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Wirtschaft- und Finanzmarktausblick: 2019 - eine Geschichte in zwei Kapiteln


15.01.19 10:30
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft startet in eine Spätphase des Konjunkturzyklus und das globale Wachstum dürfte sich in diesem Jahr weiter abschwächen, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

2019 könnte sich als eine Geschichte in zwei Kapiteln erweisen, mit einer weiter nachlassenden Wachstumsdynamik in der ersten Jahreshälfte, als Spiegel einer weltweit geringeren Liquidität und einer schwächeren chinesischen Binnennachfrage. Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte dürfte das weltweite Wirtschaftswachstum etwas an Fahrt aufnehmen, nachdem Chinas gelockerte Politik Wirkung zeige und die Auswirkungen der jüngst gestrafften internationalen Finanzmarktbedingungen etwas moderater ausfallen würden.

Die USA dürften sich weiterhin über dem Trendwachstum entwickeln, wobei ein starker Arbeitsmarkt für höhere Löhne und eine weitere Straffung der US-Geldpolitik sorgen dürfte. Gleichzeitig sei davon auszugehen, dass die EZB und die SNB die Zinsen gegen Jahresende einmal anheben würden. Dieses Szenario möge die Anleger zwar herausfordern, doch Bärenmärkte seien selten außerhalb einer Rezession.

Die Analysten würden die Möglichkeit einer Rezession in den USA für dieses Jahr weiterhin als gering einschätzen, zumal die Marktkorrektur zum Jahresende 2018 überzogen gewesen sei. Allerdings würden die Analysten weiterhin mit stark volatilen Märkten rechnen, was den Schweizer Franken noch etwas weiter nach oben treiben dürfte. Die Entwicklung an den Schweizer Aktienmärkten dürfte parallel zu den europäischen Märkten verlaufen. Die Analysten würden dem Anleger empfehlen, bei Schweizer Werten eher auf Unternehmen mit defensivem Profil zu setzen.

Dazu Dr. Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin: "Die Weltwirtschaft startet in eine spätere Konjunkturphase. Engere Arbeitsmärkte und eine höhere Kapazitätsauslastung dürften das Wachstum zunehmend belasten und die Inflation nach oben treiben. Die Zentralbanken - allen voran die FED - werden die geldpolitischen Zügel voraussichtlich weiter straffen. Dies birgt größere Herausforderungen für den Anleger an den Aktien- und auch an den Anleihemärkten."

Dazu Dr. Jan Amrit Poser, Chefstratege und Leiter Nachhaltigkeit der Bank J. Safra Sarasin: "Zu Beginn des neuen Jahres scheinen sich die Finanzkommentatoren in zwei Lager zu spalten. Jene, die sich vorwiegend auf die Zahlen und Fakten der Realwirtschaft stützen, verweisen auf die dynamische globale Wachstumsrate, während jene, die mehr auf die geldpolitischen Aspekte als auf Fundamentaldaten setzen, die Lage eher düster beschreiben. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen."

Die Anlageempfehlungen der Analysten für 2019:

- Weiterhin hohe Marktvolatilität; Aktienmärkte würden in enger Bandbreite performen.
- Bei den Aktienwerten würden die Analysten die Emerging Markets präferieren; ihre Bewertungen seien inzwischen interessant, da ein Großteil der negativen Nachrichten bereits eingepreist worden seien.
- Defensive Werte wie Konsumgüter oder Telekomwerte sollten in dieser konjunkturellen Spätphase relativ gut abschneiden.
- Auf lokale Währung lautende Emerging Market-Anleihen würden attraktivere Renditen und günstigere Bewertungen bieten.
- Die Analysten würden davon ausgehen, dass der Euro in 2H/19 zum Dollar zulege, da die Renditespreads zusammenlaufen würden.

Unsere Fundamentalanalyse hat längerfristige Trends identifiziert, die sich auf unsere Wirtschaft auswirken, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG. Dazu würden u. a. das Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung oder die kohlenstoffarme Wirtschaft zählen. Daher würden sich die Analysten auf Unternehmen mit nachhaltigen neuen Technologien in Bereichen wie erneuerbare Energien, Regenwassernutzung, C02-Recycling, Urban Farming und 3D-Druck konzentrieren. (Ausgabe vom 14.01.2019) (15.01.2019/alc/a/a)