlich entscheidend sei hier der Kräftesaldo für die Inflationsentwicklung, die abermalige Zunahme der handelspolitischen Unsicherheit dürfte vor allem die US-Wirtschaft signifikant treffen.

Auch auf den europäischen Zinsstrukturkurven sei die Verringerung der Laufzeitenprämien zuletzt deutlich spürbar gewesen, letztlich würden beide Zinsstrukturkurven offenkundig auf die gleichen (globalen) Bestimmungsfaktoren (bzw. deren Hauptkomponenten) reagieren. Nach den Simulationen der Analysten dürfte somit auch in der Eurozone letztendlich die Inflationsentwicklung für die Laufzeitenprämien maßgeblich sein - und hier nähmen die Risiken zumindest für ein Unterschreiten der Inflationsziele mit der Abschwächung der US-Wirtschaft weiter zu: Allein seit dem Amtsantritt Trumps habe der Euro um weitere 15% aufgewertet, sodass sich die Gefahren für ein Unterschießen der Inflation weiter potenzieren würden.

Die Zinsvorgaben der EZB seien zwar bereits näher an ihren langfristigen Mittelwerten als in den USA. Gleichwohl sei davon auszugehen, dass eine absehbar nachhaltige Unterschreitung der Inflationsziele auch die EZB relativ rasch zu weiteren Zinssenkungen nötigen würde: Hintergrund sei der Umstand, dass natürlich auch die EZB nicht genau wisse, wo die gleichgewichtigen (realen) Soll-Zinssätze lägen. Insofern sei im Ergebnis davon auszugehen, dass die Entwicklung der US-Kapitalmarktzinsen bis auf Weiteres etwas gedämpfter auf das lange Ende in Europa durchschlagen werde. In dem Moment aber, wo absehbar würde, dass die europäischen Inflationsraten signifikant unterschössen, dürfte sich die gesamte europäische Zinsstrukturkurve relativ zügig und spürbarer abwärts in Bewegung setzen. Dabei bleibe insbesondere abzuwarten, wie preistreibend die staatlichen Fiskalprogramme auf der gesamteuropäischen Ebene wirken würden. Im Ergebnis werde die US-Notenbank höchstwahrscheinlich eine ganze Kette von weiteren Zinssenkungen vornehmen.

Bei zunächst konstanten EZB-Vorgaben bleibe auch der Generaltrend auf der europäischen Kurve, wenn auch zunächst nur moderat, abwärtsgerichtet. Die zehnjährigen US-Renditen sollten in einer wahrscheinlichkeitsgewichteten Projektion verschiedener wirtschaftspolitischer Szenarien bzw. der jeweiligen Entwicklung der maßgeblichen Zinsdeterminanten auf Jahressicht bei Werten um 3,75% liegen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen dürfte - ebenfalls szenariobasiert - auf Jahressicht bei Werten um 2,55% liegen.

Die gesamteuropäischen Risikoprämien hätten mit aktuellen Werten um 58 Basispunkten in den letzten Tagen wieder etwas angezogen, dies dürfte auch auf die abermaligen Zollunsicherheiten und den Krieg in Nahost zurückzuführen sein. Derzeit sähen die Analysten die Spreads auf Basis ihrer Simulationen leicht überzogen, die Risikoprämien sollten also wieder stärker sinken können - faire Werte sähen sie derzeit bei knapp 48 Basispunkten. (Ausgabe vom 02.03.2026) (03.03.2026/alc/a/a)