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Zahlungsunfähigkeit der USA ist äußerst unwahrscheinlich


21.04.23 11:00
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Schwankungen an den Finanzmärkten haben sich in der vergangenen Woche weiter abgeschwächt, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Der Volatilitätsindex VIX sei auf ein Niveau gefallen, das zuletzt Ende 2021 zu beobachten gewesen sei. Die Spannungen im Finanzsektor würden nachlassen. Dazu beigetragen hätten robuste Gewinne der Institute. Diese würden unterstreichen, dass die Banken weiterhin gut kapitalisiert und grundsätzlich in gutem Zustand seien.

In der vergangenen Woche seien in den USA nur wenige Wirtschaftsdaten veröffentlicht worden. Derweil habe sich die Erwartung einer letzten Zinserhöhung durch die US-Notenbank FED verfestigt. Grund sei die Einschätzung, dass die Wirtschaft weiterhin in Schwung bleibe. Man sehe aber Anzeichen dafür, dass sich die Nachfrage abkühle und aufgrund der strengeren Finanzierungsbedingungen die Kreditvergabe der Banken in den nächsten Quartalen abnehmen dürfte.

Niedrigere Steuereinnahmen aufgrund geringerer Kapitalgewinne der Privathaushalte im vergangenen Jahr würden darauf hindeuten, dass sich das Wachstum der verfügbaren Einkommen verlangsamt habe. Das könnte den Konsum belasten. Vor diesem Hintergrund würden die Experten davon ausgehen, dass die Konjunktur in den kommenden Monaten schwächer und die US-Wirtschaft gegen Ende des Jahres in eine Rezession abgleiten werde.

Geringere Steuereinnahmen in den USA würden auch dafür sprechen, dass der US-Regierung bis Ende Juni das Geld ausgehen könnte - wenn keine Einigung über die Anhebung der Schuldenobergrenze erzielt werde. Bei ersten Diskussionen im Kongress hätten die Republikaner eine deutliche Erhöhung vorgeschlagen und würden im Gegenzug eine Kürzung der Staatsausgaben fordern. Das sei vom Weißen Haus rundweg abgelehnt worden.

Aufgrund der politischen Dysfunktionalität würden sowohl die Demokraten als auch die Republikaner die Diskussionen in der Hoffnung auf einen politischen Vorteil wahrscheinlich bis zum Äußersten treiben. Die Experten würden eine Zahlungsunfähigkeit aber weiterhin für äußerst unwahrscheinlich halten. Der Druck nehme jedoch zu und aufgrund der schwächeren Steuereinnahmen müsse nun noch schneller ein Kompromiss gefunden werden.

Die Ungewissheit bezüglich der Schuldenobergrenze könnte daher in den kommenden ein bis zwei Monaten Risikoanlagen belasten. Das dürfte aber kein langfristiger oder dauerhafter Zustand sein.

In Japan würden aktuelle Daten weiterhin den Inflationsdruck im Lande verdeutlichen. Das Wachstum der Kernpreise sei so hoch wie seit 1981 nicht mehr. Es bestehe grundsätzlich kein Zweifel daran, dass die wirtschaftlichen Bedingungen ganz andere seien als bei der Einführung der Zinskurvenkontrolle (Yield Curve Control, YCC) im Jahr 2016.

Unter diesem Gesichtspunkt scheine es breiter Konsens zu sein, dass Zentralbankgouverneur Kazuo Ueda die YCC-Politik bald beenden und einen Weg der allmählichen geldpolitischen Normalisierung einschlagen werde. Dieser könnte Anfang nächsten Jahres zu einer Anhebung der Leitzinsen führen.

Ungeachtet dessen herrsche weithin Einigkeit darüber, dass eine Änderung der Politik auf der Juni-Sitzung und nicht auf der April-Sitzung in der kommenden Woche erfolgen dürfte. (21.04.2023/alc/a/a)